Montag, Dezember 31, 2007

Wirklich schon wieder ein Jahr

Eben wachte ich aus meinem Winterschlaf kurz auf, weil mein Unterbewußtsein mit großem Enthusiasmus und erstaunlicher Textsicherheit, gepaart mit der obersten Lautstärke, die man mit seinen eigenen Gedanken im Kopf zu erreichen vermag, ein Liedchen gröhlte.

Von Reinhard Mey, bei dem ich den Text jetzt eben schamlos mopste in der Hoffnung, dass er mir den Diebstahl gutmütig abnickt:

Ist das schon so lange her?
Wirklich schon wieder ein Jahr?
Noch weht mir der Wind von der See her entgegen,
Noch finde ich Sand in meinen Hosenumschlägen
Und Dünengras in meinem Haar,
Spür‘ auf den Lippen das Meer;
Wirklich schon wieder ein Jahr?

Wirklich schon wieder ein Jahr?
Ist es schon wieder so spät?
Mir taut noch der Vorjahrsschnee von meiner Mütze,
Um meine Schuhe entsteht eine Pfütze
Auf dem gewachsten Parkett,
Werd‘ ich den Winter gewahr.
Wirklich schon wieder ein Jahr?

Wirklich schon wieder ein Jahr?
Ist also morgen schon heut?
Noch schwirren vom vorigen Sommer die Mücken
Um meinen Kopf, meine Finger zerpflücken
Akazienblätter zerstreut:
Ein wenig, von Herzen ... ist‘s wahr?
Wirklich schon wieder ein Jahr?
Die Tage hab‘ ich nicht gezählt.
Noch raschelt verwelktes Laub unter den Schritten,
Im vorigen Herbst von der Hecke geschnitten.
Noch glimmt Erntefeuer im Feld,
Flammenlos, kaum wahrnehmbar.

Bin immer noch der ich war,
Erwachsener werd‘ ich wohl nicht.
Ich hab‘ einen Jahresring mehr wie die Bäume,
Eine dickere Rinde, ein paar neue Träume.
Und Lachfalten mehr im Gesicht.
Wirklich schon wieder ein Jahr?

Wirklich schon wieder ein Jahr!


Ich habe nämlich einmal gelesen, daß das Unterbewußtsein einen erst mit einem Ohrwurm in Ruhe läßt, wenn man das Lied einmal ganz durchgesungen hat. Das sei hiermit getan.

Und weil es gerade passt und natürlich nicht ganz unabsichtlich, wünsche ich jedem von Euch für 2008 so viel Gutes, wie grad noch zu ertragen ist und so wenig Schlechtes, dass ihr am Ende des neuen Jahres zurückschaut und denkt: "Huch? Schon wieder vorbei? Schade. Das war ein gutes Jahr."

In diesem Sinne. Rutscht gut rein.

Montag, November 26, 2007

Winterschlaf

Nein, keine Schreibblockade und auch sonst bewegt sich alles im grünen Bereich. Ich bin auch nicht plötzlich erblindet und mein Computer ist auch nicht kaputt. Ich bin nur müde. Akut blogmüde.

Wintermüde. Weihnachtsmüde. Und wenn mir jetzt noch ein Müde mit "W" einfallen würde, könnte ich noch extrem originell auf www-müde ableiten.

Sobald ich wieder wach bin, meld ich mich.

Aber eine Frage hab ich noch. So kurz vorm Frühjahrsputz: Hand aufs Herz, wie oft wischt ihr euren Fußboden feucht auf? Leser mit Teppichboden sind von der Beantwortung der Frage befreit.

Donnerstag, November 15, 2007

Bibber

Jungejunge, das wird ganz schön kalt hier in Deutschlands Norden. Nach dem Piescherwinter vom letzten Jahr - doch Leute, nach Kalender war das Winter, auch wenns nur zwei Mal kurz ein wenig schneite und sich sonst die fröhlichen zehn Grad hielten - sind wir ja überhaupt nichts mehr gewöhnt. Was sich jetzt temperaturmäßig langsam eingrooved, läßt mich dann doch anfangen, etwas panisch hinten im Schrank, unterm Bett und in allen Ecken meine Mütze zu suchen. Handschuhe hatte ich auch mal. Und da war doch auch irgendwann mal ein vernünftiger Schal. Nicht nur dieser Polyesterschlauch, bei dem ich anfange Funken zu sprühen, sobald ich irgendwo anfasse. Wollpullis. Ich brauch Wollpullis. Und Strumpfhosen. Die von früher. In warm und rot und peinlich. Heute ist mir nix mehr peinlich. Heute will ich nicht frieren.

Mein morgendliches Bedürfnis nach warmer Kleidung entspricht eher dem Aufbruch einer Polarexpedition, als dem Gang zur Ubahn zur Fahrt in die Bank. Noch halb müde hier vor meinem Kaffee sitzend, wünschte ich, ich könnte ich mich so lange anziehen, bis ein großer warmer Textilball mich verhüllte und ich, mich mittels Nordic-Walking-Stöcken antreibend, zur UBahn rollen könnte. Einziges Problem: Meine Haustür. Da geh ich dann nicht mehr durch. Und Nordic-Walking-Stöcke. Die hab ich auch nicht.

Eigentlich aber schon toll, die Möglichkeit zu frieren. Und natürlich gegen dieses Frieren etwas tun zu können. Anziehen zum Beispiel. Oder? Stellt euch mal vor, es wäre andersrum. Stellt euch mal vor, ihr wäret wie die Finnen, denen man ja nachsagt, bei minus 10 Grad schließen sie vielleicht mal das Fenster und ziehen sich was an. Aber ich mutmaße, das liegt eher am Wodka. Oder Elchschnaps. Oder was immer die da trinken. Die Finnen.

Kälte kann man mit Verpackung draußen halten. Hitze nicht wirklich. Anziehen kann man fast unbegrenzt. Beim Ausziehen gibts dabei logistische Schwierigkeiten. Da ist irgendwann Schluß.

Wenn der Gefrierpunkt schon als "warm" wahrgenommen würde, dann würde man bei Kühlschranktemperaturen von acht (?) Grad schon im T-Shirt vorm Fernseher sitzen und heimlich mit dem einem Fuß die Socke vom anderen prokeln weils so warm ist, das dieser schon im eigenen Saft den Freischwimmer übt. Heimlich, weil man ja nicht als Weichpupe dastehen möchte, die ein wenig Wärme nicht erträgt. Dann gäbe es Sprüche wie: Naja, die Frauen. Die haben halt ständig warme Füße. Das liegt irgendwie an der Körperfettverteiltung. Da gibts Studien zu.

Naja. Bei zehn Grad plus hechelnd im Schatten in einem Kinderplantschbecken sitzen müssen und sich mit alten LP-Hüllen kühle Luft zufächeln, erscheint mir auf alle Fälle nicht sehr reizvoll in einem Breitengrad, der auch locker mal auf 30 hochdreht. Wahrscheinlich würde man ab 20 Grad schon anfangen, sich kühle Wohnlöcher in den Garten zu buddeln oder sich mit nasser Erde bewerfen wie die Elefanten.

Eine Lösung für Zivilisierte gäbe es auch: Man könnte nach Ägypten ziehen. Wie, da ist es noch wärmer? Neeeheee. Ich erinnere mich dunkel, daß die Ägypter den Drang verspüren, ihre Nilkreuzfahrtpassagiere tiefzukühlen. Ein Urlaub, in dem ich jeden abend um neun ins Bett ging, weil das der einzige Ort auf dem Boot war, wo meine Zehen nicht blau anliefen und ich feststellen konnte, dass das Zittern nicht vom Motorenstampfen kommt.

Eine weitere Möglichkeit gegen das Frieren ist natürlich Sport. Entgegen meiner üblichen Gepflogenheiten, habe ich gestern abend meinen Astra-Leib in diverse Sporthosenpellen gezwängt und war mit ein paar Freunden im Stadtpark joggen. Im dunklen kann man nämlich ungehemmt keuchen, schwitzen und rot anlaufen. Das sieht keiner. Stockeduster da. Ich konnte ungestört laufen und niemand wollte mich reanimieren oder mir Holzkeile in den Mund stecken für den Fall, daß mein leicht angestrengter Gesichtsausdruck Folge eines epileptischen Anfalls ist. Das war sehr entspannt.

Als ich gücklich nach Hause schlenderte, weil ich mithalten konnte und nicht unterwegs vor lauter Anstrengung brechen mußte, war mir immer noch so wohlig warm von der Rennerei, daß ich wenig Verständnis für die mir entgegenkommenden Zittermädchen hatte, die die niedrigen Temperaturen beklagten.

Jetzt, nachdem ich eben etwas lüftete, versteh ich sie wieder.

Ich schmeiß mich jetzt in meine lange Unterhose, also unter anderem, und hoffe, daß die Bank mir heute wieder kräftig einheizt.

Aloha.

Sonntag, November 11, 2007

Im Stadion

Fan 1 (gröhlt): Möööönsch, nicht immer durch die Middääääh, von aussn mussuuh!

Fan 2 zu Fan 1: Eigentlich heissas ja aba "ab durch die Middäh", ne?

Fan 1 zu Fan 2: Stimmt auch, hier mussa aba von aussn. Und nich durch die Middäh.

Fan 2 (nach einer kleinen Pause): "Ab durch von aussn" klingt aber irgendwie komisch.

Mittwoch, November 07, 2007

Es geht weiter

Jeden Tag ging es weiter und wir gingen auch. Ich bin jetzt grad gedanklich einmal wieder kurz in den metamorphorischen Keller gegangen, um ein wenig in meinen Erinnerungen zu kramen und Euch daran teilhaben zu lassen. Oh, ein Morgenbild. Einer der Gründe zum aufstehen und losgehen...


...und muß jetzt doch mal eben die alte Fotokoste noch einmal wieder beiseite schieben Was habe ich grad geschrieben? Metamorphorisch? Klingt im Grunde richtig. Sieht auch richtig geschrieben aus. Hört sich intellektuell und gebildet an. Aber was zum Geier heißt das eigentlich? Die kurze Bedeutung meine ich. Nicht die, bei der man eine halbe Stunde erklärt und dabei mit den Armen wedelt.

Da benutzt man den ganzen Tag lustige Worte und weiß gar nicht, was sie bedeuten. Wenn ich Kinder hätte, hätten die bestimmt auch schon ganz schön Pisa.

Also frischauf gegoogled. Heutzutage muß man ja eigentlich nix mehr wissen, man muß nur noch wissen, wo alles steht. Und alles steht im Computer (Wie eine Kollegin früher immer zu den Kunden am Telefon sagte: Kleinen Moment, ich geh ma ebm im Compjuta). Was heißt das jetzt? Hmmmm (blättert)...hmhmmmm. Hm. Tja. Weißnich. Metamorphorisch steht nichts im Computer. In irgendeinem Forum behauptet jemand, es bedeutet "auf die Verwandlung bezogen". Versteh ich nicht. Auf Anhieb ist keine befriedigende Erklärung und Definition zu finden. Helft ihr mir?

Und bis jemand vorbeikommt und mich mit dem Füllhorn der Weisheit überschüttet, muß ich es halt anders sagen. Was wollte ich eigentlich sagen? Mir erklärte unlängst jemand, daß es beim Fengshuiaufräumen (wasesnichtallesgibt) auch wichtig ist, den Keller und den Dachboden zu entrümpeln, weil der Keller die Vergangenheit symbolisiert und der Dachboden die Zukunft. Und egal wo, man möchte sich doch wirklich ungern an altem Müll neue Wunden reissen. Entweder, weils einem beim Weg voran auf dem Dachboden im Weg steht oder beim Suchen von lieben Erinnerungsfotokästen im Keller bösartig vom Regal auf den Hinterkopf fällt.

Also, ich meinte meinen Kopfkeller. Den symbolischen. Den amorphen, weil er nämlich aussieht wie ein Kopf und nicht wie ein Keller. Meistens zumindest. So wie ein Schnitzel auch nicht mehr aussieht wie ein Schwein. Nee, stimmt gar nicht. Mein Kopf hat ja noch nie ausgesehen wie ein Keller. Im Gegensatz zum Schnitzel..aber ich fange an zu faseln.

Mein sonst auch nicht sehr hilfreiches Buch "Fremdwörter für Angeber" kennt den Begriff "Metamorph" auch nicht. Dafür aber das Wort "Taumatawhakatangihangakouaotamateaturipukakapikimaungahoronu-
kupokaiwhenuakitanatahu" Es handelt sich hierbei um den längsten Ortsnamen der Welt und gehört einem 271 Meter hohen Hügel auf der Nordinsel von Neuseeland. Übersetzt bedeutet das übrigens auf Maori: "Der Felsgipfel, wo Tamatea, der Mann mit dem dicken Knie, der die Berge hinunterrutschte hinaufkletterte und verschlang, bekannt als der Landfresser, seiner Geliebten auf der Flöte vorspielte." Merkt euch das.

Falls irgendein dickes Knie mir auf der Flöte vorspielen möchte, ich hab hier irgendwo noch so ne alte Altflöte rumliegen. Nur zu. Und dieses dicke Knie bringt mich jetzt ohne Flöte wieder auf den Jakobsweg zurück. Wenn ich der dicke Knöchel war auf dem Weg, dann war das dicke Knie ohne Flöte der Horst:


Der Ärmste lief nämlich wirklich eine sehr lange Zeit mit verknackstem Knie und dem Eisbeutel im Anschlag. Ohne sich davon die Laune vermiesen zu lassen. Das fand ich ziemlich beeindruckend, weil das mit Sicherheit üble Schmerzen waren.

Aber körperliches Leid ist durchaus mit körperlichen Freuden wie Essen und Schlafen zu kompensieren. Hier zu dem Themen noch ein paar Impressionen:


Neinneinnein, das war nur die Ausnahme. Wir sahen nur ein einziges Klo dieser Baureihe. Die anderen Aborte waren durchaus eher den körperlichen Freuden zuzuordnen.



Der Schlafraum in La Faba. Sieht etwas abgeplatzt aus, nicht wahr? Aber man darf sich nicht so sehr von dem abgestoßenen Äußeren abschrecken lassen. Da würde doch in unserem Alter auch keiner mehr mit uns sprechen. Die Betten waren recht bequem und es hat nur einer geschnarcht. Zuvor gab es ein großes gemeinschaftlich verbrochenes Essen:







So muss es aussehen, wenn man "satt und zufrieden" denkt, oder?

Hier nun der Ort, an dem wir während des Beitrages "Bergab ist scheisse" nächtigten. Durchaus kultiviert mit ein bißchen zu viel Wein.






An einem Tag typisches Jugendherbergsambiente...


...am anderen Fincaurlaub in Spanien:





Da war wirklich für jeden was dabei. Und alles völlig unmorph...

Dienstag, Oktober 30, 2007

Evelyn ist tot

Ich bin traurig.

Evelyn ist nicht mehr. 65 Jahre ist sie nur geworden.

Eine Frau, die mich in einer sehr langen Ära meines Lebens begleitete und sich tief in mein Herz gefressen hat. Noch heute nerve ich mein Umfeld mit stundenlangem rezitieren von Loriot-Sketchen und -filmen. Und natürlich ist sie meistens Teil davon. Niemand konnte so schön wütend sein wie Renate Lohse, so schön verwirrt bei größtmöglichem Kompetenzerhalt wie Margarethe Tietze, niemand sich so herrlich hanseatisch zurückhaltend dem Liebesakt widmend wie Fräulein Renate Dinkel (Sie machen mich ganz verrückt, Herr Melzer).

Frau Hamann war für mich eines der letzten Bollwerke gegen die Internationalisierung des Deutschen Fernsehens. Es ging in ihren Filmen und Serien nie um Mainstream. Nie um Härterschnellerbesser. Es waren einfache und klare kleine Bonmonts, ohne daß Eingeweide irgendwo herumfliegen, ohne dramatische Musik, ohne diesen lauten Humor. Na gut, als sie in "Evelyn und ihre Männer" mit einem Grünrock im Wald liegt und er ihr anhand des Geschmackes eine Hirschlosung nahebringt, fand ich das auch laut ziemlich komisch. Sie perfektionierte ein bestimmtes Frauenbild, welches irgendwo zwischen alten Werten und überzogener Emanzipation mittig feststeckte und sprach damit bestimmt einer ganzen Generation aus der Seele.

Die grande Dame des leisen Humors ist gestorben. Zurück bleiben die Talkshows, die Comedys, die Bohlens, die Supermodels und Geklontes aus der ganzen Welt.

Nu isse weg. Wie sagte Loriot bei Beckmann: "Liebe Evelyn, Dein Timing war immer perfekt, nur heute hast Du die Reihenfolge nicht eingehalten. Na warte".

Ich habe dem kaum etwas hinzuzufügen. Sie hopst jetzt eben wo sie will. Höchstens noch einen Hinweis Für Petrus Halmackenreuther: "Wenn meine Frau aufwacht, nimmt sie gerne einen Tee und etwas Gebäck". Hoffentlich hat er dran gedacht.

Samstag, Oktober 27, 2007

Einzelgedanken, zusammenhanglos

- Wenn man auf dem Weg zum Edeka seines Vertrauens auf den Boden vor den Füßen schaut, einen Käfer erspäht und dann denkt: "Oh ein Igel", darf man sich bestimmt ernsthafte Gedanken über die Beschaffenheit des eigenen Gehirns machen.

- Ist Euch schon mal aufgefallen, daß man inhouse physikalisch ganz anders läuft als draussen? Bestimmt. Aus keinem anderen Grund kauft man sich ja doch das eine oder andere Mal zu enge oder unbequeme Schuhe. Weil sie beim Inhouseschlendern im Laden nämlich noch super passen, draussen aber wadenkrampffördernd Blasen schubbern. Zu Hause kann ich schon wieder richtig gut laufen. Fast tanzen. Fast. Der Weg zum Edeka meines Vertrauens war heute aber mindestens dreissig Kilometer lang. Ich hatte das Gefühl, ich würde schneller vorankommen, wenn ich rückwärts ginge. Also, draussen wieder krückig.

- Wer eine Flasche guten Kirschwassereierlikör im Kühlschrank stehen hat, darf nicht das Wort "Kühlschrank" denken, weil sich dadurch die Flasche von alleine leert.

- Eierlikör sollte in 2-Liter-Flaschen vertrieben werden. Nicht in den albernen 0,7 l-Kinderflaschen.

- Wenn in einem Rezept steht, man solle drei Eßlöffel Erdnussbutter beifügen, dann schmeckt hinterher das Essen so, als hätte man Erdnussbutter warmgemacht und für die Zähne einfach geschmacksneutrale Brocken von irgendwas beigefügt. Oder Erdnüsse.

- Nächstes Mal geh ich in Badelatschen zum Edeka. Die sind mein Freund.

- Alle regen sich über die, zugegebenermaßen auch nicht in meinem bevorzugten Erfahrungshorizont befindlichen Promi-Pilger auf. Aber über sowas motzt noch keiner. Ich finde die Idee sehr schön, daß auf dem Weg Führungskräfte angeblich lernen sollen sich selbst zu führen, während irgendein Hiwi dafür zuständig ist, daß Bigboss abends ein warmes Bettchen gemacht bekommt und sogar dafür, daß er Gesellschaft hat. Ich frag mich jetzt, wie das geht. Ruft Bigboss jeden morgen bei Hiwi an und sagt, wie weit er zu gehen gedenkt, muß er vorher einen Zeitplan ausarbeiten und sich dann dran halten, weil er sonst in die Refugien muss? Kriegt dann der Hiwi Ärger? Das wär ja logisch. Muß er sein Gepäck selbst tragen? Oder muß er es sozusagen als Assessement-Center schaffen, während des Weges ein Team zusammenzustellen, die ihm das Gepäck tragen und wechselweise den Hintern abwischen. Was macht jemanden, der sich auf dem Jakobsweg supporten lassen muss, zu einer besseren Führungskraft? Oh, ein Igel.

- Lustig finde ich auch, daß der Anbieter eine wichtige Führungskraft zu sein scheint. Also zu wollen, äh, scheint, und gleichzeitig so aussieht, als hätte er grad erst die Bundeswehr hinter sich gebracht. Beneidenswert diese Jugend. Natürlich bin ich nur neidisch.

- Bis heute dachte ich immer, "Freelancer" wäre etwas mit Grafik und Computern. Kann man mal sehen. Aber ich dachte ja auch noch bis vor ein paar Jahren, "absorbieren" bedeutet "abstoßen". Es sind ja diese kleinen Unzulänglichkeiten, die liebenswert machen. Nech?

- Ich glaub, ich werfe jetzt meinen Fernseher weg. Nach der englischen Talentsuche, bei welcher dieser Paul Potts, oder wie der hieß, als Tenor eine Arie sang und damit beeindruckte, haben die deutschen Fernsehmacher keine Kosten und Mühen gescheut, auch für "das Supertalent" einen unattraktiven Gutsinger mit Opernanbietionen aufzutreiben. Nur damit es in Deutschland den gleichen Überraschungs(gähn)effekt geben kann. Wie scheiße ist das denn? Macht da bei den Flimmerkisten überhaupt noch jemand was selbst? In Spanien hab ich im Hotelzimmer sogar einen spanischen Stefan Raab gesehen. Da wird einem doch ganz anders. Wir werden in unterschiedlichen Sprachen geklont...

- Aaaargh, auch die Kleine-Mädchen-kann-groß-singen-Nummer kommt jetzt, auch die ist aus England vorbelegt. Dass denen das nicht unangenehm ist. Also Jungs, ich würd mich schämen an eurer Stelle. Ich schalte jetzt um. Ich glaub, es gibt auch noch Scary Movie. Die veräppeln ja wenigstens das Original und kopieren es nicht. Oder ich les den neuen Pratchett.

- Igel sind viel größer als Käfer. Meistens.

Freitag, Oktober 26, 2007

Von der Anfängergruppe in die "alte Herren"

Zunächst vorweg: Iiiiich kaaaaaaann wieder laufen!

Yieeeeha. Zwar noch etwas unrund und Drogen sind auch noch nicht gänzlich vom Speiseplan gestrichen, aber ich komm wieder ohne Krücken zum Klo und lauf nicht mehr wie der Glöckner von Notre Dame. Super. "Mein Camino" darf wohl auch langsam enden.

Apropos Camino und Notre Dame. Falls ihr noch Lust habt auf ein paar Fotos, also, an mir solls nicht liegen. Notre Dame...gehen wir kurz noch einmal zu dem einzigen Regentag zurück. Glöckner, Kamel? Man glaubt ja nicht, was so ein Poncho aus einem Menschen machen kann:









Und hier noch ein kleiner Exkurs in Bines Liebesleben. Nachdem ich Meike meinem Verlobten vorstellte, hat es so sehr zwischen den beiden gefunkt, daß ich ihr zuliebe die Verlobung gelöst habe. Er zieht jetzt in die Schweiz. Ich wünsche beiden nur das beste.

Aber zurück auf den Weg. Ich möchte euch doch gern noch unsere nächste Wandergruppe vorstellen, die uns sozusagen wie gerufen kam. Wie ich schon mal andeutete, flogen zwischen Meike und mir anfänglich durchaus auch mal ein paar Fetzen. Typischer Weiberkram. Jetzt einmal abgesehen von uns zwei Süßen ist wohl allgemein bekannt, daß mit typischem Fetzenweiberkram beschäftigte Weiber dazu neigen, sich sehr intensiv mit der Klärung, der Analyse, dem Übelnehmen und der Definition von Situationen zu beschäftigen, daß sie a) ihrem Umfeld damit ganz schön auf den Sack gehen, b) gar nicht mehr aus diesem Beziehungsohrenkram rauskommen (Das sind diese Momente z.B., wo er sagt: Guten Morgen und sie ihn anbrüllt "Koch deinen Kaffee gefälligst selbst, du Arsch") und c) die Situation in keinster Weise klären, sondern sich in einer Katastrophenspirale immer weiter in den Abgrund drehen. Bis einer heult.

So war das bei Meike und mir natürlich nicht, aber es flogen aus hier nicht näher bezeichneten Gründen die Fetzen. Nein, nicht wegen des Verlobten. Aber wie kommt man aus einer Fetzensituation am besten raus? Indem man sie in eine Ecke stellt und sich erstmal mit Menschen umgibt, die nicht fetzenkompatibel sind, Fetzen noch nicht mal erkennen würden, wenn sie sie sehen, also nichts tun, um die Schraube zu unterstützen. Die "Jungs" waren eine unglaublich hilfreiche, angenehme und lustige Gesellschaft und auch Hilfe auf unserem Weg.

Darf ich vorstellen:



Manfred "ich träum hier immer einen Scheiß zusammen", oder wie ich ihn insgeheim nannte, der Almöhi. Immer vorneweg mit Düsenantrieb und netten Geschichten aus dem Leben.


Ludwig, der Marathonman. Hochleistungssportler, auch mit Düsenantrieb, welcher sich anfänglich jedoch hinter einer Erkältung versteckte. Auskuriert sah man ihn zumeist am Horizont verschwinden.



Jürgen, ein Sonnenschein mit klasse Wortwitz (Gut, wir sind irre. Aber bei normalem Aussehen) und einem schwer vereiterten Zeh, den wir zwischendurch am liebsten irgendwo angebunden hätten um ihn zur Pause zu zwingen. Also Jürgen. Nicht den Zeh. Die wollten sich nicht trennen. Doch solche Mütterlichkeiten kann man sich wohl schenken. Er kam natürlich gut an und ich hoffe, daß es seinem Fuß wieder fabelhaft geht.

Und last, but not least



Jupp "Ich weiß auch nicht warum, Kinder und Hunde kommen ständig zu mir". Mit einer orthopädischen Meisterleistung als Gepäck, der Beharrlichkeit einer Wanderdüne und einem Riesenschalk im Nacken.

Jungs, uns hätte echt nichts besseres passieren können. Das war ne klasse Zeit mit euch. Wie von selbst lösten sich die vorher mit Meike angestoßenen Knoten, wie von selbst hatten wir auf einmal ein gleiches Tempo, wie von selbst war mit einem mal klar was wir wollen und wir hatten völlig unstressig mit einem Mal einfach eine gute Zeit und unglaublich viel Spaß miteinander. Warum? Keine Ahnung. Aber es hat funktioniert.

In diese Zeit fällt übrigens auch der Pfannkuchen, auf den ich ja noch kommen wollte. Meine Wünsche ans Universum verpufften ja zumeist ungehört. Entweder wünsche ich nicht richtig, die falschen Wünsche oder der diensthabende Wunscherfüller ist grad in der Pinkelpause. Bei Meike klappte das dafür umso besser.

Eines morgens beim Frühstück murmelte sie vor sich hin. Hmm, heute hätte ich total Lust, Pfannkuchen zu essen. Gefolgt von resigniertem Seufzen und gemeinschaftlichem Loslatschen.

Gegen Mittag passierten wir eines der weitverbreiteten Kuhscheissedörfer in den Hügeln ("Wer es schafft, heute nicht in Kuhfladen zu treten, hat gewonnen". Es gewann nie jemand. Diese Landminen sind da flächendeckend ausgelegt) . Mit einem mal trat eine kleine Hutzelfrau, die leider nicht fotografiert werden wollte, um die Ecke und trug....geeenau: Einen Teller mit Pfannkuchen und eine Schüttelbuchse mit Zucker.

Das war wirklich kaum zu glauben. Und lecker.

Mittwoch, Oktober 24, 2007

Mobbeltour

Sollte ich übrigens in der Planung für den Jakobsweg solch schnöde weltliche Wünsche wie "Gewichtverlust" irgendwo auf der Prioritätenliste genannt haben, tut mir das leid. ES TUT MIR LAAAHAID, WIR KÖNNEN JETZT AUFHÖREN ZU SPIELEN...

Sollte ich Hoffnungen dahingehend gehegt haben, sind diese in keinster Weise erfüllt worden. Nach zwei Wochen wandern sollte man da wohl nicht allzuviel erwarten. Was? Ihr meint, man kann doch nicht gute 350 km mit allen Umwegen durch Spanien latschen und dabei kein Kilo verlieren? Das meinte ich auch. Geht aber. Eigentlich bin ich sogar gewachsen. Neue Muskulatur schiebt das vorhandene Fettgebimsel hübsch in die äußeren Regionen. Und weil ich jetzt ja fröhlich auf Krücken unterwegs bin, ist ein Halten der Muskulatur, auf dass sie zukünftig tüchtig verbrenne, auch fürn Arsch.

Diesen hier nämlich:


Eigentlich wollten wir den täglich fotografieren und dann ein Daumenkino daraus basteln. Zum Glück haben wir das nicht gemacht. Sonst würde ich jetzt nämlich zusätzlich zu den ganzen Diclos, die ich in mich reinschaufel, auch noch Antidepressiva benötigen.

Auf dem Weg aus Leon raus haben Meike und ich also die korrekte Überschrift für unsere kleine Wanderung bereits gesehen:



Naja, ich bin in dick zum Glück auch toll.

Apropos "toll": Gestern hatte ich die seltene Gelegenheit, im morgendlichen Achtuhrflieger von Hamburg nach Frankfurt sitzen zu dürfen. Alter Schwede, da ist ja vielleicht eine heilige Schlipsstimmung drin. Manman. Alle wichtig, alle am Laptoppen was das Zeug hält, alle stylisch...und ich dazwischen mit Krücken, Jeans und Terry Pratchett. Ich kam mir vor wie ein Türkeiurlauber, der sich verlaufen hat.

Achtuhrfrankfurtflieger bestellen sich übrigens auch keinen Tomatensaft, sondern einen Kaffee und ein "stilles Wasser". Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wieso mich dieses "stille Wasser" so amüsiert. Aber ich bin schon wieder am kichern. Ich glaube, außer öffentlich häkeln gibt es kaum etwas unmännlicheres, als "stilles Wasser" bestellen.

Falls ich jetzt jemandem auf den Schlips trat, der kann mich auch mal. Siehe oben.

Montag, Oktober 22, 2007

Schön was?

Meistens habe ich beim wandern schon den Blick auf die zwei Quadrameter vor meinen Füßen geheftet. Ist nämlich ziemlich steinig da unten in Spanien. Und ich wollte ungern umknicken oder irgendwo runterfallen. Dass man sich den Fuß auch durch bloßen Gebrauch ruinieren kann, hätte ich da noch nicht erwartet. Doch zurück zum Blick: Manchmal zwischendurch, wenn ich die Augenlider anlüpfte, zum Glück doch recht oft, hätte ich mich auf der Stelle hinsetzen und nur noch mit offenem Mund staunen können. Hier ein paar Beispiele.












Samstag, Oktober 20, 2007

Anker in den Bergen

Wie schnell einen die Zivilisation und das normale Leben doch wieder einholt. In meiner Wohnung stehen überall leere Bierdosen und Esspappen vom Chinamann. Wann sind die denn gewachsen?
Ich hab gut und lange geschlafen und sitze jetzt - wie an einem ganz normalen Samstag auch - kaffeetrinkenderweise vorm PC.

Ein Anker. Ich brauche einen Anker, damit sich der Jakobsweg nicht allzu schnell wieder verflüchtigt. Mit einem Mal ist alles wieder normal und man denkt nur noch beiläufig an einen reizenden Wanderurlaub? Naja gut, so eilig ist das noch gar nicht. Diese sympatisch schrullige Eigenart, an Krücken zu laufen, habe ich mir ja auch von dort mitgebracht. Und so wie es sich anfühlt, werde ich das wohl auch noch ein paar Tage durchziehen.

Und für den Fall, dass mich der Alltag irgendwann einholt, habe ich mir ein paar Kacheln mitgebracht, auf denen die Richtungspfeile und die Richtungsmuschel zu sehen sind. Wie ich schon mal schrieb, wer ein solches Symbol auf dem Weg vor sich sieht, der weiss, dass er auf dem richtigen Weg ist, dass er sich nicht verlaufen hat, dass er nicht verlorenging. Ich halte dieses Gefühl für ein außergewöhnlich beruhigendes und werde das auch gerne weiter haben, wenn ich die kleinen Kachelchen anschau.

Die Schmetterlinge, die Hape als typisch für den richtigen Weg (stimmt übrigens) sieht, sind mir im Gepäck nämlich alle zerbröselt.

Nein liebe Kinder, ich habe mir natürlich keine Schmetterlinge aus Spanien mitgebracht. Die sind ja nicht sehr handzahm die Biester. Realistischer wäre die Mitnahme von Wanzen oder Flöhen gewesen. Hier sehen wir zum Beispiel Meike auf einem Bett, welches sie zu der Zeit bereits ohne ihr Wissen mit Wanzen teilte:


So sah ihr Bein zumindest hinterher aus. Ein wenig gepunktet. Und Mitschläfer hatten am nächsten Morgen ähnliche Muster vorzuweisen. Ich hatte Glück und blieb verschont. Aber ich hatte zu dem Zeitpunkt auch schon genug damit zu tun, daß ich an allen Ecken kaputtging. Das wär gemein gewesen, mich auch noch mit Wanzen zu überziehen.

Da denkt man doch direkt an Tucholsky:

Ich geh mit meinen Wanzen schlafen,
rotbraun und platt.
Quartiert bin ich bei einem Grafen,
der viele hat.

Des Nachts, wenn alle Sterne funkeln,
dann ziehen still
die fleißigen Scharen hin im Dunkeln
wie Gott es will.

Sie kommen aus den schmalen Ritzen,
aus dem Parkett;
die feinern aber fastend sitzen
des Tags im Bett.

Sie pieken mich. Es schwillt zu riesigen
Fleischklümpchen an, was sie gepackt;
das macht die Beißekunst der Hiesigen -
die sind exakt.

Sie pieken mich. Es juckt. Zum Glück
ist morgen alles wieder rein.
Und wenn ich eine sanft zerdrücke,
gedenk ich dein.


Reizend nicht? Wie auch immer. Wir hörten dann und wann von Problemen mit derlei Tierchen. Die Alberguen wurden dann auch geschlossen und gereinigt wenn es bekannt wurde. Vielleicht nicht jede, aber wir hörten von welchen. Ansonsten muß ich jetzt mal eine Lanze brechen. Wir hatten eigentlich am Anfang des Urlaubs vor, auch eher Hostels und Pensionen zu nutzen, weil überall so furchtbare Geschichten über die Refugien kursieren. Und wir haben uns umentschlossen. Einzwei Luxushoteltage haben wir uns gegönnt, aber ansonsten waren wir mit der Herde im Stall.

Die meisten Refugien in denen wir waren, waren angenehm. Nicht hygienisch rein, nicht luxuriös, aber guter Jugendherbergsstandard, manchmal weit drüberliegend, manchmal leicht drunter. So richtige Kotznächte hatten wir nicht. Natürlich gab es auch mal Refugien, in denen man - meist überraschenderweise - sein Klopapier selbst mitbringen musste, und auch welche, in denen eine schöne, große saubere Küche vorhanden war, in deren Schränken allerdings gar nix lag. Kein Geschirr, kein Besteck, keine Töpfe. Das hätte wohl die Ordnung gestört und die Pilger zum kochen gereizt. Gehtjanicht.

Aber all das war gut zu ertragen. Auch die Schnarcherei des Nachts. Oropax ist toll und wenn man aus Notwehr selbst beginnt zu schnarchen, wie ich es tat wie man mir sagte, schläft man gut durch. Vom eigenen schnarchen wacht man ja nicht auf. Knickknack, weissbescheid?

Apropos knickknack...da kann einem schon ganz schön das Adrenalin hinter die Ohren schießen, wenn man in einem unteren Stockbett liegt, welches knarrt wie ein Seelenverkäufer kurz vorm sinken, über einem im Bett liegt ein nahezu zwei Meter großer Norbert, und dann sieht man, daß diverse Lattenrostbretter unter seinem Po schon längst von anderen Pilgern durchgebrochen wurden. Wenn man dann morgens gesund und munter auffwacht, rückt man gleich ein wenig näher an den Glauben ran.

So, und jetzt noch ein paar Fotos von den nächsten Tagen. Langsam sieht man schon, daß sich die langweilige Landschaft etwas sanfter hügeliger gestaltete. Und spätestens nach dem Cruz de Ferro war es so unsagbar schön, dass mir immer noch der Atem stockt wenn ich nur die Bilder sehe. Ich fang erstmal an:



Mit Schneewittchen vor den sieben Bergen. Ohne Zwerge.

Überall am ganzen Weg finden sich Trinkwasserbrunnen. Gut, nicht überall, aber in ausreichender Menge. Wer auf dem Weg austrocknet, ist ein Depp.


Das Ziel am Tag Nr. 3. Kurz vorm Cruz de Ferro, zu dem es von Foncebadon nur noch eine knappe halbe Stunde Aufstieg sind. Wir gingen zum Sonnenaufgang. Hier ein erster Eindruck, mehr dann in einem nächsten Artikel.

Freitag, Oktober 19, 2007

Darf ich vorstellen...Tag 1 und 2

Darf ich zunächst einmal vorstellen: Mein neuer Freund. Er lebt in Leon, aber sobald er kann, wird er nach Deutschland kommen und wir werden heiraten.


Da er mich leider nicht begleiten konnte, gingen Meike und ich erst alleine weiter. Ungefähr acht Kilometer. Dann bildete sich bereits unsere Anfängergruppe. Die beste Anfängergruppe, die man sich vorstellen kann. Wir trafen uns beim Apfelklau und zogen und schoben uns ab dort, kurz nach Leon, gegenseitig bis Astorga, wo wir uns leider wieder lassen mussten. "Eine gute Zeit und Nudelsalat" könnte man sagen, würde man mit Nicolson reden. Gute Gespräche, viel Spass, das finden eines Tritts und - für mich sehr wichtig - das gegenseitige kompensieren des Gefühles, "neu" zu sein. "Neu" in eine Klasse zu kommen. In eine Klasse, die bereits seit 500 KM zusammen läuft. Mädels, das war klasse.

Hier nun also Martha, welcher hoffentlich bereits Füße nachgewachsen sind. Auf dem Bild mal als Zenzi.



Dann die Frau, bei derem Anblick ich sofort an Gitte Haenning in jünger denken musste. Zum einen wegen der Haare und wegen der sehr ähnlichen Gesichtszüge, und zum anderen wegen der herzlichen fröhlichen Art. Darf ich vorstellen, Christine:



Und natürlich, last, but not least, für diejenigen, die sie noch nicht kennen, hier mein liebes Schwesterlein. Auch ein Foto aus der Anfängergruppe. Da sie ein bevorzugtes Motiv war von mir, taucht sie sicher später noch diverse Male auf:



Und natürlich nicht zu vergessen, Schneewittchen, wie sie auf unseren letzten Schritten als Beginner kurz vor Astorga manifestierte.



Mit der Tüte voll von Äpfeln, wie es sich gehört.

Hier nun noch ein paar Impressionen vom Weg. Der zweite Tag war übrigens der einzige, an dem es während der ganzen Zeit geregnet hat.


Ein typischer Kirchturm in Spanien. Genauer gesagt in Villar de Mazarife. Störche hats da ne Menge. Allerdings war "Sex auf dem Jakobsweg" nicht unser Thema, deswegen konnten sie uns nichts anhaben.



Das ist ein typischer Wegweiser. Wer einen solchen Stein vor sich sieht, ist nicht verlorengegangen.



Hier Meikes Nieselregenausrüstung. Topaktuell und leicht in der Handhabung.



Hier die gleiche Meike mit einem neuen Freund, der am Wegesrand stand. Dieses Mal gekleidet in die hochaktuelle Kameloptik. Das Wetter hat uns übrigens ziemlich gepfoppt an dem Tag. Erst regnete es. Ein wenig. Wir ignorierten das Wasser von oben. Dann wurde es mehr. Wir pfriemelten die Ponchos heraus, kleideten uns umständlich an, und - zack - hörte es auf zu regnen. Wir kleideten uns umständlich wieder aus.... und - zack - fing es wieder an. Undsoweiterundsofort. Wir hätten den ganzen Tag mit be- und entkleiden zubringen können. Und im Grunde war es völlig schippe, ob wir die Regenkleidung trugen. Gut, der Rucksack blieb trocken. Das war wichtig. Aber wir selbst haben in der Klamotte so dermaßen geschwitzt, daß es drinnen nasser war als draussen.

Nächstes Mal gibts einfach nur eine Rucksackhülle und einen Regenhut. Auf der Wanderung gab es jetzt kein zweites Mal. Das Wetter blieb uns ab dort gewogen.



Kreuze sind auf dem Weg keine Seltenheit.



Ortschaften manchmal schon eher. Diese hier war wirklich schön. Hospital d Orbigo. Oder so. Da ich keinen Reiseführer besitze, habe ich bislang glaube ich jeden Ortsnamen falsch geschrieben. Aber wurst. Grob werde ihr das auf einer Karte finden können. Betrachtet es einfach als Herausforderung.




Hier nun die landschaftliche Entsprechung von Zilles "Jejend, nüscht wie Jejend". Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr am Horizont schon die Hügelchen, über die wir noch klettern mussten. Dazu dann aber später.


Kurz vor Astorga. Ziel erreicht, Versetzung nicht gefährdet. Danke, Mädels, war klasse.

Donnerstag, Oktober 18, 2007

Positiv denken!

Als ich heulend in der Kirche saß, habe ich natürlich nach alter Manier versucht, mich mittels neutraler oder wenig melancholischer Gedanken von der Heulerei abzubringen. Das hat leider nicht geklappt, weil der Wasserhahn hinter den Augen ausnahmsweise nicht gedankensteuerbar war. Allerdings mußte ich bei zwei Gelegenheiten trotz des Geflennes zusätzlich kräftig lachen. Nämlich, als ich zum einen anfing, mir die Messe, von der ich ja kein Wort verstand (spanisch, nech?), simultan übersetzte mit: "Und dann nehmen sie zwei Eier und schlagen diese mit etwas Butter schaumig", und zum anderen, als ich mir vorstellte, wie ich nach der Messe vor der Kathedrale meine Krücken von mir werfe und brülle "Ich kann wieder sehen!"

Ja, da mußte ich wirklich lachen. Positiv denken hilft. Wünsche ans Universum halfen bei mir nämlich nur bedingt. Eigentlich nur ein Mal. Als ich nämlich morgens in der Albergue saß und verschlafen vor mich hinmurmelte: Ich wünschte, ich wüßte, wo mein zweiter Socken ist.
Und zack lag er da. Superwunsch.

Ich bin übrigens auch wieder da. Das Laufen geht noch nicht so ganz gut, ich lahme noch, und sollte ich wider Erwarten abgenommen haben, was ich gar nicht glaube, ich habe jetzt nämlich Waden wie ein Brauereipferd, von den Oberschenkeln mal gar nicht zu reden, wird das ganze in den nächsten vier Tagen wieder zur Erledigung kommen, weil ein lieber Geist vor meiner Haustür einen Riesenkarton Süßigkeiten und Pferdesalbe abgestellt hat.

Wie passend.

Dienstag, Oktober 16, 2007

Santiago

Nun sind wir in Santiago. Naja, "nun" ist ein wenig falsch ausgedrueckt. Eigentlich sind wir bereits seit Sonntag mittag hier. Und Binschn latscht jetzt an Kruecken von wegen der Schonung. Knapp 60 Kilometer mit einer ansteigenden Entzuendung im Fuss laufen, ist nicht unbedingt gesundheitsfoerdernd, aber mit Apothekendrogen bis unter die Augen durchaus machbar.

Natuerlich habe ich jeden morgen mit dem Gedanken gespielt, den Bus zu nehmen. Auch am Sonntag frueh haderte ich, ob ich die letzten 24 Kilometer fahre. Aber ich gehe doch nicht 300 Kilometer durch Spanien um dann die letzten Meter den Bus zu nehmen. Das ging nicht. Und der Fuss sah das auch ein und liess sich einlaufen. Er durfte keine Pause machen, weil er schlecht wieder ausm Quark kam, aber er hat mitgespielt. Und ich bin den ganzen Weg gelaufen.

Natuerlich ist er jetzt ein wenig boese mit mir und hat ziemlich klare Ideen geaeussert, was das wandern nach Finistera angeht. Eine selbsterzwungene Pause? Vielleicht aber auch die letzte Moeglichkeit des Koerpers, dem Weg entsprechend mal ein wenig langsamer zu machen und tatsaechlich auch die Anstrengung wirken zu lassen. Sowohl die koerperliche, als auch die mentale. Mental hatte ich wohl vordergruendig zu viel Spass.

Der gesamte Weg war ein Heidenspass. Egal ob religioes oder nicht. Einzelheiten folgen, aber wie bereits gesagt, ich kann hier nur situativ.

Also, ein religioeser Heidenspass? Egal wie. Ich wuerde sagen, dass ich grundsaetzlich schon im Normalleben sehr viel Spass habe. In den letzten zwei Wochen habe ich dennoch so viel lachen muessen wie schon lange nicht mehr. Und die logische Quittung dafuer bekam ich dann gestern in der Pilgermesse. Als wir in der Messe in dieser riesigen Kathedrale sassen mit tausend anderen Leuten, von denen mir eine grosse Zahl vom Weg her vertraut waren, war es, als drueckten mit einmal all die Gefuehle aller Anwesenden, die Freude, hier zu sein, der Stolz, es geschafft zu haben, die Dankbarkeit fuer all die Hilfsbereitschaft und Offenheit, die uns auf dem gesamten Weg begleitet hat, auch Trauer und Schmerzen und Sehnsucht auf mich runter und gleichzeitig fiel auf mir drueckendes runter oder ging in diesem emotionalen Gemisch auf.

Und ich habe die ganze Messe lang geweint. Ich konnte ueberhaupt nichts dagegen tun. Es ging ein Hahn auf und es lief und lief und lief. Schaetze, das musste sein.

Als Zwischenfazit, jetzt, wo ich noch zwei Tage lang Krueckentourist in Santiago spiele bleibt festzuhalten, dass die Idee, den Jakobsweg zu laufen, eine gaenzlich phantastische war. Meike und ich haben irgendwelche altschwesterlichen Bruecken gebrochen und uns, nachdem wir uns durchaus am Anfang quer durch irgendwelche Ortschaften anbruellten, wie von allein neu angenaehert und sind jetzt ein prima Team ohne falsche Beziehungsohren.

Und ein weiteres Zwischenfazit ist, dass gleich schon wieder die gemietete Zeit im Internetcafe vorbei ist und ich ausserdem in zehn Minuten mit Herdenteilen verabredet bin. Sobald ich die Bilder runterladen kann, naemlich zu Hause, stell ich euch alle mal vor.

Alsdann. Buen Camino. Das war eine schoene Zeit. Pilgern macht Laune.

Montag, Oktober 08, 2007

Bergab ist scheisse

Hallo miteinander. Wieder einmal ein kurzer Zwischenbericht. Ich werde hinterher noch einiges nachlegen, zum Beispiel das Cruz de Ferro, welches wirklich zauberhaft war und wo ich fuer so viele gute Wuensche und Steine niederlegte. Aber derzeit kann ich einfach nur situativ.

Hinter mir im gleichen Raum sitzen sieben weitere Leute und hauen sich den Rotwein ins Turmzimmer. Auf den Scheitelpunkt. Auf dass die hoechste Hoehe geschafft ist. Meike und ich haben uns auf 1330 m den Djerbas gegoennt. Und uns dann an den Abstieg gewagt. Alter Schwede.

Wenn ich vorher schon dachte, der Aufstieg nach La Faba war schlimm. Und er war schlimm. Und der weitere Aufstieg nach O Cerebreiro waere noch schlimmer. War er nicht, habe ich einfach mal wieder nicht mit dem Abstieg gerechnet. Es war die Hoelle. Hoellehoellehoelle. Ich haette alles versprochen, alles zugesagt, alles verschenkt, fuer ein wenig bergauf laufen. 700 Meter in kurzer Zeit runter. Wah!

In La Faba haben wir uns spaetestens unsere derzeitige Reisegruppe gefangen. Die alten Herren haben wir nach Meikes Niederschlag zufaellig wiedergetroffen und wieder adoptiert. Hinzu kommen "Die hilfreichen Zwo", ein Moench (uebrigens: auch Moenche koennen Arschloecher sein....wenn sie oben weinselig aus dem Fenster haengen waehrend man grad fertig as best ankommt und grinsen: na, welchen Bus habt ihr denn genommen?) und ein Arzt. Wenn irgendwas schiefgeht, kann er uns immer noch in Narkose versetzen.

Vorhin mit deutlich viel weniger Wein im Kopf fiel mir auch noch viel mehr ein was ich schreiben wollte, aber ich schaetze, die Feinheiten muessen warten bis zu meiner Rueckkehr.

Wenn wir so weiterrennen, werden wir uebrigens schon am Samstag in Santiago ankommen und werden dann noch nach Finisterra weiterlatschen. Dort wird Meike ihre Schuhe verbrennen. Ich freu mich drauf.

Bis dahin "lui nooooo", oder was immer unsere Herbergsmutter im Hintergrund versucht uns zu erklaeren.

Ich sag einfach mal "Prost" und gehe zurueck an den Wein.

Boerps. Uebrigens. Drei Blasen derzeit. Ich hab Meike den dicken Fuss gegeben. Apropos, erinnert mich an das Stichwort "Pfannkuchen". Das ist wichtig und lustig.

Zum Wohl.

Samstag, Oktober 06, 2007

Zwischenbericht. Eher muede

Astorga war wirklich der Hammer. Regen, kalt und abends, nach dem Pilgermenue bin ich stumpf ins Bett gekippt. Uebel war mir auch. Und die Albergue war zwar insgesamt reizend, hatte auch eine Waschmaschine, eine Kueche und einen Trockner, aber die Betten waren irgendwie ein wenig ueberladen. Wenn ihr alte Jugendherbergserinnerungen mal walten lasst, hattet ihr moeglicherweise in einem Raum von fuenfzehn Quadratmetern vier Stockbetten. In dieser Albergue gab es auf diese Quadratmeterzahl ungefaehr hundert. Fast jeder Zentimeter war mit Bett ausgefuellt. Kaum Platz fuer den Rucksack geschweige denn einen Fuss.

Wenn man einigermassen ueberanstrengt in ein solches Zimmer kommt und sich zudem noch jedes Mal, wenn man sich aufsetzt, den Kopf an dem Lattenrost von oben stoesst, ist das nicht sehr erholsam. Aber es ging. Am naechsten Tag konnte ich weiter.

Heute hat es Meike erwischt. In der Zwischenzeit sind ja ein paar Tage vergangen. Wir sind jetzt in Villafranca angekommen.

Fangen wir aber wieder in Astorga an. Immer schoen in der Reihenfolge bleiben. Am morgen, nachdem ich zum Gluck (danke Michi, der Fuss wirkt) erholt und ausgeschlafen war, wanderten wir, leider ohne Christine und Martha, die mit uns die Anfaengergruppe gebildet haben, weiter. Martha hatte unglaublich wehe Fuesse und die Zeit, die da noch zur Verfuegung stand, ist kuerzer als die, die wir noch haben. Also fuhren die beiden mit dem Bus ein Stueck.

Jetzt muss ich doch noch einmal ein wenig in die Vergangenheit ausholen. Auf dem Weg gibt es eine Person, die wir schon oefter sahen, und immer etwas merkwuerdig fanden. Zunaechst hiess sie "die Fitnesstrainerin", spaeter dann "Schneewittchen" und jetzt "Roxane". Wenn ich irgendwann die Moeglichkeit habe, hier Bilder einzustellen, werde ich mal zuordnen. Roxane heisst sie angeblich wirklich. Angeblich? Naja, ich bin mir nicht so ganz sicher, wie echt die Frau ist. Im uebertragenen wie im direkten Sinne.

Roxane ist ungefaehr 1.60 m gross, hat langes schwarzes Haar, ist immer perfekt geschminkt, laeuft in ziemlich billigen Turnschuhen und materialisiert sich immer direkt vor einem, wenn man sie mindestens achtzig Kilometer hinter einem vermutet. Wie kann die bloss so schnell sein? Ich weiss es bis jetzt nicht. Und sie laeuft wirklich. Meine Vermutungen gehen ein wenig dahin (hoffentlich liest sie das hier nie), dass es sich bei ihr um eine multiple Persoenlichkeit handelt, die immer, wenn eine nicht mehr kann, die naechste vortreten laesst. Multiple deshalb, weil sie bislang schon ziemlich viele Berufe hat. Je nachdem mit wem sie redet.

Als wir ungefaehr zehn Kilometer vor Astorga waren und zugegebenermassen ziemlich im Arsch, materialisierte sie sich und hatte originellerweise eine Riesentuete Aepfel dabei. Als wir aus Astorga rauswanderten, ohne unsere Anfaengergruppe, trat sie mit einem Mal vor uns aus einer Bar und wanderte also den Tag mit uns. Es war - irre oder nicht - ein sehr schoener Tag. Frauengespraeche, sonniges Wetter und eine Landschaft, als wuerden wir uns in einem Herr der Ringe-Film im Elbenland befinden. So schoen. Soooo schoen. Und bergauf. Immer bergauf.

Lustigerweise macht mir bergauf laufen nichts aus. Es ist mir voellig wurst, ob es ebene Flaechen sind oder fast vertikale. Hauptsache bergauf. Ich muss noch nicht mal mehr das Tempo drosseln. Nur die Schrittlaenge wird kuerzer. Was zieht man da philosophisch raus wenn man moechte? Genau: Bei Herausforderungen kontinuierlich voran mit kleineren Schritten.

Bei bergab sieht das ganze schon etwas anders aus...

Das geht naemlich in die Knie. Auch egal ob irre oder nicht. Den Abend verbrachten wir in einem mehr oder weniger verlassenen Dorf namens Foncebaldon oder so. Zugekiffte Rastahippies haben dort ein altes Haus zu einer Herberge ausgebaut. Sehr schoen. Es gab sogar Hefeweizen.

Rasta hat gekocht und es folgte ein lustiger weinseliger Abend mit unserer neuen Wandergruppe. Die Anfaengertruppe haben wir hinter uns gelassen. Seit Roxane laufen wir bei den alten Herren mit. Vier Buben im besten Rentenalter. Drei aus der Pfalz und einer aus Frankfurt, denen wir auch von Anfang an immer wieder begegneten. Lustige Runde und fuer uns sehr entspannend.

Mit einem ordentlichen Zug am Leib. Also im Hinblick auf die Geschwindigkeit. Deswegen sitze ich jetzt in Villafranca del Bierzo im Internetcafe und Meike liegt im Hotel (!) und schlaeft. Heute goennen wir uns Luxus. Wir sind, weil ein akuter Erschoepfungszustand sein Recht verlangte, mit dem Bus 7 Kilometer hierher gefahren, statt die Nachmittagsstrecke zu laufen und ruhen uns heut aus.

Da ich jetzt nur noch fuenf Minuten auf der Internetuhr habe und kein Kleingeld mehr, mach ich jetzt Schicht. Ach so, eins noch. Wir haben dreissig Grad. Nur mal fuer die, die dieses Jahr keinen Sommer hatten. Neidisch? Hö.

Und morgen gehts rein nach Galicien. Ich freu mich drauf. die Landschaften hier sind wirklich der Hammer.

Und warum Meike heute so fertig ist? Gestern ging es immer bergab. Nur bergab. Wie ein Bachbett runterklettern. Furchtbar aua schrecklich. Bei dreissig Grad. Hoffentlich gehts jetzt nur noch bergauf.

Donnerstag, Oktober 04, 2007

Fazit

Jetzt schon ein Fazit fragt ihr? Ja klar, das hat der Hape doch auch so gemacht. Jeden Tag ein Fazit. Unser Fazit von Tag eins war: Nicht in die zwei. Der hat Katarrh.

Katharrh haben wir gestern, am Tag zwei in Astorga in der Albergue auch wiedergetroffen. Der ist ganz reizend und wir haben darauf geachtet, wieder nicht mit ihm ein Zimmer zu teilen. Kartarrh. Schnarchen. Mussnichtsein. Ich glaube, das werden wir noch genug erleben. Auf der anderen Seite: Wenn schon jemand schnarcht, dann er. Langsam waechst er uns ans Herz.

Irgendwelche Kilometerstrecken koennt ihr euch selbst ausrechnen. Ich bin in Astorga und es geht mir - wie es sich an einem dritten Tag gehoert - Scheisse. Alles tut weh. Typisch Anfaenger haben wir uns am zweiten Tag total ueberfordert und sind hier mehr schlecht als recht auf dem Zahnfleisch kriechend angekommen. Der Berg auf dem die wirklich schoene Stadt steht, ist nun mein Feind. Ich geh heut wieder. Selbst schuld.

Dass der Katharrh da oben fett gedruckt ist, liegt nur daran, dass ich das nicht mehr aendern kann. Die Bedienfuehrung ist hier auf spanisch....

Hier auf dem Camino ist eine ganz lustige Stimmung. Man hat das Gefuehl, in einer Kleinstadt oder einem Dorf unterwegs zu sein. Zum einen kennt man ziemlich schnell einen Grossteil derer, die ungefaehr im gleichen Tempo laufen zumindest vom ansehen. Und man gruesst sich natuerlich, als wuerde man sich schon seit Jahren kennen. Und so fuehlt sich das auch an. Wir haben alle den gleichen Weg, da koennen wir auch mal nett zueinander sein. Koennte ja sein, dass wir uns wieder ueber den Weg laufen? hoehoe

Lustigerweise ist das mit den Leuten, die hier an der Strecke wohnen, auch so. Jeder strahlt, jeder gruesst, jeder Schwallt einem mit ungefaehr tausend Worten spanisch zu, von dem ich ja leider gar nichts verstehe. Das fasziniert mich am meisten von allem. In Deutschland waeren moeglicherweise die Anwohner ziemlich schnell von diesen Menschenmassen genervt. Hier nicht. Hier ist jeder ein willkommener Gast. Der Camino ist schon ein gutes Gefuehl. Auch wenns wehtut.

Dienstag, Oktober 02, 2007

Madrid stinkt!

Gleich am zweiten Tag finde ich ein Internetcafe. Das ist doch gar wundervoll. Von allem weltlichen habe ich mich auch noch nicht losgesagt, da kann ich das ja auch einfach mal benutzen. Na gut. Gefunden ist nicht nicht der richtige Ausdruck. Wenn ich in unser heutiges Albergue komme, ist es gleich links. Steht an der Tuer. Und die Tastatur hat kein ue. Also in eins. Ihr wisst was ich meine.

Ihr findet mich hier in der Anfaengergruppe. Wir sind die, die erst von Leon aus losgegangen sind. Derzeit zieren weder Blasen unsere Fuesse, noch wurden wir von Infektionen heimgesucht. Irgendwelche Krisen haben uns auch noch nicht geschuettelt, wir sind noch voellig jungfraeulich. Frisch geboren. Ausgeferkelt von Madrid nach Leon um jetzt die ersten Schritte zu gehen.

Am ersten Tag haben wir schon folgendes gelernt: a) es ist voellig unmoeglich, auf dieser Tastatur die Anfuehrungszeichen zu finden, b) Sage niemals, dass du pilgerst, weil du den Hape gelesen hast. Wenn du in eine Herberge reinkommst, stelle dich am besten gleich am Anfang in die Tuer und skandiere laut und deutlich, dass du noch nicht einmal ansatzweise von dem Buch gehoert haettest. Du haettest das Buch noch nicht einmal gelesen. Ausserdem hast du auch nicht vor, es jemals zu lesen. Niemals. Auch Paolo Cohelo oder wie der heisst. Kenne am besten noch nicht einmal seinen Namen.

Hapepilger sind irgendwie keine echten Pilger. Ich habe mir daher Alternativausreden ausgedacht. Ich werde einfach behaupten, ich mache das jetzt schon seit Jahren mit dem Pilgern und dieses Mal halt wieder von Leon. Gaehn. Die Zweite Begruendung ist auch gut: Ich gehe stellvertretend fuer Freunde die krank sind und ungluecklich. Fuer Gluck. Gluck und Zufriedenheit. Fuer Familie und kranke Hunde.

Wenn das jetzt schlimm klingt, ist das gelogen. Bisher hatten wir es noch wenig schlimm. Wir haben direkt auf den ersten Kilometern zwei Frauen aus Frankfurt und Berlin kennengelernt, die ebenso wie wir in der Anfaengergruppe sind, und die jetzt, zumindest mal zeitweise mit uns lernen.

Und das geht ganz schoen schnell. Das lernen. Das wachsen. Das mit dem wachsen geht allerdings ein wenig schneller. Ewiglange leicht feuchte Lehmpiste. Das klebt besser als Neuschnee. Irgendwann hat sich das halbkreisfoermig unterm Schuh formiert und man ist ziemlich froh, dass man Stoecke dabei hat, um die Wackelpartie heil zu ueberstehen. So macht man das als Kind. In der Anfaengergruppe. Immer schoen im Matsch spielen.

Heute war sie also, unsere anale Phase. Ich gehe jetzt gleich allerdings in die orale Phase ueber und werde mir ein Bierchen genehmigen.

Hasta la vista...nee buen camino allseits. Uebriges: Madrid ist riesig. Und stinkt.

Sonntag, September 30, 2007

Ich geh dann ma...

Sonntag nachmittag. Es gibt so einen Film namens "Panicroom" mit Jodie Foster.

So ungefähr sieht das hier nicht aus. Unnatürlich ruhig habe ich heute meine gesamte Packklamottenfrage noch einmal über den Haufen geworfen und neu konzipiert, ich habe erneute Umpackversuche unterbunden, indem ich meinen Rucksack mit Klebeband vollständig eingwickelt habe, damit auch der Trekkingstock dran hält, ich habe mit Katrin Sushi gegessen und schaue jetzt, lässig auf dem Sofa liegend, das Frauenfußballfinale mit ihr.

Es war eine ausgesprochen gute Idee, erst heute morgen um vier deutlich angetrunken von der gestrigen Hochzeit zu wanken und deswegen heute in meiner verve etwas eingeschränkt zu sein. Sonst würde ich vor lauter nervösem Pipi nämlich gar nicht mehr von Klo kommen.

Wenn ich ernsthaft darüber nachdenke, daß es jetzt wirklich losgeht und ich doch eigentlich nur vollständig bekloppt sein kann, bekomme ich dennoch eine leicht erhöhte Herzfrequenz und den Wunsch, mich in irgendeiner Ecke zusammenzurollen und dem ganzen durch Verschlafen einfach aus dem Weg zu gehen. Aber ich denk da einfach nicht mehr drüber nach. Und ernsthaft erst recht nicht.

Schaun wir mal, was passiert. In ner halben Stunde gehts zum Flieger.

Buen Camino. Auf die Plätze, fertig, los.

(Yiiieeeeeeeeha, 2:0, Mädels ihr seid klasse!)

Donnerstag, September 27, 2007

Redensartenschüttelrätsel

Eben im Bus:

"Also, mein Chef hält ja auch große Töne auf uns"

(Naja, solange er keine großen Stücke spuckt...Anm.d.R.)

Mittwoch, September 26, 2007

Five days

Der Countdown läuft. Fünf Tage bis zum Jakobsweg. Ich stoße als üblicher "am Vorabend wild irgendwelches Zeug in den Koffer-Schmeißer" mit der Planung bereits jetzt an ungeahnte Grenzen. Ja, es muß geplant werden. Ich soll den Scheiß ja tragen. Superplanbine sitzt hier allerdings wie Ochs vorm Berg. Ich stopfe die ganze Zeit wild Unpassendes in den Rucksack, entstopfe ihn wieder, wiege vor Ratlosigkeit den Kopf und beobachte derweil die Spinne, die es sich offensichtlich beim letzten Packgang im Sack bequem gemacht hat, wie sie wild schimpfend wieder auszieht und hinterm Bücherregal verschwindet. Immer diese Unruhe hier.... vielleicht sollte sie mitkommen und gefälligst aufhören hier rumzuzicken. Das hilft mir nämlich gar nicht.

Wie soll das erst in Spanien werden, wenn die körperlichen Grenzen dazukommen? Das ist doch viel zu viel Grenze für einen Menschen allein. Ich glaube, ich laß eins zu Hause. Ob den Mental oder den Körper, überleg ich mir noch.

Meine neueste Panikattacke betrifft das Wetter. Als ich gestern zur Bank wanderte, fror ich nämlich erbärmlich. Es waren 13 Grad. In der phantastischen Wetter-Online-Rückschau mußte ich entdecken, daß das Wetter in den letzten Jahren da in Nordspanien nicht unbedingt wärmer war. Vielleicht mal ein Tag 20 Grad. Aber der Rest eher deutlich drunter. Es gab sogar mal Nachtfrost. Mein Plan ist underdressed. Und frieren geht gar nicht. Ich will ja auch mal gute Laune haben. Ich brauch mehr warm. Warm braucht Platz, warm ist schwer. Und ich bin klein und schwach...na gut, nicht ganz. Aber ich kenn Murphy. Murphy wird machen, dass es in dem Moment, wo ich ausgerüstet bin, als ginge ich mit Reinhold auf Yeti-Fang, durchgehend 25 Grad mit Ice in the Sunshine hat.

Versteht ihr mein Problem? Eigentlich sollte ich mit leerem Rucksack losfahren und mir alles dort kaufen. Bei meiner Entscheidungsfreudigkeit bräuchte ich dafür allerdings mindestens fünf Tage. Womit dann das nächste Problem bereits vorgezeichnet wäre. Nicht mehr genug Zeit und Ärger mit der Schwester.

Abgesehen davon, daß ich jakobswegtechnisch etwas obertourig durch die Gegend streife, bin ich natürlich ganz entspannt. Natürlich wirds auch in der Bank langsam eng. Der Schreibtisch will saubergefegt und die Arbeit übergeben sein. Es darf nichts vergessen werden, denn die meisten Leichen treiben innerhalb von drei Wochen irgendwann auf. Das wär sehr unschön, nach so einem Leuchtpfad an einen stinkenden Arbeitsplatz zurückzukommen. Auch der Kühlschrank will entmistet werden, damit er mir nicht zur Begrüssung entgegenschimmelt.

Auch der Geschirrspüler sollte rechtzeitig noch einmal durchlaufen. Aber bis dahin habe ich noch genug Zeit, mich mit meiner Packaktion auseinanderzusetzen. Abgesehen von heute, da gehts zum Polterabend. Und Samstag, da gehts zur Hochzeit. Hab ich schon erzählt, daß ich mir Donnerstag auch noch meinen hohlen Zahn ziehen lasse, damit er beim wandern nicht ständig anklopft? Sollte ich mir eigentlich lieber ne Regenhose kaufen oder einen Monsterponcho? Murphy sagt, in Galicien regnet es nie. Bei meinem Glück wird es schneien.

Werden die Mitpilger den Aufdruck auf meiner Mütze "Don`t mess with Sankt Pauli" als Affront gegen den holy frère Jacques betrachten? Oder die Totenköpfe auf meinen Unterarmstulpen? Wo ist mein Ohrwarmstirnband ohne Aufdruck. Kriegt man in Spanien Feuerzeugbenzin für meinen Taschenofen, nehm ich den überhaupt mit? Wanderstöcke ja oder nein? Wo ist meine lange Unterhose, wenn das Wetter wirklich so scheiße wird, brauch ich dann noch Sonnenmilch, sollte ich mir die Haare noch abschneiden lassen vorher, warum reg ich mich eigentlich so auf, ich hab doch früher schon Rucksacktouren gemacht, Blasenpflaster kaufen und Tape, wo sind meine Sicherheitsnadeln, denk noch dran, dir die Fürbitte für die Kirche auszudenken, das Geschirr für den Polterabend einpacken, nicht daß ich mir noch mit den Blödpumps auf der Hochzeit Blasen lauf, nehm ich das Handy mit oder nicht, wie verpack ich meinen Rucksack für den Flug, ist der eigentlich wasserdicht, Ipod oder nicht, reichen vier Ohropax, ich habe bis jetzt weder einen Reiseführer noch kenne ich ein Wort Spanisch. Hätte man Etappen planen sollen? Herbergen buchen? Ach was, wir latschen jetzt einfach mal so los. Vielleicht noch so ne Alumatte, wenn ich schon keine Isomatte tragen will. Oder sollte ich doch ein Pferd mitnehmen.

Ihr seht, ich bin völlig entspannt. Licht und Liebe. Om und so.

Luja sag i.

Samstag, September 22, 2007

Höllehöllehölle

Wenn ich nicht so lachen müsste, würde ich jetzt wahrscheinlich zwei Jahre durchweinen.

Vor anderthalb Jahren musste ich zuletzt auf eine Hochzeit. Im Maiarchiv 06 sind dazu diverse kleinere Bonmonts zu finden. Auch damals hatte ich nichts anzuziehen. Auch damals hatte ich aus irgendwelchen Gründen grad ein wenig zugelegt. Jetzt, meine lieben Freunde, passt mir das, was ich im letzten Jahr mopsbackig für die seinerzeitige Hochzeit kaufte, auch nicht mehr.

Worüber ich originellerweise bis heute noch gar nicht stolperte. Vor der Erkenntnis, ich könnte jetzt vielleicht NOCH dicker sein als im letzten Jahr, hing ein großer merkbefreiter dickgewebter Mantel der Selbstliebe. Zusammen mit all meinen nicht mehr gerauchten Zigaretten und einem Hunderterpack von Schaumschweinen und Sanddornbären.

Es war klar, daß ich zunehme. Ich wollte es. Trotzdem bin ich eben fast aus meinen Schuhen gekippt, die nun übrigens auch zu eng sind. Mir ist jetzt alles zu eng. Alles. Von der Unterwäsche bis zur Socke. Alles. Außer Sprühfarbe passt mir bestimmt gar nix mehr.

Was passiert ist? Das, was passieren muss wenn man nichts zum Anziehen hat. Ich stand halbnackt in einer Umkleidekabine. In einer mit Spiegel von hinten. Ich hatte mir extra schickes Zeug ausgesucht. Endlich mal etwas, was nicht auch zur Vermummung geeignet wäre und so aussieht, als käme ich grad aus dem Bett, sondern etwas, was man als halbwegs modern bezeichnen könnte. Und ich fühlte mich in Erwartung der Anprobe schon total schick.

Noch frohgemut pellte ich mich aus meinen Klamotten, schaute in den Spiegel und fiel schier tot um. Wie nennt man den Zustand wenn man sich nicht mehr bewegen kann und so einen leicht irren Rasenmäherblick bekommt? Das hatte ich. Und zwar nicht zu knapp. Da sind Rol-len auf meinem Rücken. Ich seh von hinten aus wie ein noch nicht ganz aufgegangener Hefeteig, der langsam reissend vom Löffel fällt. Mit BH wie ein schlecht gewickelter Rollbraten. Und von vorne….ähm….also, äh, wie…ichkanndasnicht. Au man. Wenn ich doch wenigstens irre Möpse kriegen würde. Aber nein. Alles wächst. Nur die nicht.

Nicht mehr ganz so enthusiastisch sah ich zu, daß ich mich schnell in diese ganzen schicken Sachen stopfte. Mit mäßigem Erfolg. Ich hätte jetzt alles anziehen können, es war egal wie es aussah. Ich sah nur noch meinen Riesenhintern, meine strohigen Haare und mein blasses Gesicht. Und bekam Hunger vor lauter Unglück. Arme arme nudeldicke Deern.

Ich bin nicht mehr ich, ich sehe aus wie der Butterberg. Wie ein Baumkuchen. Wie eine Weisswurst nach einem Verkehrsunfall. Und es wird minütlich mehr. Sekündlich. Ich bin jetzt schon mindestens zwanzig Zentimeter zu kurz für die Hosen die ich jetzt tragen müsste, damit mir die Beine nicht im stehen einschlafen. Ich wäre am Boden zerstört wenn ich nicht so gut gepolstert wäre. Und die Hochzeit ist erst am nächsten Samstag. Ich habe noch acht Tage zum wachsen. Und ich fürchte, ich werde es tun.

Und natürlich wird jeder, den ich darauf anspreche, sagen: "Heh, du machst dir viel zu viele Gedanken. Das ist gar nicht so schlimm," und versuchen, dabei ein ernstes Gesicht zu machen. Darauf fall ich aber nicht mehr rein. Ich habe die Hölle gesehen. Von hinten.

Ich sollte pilgern. Das bringt mich nicht nur meinen Klamotten wieder näher, das ist auch gut für gegen Hölle. Na gut. Nächsten Sonntag geh ich los.

Hosejana, oder wie sagt man?

Montag, September 17, 2007

Fliegen

ist eigentlich ganz einfach. Man muß sich nur auf den Boden fallen lassen...aber daneben.

An diese frei zitierte Weisheit aus dem Anhalter mußte ich gestern denken, als ich bei schönstem Sonnenschein über das Gelände der Luftwerft schlenderte, um endlich einmal den A380 zu bestaunen. "Wenn sich der A380 auf den Boden fallen läßt", dachte ich noch, "möchte ich da nicht unbedingt neben stehen."

Bis ich jedoch bei diesem airbustechnischen Fastgenickbruch ankam, gab es auch sonst noch allerhand zu sehen auf den Airportdays. Oldtimer und andere Doppeldecker, die deutsche Airforce 1 und auch der weltgrößte Formationsflug von zwölf "Rosinenbombern". Ganz ehrlich gesagt, wenn da dieses Altkriegsmetall im Geschwader auf einen zufliegt, wird einem schon etwas anders. Die Flugzeuge haben damals ja nur für die Luftbrücke in Berlin anderes als Bomben abgeworfen.

Trotzdem hätte ich mich fast im Recruitmentcenter der Luftwaffe freiwillig gemeldet. Alter Schwede, die Jungs sehen jawohl sowas von knackig aus , wie sie in ihren dunklen Overalls cool auf diesen Riesenhubschraubern sitzen. Hätte ich früher schon gewußt, daß meine Hormone auf Männchen in Uniform abfahren, hätte ich damals, als mein Bruder noch Fallschirmjäger war, meine Zeit damit verbracht, ihm an den Hacken zu kleben. Aber nee, damals war ich ja kompromissloser Pazifist mit der für Jugendliche typischen black-and-white-Sicht der Welt und bin ihm lieber aus dem Weg gegangen. Toll.

Und nu bin ich zu alt für die Jungs vom Bund. Dennoch: schick anzusehen sind sie. Jaja.

Der A380 ist übrigens etwas enttäuschend. Er sieht aus auch nur aus wie ein Flugzeug wie jedes andere auch. Groß, ja, aber nicht bewegend. Es bewegte sich übrigens auch nicht mehr. Er sollte zwar wieder Richtung Heimat abheben, was dann aber wegen technischer Schwierigkeiten abgeblasen wurde. Schadeschade. Das hätte ihn noch in der Wertung hochreissen können.

Mein Lieblingsflugobjekt ist und bleibt daher der Beluga. Wenn dieses Transportmonster über Hamburg schwebt, was wegen der Form super unlogisch aussieht, muß ich jedes Mal unwillkürlich grinsen und wieder an die alte Geschichte denken, als ich meiner Jugendgruppe erzählte, daß jetzt unter dem Label Transfish-Airlines fliegende Fische großgezüchtet und zum Transportflug ausgebildet werden.

Und viel kleiner als der A380 ist der Beluga auch nicht. Ich würde mal sagen, er ist sogar höher. Genau. Auf die Höhe kommt es an. Merkt euch das.

(Sehr passend neben dem Thema habe ich soeben die erste Spammail mit entsprechendem Text erhalten: "Are you wanting a bigger penis"? Ich würde mal sagen, diese Frage kann ich wirklich aus tiefster Überzeugung mit einem klaren: "Nee, lieber nicht" beantworten.
Lieber wären mir derzeit die umsonst-Abnehmen-Spams. Meine Nichtraucherwachstumsphase ist noch nicht abgeschlossen. Ich habe schon den Plot für das Drehbuch "die kühle Blonde mit dem großen Po" fertig...)

Donnerstag, September 13, 2007

Newintown

Ich finde es ja immer sehr schön, wenn neue Kollegen den üblichen Säure-Basen-Haushalt ein wenig aufwühlen, der in der kleinen, mehr oder weniger harmonischen Nachbarschaft herrscht, in welcher ich arbeite. Ein neues Element bringt erstmal alle anderen ein wenig ausm Tritt, es wurbelt alle durcheinander, aber irgendwann hat das neue Kollegchen seinen Platz gefunden und saut und baselt fortan mit uns mit. Was sich einfacher anhört, als es ist.

Die Persönlichkeiten der ganzen Alt-Alphatiere und Evolutionspatzer, die originellerweise in unserer Abteilung zusammengepfercht wurden, sind eigentlich nicht dazu geeignet, eine Herde zu bilden. Alle zusammen nicht, und jeder einzelne erst recht nicht.

Da der Mensch an sich aber ein harmonischer Typ ist und schon versucht, sich den Tag so angenehm wie möglich zu gestalten, hat sich im Laufe der Zeit eine Art gutmütiger Wasserlochfriede etabliert. Jeder saugt fröhlich vor sich hin und mittlerweile kann man auch schon die eine oder andere freundliche Interaktionen untereinander beobachten. Neinnein, das da hinten ist Lirumlarum, der versucht schon wieder, den Kleinsten in der Gruppe heimlich zu ertränken. Laß ihn los, Lirum, sei brav.

Wie man sieht, das Holzauge, das Wachsame, muß auch in vermeintlichen Friedenszeiten unbedingt geöffnet bleiben. Die Leute sind einfach viel zu durchgeknallt. Denkt an Kaa aus dem Dschungelbuch. Die ist gar nicht so böse (glaaauuuube miiiaa), das ist einfach ihre Natur.

Wenn man sich ungefähr vorstellen möchte, wie ein Tag bei uns abläuft, dann muß man sich ein wenig mehr mit der Serie "Stromberg" auseinandersetzen. Genau so. Nur dass die eine Versicherung sind und wir eine Bank. Wie Kirmes. Nur mit Akten.

Die Neue glaubt noch an Struktur und Meetings. Sie glaubt noch an neue Prozesse und füllt auch die zehnte sinnlose Liste, die irgendeine zentrale Einheit von Zeit zu Zeit anfordert, um selbst nicht dem Vergessen preisgegeben zu werden, akkurat. Lesen wird diese Listen, die uns Tage konstruktiver Arbeit rauben, niemand. Nach ein paar Jahren hat man das raus und handelt entsprechend. Sie machts noch. Sie mahnt uns auch täglich zur Correctness. Erst gestern, als ich meinem Chefchef den Telefonhörer, den er kurz an mich abtrat, wiedergab und sagte: Legen sie ma ahauf, fühlte sie sich genötigt einzuwerfen "BITTE".

Also, mit mir freundet man sich so nicht an.

Auch die anderen Kollegen haben ihr Fett schon weggekriegt. Der eine spricht zu lange ins Telefon (Das hätten sie auch kürzer halten können), die andere zu laut. Die Stehleuchte von Ellenbogenelke ist ihr zu hell und wenn sie meint, daß irgendjemand nicht kooperiert, gehts zum Chef. Jawohl. Ich warte immer noch darauf, daß sie die Kollegen in irgendwelchen Zusammenkünften auffordert, sich beim Pinkeln hinzusetzen. Die Neue meint, es gibt Regeln, die für alle gelten, und fordert diese lautstark ein, was in diesem Autistenhaufen natürlich volle Möhre ins Leere geht.

Ellenbogenelke? Das ist die nette Kollegin, die vor einiger Zeit auf einer Ubahntreppe ins Straucheln geriet, fiel, und sich den linken Ellenbogen brach.

Dann nennt man sie nicht Ellenbogenelke? Nein. Aber als sie eine Woche wieder da war nach langer Krankheit und aus der Toilette heraustrat, rutschte sie aus, fiel hin, und brach sich den rechten Ellenbogen. Ich fand das witzig. Wenn sie wiederkommt, nehmen wir uns ihr linkes Knie vor.

Zurück zur Neuen. Ob sie mit ihrem Alltag glücklich ist, weiß ich nicht. Sie fängt aber schon an, sauer aus dem Mund zu riechen. Sowas passiert wohl, wenn man, sich bislang wichtig nehmend, mit einem mal gegen Windmühlen kämpfen muss.

Ich finde ja, sie darf sich auch gern noch ein wenig austoben und über unser Kuckucksnest fliegen. Wenn sie unbedingt glaubt in unser Wasserloch pinkeln zu müssen, darf sie auch das gern. Es kommt nämlich der Tag, da wird auch sie durstig.

Und bald, irgendwann, wie von selbst, beruhigen sich die Elemente wieder. Wie immer. Und sie wird ihren Platz einnehmen in unserem Kuriositätenkabinett.

Wahrscheinlich als Fräulein Rottenmeier.

Freitag, September 07, 2007

Eine Rede - fiktiv doch männlich

Ich habe nicht viele Wünsche an das Leben. Wahrlich nicht. Aber wenn ich etwas erwarte, dann sind das Anstand und Moral, korrekter Umgang und formvollendetes Auftreten, nicht nur in der Öffentlichkeit. Ich bin der Ansicht, diese Erwartungen durchaus legitim nicht nur mir selbst aufzuerlegen, sondern auch anderen abverlangen zu dürfen.

In einer Zeit wie dieser, in denen die Sitten zunehmend verrohen, halte ich es für meine dringende Aufgabe, auf Missstände hinzuweisen und energisch darauf zu bestehen, dass diese umgehend ausgeräumt werden, damit ein friedvolles und vor allem ruhiges Miteinander möglich ist. Die Frauen, meine sehr verehrten Zuhörer, müssen gestoppt werden.

Wie man mir berichtete, sitzen Frauen in der heutigen Zeit des Abends in Spelunken herum und konsumieren Alkohol und gar Nikotin. Sie reden unflätig und widernatürlich roh und befleißigen sich eines offenherzigen Äußeren mit dem einzigen Zweck, hinterhältig Männer in ihr Bett zu locken um sie dort zu ihrem eigenen Vergnügen zur Unzucht zu nötigen. Grob und gröhlend zerren die sich stets nach besten Kräften zur Wehr setzenden Männer in ihre Wohnungen um dort Unaussprechliches zu veranstalten. Mir wird direkt wenig schwindelig, wenn ich an diese Szenen auch nur denke. Ich muß mich setzen. Es sind doch nur Männer. Sie vermögen sich nicht zu verweigern, dazu fehlt ihnen die Kraft. Aber innerlich, glauben sie mir, innerlich weinen sie noch bis früh in den Morgen.

Neulich erst sah ich - und das nicht zum ersten Male - Männer auf den Straßen mit blutunterlaufenen Augen aus fremden Türen treten, am Ende ihrer Kräfte, die glasigen Blickes versuchten, ihr Tagwerk anzutreten. Bösartig wurden sie wachgehalten, ausgelaugt, ausgesaugt. Nur noch Schatten ihrer selbst. Benutzt und weggeworfen. Einwegmänner, von der letzten Illusion beraubt, in einer, nein, in dieser Frau noch einmal das Wesen zu sehen, welches er sich einst als Mutter für seine Kinder wünschte. Respektlos wurde er genommen, Respekt hat er verloren. Wie weit ist das bloß schon gekommen?

Die sexuelle Revolution, meine Damen und Herren, ist vierzig Jahre her. Und noch immer haben wir mit den Ausläufern zu kämpfen. Der Anfang vom Ende ist klar definierbar. Den Frauen wurde zugestanden, Sexualität als Vergnügen zu empfinden statt als Pflicht. Wie konnte so etwas passieren? Die brave Frau hat ein passives Wesen zu sein. Ein hinnehmendes, aber doch kein nehmendes. Zumal es Regeln für Annährung außerhalb der Prostitution gibt. Regeln, wonach der erste sexuelle Akt zunächst vom Manne angetäuscht und von der Dame seines Herzens natürlich abgelehnt wird.

Es haben ein paar Wochen keuscher Annährung voranzugehen. Und saubere Mädchen, meine Damen und Herren, anständige Mädchen, welche uns von unseren Müttern ans Herz gelegt wurden, die halten das auch so. Sie widerstehen dem Begehren des Mannes weil sie wissen, dass Warten das Verlangen des Mannes steigert. Ebenso wie die Liebe, die im gleichen Maße im Manne selbstverständlich wächst.

Doch wo sind sie, diese keuschen Mädchen? Weg sind sie. Älter werden sie und verdorben. Und die anderen laufen herum und verstreuen Hormone. Und danach blockieren diese Medusen Arbeitsplätze. Wichtige Arbeitsplätze. Erst reissen sie sich unsere Männlichkeit unter die roten Nägel und dann noch unser Auskommen. Wo soll das noch hinführen?

Singles und Arbeitslose, Unglück wohin man blickt. In jeder Altersstufe. Und das nur, weil die Frauen unbedingt finanziell unabhängig und sexuell fordernd sein müssen. Das kann so nicht weitergehen. Deutschland stirbt aus wegen der Emanzipation. Es muß etwas passieren, wenn die Ehe und Familie wieder zu ihrem Recht und zur Hauptlebensform in Deutschland werden soll...

Entschuldigen Sie, ich habe mich ein wenig in Rage geredet, lassen Sie mich kurz meine Stirn abtupfen.

Also, wie kommen wir aus diesem Moloch wieder heraus? Wie stellen wir Recht und Ordnung wieder her? Zucht und Disziplin? Ich persönlich rate zu einem, zugegebenermaßen radikalen, aber sehr wirkungsvollen Mittel, für welches ich eine Unterschriftensammlung ausgelegt habe und Sie herzlich bitte, beim Hinausgehen ihre Stimme für eine ruhige Zukunft zu erheben und zu unterschreiben.

Wie wir uns vorstellen können, wird die Verträglichkeit und Liebenswürdigkeit der Frau wieder rapide steigen, sobald man ihnen gewisse Freiheiten in ihrem eigenen Interesse wieder beschneidet. Da sind sie wie die Kinder, für die wir eine Verantwortung haben. Sie können mit allzuviel Freiheit doch gar nicht umgehen. Da die Beschneidung an sich auch in meinen Augen ein Mittel ist, welches nicht über jeden Zweifel erhaben ist und bestimmt Widerspruch und Diskussionen auslösen würde, die Idee aber in die richtige Richtung geht, schlage ich vor, eine zeitgemäßere Form zu wählen und die weibliche Bevölkerung von Amts wegen ab Erreichen der Pubertät mit regelmäßigen Botox-Injektionen in die Klitoris zu versorgen.

Sie werden sehen, daß die Energie, welche jetzt in untunlichem Verhalten sexueller Natur mündet, mit einem mal wieder produktiv den ureigenen Aufgaben der Frau an sich zur Verfügung steht, welche da wären: Gebären, kochen, putzen und allgemeine Haushaltssorge. Alle wären zufrieden.

Falls es notwendig sein sollte, daß sie ihre Frau auch außerhalb der eigenen vier Wände arbeiten schicken müssen, schlage ich die Einführung eines Einheitsgehaltes für weibliche Mitarbeiter vor, welches ausreichend ist, und doch nicht zu übermütiger Selbständigkeit verführt.

Sie werden sehen, daß der Hausfriede im gesamten Bundesgebiet, ich wäre sogar geneigt zu sagen in Europa, kurzfristig wieder einzieht, was sich positiv auf die Gesamtwirtschaft auswirken wird. Manchmal ist es eben einfacher als man glaubt. Vertrauen Sie mir und vergessen Sie nicht, zu unterschreiben.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Montag, September 03, 2007

Sommerloch - gibts auch

Ich fuhr einst durch einen Ort namens "Bad Sülze" und fand das schon ziemlich gut. Letztes Jahr fuhren wir durch Dosenwurst oder so ähnlich und amüsierten uns prächtig. In Drangstedt wollten wir alle Pipi.

Urlaub in Deutschland macht Spaß. Gut, als Amerikaner mit schlichtem Humor hat man wahrscheinlich sowieso alle fünf Kilometer auf der Autobahn einen Riesenlacher (Aus-"fart", Schenkelklopf), aber auch als Einheimischer mit ebenso schlichtem Gemüt, und ich gebe zu, ich kann mich des öfteren nicht dessen erwehren, ist die Fahrt durch unser schönes Deutschland eine echte Schmunzeltour. Wer draufklickt kanns auch lesen.




(Quelle: Pressesau.de)

Samstag, September 01, 2007

Verliebt

"Verlieben sie sich doch einfach in sich selbst". Diese Werbung geht mir grad kaum aus dem Kopf. Wenn ich bislang nicht in mich verliebt war, jetzt ist es so weit.

Ich hab mir nämlich einen neuen Weichspüler gekauft. Von Vernell. Und jetzt riechen meine Klamotten - und somit ich - so toll, daß ich die ganze Zeit wie Graf Zahl mit dem Arm vor der Nase und einem etwas entrückten debilen Lächeln im Gesicht herumhusche. Ich würde mich sofort heiraten. Wer so toll riecht, muß toll sein. Weichspüler macht glücklich. Weichspüler riecht nach Liebe.

Unglaublich, was Gerüche für eine Wirkung haben. Ich muß dem Drang wiederstehen, sofort ununterbrochen alles zu waschen was ich besitze. Die Vorstellung, abends in mein Bett zu kriechen und mit diesem Geruch von der Bettwäsche empfangen zu werden, ist wie Weihnachten, Geburtstag, Kerzenschein und Kaminfeuer im Winter und dazu eine Tasse heisse Schokolade. Sowas von behaglich. Schade, daß ich das flüssige Glück nicht auch noch in den Geschirrspüler kippen, es trinken oder darin baden kann.

Tolles Zeug.

Dienstag, August 28, 2007

Pilze

Überall steht es. Überall kann man es lesen. Es ist Pilzzeit. Jetzt schon. Ich persönlich fand es ja im Jahr ein wenig früh, so dringend wollte ich noch gar keine Pilze suchen. Pilze sammeln verbinde ich eigentlich immer mit Herbst und kalt und Porreekuchen essen und Tee trinken, während man in eine Wolldecke gehüllt alte Miss Marple-Filme im Fernsehen schaut. Sonntag nachmittags, wenn man nach dem Spaziergang durch den Wald erstmal in eine warme Badewanne muß und dann in einen flauschigen Bademantel gehüllt mit einem großen Glas Rotwein neben sich Steinpilze in der Pfanne wendet und rundherum alles behaglich bekerzenscheint ist. Genau. So stell ich mir Pilze suchen vor. Auch wenn ich gar keine Badewanne mehr besitze.

Na gut, fast genauso ging es auch in diesem Jahr beim Pilze sammeln im August. Die Jahreszeit mutet ja doch eher herbstlich an. Aber die Sonne war gnädig als wir durchs Unterholz krochen und die Temperaturen waren recht angenehm. Wir hatten Gemüsefrikadellen und Möhrchen und Passionsbier als Zielwasser und wir hatten einen Hund dabei, dem die gesamte Energie des Waldes in die alten Knochen kroch, wonach er wie ein irres Turnierpferd durch den Wald raste. Über Stock und Stein, ununterbrochen fröhlich bellend um die Pilze zu warnen? Muß ja. Wildschweine wollten wir nicht pflücken.

So strolchten wir also mit Messerchen bewaffnet im Zeitlupenschritt weit abseits der Hauptverkehrswege und fanden - zunächst nix. Gar-nix. Stinkmorcheln ohne Ende. Pilze, die wir nicht weiter zuordnen konnten - oooohne Ende. Maronen? Fehlanzeige. Steinpilze? Neeneenee.

Dafür eine Menge Spinnen. Denn merke: Die Rotzbiester spinnen in Wäldern ihr Netz in Augenhöhe und zwar zwischen zwei Bäumen. Würde man mit nach vorn gerichtetem Blick durch die Wälder streifen, würde man sich ihnen direkt Aug in Aug gegenüberfinden. Hat man allerdings den Blick auf den Boden geheftet und scannt ihn Quadratzentimeterweise ab, damit einem auch ja kein Steinpilz unterm Laub entgeht, latscht man nicht nur direkt ins Netz, man verpaßt dabei Thekla auch noch eine Kopfnuss a la Zidane, gefolgt von Igittigittscatmangehampel, um die Spinne wieder vom Kopf und vor allem die Klebefäden wieder aus dem Gesicht zu bekommen.

Nach zwei Erfahrungen dieser Art hatte ich gelernt. Ich ging zwar immer noch langsam den Boden absuchend, fuchtelte aber in zusätzlicher Choreographie mit einem langen Ast vor mir herum wie ein leicht abwesender Ninja-Kämpfer und zerstörte diese Wunder der Natur bevor sie mich angreifen konnten. Auch Waldspinnen sollen sich nicht langweilen. Das nächste Netz wird bestimmt viel größer und schöner.

Und dann kam es. Es war wie im Märchen. Zwischen einem ganzen großen dunklen Wald voller Spinnen und nassem Laub leuchtete mit einem Mal eine kleine Lichtung vor uns. Mit langem zarten Gras bewachsen lag ein Hügelchen in der Sonne und strahlte, als würden uns Außerirdische ins Raumschiff locken wollen. Wow. Und überall Pilze. Wir liefen wie Hund Dino durch das Gras und brüllten uns gegenseitig an: Bine, schnell, hier, guck. Flaavia, hier, guck.
Und konnten es gar nicht glauben. So viele Pilze. Der ganze Wald ist leer. Und hier sind alle. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Das sind doch Köder...

Schnell hatten wir unser Behältnis vollgesammelt und konnten unser Glück immer noch nicht fassen. Mittlerweile hatte sich Military-Dino ein wenig weit von der Truppe entfernt und ich machte den großen Fehler, meine Finger in den Mund zu stecken um nach ihm zu pfeifen.

Kurz danach kippten wir traurigen Blickes den Fang wieder auf den Waldboden. So sollten unsere Finger nicht schmecken nachdem sie leckere Steinpilze berührten. So können sie nur schmecken, wenn sie glücklich Gallenröhrlinge schnitten. War das ekelhaft. Gallenröhrlinge sehen genauso aus wie ein Steinpilz und sind nur durch eine feine Netzmaserung am Stil zu erkennen. Und nur ein Röhrling im Steinpilzessen verbittert dir die ganze Ernte und die Lust auf Pilze. Schummelpilze blöde. Eine ganze Tüte voll mit Schummelpilzen.

Aber immerhin Pilze. Pilze haben wir gefunden. Ob man die jetzt essen kann oder nicht. Egal. So ist es doch mit vielen Sachen im Leben. Der Eindruck zählt. Sie sahen auf den ersten Blick haargenau aus wie leckerstes Abendessen. Und so lange man nicht nah genug rangeht oder gar tatsächlich anfängt zu kochen, bleibt der Blick und die Hoffnung auf ein mögliches leckeres Essen.

Aber merkt euch: Immer erst die Finger waschen vorm Pfeifen. Sonst gibts ein böses Erwachen.

Ich halte übrigens diese Kindersprüche von wegen "jetzt stillt se, scheiß Pilze" für ein Gerücht. Wir haben uns nur einmal zum Ausruhen niedergelassen, also Flavia und ich, es ging ums Bier trinken, nicht ums kopulieren, aber dennoch saßen wir auf dem weichen Waldboden, der auf den ersten Blick auch für Kopulationszwecke durchaus geeignet wäre. Wäre da nicht dies: "Guck mal Bine, ne rieesen Waldameise. Oh, noch eine. Wo kommen die denn alle her. Hier ist ja alles voll..."

Also: Immer schön auf den Wegen bleiben. Und wenn man keine Pilze findet, kann man immer noch Zwetschgenkuchen backen. Das riecht auch hübsch herbstlich.