Mittwoch, August 09, 2006

Bwürg

Wer mich persönlich kennt weiss: "Die Bine, jaa. Die packt an. Die krempelt sich die Ärmel hoch und ist sich für nichts zu schade. Patentpatent. Aber so ist sie halt. Was muss, das muss."

Wer mich noch genauer kennt weiss, daß ich in den meisten Fällen einfach zu sehr mit mir selbst beschäftigt bin um herumumosern. Ich habe nämlich eine Ekelgrenze, die ungefähr auf Kniehöhe angesiedelt ist. Sind widerliche Dinge zu erledigen, wie z.B. ein Waschbecken putzen, welches so aussieht, als hätte jemand da reingeschnoddert, seht Ihr, hier, dieser Fleck da links, das könnte doch ein Popel sein, wie eeeeekelhaft, brauche ich alle Energie dafür, meine in Aufruhr geratene Speiseröhrenmuskulatur zu beruhigen.

Natürlich gibt es ein Ekelranking. Aber das Ergebnis ist stets das gleiche. Bine will brechen. So wie grade als ich aus dem Urlaub kam. Als schlechte Hausfrau habe ich selbstverständlich im Zuge der Abreise einen Becher, halb gefüllt mit Kaffee, in der Wohnung herumstehen lassen und nicht direkt weggekippt. Während der Woche wuchs auf dem braunen Zeug ein Teppich. Nachdem ich das Zeug ins Waschbecken kippte und der Teppich sich dann, statt sofort im Abfluß zu verschwinden, über die Löcher legte und diesen verstopfte, lief ich, ob der Vorstellung, das Zeug anfassen zu müssen, fünf Minuten leicht gekrümmt durch die Wohnung und gab Geräusche von mir, die man sonst nur von Hunden kennt, die zu viel Gras gefressen haben.

Das ist übrigens eine tolle Sache mit den Hunden und könnte eine Entscheidungshilfe bei der Wahl eines Haustieres darstellen. Katzen kotzen einfach spontan überall hin und sehen davon ab, einen zu warnen, während ein Hund sich langsam mittels Bewegungsmuster und Akustik darauf hinarbeitet. Während man also bei einem Hund immer noch die Warnsignale erkennend aufspringen und den Köter bis zum Finale vor die Tür befördern kann, kann man bei Katzen nur versehentlich in die Hinterlassenschaften treten und sich dann mit seinem eigenen rebellierenden Magendeckel auseinandersetzen.

Allerdings macht diese Ekelgrenze nicht nur bei Tieren Halt. Ich habe auch schon tränenden Auges in einer Eisdiele gesessen und versucht, die Kontrolle über meine Bauchmuskulatur wiederzuerlangen, nachdem ich beobachtete, wie eine junge Mutter ihrem entzückenden Sproß mit einem Q-Tip Popel aus der Nase zog.

Allein die Erinnerung...moment, hoooooh Bäuchlein, ganz ruhig. Du hast doch heute noch gar nix gegessen.

Die Folgen dieser niedrigen Ekelgrenze sind ziemlich weitreichend. So habe ich aus Selbstschutz noch niemals ein Kind gewickelt. Und auch keines bekommen. Die Vorstellung, daß ein Spross von mir so wie ich damals in seinem Bettchen hockt und dieses fröhlich vollreihert, macht mir Angst. Oder daß ich mit nem Q-Tip....wah.

Wahrscheinlich ist das eine Allergie. Ein Katzenhaarallergiker reagiert ja auch schon mit Geniese und Gepickel, sobald er des Fotos einer Katze ansichtig wird. Ich kann meine Pumpfunktion schon dadurch auslösen, indem ich mir vorstelle, daß in meinem Frühstücksei das Eiweiß noch herumglibbert. Es muß gar nicht glibbern. Ich muß es mir nur denken. Was habe ich für eine kranke Phantasie.

Aber betrachten wir das mal positiv. Durch diese Macke habe ich eine ausgesprochen gut trainierte Bauchmuskulatur. Das ist doch auch was.

Kommentare :

lorretti hat gesagt…

Das "Würg"-Gefühl beim Putzen kenne ich nur zu gut und darf eigentlich gar nicht dran denken.
hast mit deinen Beschreibungen voll ins Schwarze getroffen.

tiescher hat gesagt…

Ich glaube da hilft nur eine Therapie. Mach doch mal ein Praktikum im Krankenhasu. Glaube dort bekommst Du ein sehr entspanntes Verhältnis zu verschiedensten Körpersekreten und -flüssigkeiten.

"Wo istn die Bine" ... "Die reihert grad"

*Prost!*

Weiter viel Spaß :-)

funthomas hat gesagt…

Das Würg mit dem lecker Teppich um den Abfluss kann ich sehr gut nachvollziehen.
Abhilfe gibt da zum Einen ein Wasserhahn, den man auf "Brause" umstellen kann. Und dann würde ich Dir zum Erwerb von Haushaltshandschuhen raten - ruhig etwas dicker und aus Latex. Es gibt zwar auch so Einmal-Handschuhe aus Platik, aber da spürt man alles durch. **Schauder**.

Bei der Entscheidung Ekelfaktor Katze vs. Hund solltest Du aber noch daran denken dass A) Hunde oft riechen, aber Katzen gewöhnlich nicht und B) Du die Hundehaufen in Städten oft selber entsorgen musst.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das das Würg-Gefühl bei eigenen Kindern drastisch abnimmt. (Achtung, weiterlesen auf eigene Gefahr...) Als mein kleiner Sohn das erste Mal die grosse Kotzerei gekriegt hat, war es völlig logisch ihn auf dem Arm zu halten und zu trösten, auch wenn dabei zwei oder drei eigene T-Shirt, ääh sagen wir, anschliessend gewaschen werden mussten. Ekelfaktor (ehrlich!!) 0%, nur Mitleid mit dem armen Würmchen.

Kühles Blondes hat gesagt…

funthomas, ich weiß bescheid:

http://kuehlesblondes.blogspot.com/2006/06/exkremente.html

aber katzenkacke aus den klo schaufeln und immer den ganzen badezimmerboden voll mit krümeln haben...UND die ganze katzenkotze...dann lieber aufs land ziehen und die hunde in der feldmark scheissen lassen. da kann das liegenbleiben.

Kühles Blondes hat gesagt…

te.html

das fehlt noch an dem link. ich technikwunder... :/