Advent Advent
Hamburg, Innenstadt, kurz vor Weihnachten
Kunde: Guten Tag, sagen Sie, wo finde ich denn hier die Finanzkrise?
Verkäufer: Tut mir leid, Finanzkrise ist aus. Kommen Sie doch im neuen Jahr nochmal wieder.
Es heißt ja, dass die Menschen um die besinnliche Zeit ein wenig näher zusammenrücken. Und wo kann man das besser beobachten, als in der Vorweihnachtszeit auf der Mönckebergstrasse. Täglich tauchen aus irgendwelchen Ecken noch mehr Menschen auf, die endlich einmal wieder in kuscheligen dreissig Meter langen Schlagen für ein paar Weihnachtskarten anstehen wollen. Weihnachten ist ein Revivaltrip in die DDR. Das ganze Jahr haben wir darauf gewartet, uns auf den Weihnachtsmärkten mit Glühwein und Eierpunsch schon ein wenig in Stimmung gebracht, und allüberall wird gemeinsam gelacht und gefachsimpelt.
"Meine Schwiegermutter hab ich schon, ich muss jetzt nur noch fünf" hör ich. Von dem sonst so überpräsenten "wir schenken uns dieses Jahr nix" ist in der Innenstadt weit und breit nix zu spüren.
Find ich ja nix verwerfliches dran. In diesen Schlangen vor den Kassen stehend, kann man ja auch das eine oder andere schöne Gespräch verfolgen. So wie gestern, als ich mit meiner Energiesparglühbirne (Sagt man gar nicht mehr, ne? Glühbirne ist doch verboten) also Energiespareinschraubleuchtmittel, welches ich dringend benötige, weil ich sonst weiter morgens im dunklen duschen müsste, in der Schlange stand.
Zwei schätzungsweise achtzehnjährige Mädels mit Migratrionsschminkproblemen (ich weiss nicht, ob das am Alter, an der etwas dunkleren Hautfarbe, oder an der Jugend von heute liegt, diese Mädchen sehen immer aus, als hätten sie ihre Gesichtsmaske glattgeschliffen und dann fröhlich bunt angemalt. Hugh), stehen vor mir. Miniröckchen, Stiefelchen, Mäntelchen. Hübsch mit diesem leicht aggressiven Touch, den die Mädels von heute leider oftmals haben. Der Tonfall ist allerdings der, den man normalerweise bei schwulen Männern unterstellt:
Mädel 1: Oh, guck mal hier (zeig auf die selbstgebaute Totemmaske), ich krieg voll die Falten hier am Auge. Mmmmmhhh. Ob man die wegspritzen kann? Also ich finde das voll schlimm. Ej, da krieg ich doch total diese Lachfalten. Seufz
Mädel2: (wirft einen prüfenden Blick auf die Augenpartie der anderen, die die babypopoglatte Spachtelmasse zwischen Daumen und Zeigefinger eingeklemmt hält und so ein paar Falten simuliert) Hmmmmmmh, oh ja, das kenn ich auch. Aber am Auge kann man da ja gar nichts machen, ne. Das geht ja mehr so an der Stirn. Aber am Auge, nee, da kann man ja nur mit Creme. Oder man lacht weniger.
Mädel1: Hach ja, du hast ja recht, ich lach halt zu viel. Aber das ist auch so schwer, immer ernst zu gucken, ne?
Mädel2: Ja du, ich kenn das, ich bin ja auch so ein lachfreudiger Mensch. Ich krieg hier ja auch ne, aber weisst du, wenn man immer nur ernst guckt, kriegt man hier oben an der Stirn Falten.
Mädel1: Aber die kann man wegspritzen.
Mädel2: Aber so gar nicht lachen? Aber ich lach doch so gern.
Mädel 1: Ja, scheisse, ne?
Ja, scheisse. Ich musste nämlich ernst bleiben in der Schlange. Wenn ich da angefangen hätte zu lachen, hätten sie mich wahrscheinlich verkloppt. So hab ich mich damit begnügt, mir auszumalen, wie das ist, wenn die Süßen irgendwann das Alter erreichen, in dem sie merken, wo man sonst noch so alles Falten kriegen kann.
Ein weiteres Mittel gegen Falten, abgesehen von den Spritzen, hätte ich den Mädchen übrigens auch verraten können. Es hat auch sein Vorteil, schon etwas älter und lebenserfahrener zu sein. Aber ich wollte auch gern noch älter werden. Ansonsten hätte ich , politisch zwar inkorrekt, aber wahr, geraten, zum Christentum zu konvertieren. Dann nämlich muss man in der Weihnachtszeit essen, essen, essen. Und dicke Leute haben deutlich weniger Falten.
In diesem Sinne, haut rein, lasst es Euch gutgehen über die Tage, lasst Euch beschenken, esst und trinkt nach Herzenslust und im Januar machen wir dann alle zusammen eine Fastenkur
Kunde: Guten Tag, sagen Sie, wo finde ich denn hier die Finanzkrise?
Verkäufer: Tut mir leid, Finanzkrise ist aus. Kommen Sie doch im neuen Jahr nochmal wieder.
Es heißt ja, dass die Menschen um die besinnliche Zeit ein wenig näher zusammenrücken. Und wo kann man das besser beobachten, als in der Vorweihnachtszeit auf der Mönckebergstrasse. Täglich tauchen aus irgendwelchen Ecken noch mehr Menschen auf, die endlich einmal wieder in kuscheligen dreissig Meter langen Schlagen für ein paar Weihnachtskarten anstehen wollen. Weihnachten ist ein Revivaltrip in die DDR. Das ganze Jahr haben wir darauf gewartet, uns auf den Weihnachtsmärkten mit Glühwein und Eierpunsch schon ein wenig in Stimmung gebracht, und allüberall wird gemeinsam gelacht und gefachsimpelt.
"Meine Schwiegermutter hab ich schon, ich muss jetzt nur noch fünf" hör ich. Von dem sonst so überpräsenten "wir schenken uns dieses Jahr nix" ist in der Innenstadt weit und breit nix zu spüren.
Find ich ja nix verwerfliches dran. In diesen Schlangen vor den Kassen stehend, kann man ja auch das eine oder andere schöne Gespräch verfolgen. So wie gestern, als ich mit meiner Energiesparglühbirne (Sagt man gar nicht mehr, ne? Glühbirne ist doch verboten) also Energiespareinschraubleuchtmittel, welches ich dringend benötige, weil ich sonst weiter morgens im dunklen duschen müsste, in der Schlange stand.
Zwei schätzungsweise achtzehnjährige Mädels mit Migratrionsschminkproblemen (ich weiss nicht, ob das am Alter, an der etwas dunkleren Hautfarbe, oder an der Jugend von heute liegt, diese Mädchen sehen immer aus, als hätten sie ihre Gesichtsmaske glattgeschliffen und dann fröhlich bunt angemalt. Hugh), stehen vor mir. Miniröckchen, Stiefelchen, Mäntelchen. Hübsch mit diesem leicht aggressiven Touch, den die Mädels von heute leider oftmals haben. Der Tonfall ist allerdings der, den man normalerweise bei schwulen Männern unterstellt:
Mädel 1: Oh, guck mal hier (zeig auf die selbstgebaute Totemmaske), ich krieg voll die Falten hier am Auge. Mmmmmhhh. Ob man die wegspritzen kann? Also ich finde das voll schlimm. Ej, da krieg ich doch total diese Lachfalten. Seufz
Mädel2: (wirft einen prüfenden Blick auf die Augenpartie der anderen, die die babypopoglatte Spachtelmasse zwischen Daumen und Zeigefinger eingeklemmt hält und so ein paar Falten simuliert) Hmmmmmmh, oh ja, das kenn ich auch. Aber am Auge kann man da ja gar nichts machen, ne. Das geht ja mehr so an der Stirn. Aber am Auge, nee, da kann man ja nur mit Creme. Oder man lacht weniger.
Mädel1: Hach ja, du hast ja recht, ich lach halt zu viel. Aber das ist auch so schwer, immer ernst zu gucken, ne?
Mädel2: Ja du, ich kenn das, ich bin ja auch so ein lachfreudiger Mensch. Ich krieg hier ja auch ne, aber weisst du, wenn man immer nur ernst guckt, kriegt man hier oben an der Stirn Falten.
Mädel1: Aber die kann man wegspritzen.
Mädel2: Aber so gar nicht lachen? Aber ich lach doch so gern.
Mädel 1: Ja, scheisse, ne?
Ja, scheisse. Ich musste nämlich ernst bleiben in der Schlange. Wenn ich da angefangen hätte zu lachen, hätten sie mich wahrscheinlich verkloppt. So hab ich mich damit begnügt, mir auszumalen, wie das ist, wenn die Süßen irgendwann das Alter erreichen, in dem sie merken, wo man sonst noch so alles Falten kriegen kann.
Ein weiteres Mittel gegen Falten, abgesehen von den Spritzen, hätte ich den Mädchen übrigens auch verraten können. Es hat auch sein Vorteil, schon etwas älter und lebenserfahrener zu sein. Aber ich wollte auch gern noch älter werden. Ansonsten hätte ich , politisch zwar inkorrekt, aber wahr, geraten, zum Christentum zu konvertieren. Dann nämlich muss man in der Weihnachtszeit essen, essen, essen. Und dicke Leute haben deutlich weniger Falten.
In diesem Sinne, haut rein, lasst es Euch gutgehen über die Tage, lasst Euch beschenken, esst und trinkt nach Herzenslust und im Januar machen wir dann alle zusammen eine Fastenkur

