Donnerstag, März 01, 2007

Brunch

"Treffen wir uns Sonntag zum brunchen?" ist eine der Fragen, die ich versuche zu umgehen wie der Teufel das Weihwasser. Sicher, brunchen ist theoretisch ne tolle Sache. Man schläft froh aus und trifft sich dann in illustrer Runde, um gemeinschaftlich über Stunden langsam und gemütlich das Frühstück in das Mittagessen hinüberfließen zu lassen.

Die Vorstellung alleine finde ich auch außerordentlich reizvoll. La bohéme. Mit zauseligen Haaren Cafè Latte Macciato trinken und dabei Marmeladenbrötchen mit gebratenem Speck und diese kleinen Wachteleier verspeisen. Intellektuelle Gespräche flössen einem wie von selbst aus dem Mund als wäre man keine blöde Bankangestellte, sondern unterbezahlter aber überbelichteter TAZ-Redakteur.

Philosophie träfe sich selbstverständlich mit der Bildzeitung und allseits würde satt, zufrieden und nachgiebig genickt. Auf diese Vorstellung würde ich mir gerne eine Zigarettenspitze kaufen wenn man nicht eh bald nirgendwo mehr rauchen dürfte.

Nun ergeben sich in der Durchführung allerdings kleinere Probleme. Üblicherweise bin ich Sonntags früh naturgemäß kaum in der Lage, zwei zusammenhängende Sätze mit Sinn zu bilden. Das kann, muß aber nicht zwingend mit dem vorangegangenen Samstagabend in Zusammenhang stehen. Allgemeines Parlieren liegt mir eben nicht immer. Wer sich tatsächlich auf das Abenteuer eines Brunches mit mir einläßt, sollte zur Vielrednerfraktion gehören. Zuhören kann ich dann nämlich ganz gut. Das mit dem interessierten Gucken und Nicken hab ich auch müde schon ziemlich gut drauf.

Das nächste Problem ist nicht nur ans brunchen gekoppelt, sondern ein allgemeines. Ich mag Kaffee mit Zucker. Nicht mehr und nicht weniger. Keine Milch, keine merkwürdigen Aromen, kein Geschäume und keine seltsamen Namen. Kaffee. Zucker. Punkt. Ich ekel mich vor Espresso und wenn ich Kuhextrakt trinken will, dann mach ich das pur. Ich möchte keine Sojamilch und keine Kakaopuderherzchen. Ich möchte Kaffee. Ich komm vom Land. So. Kein neumodischer Schnickschnack für mich.

Wenn man mit dieser Vorliebe nach der halbstündigen Kaffeebestellung der Begleitung seine Wünsche kundtut, wird man manchmal angeschaut, als hätte man auf einer Weinprobe gefragt "kann ich vielleicht ein Bier kriegen"?

Am schlimmsten ist allerdings, daß mein Magendeckel, sobald er gesagt bekommt, daß er jetzt gleich unglaublich viele leckere Dinge verspeisen muß weil sich ein Brunch sonst nicht lohnt, direkt und ohne Los zu gehen verschließt und verkündet, daß er jetzt aber mal überhaupt keinen Hunger hat. Ist doch viel zu früh. Ich esse schließlich nicht, wenn ich muß, sondern wenn ich will. Ich will nicht wenn ich muß. Und ein wenig blutet einem schon das Herz, wenn man zum x-ten Mal für ein Käsebrötchen mit Marmelade (das geht immer) und eine Tasse Kaffee achtzehn Euro latzt. Fünfzehn fürs Brötchen und drei fürn Kaffee. Den Zucker gibts aber umsonst.

Wenn mein Magendeckel in dieser Ähbähessen-Position verharrt, registriert er auch mit zusätzlicher Verkrampfung manch eine Tellerladung Vorbeiziehender. Bei einem Sonntagsmorgensbrunch gehts ja manchmal zu wie im Pauschalurlaub am Buffet. Da türmen sich die fettigen Rühreier einträchtig neben der Marmelade, der Mascaponecreme, dem Käse und dem Obstsalat auf einem Teller. Bergeweise. Am besten noch mit Zaun. Gut, ich esse auch manchmal komische Sachen. Aber diesen Leuten möchte ich manchmal am liebsten hinterherlaufen und beruhigend auf sie einreden, daß das Buffet nachgefüllt wird. Und die Teller auch. Wir leben nicht unbedingt in einer Gesellschaft, in der man verhungern muß. Zumindest nicht die, die sich zum brunchen treffen.

Ich muß dann immer an unsere alte Zwergschnauzerhündin zu Hause denken - Gott hab sie selig - die alles, aber wirklich alles was eßbar war, bis auf den letzten Rest weggenagelt hat. Ob es jetzt ihr Futter war, der Inhalt der Näpfe von den großen Hunden, die Weihnachtsteller von uns Kindern oder der Schweinebraten auf dem Küchentisch. Scheißegal. Sie hat alles gefressen. Ein wadenhohes schwarzes Loch. Und selbst wenn sie nach getaner Arbeit hinterher eine Stunde bewegungslos auf der Seite lag, weil der Bauch sie aus dem Gleichgewicht brachte, sie hats vollendet.

Als Brunchmensch würde man wohl sagen: Bezahlt ist bezahlt. Und hier steht, ich darf so viel wie ich will. Das nutz ich jetzt auch mal aus.

Dann lieber fünfzehn Euro für ein Käsebrötchen.

Am liebsten aber eine Tasse Kaffee im Pyjama (oder was man auch immer gern so trägt des nachts) aufm Sofa mit guter Musik und Ausblick auf die langsam erwachenden Wohnungen gegenüber.

Kommentare :

Monsieur Fischer hat gesagt…

hmmmm... am sonntag wäre ich zum brunchen eingeladen gewesen. in weiser voraussicht habe ich abgesagt. nachdem ich deinen text gelesen habe, bin ich froh darum. ich mag def. keine wurst, fetten käse, eier, gemüse und so weiter am sonntag morgen um 10 uhr...

nein, da will einfach nur schlafen...!

Pathologe hat gesagt…

So was geht schon, so ein Sonntagsbrunch. Dazu muss man aber den Samstag durchmachen und direkt, ohne über das Bett zu gehen, das Buffet ansteuern. Und danach dann irgendwann das Bett oder Sofa. Dort dann entweder bewegungslos liegenbleiben oder, als Vorsichtsmaßnahme, gleich einen Eimer danebenstellen.

Dumm nur, dass der Montag wieder Arbeitstag ist.

Der_grosse_Transzendentale_Steini hat gesagt…

Ich verweigere mich seit Jahren standhaft irgendwelchen Verabredungen zum Sonntagsfrühstück. Mein Kreislauf, mein gesamter Metabolismus, meine Trägheitsgene und meine gute Laune machen das nicht mit. Gibs Brunch eigentlich noch? Ich dachte, das wäre in den 80er ausgestorben. War meiner Meinung nach eh eine Wortschöpfung aus Lunch und Brechen.

Anonym hat gesagt…

ole said...
ganz erstaunlich. ich dachte immer, die perversion kaese mit marmelade haette ich exklusiv. und nun stelle ich fest. du futterst das auch, und niemand findet das bemerkenswert...
in deiner brunchbetrachtung fehlt natuerlich gaenzlich das thema alkohol, und das natuerlich vollkommen zu unrecht...

Markus hat gesagt…

Käse mit Marmelade ist klasse und keine Perversion. Tatsächlich finde ich ein gemütliches Brunch am sonntäglichen "Morgen" — also nach 12:00 Uhr — durchaus ganz angenehm. Aber ich verabrede mich auch gerne für Mittwoch Abend zum Saufen ;-)

Kühles Blondes hat gesagt…

monsignore, ich hoffe, du musstest jetzt nicht hungern wegen mir :)

pathologe, stimmt, diesen brunch kenn ich auch. morgens um fünf aufm fischmarkt einen kaffee und ein fischbrötchen. das kann sogar ich. manchmal brunche ich dann auch bei mc donalds...

steini, brechlunch, sehr geil.

ole, alkohol, nein, um gottes willen...niemals...*g

markus, saufen? da hast du gar nix von gesagt, dann kauf ich doch noch...ach nee, ole, kein alkohol, klar, ähm...also markus, reden wir mittwoch drüber ;).

der lange hat gesagt…

eben, käse mit marmelade ist doch lecker. am besten paßt erdbeer

Kühles Blondes hat gesagt…

genau. erdbeer. wenns die nicht gibt, johannisbeergelee. mjam.