Dienstag, Juli 11, 2006

Träume

Nee, was hab ich komische Sachen geträumt letzte Nacht. Normalerweise erinner ich mich kaum und eigentlich behalte ich Erinnertes auch für mich. Aber heute möchte ich "Danke" sagen. Und zwar dem Menschen, der mich vor ein paar Jahren halbwegs zwang, mich freiwillig etwas intensiver mit dem Thema Sportklettern auseinanderzusetzen, obwohl ich eigentlich der Meinung war, daß ich mit meinem etwas runderen Hintern nicht unbedingt in die Riege der bunten Punkte in den Felswänden paßte. Die sind ja alle eher drahtig. Dachte ich. Aber als ich den Bauch vom Kletterlehrer sah, war ich eines besseren belehrt. Das können also auch normale Leute ohne schicke Sportbikinis mit Kopftuch.

Ich wurde zwar nie richtig gut, aber eine Route mit durchschnittlichem Schwierigkeitsgrad habe auch ich irgendwann meistern können. Ich kam also immer hoch. Man muß ja nicht immer den schwersten Weg nehmen. Also, "Danke" R, ich denke noch gern an die Zeit, als ich in der Wand hing, das linke Bein auf einem Vorsprung in der Wand, der eigentlich nur dadurch zu erkennen war, daß dort der Fels etwas heller war als anderswo, das rechte Bein fast im Spagat auf einer etwas entfernten Wand, die im 90-Grad-Winkel stand, die Arme weit ausgebreitet in die beiden einzigen Vorsprünge gekrallt, die dafür geeignet waren, um von unten folgende Anweisungen entgegenzunehmen: So, hast du die rechte Hand sicher? Dann jetzt Ganzkörperspannung, drück das rechte Knie durch und zieh dich mit dem langen rechten Arm ein Stück höher, versuch einen Gegendruck mit dem linken Fuß am glatten Fels zu erreichen und immer schön mit dem Hintern an der Wand bleiben (mein Körperschwerpunkt hatte eine andere Dynamik als andere Klettererhintern. Den mußte man immer daran erinnern an der Wand zu bleiben). Prima und JETZT greif mit dem langen linken Arm über Kreuz über den rechten Arm, siehst du dort die Felsspalte, ein Stückchen höher ist sie breit genug für deine Finger. Ganzkörperspannung halten, los jetzt, dynamisch klettern, du brauchst Schwung, ja, jetzt da, nein Bine, du mußt die Spannung halten, was machst du mit dem linken Fuß. Nicht hängen lassen, du sollst dich....klatsch. Na gut, ruh dich ein wenig aus, beim nächsten Mal schaffst du das.

Für mich klang das manchmal so: So Bine, das da vor dir ist ein Spiegel. Laß dir jetzt Saugnäpfe wachsen. Wenn du damit fertig bist, halt dich gut fest. Nimm jetzt dein linkes Bein und führe es über den Rücken am rechten Ohr vorbei zu dem kleinen Sprung über dir. Körperspannung halten. Das ganze machst du jetzt andersrum mit dem anderen Bein. Prima. Und jetzt hakst du dich mit den Fersen in die Sprünge, schwingst mit dem gesamten Oberkörper durch die Beine, ordentlich Schwung nehmen, vollziehe eine kleine Schraube, aber halt den Hintern immer schön an der Wand, und dann fährst du mit dem linken Zeigefinger in das Loch im Fels zwei Meter über dir. Nein, die wachsen nicht nach. Also gib dir Mühe. Prima. Das machen wir gleich noch einmal. War doch gar nicht so schwer.

In meinem Traum mußte ich nämlich diverse Male in einen Raum im oberen Stock eines Hauses und niemand schien zu bemerken, daß die Treppe fehlt. Und so hangelte ich mich zwar widerstrebend, aber durchaus erfolgreich an Fugen und Mauervorsprüngen nach oben. Und auch nach unten. Weil ich das erste Mal oben angekommen feststellen mußte, daß ich den Schlüssel vergessen hatte. Was hätte ich bloß gemacht, wenn ich nicht gewußt hätte wie das geht?

In einer anderen Szene des Traumes saß ich in der Sonne und freute mich meines Lebens. Die Sonne stand links über mir und ich hatte Spaß und Freude daran zu wissen, daß sie jetzt noch über den halben Himmel wandert und ich immer weiter ihre Strahlen genießen kann. Und dann, ich war fassungslos, wanderte der große gelbe Mistball mit einem Mal falschrum und verschwand hinter mir über einem Kirchturm. Und es wurde sofort stockduster.

Wem ich für diese Szenerie danken darf, weiß ich auch. Vielen Dank B. Kinderlose Singles mittleren Alters, nehmt euch in acht. Geht niemals mit einem Kumpel ein Feierabendbier trinken, der vor drei Monaten im Alter von Ende dreissig sein erstes Kind bekommen hat. Mit einer dreissigjährigen jungen Frau. Der jetzt zum Kreis der Erleuchteten gehört und damit der Meinung ist, euch mit seinen Ansichten zu Risikogeburten ab einem bestimmten Alter und den Uraltansichten dazu, daß die Eltern in der Schule irgendwann aussehen wie die Großeltern, was die Kinder quälen würde, nerven zu dürfen.. Außerdem hätten ältere Eltern gar keinen Bezug mehr zu Kindern, weil das bei ihnen schon so lange her sei. Unglückliche Kinder, Erziehungsprobleme und Verständnislosigkeit würden den Weg säumen.

Vielen Dank. Ich weiß, daß ich bald mein sechsunddreissigstes Jahr vollendet haben werde, ohne meiner evolutionären Pflicht nachgekommen zu sein. Ja, ich weiß, daß die Sonne der Fruchtbarkeit jetzt langsam hinter dem Kirchturm verschwindet. Jajajajaja. Na und? Um mich machte der hormonelle Supergau halt bisher einen großen Bogen. Wenns nicht paßt, paßt es nicht. Und noch scheint die Sonne ein Weilchen. Wir mir ein Exfreund bestätigte: Bine, dank der medizinischen Fortschritte könntest sogar du noch Mutter werden. Und der muß das wissen, der ist Arzt. Ich habe also theoretisch noch genug Zeit für eine Supernova.

Auf meinem Balkon besteigt grad eine Babyhummel meine neuen Lupinen. Daran ist doch irgendwas falsch?

Kommentare :

FrauLehmann hat gesagt…

Ähm...wie sehen denn Babyhummeln aus? Machst du mir heute die Putzfee? ;)

Makrele hat gesagt…

> Auf meinem Balkon besteigt grad eine Babyhummel meine neuen Lupinen. Daran ist doch irgendwas falsch?

Du hast Lupinen auf dem Balkon? Na, was ist an dieser Situation wohl falsch?

Kühles Blondes hat gesagt…

Fischlein, Ja ich hab Lupinen auf dem Balkon. Und daran ist gar nix falsch. Die gabs beim Spar.

Frau Lehmann, klein. Babyhummeln sind sehr klein. Aber hummelig. Und Sie putzen gefälligst selbst :)

Makrele hat gesagt…

Ich hatte mal Zierdisteln und Kletten im Vorgarten - aber nur um die benachbarten Hundebesitzer zu ärgern die ihre Viecher in unseren Garten gelassen haben.

Der_grosse_Transzendentale_Steini hat gesagt…

Komisch. Ich hab auch oft Träume, in denen ich - sagen wir mal, an einen Kneipentisch zu kommen - durch enge Höhlen über schwindelde Abgründe hangeln muss. Bedeutet bestimmt irgendwas wichtiges, keine Ahnung was.

Das die Sonne falschrum und zu schnell untergeht, hab ich aber noch nie geträumt. Vielleicht, weil ich ein Mann bin. Oder ein sonniges Gemüt hab.

tiescher hat gesagt…

Die Wahrheit ist: Spinnenphobie!

Kletern, Saugnäpfe > Spiderman > Spinnen... So einfach ist das mit der Traumdeutung :-)))

Spaß haben!