Dienstag, August 29, 2006

Schussel

Kennt ihr noch von damals aus der Sesamstraße den Professor Hastig? Den nicht mehr ganz so jungen Mann, der so zerstreut war, daß er normalerweise einen Raum von wenigstens drei Quadratmetern einnehmen müßte? Es gibt Tage, da hege ich die dunkle Befürchtung einer Verwandtschaft mit ihm.

Das ist eine zwar nicht beruhigende, aber annehmbare Erklärung dafür, daß ich manches mal offensichtlich ein Sieb mit mir spazieren trage statt eines Hirns. Überlegungen meinerseits haben leider oftmals eine geringe Halbwertzeit. Meistens geht es darum, irgendetwas tun zu wollen. Zum Beispiel Freunde anzurufen und zum Geburtstag gratulieren. Nur als kleines Beispiel. Ich denke dran, wandere los richtung Telefon und dann ist es mit einem Mal ein Uhr nachts, ich sitze auf dem Sofa und mir fällt ein: Ups. Ich wollte doch telefonieren. Also Leute, ich denke an Euch. Aber ich denke leider noch viel mehr und leider auch sehr schnell. Und der siebte Gedanke fällt hinten runter. Ich würde es gern ändern, aber mittlerweile lebe ich schon sehr lange damit.

Während meiner Berufsausbildung mußten sich meine Eltern mit dieser wirklich unangenehmen Schusseligkeit meinerseits auseinandersetzen, als sie eines Tages von meinem - zugegebenermaßen cholerischen - Chef ein vier Seiten langes Schreiben erhielten, welches die Unfähigkeit meiner Person behandelte, Verantwortung auch nur im geringsten Maße zu übernehmen. Der Grund dieses grandiosen Pamphletes war unverzeihlich. Ich hatte vergessen, den Mülleimer zur Leerung an die Straße zu rollen. Mehrfach. Da konnte die erfolgreiche Erreichung des Ausbildungsziels schon einmal ins wackeln geraten.

Normaler Ablauf: Bine, von diversen Leuten bereits mehrfach in Richtung Müll gebrieft, steht oben im ersten Stock im Büro an der Tür und denkt "Bine, roll den Mülleimer nach vorn, rolldenmülleimernachvornmülleimervornvorneimermüllhm".
Bine dreht sich um und schließt die Bürotür ab weil sie eh immer die letzte ist. Dabei denkt sie "Hab ich den Kopierer ausgemacht? Die Kaffeemaschine? Die Kasse abgeschlossen?" Und geht noch einmal kurz rein. Alles in Ordnung. Wieder raus in den Flur. Blick auf die Uhr, ups, Zug fährt gleich, runter und raus zum Bahnhof. Welcher Müll?

Und diese etwas unangenehme Eigenschaft zieht sich durch mein Leben. Gestern abend kam ich nach Hause und besuchte mein Wasserloch um zu tun, was man auf Toiletten so zu tun pflegt. Dabei legte ich die Zigarettenschachtel, die ich in der Hand hielt, neben mich auf die Fensterbank. Nach getaner Verrichtung wanderte ich ins Wohnzimmer, legte die Zigarettenschachtel auf den Tisch und dann erst fiel mir auf, daß das, was da vor mir lag, nur mit sehr viel Humor und Phantasie als Zigarettenschachtel durchrutschen würde. Eigentlich ähnelte der Gegenstand eher einer blauen Charming-Toilettenpapierrolle. Eigentlich war es eine Toilettenpapierrolle. Na gut, nicht nur eigentlich. Es war Klopapier. Raucht sich nicht gut, das Zeug.

Ich bin schon in Hausschuhen in den Urlaub gefahren, weil ich stumpf vergaß, mir richtige Schuhe anzuziehen. Ich hatte ja welche an. Ich habe in Gesamtdeutschland und der Schweiz bereits ein Heer von Zahnbürsten positioniert, die ich immer wieder vergesse einzupacken nach Besuchen, ich gehe einkaufen um Milch zu holen und stehe irgendwann in meiner Wohnung mit sehr vielen Tüten. Ohne Milch. Mein Bügeleisen und meine Kaffeemaschine sind eigentlich immer an und wenn ihr durch die Bank geht und im Flur auf eine blonde Frau trefft, die anstrengend überlegt, dann bin das wohl ich, die versucht sich daran zu erinnern, warum ich aufgestanden und in den Flur gegangen bin. Ich bin mit zwei unterschiedlich großen Schuhen in die Stadt gewandert, weil mein großer Bruder das gleiche Paar besaß und habe mir Gesichtsreinigungsmilch auf die Zahnbürste gedrückt.

Der Hamburger Verkehrsverbund lebt vom Handel mit meinen Regenschirmen zwei unterschiedliche Socken, meist eine blau und eine schwarz, sind fast ein Markenzeichen und ich warte seit Jahren angstvoll auf den Tag, an dem ich morgens vergesse, mir meine Hosen anzuziehen wenn ich zur Arbeit gehe.

Ihr meint, das kann gar nicht passieren? Habt ihr schon einmal Klopapier geraucht?

Kommentare :

Makrele hat gesagt…

Also ich rede mir ein, dass das ab einem gewissen IQ völlig normal ist :)

Für meinen Teil hab ich mir antrainiert die grössten Banalitäten in den Kalender meines Mobiltelefons einzuhacken. So ein penetrant rumpelndes und quiekendes Teil hift da Wunder. Oft sag ich mir zwar: "Das ist jetzt albern, heute schaff ich das auch so. sind ja nur 5 Minuten" -- geht aber jedesmal schief.

Seither fahr ich nur noch 1-2 Mal im Monat die halbe Strecke von der Arbeit zurück nach hause um nachzuschauen, ob ich Waschmaschine, Bügeleisen oder Herd ausgemacht hab.

Anonym hat gesagt…

klopapier habe ich noch nie geraucht.
aber schon zeugs das so ähnlich geschmeckt hat.
hauptsache es birnt :-)