Dienstag, April 15, 2008

Chemie

Eigentlich bin ich krank. Eigentlich bin ich sogar beachtlich krank. Gäbe es nicht diese wunderbare Erfindung Paracetamol, säße ich zu Hause und würde freudig meine steigende Fieberkurve beobachten. Aller Voraussicht nach hätte ich auch noch eine Menge Halsschmerzen und den bedauernswertesten Blick am Leib, den man sich überhaupt vorstellen kann. Mir täte auch alles weh.

Doch ich wohne allein. Niemand da, der sich für den Blick interessiert. Niemand da, der mir Eis bringt und kalte Tücher. Niemand da, der mir Tee kocht und mir die Bettwäsche wechselt, wenn ich aufgrund des Fiebers wieder alle Poren offen Biosauna spiele. Deswegen bin ich froh. Froh über Paracetamol.

Es ist wichtig, für den Notfall fiebersenkende Mittel im Haus zu haben. Sonst sitzt man irgendwann mit dem Thermometer, welches über die vierzig Grad gestiegen ist, im Bett, befleißigt sich einer gefährlich guten Laune und vergnügt sich damit, wahllos irgendwelche Nummern zu wählen und fröhlich in den Höhrer zu krähen: „Hurra, ich bin drüber, ich schmelze gleich. Tschüß.“ Ich entschuldige mich auch hiermit noch einmal in aller Form.

Die Eltern, die dann als Nottaxi aufbrachen, um mich in stirnkühlende mütterliche Hände heimzuholen, hatten zumindest angabegemäß viel Spaß. Ich habe da ehrlich gesagt nicht mehr viel Erinnerung dran. Und ich kann nicht behaupten, dass ich das schade finde. Abgesehen von einem unglaublichen Bewegungsdrang meiner Person, bekam ich auch eine nachdenkliche Phase in der unser damaliger Hund noch zu einem Geheimnisträger wurde. Mir wurden zumindest recht ernsthafte Gespräche mit der Töle unterstellt.

So viel Spaß. Und ich eß Paracetamol und sitze tagsüber im Büro. Ich Depp.

Leiden macht dort auch keinen Spaß. Nicht zu unrecht würden die Kollegen sagen: Heul nicht, dann geh nach Hause. Außerdem leide ich gar nicht. Ich habe ja Paracetamol. In ausreichender Menge verzehrt und regelmäßig nachgelegt, ist eigentlich kaum ein Unterschied zur vollständigen Gesundheit festzustellen. Annährend.

Doch ich weiß, dass der Tag kommen wird, bestimmt am Wochenende, das ist doch immer so, an dem meine Magenschleimhaut dem steten Strom der Chemie nicht mehr standhält und ich auf Entzug muß. Und dann liebe Leute, dann lacht es mir ins Gesicht, dann heißt es „aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ und dann bin ich fällig. Gar nicht gesund, immer nur an Symptomen herumzudoktorn.

Für die Leber ist das Zeug auch nicht soo toll...

Oh, gute Idee. Könnte irgendwann als Ausrede herhalten. Dann eß ich noch ein paar.

Kommentare :

pantoffelpunk hat gesagt…

Da gibt es aber wirklich bessere Drogen als Paracetamol. So. Trotzdem gute Besserung natürlich.

mahort hat gesagt…

also vorübergehend fertig mit 'kühle'blonde, eher fiebrigeblonde! ich werfe da immer pretuval C ein, sind so brausetabletten für ein heissgetränk..

auch von hier gute besserung!

Frau Weitergelesen hat gesagt…

Warum schluckst du Paracetamol und setzt dich dann ins Büro? *räusper* Bist du dort unentbehrlich oder habt ihr so ein gesundes Klima dort?!

Für den Notfall kann ich dir auch Ibuprofen empfehlen. Und Bettruhe. ;o)

Gute Besserung!

Anonym hat gesagt…

ole said...
aber das gute an deiner schon beinahe asiatischen arbeitsmentalitaet ist natuerlich, dass deine bank dir dies ewig danken wird... insofern taugt das natuerlich als lebensentwurf...