KühlesBlondes

Dienstag, Dezember 23, 2008

Advent Advent

Hamburg, Innenstadt, kurz vor Weihnachten

Kunde: Guten Tag, sagen Sie, wo finde ich denn hier die Finanzkrise?
Verkäufer: Tut mir leid, Finanzkrise ist aus. Kommen Sie doch im neuen Jahr nochmal wieder.

Es heißt ja, dass die Menschen um die besinnliche Zeit ein wenig näher zusammenrücken. Und wo kann man das besser beobachten, als in der Vorweihnachtszeit auf der Mönckebergstrasse. Täglich tauchen aus irgendwelchen Ecken noch mehr Menschen auf, die endlich einmal wieder in kuscheligen dreissig Meter langen Schlagen für ein paar Weihnachtskarten anstehen wollen. Weihnachten ist ein Revivaltrip in die DDR. Das ganze Jahr haben wir darauf gewartet, uns auf den Weihnachtsmärkten mit Glühwein und Eierpunsch schon ein wenig in Stimmung gebracht, und allüberall wird gemeinsam gelacht und gefachsimpelt.

"Meine Schwiegermutter hab ich schon, ich muss jetzt nur noch fünf" hör ich. Von dem sonst so überpräsenten "wir schenken uns dieses Jahr nix" ist in der Innenstadt weit und breit nix zu spüren.

Find ich ja nix verwerfliches dran. In diesen Schlangen vor den Kassen stehend, kann man ja auch das eine oder andere schöne Gespräch verfolgen. So wie gestern, als ich mit meiner Energiesparglühbirne (Sagt man gar nicht mehr, ne? Glühbirne ist doch verboten) also Energiespareinschraubleuchtmittel, welches ich dringend benötige, weil ich sonst weiter morgens im dunklen duschen müsste, in der Schlange stand.

Zwei schätzungsweise achtzehnjährige Mädels mit Migratrionsschminkproblemen (ich weiss nicht, ob das am Alter, an der etwas dunkleren Hautfarbe, oder an der Jugend von heute liegt, diese Mädchen sehen immer aus, als hätten sie ihre Gesichtsmaske glattgeschliffen und dann fröhlich bunt angemalt. Hugh), stehen vor mir. Miniröckchen, Stiefelchen, Mäntelchen. Hübsch mit diesem leicht aggressiven Touch, den die Mädels von heute leider oftmals haben. Der Tonfall ist allerdings der, den man normalerweise bei schwulen Männern unterstellt:

Mädel 1: Oh, guck mal hier (zeig auf die selbstgebaute Totemmaske), ich krieg voll die Falten hier am Auge. Mmmmmhhh. Ob man die wegspritzen kann? Also ich finde das voll schlimm. Ej, da krieg ich doch total diese Lachfalten. Seufz

Mädel2: (wirft einen prüfenden Blick auf die Augenpartie der anderen, die die babypopoglatte Spachtelmasse zwischen Daumen und Zeigefinger eingeklemmt hält und so ein paar Falten simuliert) Hmmmmmmh, oh ja, das kenn ich auch. Aber am Auge kann man da ja gar nichts machen, ne. Das geht ja mehr so an der Stirn. Aber am Auge, nee, da kann man ja nur mit Creme. Oder man lacht weniger.

Mädel1: Hach ja, du hast ja recht, ich lach halt zu viel. Aber das ist auch so schwer, immer ernst zu gucken, ne?

Mädel2: Ja du, ich kenn das, ich bin ja auch so ein lachfreudiger Mensch. Ich krieg hier ja auch ne, aber weisst du, wenn man immer nur ernst guckt, kriegt man hier oben an der Stirn Falten.

Mädel1: Aber die kann man wegspritzen.

Mädel2: Aber so gar nicht lachen? Aber ich lach doch so gern.

Mädel 1: Ja, scheisse, ne?

Ja, scheisse. Ich musste nämlich ernst bleiben in der Schlange. Wenn ich da angefangen hätte zu lachen, hätten sie mich wahrscheinlich verkloppt. So hab ich mich damit begnügt, mir auszumalen, wie das ist, wenn die Süßen irgendwann das Alter erreichen, in dem sie merken, wo man sonst noch so alles Falten kriegen kann.

Ein weiteres Mittel gegen Falten, abgesehen von den Spritzen, hätte ich den Mädchen übrigens auch verraten können. Es hat auch sein Vorteil, schon etwas älter und lebenserfahrener zu sein. Aber ich wollte auch gern noch älter werden. Ansonsten hätte ich , politisch zwar inkorrekt, aber wahr, geraten, zum Christentum zu konvertieren. Dann nämlich muss man in der Weihnachtszeit essen, essen, essen. Und dicke Leute haben deutlich weniger Falten.

In diesem Sinne, haut rein, lasst es Euch gutgehen über die Tage, lasst Euch beschenken, esst und trinkt nach Herzenslust und im Januar machen wir dann alle zusammen eine Fastenkur

Dienstag, Dezember 16, 2008

Einszweidrei - einszweidrei

Als ich noch jung war, gab es dort, wo ich großgeworden bin, noch Saalfestivitäten in mehr als angemessener Zahl. Es wurde mit dem ganzen Dorf auf dem Saal geheiratet, dass es nur so eine Freude war, an Karneval gab es Faschingsbälle (Jaja, liebe Jecken, das konnten wir auch. Unter Einfluß von Asbach mit Lift ist so einiges möglich), Schützenbälle, Feuerwehrbälle, Bällebällebälle. Immer n büschn mit schickmachen und so und entweder mit Kapelle a la Heinz Strunk, oder mit Dietmar an der Orchesterorgel.

Die jungen Frauen kicherten in der Sektbar, die Jungens standen am Biertresen, die Alten hatten alles im Blick und eines zog sich durch sämtliche Veranstaltungen: Die Herren meiner Altersklasse bekam man zu 70 % nur unter Androhung von Liebesentzug nach Hinzufügung diversester alkoholischer Getränke auf die Tanzfläche. Da so eine Tanzerei im hohen Promillebereich nicht mehr so ganz die Sissyträume der Damen unterstützte, sondern eher in Richtung Sisyphusarbeit tendierte, da das Gleichgewicht für zwei gehalten werden musste, betrunkene Tänzer sind hemmungslos, haben wir damals aus Notwehr halt untereinander getanzt. Und Michaela war ein guter Herr. Tina konnte das auch ganz gut, und wenn die Herren zu fortgeschrittener Stunde anhänglicher wurden, spielte der Mann an der Orgel eh die etwas langsameren Lieder, wo man eigentlich nur ein wenig aneinandergelehnt herumstehen musste.

Was habe ich also gelernt als großes Axiom? Männer in meinem Alter tanzen nicht.

Denkste.

In diesem Jahr zeigt sich gerade in dieser Altersklasse (jetzt auch zwanzig Jahre älter) ein Trend, der mich verwirrt. Männer, die sich damals auf dem Parkplatz versteckten, weil sie auf gar keinen Fall weibisch umherhopsen wollten, rennen heute in Salsakurse, zum Tango, Standard und Latein, besuchen in Tanzschulen "offene Tanzgelegenheiten", bei uns hieß das damals "Tanztee" und ich warte schon gespannt auf den ersten, der mir erzählt, dass mittelalterliche Schreittänze das allergrößte sind.

Ist es der Rythmus, der die Herren zieht? Das sportliche Event? Die Herausforderung der Schrittfolge? Was ist es, was diesen Hype ausgelöst hat. Dirty Dancing war es nicht, der kam ja schon viel früher. Oder hat es einfach so lange gedauert, bis die Herren aus dieser Nichttanzermännlichkeit, mit der sie mich geprägt haben, herausgewachsen sind?

Ich vermute das in der Tat. Und ich vermute weiterhin eine unmittelbare Verbindung zu den allseits präsenten Kochsendungen. Früher kochte Mutti. Frauenkram. Wie tanzen. Heute kochen Laferlichter und Güngürmüs. Voll Witzigmann. Kochen, putzen und Haushaltssorge....ich halte die Emanzipation für abgeschlossen. Meinetwegen. Hauptsache, ich darf die Frau bleiben und muss weder beim Tanzen führen, noch Bohrmaschinen benutzen. Ich komm euch auch ein wenig entgegen und töte meine Spinnen selbst.

Auch im Wiegeschritt. Wenns nötig ist.

Donnerstag, Dezember 11, 2008

Blödes Gör

Zwar bin ich grade einmal wieder der Vierzig etwas nähergerutscht, dennoch fühle ich mich momentan ein wenig wie eine wirklich ätzende Zwölfjährige. Das Innenverhältnis zu mir selbst ist nun einmal nicht immer deckungsgleich mit der zumeist ausgeglichenen Aussenwirkung, die ich natürlich in gesellschaftlich angemessener Art und Weise anzupassen weiss.

Dieses ätzende Blag taucht turnusmäßig immer wieder ungefragt auf und ist die destruktive Seite der Sonne meines inneren Teams. Dieses Gör ist der personifizierte passive Widerstand, was sich im Falle ihres Erscheinens schon am frühen Morgen darin bemerkbar macht, dass sie nicht aufsteht. Verdammt. Mein normal denkendes Ich ist durchaus in der Lage zu entscheiden: "Hey, Bine, wird mal langsam wieder Zeit, ein wenig disziplinierter durch das Leben zu gehen. Andere machen das auch. Dazu gehört dann auch mal, schon um halb neun/neun zur Arbeit zu gehen. Dafür musst du noch nicht einmal früher aufstehen (!), du musst nur früher aus dem Haus gehen als sonst."

Sprachs, wachte heute morgen auf und lag da wie festgenagelt. Zwar durchaus zur richtigen Uhrzeit, wo stressfrei alles machbar war was machbar sein sollte, dachte noch "so, das hat ja gut geklappt, dann steh ma auf, Binschn", da sperrte sich dieses Rotzblag, sagte so etwas wie "hhhhmmmmmmnööööööööö" und blieb liegen. Bis zwanzig vor neun. Die ist doch irre. Ich wette, dass ich rechtzeitig aufgestanden wäre, wenn das mit der Disziplin nicht so laut geäussert hätte. Obwohl...im Moment ist sie eh da. Sie stellt mit Absicht ihre Kaffeebecher nicht in den Geschirrspüler und im Schlafzimmer liegt ein riesengroßer Klamottenberg, der ein gehöriges Ohrenziehen verlangt. So eine Schlampe.

In der Spüle steht ein ungespülter Topf, der Geburtstagstisch ist immer noch in Fragmenten anwesend, hier hat also keiner das Esszimmer zwischendurch mal wieder "hübsch" gemacht, die Wollmäuse wandern schon wieder Hand in Hand und singend durch den Flur und die alte Zicke sitzt mit tückischem Blick in der mentalen Ecke, die Haare zerklettet, aussehend, als hätte sie mal wieder mit Zopf geschlafen und würde schon die Idee einer Bürste aber mal so gar nicht in Betracht ziehen. Außerdem trinkt sie den ganzen Tag Glühwein und stopft Süßigkeiten in sich rein. Und ich werd immer dicker. Das ist doch voll gemein, ej.

Vertrauter Feind. Sie kommt und sie geht. Und irgendwann finde ich auch raus, warum, und wie ich sie mir vom Hals halte. Wahrscheinlich hört sie immer wenn es mir zu gut geht und sagt sich: "Polarität ist wichtig." Yingjangdingdong.

Ach, tückisch und jetzt auch noch esoterisch? Nein, von so einem Zeug hat die sicher keine Ahnung. Sie ist lediglich ein alter Stänker. Die gibts ja leider auch. Ich kann aber drauf verzichten. Heute Abend geh ich erstmal mit ihr zum Zahnarzt. Wolln wir doch mal sehen, wie ihr das schmeckt.

Nörgel.

Donnerstag, Dezember 04, 2008

Heute kann es regnen, stürmen oder schnein...

Ich habe eine Kerze für mich angezündet.

Ich habe eine Kerze für mich angezündet und Karten vor einer Blumenvase arrangiert. Doch auf den Karten sind nicht etwa Kreuze zu finden, sondern Pralinen und sowas, die Worte innendrin künden auch nicht von allzu großer Trauer und auf der Kerze ist eine Zahl mit einem albernen Spruch darunter. Und jetzt sitze ich davor und freu mich, dass ich bin. Zwar etwas älter mal wieder, doch die Zahl 38 klingt und sieht aus wie eine Runde Sache. So seh ich ja momentan auch aus, zumindest partiell, ein Alter, mit dem ich mich also völlig depressionsfrei anfreunden kann. Im Gegensatz zu meiner Figur, aber das ist heute nicht mein Thema.

Selten hatte ich beim Aufwachen an meinem Geburtstag so gute Laune wie heute.

Gestern, sozusagen im Sinkflug auf diesen Tag, der, bei aller Coolness, doch irgendwie innendrin immer etwas besonderes ist, den man natürlich auch so verstreichen lassen könnte, weil er so unwichtig ist, was man aber irgendwie doch nicht kann, ich zumindest, kaute ich so für mich auf diesen Fragen rum, die man sich in der Mitte des Lebens irgendwann stellt: Ist das okä so? War es das, was du wolltest? Ist es das, was du wolltest? Kann das so weitergehen? Gibt es noch Wünsche? Wie waren sie mal, die Wünsche?

Als ich achtzehn Jahre alt war, war ich unglaublich alt. Ich hatte klare politische und soziale Meinungen, ich war bereit für die erste Dauerwelle und fest davon überzeugt, spätestens mit 23 oder 24 Jahren Kinder zu bekommen, damit ich keine alte Mutter werde. Ich lebte in der Kleinstadt mit dem festen Wissen, irgendwann dort ein Haus zu besitzen und diese Vorstellung fühlte sich gut an. Als sich dann mit 23 diese Möglichkeit bot, der Damalige also mit entsprechenden "man-hat-nie-wieder-so-viel-Zeit-für-sein-Kind-wie-als-Student"-Ideen um die Ecke kam, war ich schon panisch drei Ecken weiter und hab mich lieber nicht mehr umgedreht. So wurde ich also keine Arztgattin. Da kann man mal sehen, wie sicher man zu seinen Lebensentwürfen mit achtzehn steht.

Mit achtundzwanzig war ich dann austherapiert, ich hatte ein paar Jahre Extremselbstfindung mit all diesen peinlichen Büchern, die sich manchmal noch in meinem Bücherschrank materialisieren, wenn andere Leute diesen durchflözen, hinter mir. Ich habe mich von vorne bis hinten kennengelernt und hatte dann schließlich keine Lust mehr darauf. Diese Innenschau kann nämlich auf Dauer auch ganz schön nervig sein. Da war ich dann mal wieder bereit für diese Vattamuttakindideen und zog mit dem seinerzeitigen Erwählten an den Stadtrand, um dort ein Nest zu bauen. Als dann die Gespräche tatsächlich in die Familienecke wanderten, nahm der seinerzeit Erwählte die Beine in die Hand und lief. So wurde ich also keine Frau Bankdirektor und mein Karmagutbösekonto war wieder ausgeglichen.

Und jetzt bin ich achtunddreissig und plane nicht mehr. Ich bin gesund, habe eine schöne Wohnung, ich habe eine reizende Familie, ich habe gute Freunde und habe einen Job mit netten Kollegen, der mir keine Bauchschmerzen verursacht.

Da kann einem schlecht werden, was? Natürlich läuft rundherum nicht immer alles rund und ich renne nicht ständig mondkuchenstrahlend durch die Gegend, was aber heute für mich keinen Grund mehr darstellt, an dieser Basis zu zweifeln.

Als in einem Selbstmanagementseminar der Trainer fragte: Wenn Sie sich vorstellen, Sie haben genau dieses Leben, welches sie heute haben, in zehn Jahren immer noch, wie fühlt sich das an? Was möchten Sie ändern? Da dachte ich: "Naja, alles in allem....ich hätte vielleicht gern einen anderen Schrank im Eßzimmer".

Ich bin schon ein zufriedenes altes Binchen. Und ich wünsche mir selbst von Herzen, dass das noch lange so bleibt. Und wenn nicht, möchte ich mich bitte daran erinnern, dass ich heute mondkuchenstrahlend mein Leben überdachte und für gut befand.

Freitag, November 28, 2008

Drews ist Linksträger

Am letzten Sonntag habe ich im Fernsehen beim Durchzappen etwas entdeckt, was mich einen deutlichen Drang verspüren ließ, mich auf den Boden zu werfen, mir abwechselnd die Ohren zuzuhalten und ein wenig um mich zu schlagen, um dann, zum krönenden Abschluß, ins Wohnzimmer zu brechen. Also die ganze Palette hysterischpanischer Aktivitiät, die ich mich, wenn überhaupt, zuletzt im Alter von zwei Jahren traute. Ungefähr genauso lange mag es her sein, dass ich den Magendeckellöser das erste Mal im Fernsehen sah.

Da saß er in der Kocharena, der Jürgen Drews. Das allein mag noch keinen ausreichenden Grund zum Brechen darstellen, der Blick auf seine Hose aber durchaus. Herr Drews trug eine um eine Nummer zu kleine weisse Röhrenjeans, die, wie soll ich sagen, keine Fragen offenließ. Diese Hose schnürte sich nicht nur recht vakuumatös um seine Anatomie, sie erlaubte ihm auch nur eine Sitzhaltung, bei der keine Spontanabbindungen ausgelöst werden. Eine in Männerkreisen übrigens recht weit verbreitete Sitzposition, die an die Wochenshow, Ingo und "Millemillemille" denken lässt. Halb im Sessel liegend, die Beine in einem Winkel von ungefähr 95 Grad auseinandergestellt, die Hand in Al-Bundy-Manier auf dem, äh, Oberschenkel ruhend. Herr Drews benutzte als offenkundiger Linksträger natürlich die linke Hand.

Ich habe zwar eine gewisse Neigung, anderen Menschen auf den Hosenstall zu schielen, aber ich reagiere doch etwas echauffiert, wenn mir die Mitten von Menschen ungefragt aufs Auge gedrückt werden. Es gibt Dinge, die will ich nicht wissen. Erst recht nicht von Herrn Drews.

Wobei man den alten Jodeldödel wahrscheinlich noch nicht einmal wirklich für sein Verhalten verantwortlich machen kann. Viele Menschen, die - älterwerdend - ins Arbeitsleben tauchen, Familien gründen und mit ganz vielen Sachen beschäftigt sind, die mit abendlichem Weggehen nichts zu tun haben, holen, sobald sie die Gelegenheit bekommen mal wieder ein wenig auf die Rolle zu gehen, die Klamotten aus dem Schrank, die sie in ihrer Sturm- und Drangzeit trugen. Und in den Fünzigern waren es nunmal Röhrenjeans.

Ich bin sicher, dass man auf einer Ü-40-Party diverse weinrote Sportmoderatorenjacketts mit Ärmelaufschlag im DonJohnsonlook sehen wird, ein paar pinke Strechminis mit kurzen Lederjacken, vielleicht noch ein Paar Sweatshirtpumphosen und natürlich die gute alte Karotte. Mit Pumps. Man sieht zwar aus wie ein lebender Füller, aber man trug das damals so. Dann noch schön den Pony hochtoupieren und rauf auf die Tanzfläche. Glitzer auf dem T-Shirt mit seitlichem Knoten in Hüfthöhe, den Pferdeschwanz ganz revolutionär oben links auf dem Kopf und das schöne lila Hemd mit Blümchenmuster. Hawaii geht auch. Hauptsache, es passt noch.

Wahrscheinlich lacht sich die Jugend von heute auch schon über meinen üblichen Jeansundpulli-Look kaputt. Obwohl, wenn ich mir die Kiddies heute so angucke...die sehen genauso beknackt aus, wie wir damals. Die sollen sich das Lachen mal schön verkneifen.

Mittwoch, November 26, 2008

Fragt Ihr Euch auch manchmal...

...warum Trüffeleis eigentlich nicht nach Pilzen schmeckt? Wobei, ist ja auch irgendwie gut so.

Freitag, November 21, 2008

So lange die dicke Frau noch singt....

Eines sei kurz vorweggenommen, nur für den Fall, dass es in diesem Jahr wider Erwarten nicht mehr passieren sollte: Als ich eben aus dem Fenster schaute, segelten dicke weisse schöne Schneeflocken zur Erde. Diese Sorte Schneeflocken, die einen wohlig schauern und ein Feuer in der Ecke des Zimmers anzünden lässt. Ich hatte meinen Vermietern schließlich gesagt, dass ich den Kachelofen behalten will...Wer nicht hören will, nichwahr?

Na gut, in Anbetracht der Tageszeit, in welcher Kaminfeuer höchstens praktisch, aber nicht behaglich sind, da die Unbillen des Arbeitstages noch vor mir liegen, verzichte ich ausnahmsweise darauf, meine Wohnung anzuzünden und erzähle, was ich eigentlich erzählen wollte. Heute gehts um Kultur.

Die an mir geleistete Erziehung hat durchaus dazu geführt, dass ich Kultur auch in frühen Jahren schon nicht nur für einen Ort hielt, an dem man Zahnbürsten aufbewahrt. Da die Annährung an Kunst und Kultur in einer sehr freiwillig gestalteten Art und Weise geschah, habe ich lernen dürfen etwas auch blöde zu finden, selbst wenn die gesamte Öffentlichkeit den Atem anhält. Den Film "Babel" zum Beispiel. Gott war der blöde. Selten so einen beknackten Film gesehen. Auch wenn man mir hinterher erklärte, dass ich ihn überhaupt niemals synchronisiert schauen dürfte, weil grad dieser Sprachwechsel Mexikanisch, Japanisch, Englisch, und dass grad dieses globale Sprachwirrwar die Tiefe des Filmes...super.

Das geht mir dann aber mit jedem unsynchronisierten Film so. Wenn die Babel-Gutfinder "Adams Äpfel" im Original gucken, haben sie nicht nur lustige Bilder, sondern den gleichen Babel-Effekt. Wenn sie nicht grad der dänischen Sprache mächtig sind. Und sie dürfen zumindest eine Handlung verfolgen, welche...

Aber auf Filme wollte ich gar nicht. Ich hab mich nur hinreissen lassen. Ich war doch grad bei dem Thema "Kultur auch mal blöde finden dürfen". Mancher Kultur spreche ich, selbst wenn ich für mich entscheide, dem nichts abgewinnen zu können, den Status überhaupt nicht ab. Karl Valentin zum Beispiel. Seit Kindertagen unter "kulturell wertvoll und ausserdem witzig" gespeichert, habe ich mich tatsächlich einmal mit Karten versorgt und durch einen Karl-Valentin-Abend gelangweilt. Seitdem weiss ich, dass der Bayer und die Hamburgensie keine Freunde fürs Leben wären, würden wir uns kennen. Aber seine Zitate - vereinzelt - verehre ich dennoch. "Mögen täten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut"..... allein für diesen Satz liebe ich ihn aus der Ferne.

Ich latsche immer wieder mal ins Museum, um mich abwechselnd anöden und begeistern zu lassen, ich renne verhälnismässig regelmäßig in ein bestimmtes Theater, in welchem ich bisher jedes Mal in der Pause kopfschüttelnd die Vorstellung verlassen habe. Es kann ja mal was gutes kommen. Vielleicht hätte ich mich in diesem Jahr zum Weihnachtsmärchen anmelden sollen. Das hätte mir vielleicht gefallen. Auch dort.

Ich gehe zu Lesungen mit Kammerkonzertbegleitung und ohne Kammerkonzert, dafür mit Kaffeeduft und selbstgebackenem Kuchen, ich besuche Liederabende von Schubert, gehe in Kirchenkonzerte und bin auch ein Musicalgernhörer. Was bisher immer ein wenig auf der Strecke blieb, war die Oper.

Natürlich sass ich als Kind auch mit glühenden Augen in der Zauberflöte für Blagen und war hin- und weg. Natürlich entschied ich als Erwachsene, unbedingt diese Zauberflöte wiedersehen zu wollen. Und natürlich geriet ich in eine Inszenierung, die eher "modern" überhaupt keinen Erkennungswert für die Optik bot und mich daher in die Schmollecke schob. Die Tatsache, dass es sich um eine Open-Air-Oper im strömenden Regen handelte, die so viel kostete wie ein Mittelklassewagen und einen Service bot wie eine Jugendherberge, half auch nicht grade, mir "Opern sind toll-Aussagen" zu entlocken. Gut, die Musik war hübsch. Aber die kann ich auch auf CD.

Opern fielen also weiterhin aus. Zugegebenermaßen verfolgte mich auch eine Angst vor Sopranarien. Das kann ganz schön schlimm sein. Männergesang, meinetwegen auch bis Tenor hoch, finde ich sehr schön, schreiende Frauen legten nach meiner Meinung einen so dermaßen unangenehmen Steptanz auf meiner Ohrschnecke hin, dass ich das auch gern umging.

In der letzten Woche war es dann mal wieder Zeit für einen Test. Denn genauso, wie in in regelmäßigen Abständen die Dinge esse, die ich ums verrecken nicht abkann (Leber, Dosenmais, Milchreis), weil es sein kann, dass der Körper sich mit einem Mal entscheidet, die Vorlieben auf diese zunächst verschmähten Gerichte auszubreiten (Sauerbraten, Birnen Bohnen und Speck, Königsberger Klopse), muss man auch mal andere Abneigungen ausprobieren um sich zu bestätigen oder überraschen zu lassen.

Die Einladung in die Oper kam mir da gerade Recht. Turandot sollte es geben, die Oper, mit der der Telekomheini Paul Potts seinen Durchbruch geschafft hat, und diese Einladung hieß "Oper mit Rotwein und Käsestullen". Ich brachte die Käsestullen, mein Begleiter den Wein. Nun ist die Vorstellung sehr witzig, im Parkett der Hamburger Staatsoper seinen Picknickkorb auszupacken und Limburgerschnitten zu mampfen, um dann Anfeindungen und gerümpften Nasen mit hochgezogener Stirn und dem vorwurfsvollem Hinweis, doch nicht in die Vorstellung zu quatschen, zu begegnen. Doch mein Begeleiter soll seinen Job in der Oper gerne behalten, weswegen wir eine etwas abgeschiedenere Basis aufsuchten, wo wir nach Herzenslust rumstinken und Budnikowski-Wein trinken konnten.

Hoch oben über dem Parkett waren für uns diese Raumschiffsessel reserviert, in welchen sonst Beleuchter mit Spots die Sänger auf der Bühne verfolgen. Die Idee, diverse Knöpfe auszuprobieren, wurde im Keim erstickt mit "die gehen jetzt nicht" und so hatte ich Gelegenheit, die gesamte Turandot anzuschauen, ohne vorher rauszufliegen.

Was soll ich sagen. Es schmeckte. Sogar als die dicke Frau schrie, war ich immer noch ganz angetan und bewegt. Diesen Blödarsch der da seinen Vater draufgehen und die Sklavin totfoltern lässt für so ne blöde Prinzessinenbraut, hätte ich zwar gern mal in die Finger bekommen, aber im großen und ganzen hat es mir hervorragend gefallen. Ich könnte mir fast vorstellen, öfter in die Oper zu gehen.

Hab ich schon mal gesagt, dass ich alt werde? Ich habe schon total Angst vor dem Moment, wo ich anfange Kittelschürzen gutzufinden und Bauernmalerei. Oder Andrea Berg. Aber egal wie alt ich werde und was ich alles noch so gutfinden werde, so lange die dicke Frau noch schreit, ist die Oper noch nicht zu Ende.