Donnerstag, Februar 22, 2007

Urlaubsziele

Wenn ich jetzt schon anfange, mich regelmäßig in der Öffentlichkeit im Badeanzug zu präsentieren, schleicht sich doch direkt der Gedanke "Urlaub" in den Hinterkopf.

Ich war ja schon immer ein anderer Urlauber. Ideen a la "sechs Wochen durchs Outback", "Autofahren in Neuseeland" oder "USA in zwanzig Tagen" haben mich noch nie sonderlich gereizt. Als Kind natürlich schon. Die große weite Welt. Aus Sicht einer Zehnjährigen, die ihre Sommerferien in der Regel in einem Ferienhaus in Dänemark verbrachte, ist das schon erstrebenswert.

Aber das Leben nimmt doch häufig einen anderen Weg. Meine Jugendzeit verbrachte ich jugendbewegt, und während sich meine Altersgenossen auf Ibiza besoffen, buddelte ich mit meiner Pfadfindergruppe Donnerbalken in die Wälder Norddeutschlands.

In der Lehrzeit naturgemäß klamm und restjugendbewegt verbrachte ich meine Urlaube damit, mit Gitarre und Rucksack an Autobahnraststätten zu hocken, im Winter mit ein paar Zeltbahnen als Unterstand in irgendwelchen Burgruinen in Gesellschaft einer Horde Wildschweine im Hunsrück zu nächtigen, zu wandern und ohne Donnerbalken in den Wald zu koten.

Mittlerweile habe ich meine antikommerzielle Haltung zu Gunsten richtiger Toiletten längst aufgegeben. Jetzt könnte ich eigentlich richtige Urlaube machen. Ich bin groß und verdiene genug Geld. So ganz weit weg und ganz lange.

Was ich aber mittlerweile einsehen mußte: Es gibt keinen Ort der Welt, wo ich unbedingt zwingend hinmuß. Es gibt keinen Ort, an dem ich mich anders fühle als Bine, an dem ich mich besser erhole als zu Hause. Kein Tag, der nicht mit dem Morgen anfängt und mit dem Abend aufhört. Keiner, der mir wirklich den Atem raubt. Die Vorstellung, am Grand Canon zu stehen, ist zwar eine ausgesprochen schöne, doch das gleiche Glücksgefühl erreiche ich mit einem Blick auf das Elbsandsteingebirge. Und egal wo ich bin, nach zehn Tagen bekomme ich spätestens Sehnsucht nach der heimischen Höhle.

Es ist mir ehrlich gesagt völlig schippe, wo ich meine freien Tage verbringe. Schönes Wetter ist nicht schlecht, aber kein Muß. Super Landschaft mag ich, muß aber nicht sein.

Ich kann überall Urlaub machen. Zu jeder Jahreszeit, im Luxushotel, im Youth-Hostel, in einer Ferienwohnung, im Zelt. Mit dem Auto, mit der Bahn oder mit dem Flugzeug. Völlig wurscht. Wenn alte Steine da sind, guck ich sie mir gerne an, wenn nicht, les ich ein Buch. Mir hat bis jetzt jeder Urlaub, egal ob Israel, Mallorca, Rügen oder das Erzgebirge Spaß gemacht.

Was ich wirklich brauche, ist ein lieber Mensch, mit dem ich mich gut verstehe und mit dem ich meine Eindrücke teilen kann. Ich bin halt auf Menschen geprägt, nicht auf Orte.

So freu ich mich jetzt schon auf die Erholungswoche in der Türkei mit Katrin und natürlich die ultimativen Stippvisiten nach Thun zum Schwesterchen. Das hab ich nämlich grad beides für März und April gebucht.

Hurra.

Kommentare :

oldmarty hat gesagt…

Diesen Menschen muss es doch zu finden sein.

lube hat gesagt…

zu dieser zeit befinde ich mich auch in der türkei. wäre nett, wenn du die mütze deines profilbildes inklusiv schneeapplikation tragen würdest, zwecks erkennung ;)

Singamoebe hat gesagt…

Unterschlag ja nicht unseren geplanten Dänemarkurlaub im November!

Monsieur Fischer hat gesagt…

thun? schwesterchen? urlaub? ich wohne ne gute stunde entfernt von thun. für gäste aus deutschland schmeiss ich auch gerne mal ein lecker bierschen... so auf der durchreise!

Kühles Blondes hat gesagt…

marty, liebe menschen, die ich im urlaub aushalte, finde ich zum glück noch ;)

lube, klaro. zum glück habe ich noch die packung kunstschnee vom bloggerwichteln liegen. ich bin übrigens nur im april dort. dann kannst du im märz die äuglein entspannen.

singamoebe, klar, aber immer hübsch eins nachm anderen.

monsignore fischer, mit solchen lockangeboten mußt du vorsichtig sein. es könnte sonst sein, daß ich sie annehme ;). hier in norddeutschland kennt man die rhetorischen einladungen aus höflichkeit nicht. wenn man uns einlädt, dann kommen wir.

Monsieur Fischer hat gesagt…

@ kühles blondes: bei uns im süden europas (muhahaha!) gilt das gesetz der gastfreundschaft. du weisst ja, wir "südländer" sind sehr zuvorkommend und spendabel ;-) nein, im ernst: wenn du ihn der gegend bist, gib bescheid. schweizer bier dürfte auch nem kühlen blonden schmecken...

Bob hat gesagt…

Also jetzt hier down under bin ich auch nicht mehr so der Fan von Fernreisen. Alles einfach zu weit und auch nicht so anders als bei uns;) Ne, ne. Das braucht kein Mensch. Die Welt ist eh zu klein geworden. Lassen wir sie wieder groß und undurchschreitbar für manche werden. Ich mach meinen nächsten Urlaub in Wanne-Eickel...