Sonntag, Mai 12, 2013

Rumspargeln

Endlich wieder Mai, endlich wieder dieser schöne Duft nach einem Regenschauer auf angewärmte und sonnenbetankte Landschaft, endlich Blütenduft, endlich wieder Vater- und Muttertag, Feiertage ohne Ende, Pfingsten nicht zu vergessen, endlich noch nicht jeden Tag ängstlich die Balkonkästen mit dem Finger prüfen, damit nix vertrocknet,  auch wenn das eigentlich gar nicht passt, endlich wieder Spargel, der noch so gern gegessen wird, wie nie wieder im ganzen Jahr. Spätestens in einem Monat hat jeder von uns ca. zehn Kilo und zwanzig Mal Spargel in allen Zubereitungsarten gegessen und dann bekommt auch das grösste Spargellob leicht verkniffene Züge.

Aber noch ist es aber nicht so weit. Noch gehts erst los mit dem guten Zeug, auf welches einmal wieder fast ein Jahr lang verzichtet wurde. Und alles, worauf man ein Jahr verzichten muss, ohne selbst den Verzicht zu entscheiden, fehlt irgendwie. Spargel ist wie Weihnachten. Ab dem Moment, an dem es wieder am Horizont auftaucht und langsam die Erinnerungen an längst vergangene Spargel, äh Weihnachten, weckt, merkt man erst, was einem gefehlt hat. Gott, was freut man sich auf den ersten Spargel. 

Der erste Bissen ist der Hammer. Wow, das hat mir gefehlt. Noch viel mehr gefehlt hat mir allerdings die Bröselbutter. Seit ich meine Rundumpolsterung ein wenig reduziere, vermeide ich allzu Fettes. Bröselbutter, geklärte Butter und Sauce Hollondaise zum Spargel muss aber sein. Die Bröselbutter ist aber der absoluteste Höchstgenusst. Gemeinsam mit Spargel in  Verbindung mit Kartoffeln und Schinken.  Mhhhh, Kartoffeln mit Bröselbutter. Und dann dieser zart salzige Schinken... ich sollte vielleicht erstmal Frühstücken bevor ich weiterschreibe.

Was Kartoffel angeht bin ich aber auch sowas von typisch deutsch. Nicht so typisch wie der Hotelier, der einer Freundin, mit der ich einst die Mecklenburger Seenplatte verunsicherte, recht klar sagte, dass sie nicht - wie gewünscht - die Beilage auf der Karte tauschen könne, nix Nudeln. In Mecklenburg-Vorpommern äße man Kartoffeln. Fertigaus. Aber typisch. Ich esse auch Nudeln. Aber ich liebe Salzkartoffeln.  

Zurück zum Spargel. Spargelessen zelebriert man am allerbesten in angenehmer Runde, vorzugsweise mit Freunden und gesellig, da Spargellob allein in einsamer Küche ausgesprochen zu schnell verpufft. Weihnachten allein zu Haus ist auch niemals so weihnachtlich, wie Weihnachten in der Familie. Auch wenn sich hinterher alle streiten. Was wir beim Spargelessen übrigens nicht tun. Streiten gehört zur Winterdepression. Im Frühling hat man sich lieb. 

Beim Spargelessen trifft man sich vor der Zubereitung, um schon während der Spargelwerdung ein wenig Prosecco zu schlürfen und das Glückskind der Gastgeber herumzuschwenken, so dass man zwei Tage später einen unglaublichen Muskelkater hat. Kaum zu glauben, dass vierzehn Wochen aus einer Neugeburt so einen Brocken machen können, der gar nicht aussieht wie ein Brocken. Sobald das Glückskind weint, was in dem Alter noch öfter vorkommt, reicht man ihn an andere Freundinnen zur Bespassung oder zur Mutti zu Betankung weiter und kümmert sich um die eigene solche.  

Gleichzeitig hält man den Gastgeber vom Käsekuchenbacken ab, der leider nicht für die heutige Runde, sondern für den nächsten Tag vorgesehen ist. Wir dürfen das nur riechen. Frisch gebackener Kuchen riecht so schön, dass man es schade findet, den nicht gleich essen zu können. Das Bedauern um diesen Zustand äussert man langatmig und ausgiebig.  Chili streut man nicht in den Tortenbodenteig wenn Gunnar nicht guckt, weil das nicht nett ist.

Vor und nach dem Essen steht man alle drei Minuten auf, um die Platte umzudrehen. Leider ist nämlich die Musikanlage vom Apfelhaus plötzlich gestorben, so dass die einzige Möglichkeit, an Beschallung zu kommen, ein alter tragbarer orangefarbener Plattenspieler ist, auf dem das vorhandene Material  abgespielt wird:  Mireille Mathieu, Freddy Quinn, Siw Malmquist, Wencke Myhre und lauter so ein Zeug, welches einen wippen macht, weil es urkindliche Behaglichkeit anspricht. Felix ist jetzt natürlich auch angefixt. In sechszehn Jahren, wenn er mit den ganzen alten Tanten zum Schlagermove muss, wird er sich unbewusst an den freitäglichen Spargeltag erinnern und sich, ohne es sich erklären zu können, unglaublich wohl fühlen. Auch wenn die Situation an sich für ihn bestimmt ganz schön peinlich wird.

Wenn der Spargel leider aufgegessen ist und sogar Kartoffeln und Schinken vollständig in hungrigen oder zumindest noch sehr motivierten Mägen verschwunden ist, kröne man das Essen mit vom Annettchen selbstgemachtem Holunderblütenparfait mit Erdbeeren und nehme auch noch eine zweite Portion. Man bemühe sich dann, nicht zu platzen.  Im Anschluss probiere man diverse Rumsorten und lasse den Abend mit viel Spass und Freude ausklingen. Sobald die ersten Gesichter auf die Tischplatte fallen, suche man die nächste U-Bahn. Und im nächsten Jahr machen wir es wieder.

Ich liebe selbstgebaute Traditionen.

Und jetzt folgt, apropos Tradition noch ein paar Gesprächsthematipps für Geselligkeitseinsteiger:

- warum sollte man vorgeschälten Spargel noch einmal kontrollieren und nachschälen
- wieso klären wir die Butter nicht - wie versprochen - durch eine Windel von Felix
- kompostierbare Biowindeln, die nicht 400 Jahre brauchen, bis sie verrotten
- Bildzeitung lesen in der Mittagspause
- Errechnen der wahrscheinlichen Körpergrösse bei Kindern durch Verdoppelung der Höhe mit zwei Jahren
- kann gar nicht sein
- kann doch sein
- google mal
- wie nennt man diese grossen Batterien ausser "die ganz dicken Batterien"
- M & M mit Erdnussbutter
- Urlaub in Island im Juni
- Ponyreiten
- Hochlandbusse
- Verwechselt Bibee im Urlaub Bine mit ihrem Seitenschläferkissen
- Hotpots, nackig mit Pudelmütze
- Schlafmasken
- den Exfreund fast überfahren, weil der zufällig vor einem auf die Strasse springt
- gutes Rhytmusgefühl durch das trommeln in einer Sambaband ist kein Garant für guten Sex
- Taufe und muss das Kind dabei brüllen, damit der Teufel dann auch raus ist
- Grulli fand Andi erst doof, aber dann war es irgendwann die grosse Liebe
- Heike ging das auch so. Allerdings nicht mit Andi
- Mütter riechen nach saurer Milch. Ulli jetzt auch wieder, auch wenn ihre schon  gross sind.    
- schicke Tischplatten aus Ahorn
- Ranktomaten
- Fenster putzen. Fenster putzen lassen.
- Käsekuchen, der im Ofen abkühlen muss (Nein Bine, nicht den Ofen aufmachen!)
- Containerweise geschenkte Kinderkleidung
- Wohnung renovieren nach jahrelanger Nikotinbefeuerung
- Witze erzählen, damit Annett weiterlacht, weil sie grad im Lachmodus ist
- geht ein Zyklop zum Augearzt
- die anderen hab ich vergessen
- haben sich die Holländer jetzt eigentlich getrennt (gefolgt vom Bildzeitungsthema)
- Gunnar ist auch ein Klugscheisser
- Annettchen fliegt morgen in einen Robinsonclub auf Fuerte
- Sind Robinsonclubs Bumsclubs?
- Felix sabbert nicht (von wegen)
- Gunnar wickelt nicht, weil das Teil der Produktionsvereinbarung war
- welche Lieder hat Siw Malmquist eigentlich gesungen?
- Was ist ausser Sahne mit Sahne noch im Parfait?
- Männer bekommen beim dickwerden Bauch oder ihnen wächst der Hintern den Rücken hoch
- manchmal hängen an der Seite auch so Lappen
- Coconut-Rum schmeckt wie Likör

Undsoweiterundsofort.

Und jetzt schnapp ich mir den Pflanzkübel und statte meiner Mutter einen Besuch ab. Vielleicht gibts ja Spargel.

Guten Hunger.



Kommentare :

Die olle Ällen hat gesagt…

warum ist es nachts kälter aus draussen ?
Warum 2 durch Wurzel 2 wurzel 2 ?
warum kann ich nicht die alten Brötchen von Morgen schon heute billg bekommen ?
warum ist nicht morgen gestern ?
Der Daumen der Rechten Hand links ?
Warum nicht nur Daumen ?
Wo bin ich ?
Bo baren bir ?
Mähen Äppte Klee ?
Und wenn, wieviel bekommen die dafür ? Und wie lange haben die gebraucht ?
Warum ist der Klingelknopf und das Türschloß Deiner Wohnungstür nicht auf Erdbodenhöhe ?
Warum treffen sich Bines Mundwinkel beim Lachen nicht am Hinterkopf ?

Fragen über Fragen.

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Die olle Ällen hat gesagt…

Noch ein Rhetorik-Tipp: Diskussionen gewinnt man leichter, indem man ruhig und sachlich bleibt und eine Pistole vor sich auf den Tisch legt ;))

Der Lange hat gesagt…

ICH WILL AUCH SPARGEL!!!!!!

Aber wie fast jedes Jahr, rauscht das an mir vorbei :(

Kühles Blondes hat gesagt…

Ällen, Diskussionen gewinnt man, indem man gar nicht erst diskutiert :I

Langer, da sollten wir nochmal drüber reden. Vielleicht bei einem total süssen Junggesellenabschied.

Die olle Ällen hat gesagt…

Bine, Argumentation in einer Diskussion ist Zeitvertreib, es sei denn ein Richter ist anwesend.

Und nun ab nach bella Italia (Mist soll morgen regnen).