Freitag, März 23, 2007

Man lernt nie. Aus!

Manchmal stelle ich mir das menschliche Hirn vor wie eine Horde Lemminge. Sieben Informationslemminge passen auf den Gipfel. Für jeden neuen Lemming der reinkommt, fällt hinten einer runter. Ungeachtet der Wichtigkeit und des Status und Standes des Lemmings. Es liegt nicht in meiner bewußten Macht, welche Informationen in die Schlucht ewigen Vergessens abgleiten und welche sich im Fall noch an irgendwelchen Hirnvorsprüngen festklammern können.

Hieraus entstehen die Situationen, die (hoffentlich) jeder kennt. Man steht verwirrt vor irgendeinem Schrank und überlegt krampfhaft, warum man zum Teufel dort steht. Die Information "einkaufen" zwingt einen in den nächsten Drogerieladen, wo man dann die Zeit damit verbringt, durch die Gänge zu wandern und zu hoffen, daß einem wieder einfällt, was man eigentlich einkaufen wollte, weil die zu dieser Information gehörenden Lemminge schon längst zerschellt sind. Man holt sich Kaffee aus der Küche und erst vorm Computer fällt einem wieder ein, daß man Kaffee ohne Zucker überdurchschnittlich widerlich findet (ich komm sofort wieder).

Bei genauer Betrachtung ist festzustellen, daß es in erster Linie Unfug und Nutzloses ist, was sich geduldig festgekrallt in die Langzeitschlucht wartet und von dort problemlos ständig abrufbar ist. So kann ich heute noch sämtliche Otto-Platten auswendig und auch die Mein-Gott-Walter-Gedichte von Mike Krüger. Die politische Landesführung aus vergangenen Zeiten, die Bundesligamannschaftsaufstellungen aus den Zeiten von Paul Breitner. Alles noch da. Ich weiß noch wer Jürgen Hingsen war, obwohl ich mich niemals für Leichtatlethik interessiert habe. Ich kann sogar noch ganze Passagen aus meinem Geschichtsbuch der achten Klasse, welches ich damals, nachdem ich herausgefunden habe, daß der Lehrer die Fragen in der Arbeit dem Text entlehnte, stumpf auswendig lernte. Zumindest russische und französische Revolution ist nach wie vor abrufbar.

Als gestern Kollegen auf ihre Geburtstage ein mittägliches Wurstessen ausrichteten, war ich, die Sendung mit der Maus sei Dank, in der Lage, meinen Mitstreitern einen Vortrag darüber zu halten, warum Weißwurst vor Urzeiten nur bis Mittags gegessen werden durfte, daß sie zum Großteil aus Fett besteht und daß man heutzutage durchaus das Außenrum mitessen darf und nicht mehr eklig in der Gegend herumzutzeln muß.

Ich weiß noch genau, worüber sich die beiden Stiefel-Ieschen neben mir in Basel auf dem Flughafen unterhielten, nämlich über die Tigergrassalbe, die sich eins von den Mäuschen, welches den ultimativen ich-werde-mich-vielleicht-demnächst-erkälten-Schalberg um den Hals trug, irgendwo hinschmierte, und dabei ihre Freundin darüber in Kenntnis setzte, daß das ein echtes Wunderzeug wäre, man hätte nämlich herausgefunden, dass sich Tiger, die sich verletzt haben, an einem bestimmten Gras schuppern und die Wunden dann schneller heilen.

Sie hatte natürlich keine adäquaten Tigerwunden anzubieten. Das hätte mich jetzt auch wirklich gewundert. Ich habe trotzdem genau hingeguckt. War noch alles dran an der Frau. Aber heil ist heil. Ob jetzt innerlich oder äußerlich. Prophylaktisch aufgeschmiert hilft das bestimmt gegen alles. Hauptsache Wunderzeug. Tiger hin oder her.

Ich hätte sie um den Namen der Salbe bitten sollen, dann könnte ich jetzt den abgebrochenen Nippel an meinem Trockner wieder anheilen lassen und müsste nicht immer die Wasserkiste vor die Tür schieben, damit die Tür nicht ständig im Gebrauch aufgeht, das Gerät stoppt und ich hinterher stinkende halbfeuchte Wäsche da raussammeln muß. Sekundenkleber habe ich schon probiert. Das hält zwar Männer an der Zimmerdecke, aber keine Nippel in Trocknertüren. Warum man Männer an die Decke kleben will ist mir übrigens schleierhaft. Sehr dekorativ finde ich das nicht.

Aber fangen wir den Gedanken mal wieder ein und kommen zurück zur Speicherleistung des internen Lemminggipfels.

Ich erinner mich an alles mögliche. Aber meinen Terminkalender habe ich nicht im Kopf. Ich weiß noch die Telefonnummer meiner ersten Wohnung, komme aber regelmäßig ins Schleudern mit meinem Paßwort in der Firma. Die Geburtstage von Bekannten, mit denen ich längst keinen Kontakt mehr habe, weiß ich noch, mir fallen bloß nicht mehr ihre Namen ein.

Was meine Lemminge nämlich überhaupt nicht können, ist die Verbindung von Gesichtern und Namen. Ich sehe meine Nachbarn geballt ungefähr zwei Mal im Jahr bei einer netten Zusammenkunft im Hof. Man verbringt einen schönen Abend, lüpft ordentlich einen, trägt sich gegenseitig schwankend zu den Haustüren und spätestens eine Woche später habe ich wieder vergessen wer wo wohnt, wer wer ist und vor allem, was die Sache unangenehm macht, mit wem ich mich jetzt Duze. Leider stehen an den Klingeln keine Vornamen, da könnte man vielleicht noch heimlich lernen, so muß ich mich in Zufallsunterhaltungen ständig rethorisch winden.

Und wenn mich einer außerhalb des Innenhofes ansprechen würde, würde ich den eh nicht mehr erkennen.

Seid also nachsichtig mit mir, wenn ich Euch nach einiger Zeit nicht mehr erkenne. Helft Eurem Lemming wieder auf den Gipfel, irgendwann wird er einer von denen sein, die die Gipfelnahen Vorsprünge bevölkern.

Vielleicht. Wie war noch mal Ihr Name?

Kommentare :

McFloyd hat gesagt…

Lemminge im Hirn - Du übertriffst Dich wieder mal selbst! Du solltest Dich mal mit dem Leo zusammentun, da kämen wohl unglaubliche Sachen raus.

Pathologe hat gesagt…

Das Schlimme ist, dass die ersten fünf Lemminge dicke Krallen an den Füßen haben und niemalsnimmermehr vom Gipfel fallen. Und mit den zwei restlichen Lemmingen schlägt man sich dann mehr recht als schlecht durchs Leben.

Kristina hat gesagt…

Du sprichst mir aus der Seele... Falls du ein Mittel gefunden hast, unnötige Lemminge zu entfernen, sag bitte sofort Bescheid, meine Noten werden es dir danken (in der Klausur bringt es mir nämlich herzlich wenig, die gesammelten Songtexte von Liedern auswendig zu wissen, die ich seit 5 Jahren nicht mehr gehört hab', wenn ich dafür nicht weiß, was ich mir 5 Minuten vor Beginn der Prüfung angesehen habe...

mahort hat gesagt…

äh.. was wollt ich noch gleich... ach ja, die lemminge! und bei alzheimer stürzen sich alle sieben gleichzeitig runter, obwohl gar keiner mehr nachkommt...
ein gutes mittel bei alzheimer sollen ja joints sein; man vergisst zwar immer noch alles, aber es ist einem SOwas von egal!

übrigens, wo sind jetzt die anderen aarauer geblieben, ich wollte doch mal durchzählen lassen? (stand: 1 - ich..)

Anonym hat gesagt…

Bei mir hält sich hartnäckig ein Lemming, der kann ganz toll die Kurzfassung vom Ehrlenkönig...braucht kein Mensch. Die anderen sind leider durch extremes Biertrinken in die unendlichen Untiefen gefallen....Gottlob kennen mich ein paar Leute, die immer gerne Auskunft über mich geben;-)
Ehemalige Aargauer Ausländereinwohnerin 2
( Schwesterlein)..ich

Anonym hat gesagt…

Bei mir hält sich hartnäckig ein Lemming, der kann ganz toll die Kurzfassung vom Ehrlenkönig...braucht kein Mensch. Die anderen sind leider durch extremes Biertrinken in die unendlichen Untiefen gefallen....Gottlob kennen mich ein paar Leute, die immer gerne Auskunft über mich geben;-)
Ehemalige Aargauer Ausländereinwohnerin 2
( Schwesterlein)..ich

Anonym hat gesagt…

Bei mir hält sich hartnäckig ein Lemming, der kann ganz toll die Kurzfassung vom Ehrlenkönig...braucht kein Mensch. Die anderen sind leider durch extremes Biertrinken in die unendlichen Untiefen gefallen....Gottlob kennen mich ein paar Leute, die immer gerne Auskunft über mich geben;-)
Ehemalige Aargauer Ausländereinwohnerin 2
( Schwesterlein)..ich

Anonym hat gesagt…

Toll, wie das geht;-)))

Kühles Blondes hat gesagt…

ich versteh das meiste eh erst nach dem dritten erklären :))

lr hat gesagt…

Abnehmen kann man am besten mit Bewegung und Sport. Hilfreich ist auch weniger und bewusster zu Essen. Doch mit weniger Nahrung nimmt man auch weniger wichtige Vitalstoffe zu sich, daher sind Nahrungsergänzungsprodukte oder Abnehmprodukte wie Figuactiv schon sinnvoll. Zudem bremsen diese Produkte auch den Hunger.