Montag, September 18, 2006

Tupperware

Jaja, Tupperware, danke Dennis, da werden Erinnerungen wach. Da kommt wirklich freiwillig kein Geruch heraus aus diesem leicht überteuerten Plastikkram. Ich weiß das, weil ich einst, vor vielen Jahren, mit einem Freund, einem Auto und einer Tupperware-Dose auf der Hutablage, in welcher sich von Mutti bereitete Frikadellen befanden, drei Wochen durch Schweden fuhr. Schweden war schön, der Freund und ich, wir mochten uns, das Auto lief, und die blöde Dose hatten wir vergessen.

Auf einem Campingplatz in Kollevik griff ich dann an jenem denkwürdigen Tag die ebenfalls auf der Hutablage liegende Jacke, Kollevik heißt nicht umsonst in der Übersetzung "Kalte Bucht", und entdeckte unser Picknick des ersten Fahrtages.

Sehr gemeinschaftlich und harmonisch öffneten wir die Dose und auf der Stelle verwelkten im Umkreis von 100 Metern alle Bäume. Alter Schwede. Das war ein Aroma der besten Sorte. Normalerweise wird so etwas durch grünen Rauch untermalt. Damals nicht. Das stank einfach nur zum Gotterbarmen. Seitdem liegt im Süden von Schweden eine Tupperdose begraben. Gleich neben der Dose Labskaus, die wir vergeblich hofften, mit Ketchup schmackhafter zu machen. Das war ein Tag, an dem wir uns entscheiden mußten zwischen der Umwelt und unserem Leben. Ich bin sicher, daß wir uns richtig entschieden haben.

So romantisch. Ein toller Urlaub.

Ein paar Jahre später fand ich nach einer meiner zahllosen Wohnungseinweihungen nach ein paar Tagen in der Küche eine etwas aktuellere Variante aus dem Hause Tupper. Ein Schüsselchen mit Deckelchen, welches nicht durchsichtig, sondern blau gesprenkelt war. Ich strich ein wenig um diese Schüssel herum und entschied irgendwann, daß diese auf keinen Fall mir gehört. Und diese Vorstellung machte mir schon ein wenig Angst. Leicht angehoben deutete es nämlich durchaus darauf hin, daß es eine Optimistenschüssel war. Eher gefüllt. Eher nicht leer. Da klapperte nix. Das fühlte sich an, als wäre da eher etwas schweres Feuchtes drin. War auch so.

In Erinnerung an Schweden trug ich diese scharfe Bombe ins Bad, öffnete das Fenster und hielt mir ein Handtuch vors Gesicht, bevor ich den Deckel löste.

Habt Ihr schon einmal verdorbenen Tzaziki gerochen? Probiert das mal. Ein wirkliches Erlebnis. Das fand mein Mageninhalt auch und wollte das Erlebnis gerne mit mir teilen. In meiner Verzweiflung, und weil ich spontan andere Pläne hatte, als schlechten Quark ins Klo zu kratzen, warf ich die Schüssel in die Badewanne, sagte brav Hallo zu meinem Abendessen und plante dann, den Inhalt der Schüssel mittels eines scharfen Wasserstrahles herauszuspülen.

Dann sagte ich Hallo zu meinem Mittagessen. Ich hätte nicht unbedingt den Warmwasserhahn aufdrehen sollen. Das Bad und alle Ekelpapillen die ich habe, füllten sich in Kürze mit einem wirklich interessant riechenden Dampf. Bevor ich fluchtartig das Bad verließ, kippte ich noch eine ganze Dose Melissenschaumbad von Kneipp auf die Bescherung und betrat das Wasserloch in den nächsten zwei Stunden nicht mehr.

Irgendwie habe ich es fertigbekommen, die Schüssel zu reinigen. Daß das ohne Folgeschäden abgegangen wäre, kann ich allerdings nicht behaupten.

In Erinnerung an dieses wirklich einschneidende Erlebnis, habe ich mittlerweile sämliche Tupperware, die ich in hausfraulichen Ideen befüllte und in dem Kühlschrank postierte, irgendwann in all ihrer Gesamtheit weggeworfen. Ich habe Angst, eine Tupperdose zu öffnen, die ich nicht selbst vor drei Minuten befüllt habe. Ich besitze kein Tupper mehr.

Tupperware im Kühlschrank folgt bei mir einem bestimmten Zeitplan. Am ersten Tag nehme ich meine Wurst, meine anderweitigen Mahlzeitenreste oder sonst was Verderbliches, fülle die Schüssel und fühle mich wieder einmal unglaublich erwachsen. Diese Schüssel stelle ich in den Kühlschrank. Gut soweit. Am nächsten Tag öffne ich diese Dose und überlege, ob ich Lust habe, davon zu essen. Mahlzeitenreste esse ich nie. Die laß ich nur im Kühlschrank sterben. Aufschnitt kommt schon vor, am ersten Tag. Ich schmiere mir also mein Brot, lege die frischgehaltene Wurst aus dem Plastik auf ebendieses und fühle mich unglaublich erwachsen.

Am nächsten Tag geht mein Puls schon schneller. Ich öffne die Dose und prüfe zunächst die Oberflächenkonstitution, ist sie schon schmierig, fängt sie schon an zu schillern, riecht es vielleicht nach altem Lappen? Ich bin unsicher, schließe die Dose und esse irgendetwas anders. Ich fühle mich nur noch halb erwachsen. Am dritten Tag schiebe ich die Dose nur noch beiseite um an irgendetwas Eßbares zu gelangen. Im Laufe der Zeit wandert diese Dose dann immer weiter nach hinten in den Kühlschrank, wo ich sie prima ignorieren kann.

Und irgendwann, wenn ich soweit bin, hole ich das Ding vorsichtig aus dem Eisschrank, und beerdige sie feierlich im Mülleimer. Ich mach das doch nicht auf. Nicht sehr erwachsen.

Aus einem ähnlichen Grund besitze ich nur noch drei Töpfe. Reden wir nicht drüber.

Na gut, im großen und ganzen hat das ganze nichts mit der Firma Tupperware zu tun. Ich habe bisher fast alle Plastikschüsseln entsorgt. Nur die von Rubbermaid und ähnlichen Konkurrenten waren deutlich günstiger und ebenso leicht wegzuwerfen. Halb erwachsen.

Was mir allerdings immer wieder viel Spaß gemacht hat auf den Tupperwarepartys, die ich durchaus besuchte, weil es dort immer die sogenannten "Gastgeschenke" in Form von kleinen Döschen, wo man drei Erbsen und einen Rest Soße drin lagern konnte, oder einem Apfelsinenschäler oder einem Gummilappen, wo man Töpfe draufstellt, damit sie beim Schrubben nicht verrutschen, war die Vielfältigkeit und die totale Unsinnigkeit der Produkte. Mein Lieblingsprodukt war der sogenannte "Gurkenfahrstuhl". Anstatt immer mit den Fingern in der Brühe herumzustochern und eine saure Gurke zu angeln, was ich persönlich recht gerne mache, konnte man in einer hervorragenden Herumsauaktion versuchen, das gesamte Glas Gurken in diesen Behälter zu kippen, um dann später das Trockene mittels eines Herausziehmechanismus aus dem Nassen zu heben.

Toll. Und so innovativ.

Nicht meins.

Kommentare :

Singamoebe hat gesagt…

Hmmm....jetzt bin ich doch ein wenig besorgt um meine kleine Bratpfanne, die letzte Woche bei dir eingezogen ist..wird es ein Abschied für immer?

Der_grosse_Transzendentale_Steini hat gesagt…

Rubbermaid ist soo ein geiler Name! Viel so schön für ein paar blöde Plastikeimer.

Markus hat gesagt…

Also eigentlich ist diese Geschichte ja die nahtlose Fortsetzung Deiner Kühlschrankstory. Du scheinst da wirklich sehr gezeichnet zu sein :-)

Kühles Blondes hat gesagt…

singamoebe, wenn die bratpfanne aus plastik wäre...ja, würde ich mir auch sorgen machen. aber jetzt kommt der hammer: ich habe tatsächlich noch eine liebevoll gehegte schüssel von dir, in der einst der grill-salat schwamm. und sie lebt, sie leeeeeebt ;)

steini, ja, man denkt eigentlich an gummifrauen mit löchern an geeigneten stellen *g

markus, das heißt ausgezeichnet, bitte ;)

bob, ich kann auch anders: blümchen, schmetterlinge, sonnenstrahlen, duft nach frisch gebackenem brot, vöglein, grillgeruch und frisch gekochte marmelade...
hilfts?

Dennis hat gesagt…

Ja sind wir denn hier bei Wünsch Dir was!?
Ja! :-)
Das war ja mal eine schnelle Umsetzung und wer hätte gedacht, dass die Plastikgefäße bereits den Weg in Deinen Haushalt (und wieder heraus) gefunden haben...

Hast Du es denn auch schon mal mit Einfrieren von übriggebliebenen Mahlzeiten probiert? Die riechen dann auch nicht so, wenn man sie im Jahr darauf wegwirft...

oldmarty hat gesagt…

sag mal, die geboren Hausfrau bist ja wohl nicht. Da gab es doch immer zu so Webcams, wo man die Kühlschrank sehen konnten. Kannst du so was auch nicht installieren. Da j ab und zu der Inhalt deines Kühlschrank lebt, wird es nicht langweilig

Christian hat gesagt…

Also ich schwör weiterhin auf Tupper .
Gibt da nichts besseres , um Sachen Jahrelang aufzubewaren .

Mein Tipp für dich : Tupper doch nur noch Haribo ein . Die bleiben sooo schön frisch .
Stell sie aber nicht ins Sonnenlicht , oder wo es warm ist .

Kühles Blondes hat gesagt…

oldmarty, ich vermisse die bemerkung zu meinem alter...*g
und klar, so ne webcam hat schon was. dann finden wir auch raus, ob der gouda immer heimlich das licht wieder anmacht im kühlschrank.

dennis, das steht mir noch bevor. ich habe noch eine eingefrorene dose. mit suppe. ich glaube, es ist kartoffelsuppe. ich werde dann berichten. so in einzwei jahren.

christian, haribo wird bei mir nie so alt, daß ich es in dosen aufbewahren müßte..

Singamoebe hat gesagt…

Du willst mir jetzt aber nicht auf sensible Art und Weise beibringen, der Grill-Salat befindet sich noch in meiner Schüssel?? Spricht es schon?

Kühles Blondes hat gesagt…

Sei stolz auf mich. Sie ist leer. Sie ist sauber. Und sie ist gesund.

Kristinsch hat gesagt…

Musste grad echt lachen, als ich deine Story gelesen hab'. Ganz so schlimm ist es bei mir zum Glück nicht, ich find die Dosen echt praktisch, aber trotzdem hab' ich schon einige weggeworfen, weil blau angelaufene Nudeln (ca. 1 Woche alt) oder pelzige Trauben(Alter undefiniert) nicht so appetitlich waren...

Kristinschn hat gesagt…

Ich muss mich korrigieren... Grad steht da was bei mir im Kühlschrank, was ich glaub ich auch einfach nur noch entfernen möchte... Ohne reingucken, ohne überlegen...