Dienstag, Juni 05, 2007

Immer auf die Fresse

Jetzt krieg ich aber langsam zu viel. Schon wieder wurden 50 Polizisten bei "Rangeleien" um den G8-Gipfel verletzt. Ich muß mich jetzt mal auf die Seite der Ordnungshüter schlagen und ich wundere mich wirklich, daß nicht langsam die G8-Gegner, denen es wirklich nur um eine Demonstration für eine bessere Welt geht, eindeutig Stellung beziehen gegen die Gewalt. Die für alle anderen deutlich sichtbar aus ihren Reihen kommt.

Wer ernsthaft einen Raum bietet für die Fraktion, deren politisches Verständnis darin besteht, die letzte Hirnzelle zu aktivieren um mit Schaum vor dem Mund "Bullenschweine, auf die Fresse" zu brüllen, darf sich nicht wundern, wenn die gesamte wohlgemeinte Aktion nicht in dem Sinne öffentlichkeitswirksam ist, wie es mal geplant war. G8-Gegner sind also autonome Spinner. Genauso wie beim Fußball, wo es manches Mal naheliegt zu glauben, daß diese sich, besonders im ostdeutschen Raum, ausschließlich aus Rechtsradikalen zusammensetzt.

Ja, kann man auch glauben. Wenn man bei einem Spiel sieht, daß die Gästekurve stilisierte Fahnen des dritten Reichs ausbreitet und Dinger singt wie "Wir bau`n ne U-Bahn von St. Pauli nach Auschwitz", wie seinerzeit bei dem Spiel gegen Chemnitz, dann fällt es einem der Gedanke schwer, daß es ja höchstens fünfzig Leute von zweitausend sind und die anderen sich nur nicht trauen, sich zur Wehr zu setzen. Eintausendneunhundertfünfzig brave Fußballfans stehen wie die Schafe um fünfzig Idioten herum. Das läßt doch tief blicken. Auf die Idee, vielleicht einfach wegzugehen und die fünfzig alleine da stehen und ihre Suppe auslöffeln zu lassen, kommt anscheinend keiner.

Wie ernst kann man denn die anderen Demonstranten/Fans nehmen? Es wird sich nicht von der Gewalt distanziert, weil es ja viel einfacher ist, die gesamte Verantwortung in die Hände der Polizei zu legen. Habt ihr euch mal überlegt, wie sich der Job der Jungs darstellt? Die müssen doch Aschenputtel spielen um die schlechten Bohnen aus der Masse zu fischen. Die guten ins Kröpfchen, die schlechten ins Töpfchen.

In der Hektik passiert es anscheinend leider, daß auch mal ein gutes Böhnchen im Töpfchen landet. Ist es dann wirklich ein Grund, sich hinzustellen und "miese machtgierige Polizeiwillkür Bullenschweine" zu rufen?

Wenn das gute Böhnchen fröhlich fähnchenschwenkend neben einem Pflastersteinwerfer spaziert, muß es sich eine gewisse Selbstverantwortung anhängen lassen. Es sei denn, das Böhnchen weist darauf hin, daß Böhnchen ja gar kein Hirn haben und somit von sämtlicher Verantwortung entbunden sind. Dann aber stelle ich die gesamte Ernsthaftigkeit solcher Demonstrationen in Frage. Dann geht es nicht um Meinung. Dann geht es um einen Spaziergang an der frischen Luft, schicke Musik und hauptsache dagegen.

Kann man nicht mal eine Demonstration gegen Spinner machen? Oder noch besser: Vielleicht sollte man einfach mal das ganze rechtsradikale Pack und die linksautonomen Blödmänner irgendwo zusammensperren? Auf daß sie das Problem gewaltbereiter systemfickender rechtsradikaler Autonomer durch natürliche Auslese im Rahmen des Zehn-kleine-Negerlein-Prinzips selbst lösen. Ohne Polizei, ohne Deeskalation, ohne Krisenmanagement. Der letzte kommt dann zum Psychiater und darf dort ein wenig auf Gummimatten einschlagen weil er eine schlechte Kindheit hatte.

Und der Rest hat Ruhe.

Noch ein letztes Wort zur Polizei: Jeder hätte Verständnis dafür, daß ein Polizist, der einen Kinderschänder zu fassen kriegt, diesem erstmal ordentlich eine reinsemmelt. Es wird aber andererseits erwartet, daß er ruhig bleibt, wenn sein Kollege nach einem Pflastersteintreffer leblos auf der Straße liegt. Das ist eine ganz schön hohe Erwartung. Nicht wahr? Natürlich müssen die Jungs diese Erwartung erfüllen. Deeskalation im Steineregen. Ja klar, dafür haben sie die Ausbildung genossen. Aber das Organ "Polizei" setzt sich nun einmal aus Einzelpersonen zusammen. Der Job von denen wäre sicher einfacher, wenn man sie, und sei es nur durch konkludentes Handeln gegen die Gewalt unterstützen würde.

Kommentare :

Anonym hat gesagt…

ole said...
du sprichst mir aus dem herzen...den ganzen mist beim fussek kenne ich nur zu gut.
die kroenung: gestern war auf n-tv eine szene zu sehen, wo zwischen dem schwarzen block und der polizei ploetzlich eine gruppe veraengstigter kinder aufauchte. ich gehe stark davon aus, dass es nicht die polizisten waren, die die halbwuechsigen jungs und maedels als menschlichen schutzschild missbrauchen wollten...

Sisou hat gesagt…

Schließe mich an. Du sprichst mir aus der Seele. Erstens: Mir tun die Polizisten einfach nur leid, die für solche Vollidioten ihren Schädel hinhalten müssen.

Zweitens: Dieses blöde Pöbelpack schafft es tatsächlich, mit dieser Randale vom eigentlichen Anliegen der G8-Gegner total abzulenken. Mann, das ist so wichtig, was die Leute zu sagen haben. Und nun gerät durch diese **** (nicht druckreif) alles ins Hintertreffen. *aargh*

So... und dann liest man in der Zeitung, dass die armen Demonstranten zwischen ein paar Steinwürfen ein bisschen Hunger bekommen haben. Und wo gehen sie hin?! *lol* Zum Feind. Zu Mc Donalds und sonstigen Fastfoodketten. Wenn das nicht so bescheuert wäre, könnte man nur noch lachen...

der lange hat gesagt…

das mit mc würg fand ich auch sehr skuril, zeigt aber auch worum es manchen eigentlich geht. denn wenn ich erst noch einträchtig neben dem grünweißen feind meinen burger mampfe, um ihm ne halbe stunde später einen stein an den kopp zu werfen, kann es denen doch nur darum gehen, sich mal wieder fein zu kloppen. um protest gegen g8 jedenfalls nicht.

zum thema provokation kann ich nur sagen: wer sich von einem einzigen polizeiwagen inmitten einer mehrere tausend demonstranten großen menge provozieren läßt, kann auch nicht ganz dicht sein. andersrum kann ich es gut verstehen, daß sich ein polizist von sprüchen wie "deutsche polizisten - nazis und faschisten!" provoziert fühlt. leider so selbst erlebt, nach unserem aufstiegsheimspiel gegen dresden. ich kenne einige polizisten und auf die trifft diese verallgemeinerung nicht zu.
leider spielt das den g8 befürwortern und beschützern in die hände und legitimiert deren handeln. außerdem versperrt es die sicht auf die schwarzen schafe der polizei. denn es gibt auch polizisten mit hang zur rechten szene und gewalt. ich mag weder diese noch linksradikale gewalttäter. alles ein pack. so, ich muß weg.....

Anonym hat gesagt…

Jeder hätte Verständnis dafür, daß ein Polizist, der einen Kinderschänder zu fassen kriegt, diesem erstmal ordentlich eine reinsemmelt. EHRLICH GESAGT NEIN ...weder gegen den noch gegen am boden liegende oder andere schwache zu dritt mit dem knüppel drauf...der mani...bis zum freitag...

Sisou hat gesagt…

Ähm... und was ist mit dem Kind, an dem sich der Typ vorher vergriffen hat? War zur falschen Zeit am falschen Ort oder was?

Das sagt eine Mama, die normalerweise nicht mal einer Fliege was antun kann...

Sisou hat gesagt…

Nachtrag: Sorry, aber für den Kinderschänder habe ich gar kein Verständnis. Wir als Eltern werden hier zur Zeit ständig mit Briefen vom Schuldirektor konfrontiert, der uns davor warnt, die Kinder alleine bzw. unbeaufsichtigt zu lassen. Eben weil hier mal wieder so ein *** rumrennt, der den Kindern an die Wäsche will. Kürzlich hat er ein Mädchen ins Auto gezogen hat. Sie konnte noch wegrennen. Und wenn mir so jemand über den Weg laufen würde, würde ich sicher nicht einen Kaffee mit ihm trinken wollen...

Klar, Selbstjustiz ist nicht akzeptabel, aber irgendwann reichts ehrlich.

Kühles Blondes hat gesagt…

mani, sicher. mit vielen auf einen, das ist nicht richtig. egal wer derjenige ist, der haut. demonstrant oder polizist. daß die polizei immer alles richtig macht habe ich auch nicht gesagt. aber was wäre die lösung? das war die frage.
wie heißt es: wer sich in gefahr begibt, kommt drin um. wenn ich auf eine heisse herdplatte fasse, muß ich damit rechnen, mich zu verbrennen. auch wenn ich gar nicht kochen kann. Wer nicht in eine eskalation kommen möchte, halte sich von leuten mit eskalationspotential fern. das ist einfach. man erkennt sie an der vermummung. jeder andere demonstrant steht zu dem was er auf einer demo zum ausdruck bringt. wer hinterher nicht erkannt werden will, vermummt sich. und was das fernhalten angeht: der demonstrant kann das. der polizist nicht.

wenn denn erstmal alle aufeinander einschlagen kommt man mit wollpullipädagogik nun einmal nicht mehr weiter.

sisou, ich bin ganz bei dir. die frage ist ja nicht, daß man sich tatsächlich hinstellt und dem typen nägel in die hoden treibt, es geht ja nur um das verständnis, daß er nicht übermäßig höflich verhaftet wird. und ich bin mir fast sicher, daß sich manis pazifismus in dem moment auflösen würde, wo es ein kind aus seinem direkten umfeld treffen würde.

warum ich mir da so sicher bin? weil menschen anders reagieren sobald es um kinder geht. ich fuhr in jungen jahren hin und wieder mal beim rettungsdienst mit. "einsatz" hieß: kaffee austrinken, Schuhe zubinden, in ruhe losfahren. "notfalleinsatz" hieß: kaffee stehenlassen, die schuhe im auto zumachen, bei "kindernotfall" war der wagen in dem moment losgefahren, wo das wort ausgesprochen war.

Martin hat gesagt…

ohje.. ein Thema wo man schnell Missverstanden wird.

Diese sogenanten Autonomen tuen mit ihrer Randale nur Schäuble und Co einen gefallen.

Protest ist ein Grundrecht und soll auch geschützt werden, egal wieviel sowas auch kostet. Da ich von früher weiss wie das auf solchen Demos abläuft wäre sehr vorsichtig mit Schuldzuweisungen. Polizeiführung und Autonome brauchen sich da gegenseitig. Das ist da wie ein Ritual. Hab ich hier in Frankfurt bei einer Demo gesehen . Die zog am Hauptsitz der Deutschen Bank vorbei zur Alten Oper. Normalerweise sind solche Gebäude dann *Umstellt* von der Polizei. Nur diesmal hat da einer wohl gepennt. Keine Polizei.. und der *schwarze Block* latschte ganz lieb dran vorbei. Dann merkten die von der Polizei es doch, schnell ne Hundertschaft im Laufschritt dahin. Und was passierte, die paar Autonomen im Rest machten das was sie da immer machten. Glaub wenn die Hundertschaft nicht gekommen wäre, wäre nichts passiert da.

Bei den Verletztenzahlen bin ich auch immer skeptisch. Von Hausmitbewohner die bei der Polizei waren ( 25j im Streifendienst) weiss ich wie das da abläuft. Alleine nur um es zu Dokumentieren für die Personalakte und Versicherungen melden die jeden blauen Fleck. Ausserdem hoffen die ja auch auf beurlaubung dann.
(klar, jeder verletzte Polizist ist einer zuviel, aber die wussten vorher was in ihrem Job passieren kann)

Die Polizisten die da so eingesetzt werden sind ganz ganz selten die, die auf dem Revier sitzen. Das sind Hundertschaften der Bereitschaftpolizei.Sowas ist ihr Job. Mit Kinderschäder haben die sehr selten was zutun. Die sind nur dabei wenn da ein Feld und Waldstück durchkämmt werden muss.

Ein Revier und/oder Kriminalbeamter der so einen Täter fassen muss und sich nicht unter Kontrolle hat, hat in dem Job nichts zusuchen. Sorry.

Bei Eltern, Freunde und Angehörige ist das was anderes.

Sisou hat gesagt…

Wenn es um Kinder geht, denkt man einfach nicht mehr klar, sobald man selber welche hat. :-)

Aber... es stimmt schon. Wer sich im Job nicht unter Kontrolle hat, der sollte darüber nachdenken, ob er das Richtige tut. ;-)

Anonym hat gesagt…

Ich war nicht dabei, also kann ich keine Erfahrungen hier niederschreiben, aber in der Schweiz wurde in den Nachrichten berichtet, dass es unter Anderem auch Polizisten waren, die Steine auf ihre Kollegen geworfen haben und die "Masse" angeheizt haben, weiterzumachen. Sie waren mittendrinn und haben sich als Demonstranten ausgegeben... Einer wurde, so wie ich gehört habe, sogar enttarnt. Eine Bekannte, die auf dieser Demo dabei war, erzählte , dass die Gewalt zu gleichen Teilen von Polizei und Demonstranten ausging....
Was Kinderschänder angeht...Nagel in den Hoden hört sich da gut an;-)
Da ich selber mal überfallen wurde, kann ich den Gedanken, der Selbstjustiz gut nachvollziehen... aber solche Dinge, sind nicht mit Demonstrationen zu vergleichen, oder?