Dienstag, Juni 05, 2007

Immer auf die Fresse

Jetzt krieg ich aber langsam zu viel. Schon wieder wurden 50 Polizisten bei "Rangeleien" um den G8-Gipfel verletzt. Ich muß mich jetzt mal auf die Seite der Ordnungshüter schlagen und ich wundere mich wirklich, daß nicht langsam die G8-Gegner, denen es wirklich nur um eine Demonstration für eine bessere Welt geht, eindeutig Stellung beziehen gegen die Gewalt. Die für alle anderen deutlich sichtbar aus ihren Reihen kommt.

Wer ernsthaft einen Raum bietet für die Fraktion, deren politisches Verständnis darin besteht, die letzte Hirnzelle zu aktivieren um mit Schaum vor dem Mund "Bullenschweine, auf die Fresse" zu brüllen, darf sich nicht wundern, wenn die gesamte wohlgemeinte Aktion nicht in dem Sinne öffentlichkeitswirksam ist, wie es mal geplant war. G8-Gegner sind also autonome Spinner. Genauso wie beim Fußball, wo es manches Mal naheliegt zu glauben, daß diese sich, besonders im ostdeutschen Raum, ausschließlich aus Rechtsradikalen zusammensetzt.

Ja, kann man auch glauben. Wenn man bei einem Spiel sieht, daß die Gästekurve stilisierte Fahnen des dritten Reichs ausbreitet und Dinger singt wie "Wir bau`n ne U-Bahn von St. Pauli nach Auschwitz", wie seinerzeit bei dem Spiel gegen Chemnitz, dann fällt es einem der Gedanke schwer, daß es ja höchstens fünfzig Leute von zweitausend sind und die anderen sich nur nicht trauen, sich zur Wehr zu setzen. Eintausendneunhundertfünfzig brave Fußballfans stehen wie die Schafe um fünfzig Idioten herum. Das läßt doch tief blicken. Auf die Idee, vielleicht einfach wegzugehen und die fünfzig alleine da stehen und ihre Suppe auslöffeln zu lassen, kommt anscheinend keiner.

Wie ernst kann man denn die anderen Demonstranten/Fans nehmen? Es wird sich nicht von der Gewalt distanziert, weil es ja viel einfacher ist, die gesamte Verantwortung in die Hände der Polizei zu legen. Habt ihr euch mal überlegt, wie sich der Job der Jungs darstellt? Die müssen doch Aschenputtel spielen um die schlechten Bohnen aus der Masse zu fischen. Die guten ins Kröpfchen, die schlechten ins Töpfchen.

In der Hektik passiert es anscheinend leider, daß auch mal ein gutes Böhnchen im Töpfchen landet. Ist es dann wirklich ein Grund, sich hinzustellen und "miese machtgierige Polizeiwillkür Bullenschweine" zu rufen?

Wenn das gute Böhnchen fröhlich fähnchenschwenkend neben einem Pflastersteinwerfer spaziert, muß es sich eine gewisse Selbstverantwortung anhängen lassen. Es sei denn, das Böhnchen weist darauf hin, daß Böhnchen ja gar kein Hirn haben und somit von sämtlicher Verantwortung entbunden sind. Dann aber stelle ich die gesamte Ernsthaftigkeit solcher Demonstrationen in Frage. Dann geht es nicht um Meinung. Dann geht es um einen Spaziergang an der frischen Luft, schicke Musik und hauptsache dagegen.

Kann man nicht mal eine Demonstration gegen Spinner machen? Oder noch besser: Vielleicht sollte man einfach mal das ganze rechtsradikale Pack und die linksautonomen Blödmänner irgendwo zusammensperren? Auf daß sie das Problem gewaltbereiter systemfickender rechtsradikaler Autonomer durch natürliche Auslese im Rahmen des Zehn-kleine-Negerlein-Prinzips selbst lösen. Ohne Polizei, ohne Deeskalation, ohne Krisenmanagement. Der letzte kommt dann zum Psychiater und darf dort ein wenig auf Gummimatten einschlagen weil er eine schlechte Kindheit hatte.

Und der Rest hat Ruhe.

Noch ein letztes Wort zur Polizei: Jeder hätte Verständnis dafür, daß ein Polizist, der einen Kinderschänder zu fassen kriegt, diesem erstmal ordentlich eine reinsemmelt. Es wird aber andererseits erwartet, daß er ruhig bleibt, wenn sein Kollege nach einem Pflastersteintreffer leblos auf der Straße liegt. Das ist eine ganz schön hohe Erwartung. Nicht wahr? Natürlich müssen die Jungs diese Erwartung erfüllen. Deeskalation im Steineregen. Ja klar, dafür haben sie die Ausbildung genossen. Aber das Organ "Polizei" setzt sich nun einmal aus Einzelpersonen zusammen. Der Job von denen wäre sicher einfacher, wenn man sie, und sei es nur durch konkludentes Handeln gegen die Gewalt unterstützen würde.

Freitag, Juni 01, 2007

Bigfoot

Zwar ist mein Name korrekt "Sabine" und nicht "Clementine", aber gestern abend schoss mir doch das eine oder andere Mal ein altes Lied ein, welches meine Eltern in meiner Kindheit häufiger sangen. Speziell natürlich ganz bestimmte Strophen:

"Light she was, and like a fairy,
And her shoes were number nine,
Herring boxes without topses,
Sandals were for Clementine.

Walking lightly as a fairy,
Though her shoes were number nine,
Sometimes tripping, lightly skipping,
Lovely girl, my Clementine."

Als erste Vorbereitung für meinen Selbstverstümmelungstrip nach Spanien, habe ich mich nämlich gestern aufgemacht, mir Wanderschuhe zu kaufen. Sowas muß ja rechtzeitig eingelaufen werden. Schuhe kaufen ist für mich, frauenuntypisch, seit jeher ein rotes Tuch. Bereits in früher Jugend lebte ich auf großem Fuß. Gut, auf die "nine" komme ich nicht ganz. Aber die "eight and a half" schaff ich locker. Schuhgröße 41 bei einer Körperlänge von 1,68 m entspricht nicht unbedingt dem geltenden Standard. Man sollte vielleicht Kindern im Wachstum nicht unbedingt Grass` "Blechtrommel" zeigen.

Meine Füße bereiteten sich auf Großes vor, der Rest von mir entschied sich dann aber doch fürs Bequeme. Eine Ambivalenz, die sich durch mein Leben zieht. Aus Trotz wuchsen die Füße dann noch ein wenig in die Breite. Ob meine fächerförmigen Fußenden jetzt wirklich dem Trotze anzuhängen sind, oder einem Faible für Holzkloggs und barfuß Laufen in der Kindheit, wer weiß. Auf alle Fälle ist es gar nicht so einfach, bequeme Umhüllungen zu finden, bei denen nicht nach einiger Zeit ganze Teile meiner Unterseite absterben.

So summte ich mich dann gestern fröhlich zum Sport-Karstadt, um den Verkäufern dort auf den Wecker zu fallen. Zuvor hatte ich mich natürlich im Internet bei Stiftung Warentest und anderen Testern durch die Empfehlungen gehangelt und schon den Frieden damit gemacht, daß ein Billigschuh an meinen Quadratlatschen für unser Vorhaben hinderlich wäre. Es erscheint mir zwar immer noch suspekt, für Schuhe so viel Geld auszugeben wie für einen Wohnzimmerschrank, aber ich will es mir mit meinen Füßen nicht unbedingt verderben. Wir wollen bestimmt noch ein paar schöne Jahre zusammen verbringen. Und meine Schwester wird bestimmt ärgerlich, wenn ich wegen schlechtem Schuhwerk drei Wochen durchheul.

So stand ich dann also bestrumpft vor einem Regal, voll mit Meindl, Hanwag und Lowa und strahlte entschlossene Unsicherheit aus, so daß sich dann doch irgendwann ein junger Mann meiner erbarmte. Eine Stunde lang latschte ich dann fröhlich durch den Laden. An einem Fuß einen Meindl, an dem anderen einen Hanwag, und hatte Spaß. Um die Trittsicherheit zu testen, haben die da nämlich eine hübsche Felsenlandschaft mit Brücke aufgebaut, die ich mal im Stechschritt, mal hüpfend überquerte und mich fühlte wie auf einem Abenteuerspielplatz.

Aber entscheiden konnte ich mich nicht. Zwei Hanwag, zwei Meindl, herumhüpfen. Hm, weiß nicht. Vielleicht muß man die Würste unter der Zunge wegnehmen, die zwar polstern sollen, meine Füßchen aber nervten. Nochmal hüpfen, laufen, und immer schön die Damen an der Kasse grüßen bei meinen Runden.

Zwischendurch schickte ich den jungen Mann, der sichtlich viel Freude an meinem ausgeschnittenen T-Shirt hatte, zum Schuhe binden muß man sich ja arg bücken, drei Mal in den Keller, um mir neue Pflaster zu holen. Für die Füße? Nein. Für meine Finger. Wenn so ne Büroliese wie ich Stiefel fest schnüren soll, dann geht das nicht ohne Gekrampfe ab und die blöden Senkel scheuerten so sehr auf meinen armen Fingerchen herum, daß sich drei dicke Blasen bildeten. Ich hoffe, es gibt noch Alternativsenkel oder mir wächst da Hornhaut. Sonst denken die Leute am Ende, ich bin den Jakobsweg auf den Händen gegangen.

Am Ende zog ich fünf Minuten vor Ladenschluß doch noch einmal, nur aus Interesse, die Stiefel aus Gold von Lowa an. Sie sind natürlich nicht aus Gold, aber definitiv das teuerste, was der Laden zu bieten hatte. Und stand in Butter. Na super. Mit "Guter Geschmack ist halt teuer" hat das allerdings gar nichts zu tun. Die Stiefel sind schlicht, schwarz, schnörkellos. Und bequem. Noch. Weil die Kassen schlossen und die Damen schon arg genervt zurückgrüßten, kaufte ich sie kurzerhand. Mein Gott, so viel Geld habe ich noch nie für Schuhe ausgegeben. Ich hoffe, sie werden es mir danken.

Zur Not tausch ich sie wieder um. In dem Fall hol ich mir aber erstmal aus der anderen Abteilung Fahrradhandschuhe für die Senkel.

Schuhe gut, alles gut.

Mittwoch, Mai 30, 2007

Wann ist der Mann ein Mann?

Ich bin geplättet. Heute morgen im Radio lief eine hübsche Telefondiskussion zum Thema "Wann ist der Mann ein Mann". Jetzt muß ich mein Männerbild tatsächlich mal überarbeiten.

Neunzig Prozent der männlichen Anrufer behaupteten doch tatsächlich felsenfest, daß ein Mann dann ein Mann ist, wenn er Gefühle zeigen kann. Zu ihnen steht. Habt ihr zu viel Cosmopolitan, Petra, für Sie oder Brigitte gelesen? "Ein Mann ist ein Mann, wenn er zu seinen Tränen steht?" Hallo? Seid ihr schon einmal einer Frau begegnet, die, eine männliche Wimmerlotte mit Kleenex im Bett sitzen habend, sagt: "Oh, mein Hengst, du bist ja so männlich wenn du heulst?"

Die anderen zehn Prozent bewegten sich mehr auf dem Zeltfetenniveau. "Wenn man bei so`ner Schlägerei mal so richtig auf die Fresse bekommen hat, dann weiß man, worauf es im Leben ankommt". Auf was? Auf gute Zahnärzte? Ich bin wirklich verwirrt.

Aber was macht einen Mann denn jetzt aus? Ich mein, vielleicht wollte ich mir ja auch nochmal irgendwann einen anschaffen. Worauf soll ich da achten?

Vielleicht gibt es irgendwo Vorbereitungskurse für Männer "menschlich aber männlich" oder "Held sein und trotzdem helle sein"? Sagt mir bitte Bescheid, dann schnapp ich mir schon mal die Thermoskanne und den Schlafsack und campe dort vor der Tür.

Dienstag, Mai 29, 2007

Pfingsten

Ich weiß noch, daß ich mich irgendwann einmal dazu habe hinreissen lassen, nachzuschauen, was Pfingsten eigentlich für ein Feiertag ist. Glaub ich zumindest. Aber ich habs vergessen. Es ist auf alle Fälle was kirchliches. Und hatte es nicht irgendwas mit Jesus ihm seiner Kreuzigung zu tun? Hm. Angenagelt hatten sie ihn doch Ostern. Was soll da jetzt noch kommen? Habs echt vergessen. Schnell mal googlen.

Na sieh an. Jetzt war mein Fragmentalwissen schon ziemlich davon überzeugt nun etwas über irgendeinen heiligen Geist schreiben zu können, der zum Himmel aufgeflogen ist. Aber da hab ich mich gründlich geirrt. Pfingsten ist ganz was anderes. Da ist er nämlich wieder runtergekommen, der heilige Geist.

Hier ein kleiner Auszug aus dem Wikipedia:

"Seine theologischen Eckpfeiler sind die Entsendung des Heiligen Geistes an die Apostel, wie sie in der Apostelgeschichte (Kapitel 2) des Neuen Testaments beschrieben ist (… Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. …), und die offizielle Gründung der Kirche. Das Pfingstfest entstand aus dem jüdischen Schawuot (Wochenfest). Als christliches Fest wird Pfingsten erstmals im Jahr 130 erwähnt."

Ich hab das jetzt richtig verstanden? Aufgrund der Tatsache, daß die Apostel mit einem Mal anfingen wirres Zeug von sich zu geben, wurde die Kirche gegründet? Das finde ich ja irgendwie recht entzückend. Das ist ja fast schon ein Grund, mal wieder in die Kirche zu gehen.

Mit dem kirchlichen Bodenpersonal hatte ich es ja noch nie so. Unter Hinweis auf Kreuzzüge und Dogmen hatte ich mich nach meiner Konfirmation (ich war ein kapitalistisches Kind) höchstens noch zu Besichtigungs- und Konzertzwecken sowie zu Trauungen von Freunden in eine Kirche begeben. Was den heiligen Geist angeht, dachte ich früher immer, daß der bei uns wohnt. Meine Mutter sagte nämlich oft Dinge wie: Ach, das warst du nicht? Wer war es denn dann? Der heilige Geist?

Doch ich bin ein höflicher Mensch und Pauli ist am Pfingstfreitag aufgestiegen. Alsdann: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Kirche. Nachträglich. Ist ja schon Dienstag. Ich wünsche Dir Alles Gute und vor allem Gesundheit.

Außerdem muß ich langsam anfangen, mich wieder ein wenig anzukötern, zumindest meine Toleranz und meinen Gleichmut gegenüber den Themen der Kirche wachsen zu lassen, weil ich ansonsten meinen spontan gebuchten Urlaub im Oktober nicht nur körperlich nicht überleben werde, sondern wahrscheinlich auch die ganzen drei Wochen mit Oropax verbringen muß.

Nachdem ich nämlich in der Türkei bereits Spaß daran fand, typisch touristisches zu unternehmen, was ich sonst immer abgelehnt hätte, springe ich jetzt auf einen weiteren Trend auf. Erst Dörferfahrt mit Eselreiten durch das Taurusgebirge und im Oktober wandern auf dem Jakobsweg. 375 Kilometer ohne Esel, dafür auch mit Gebirge. Kerkeling sei dank? Möglich. Das Buch hat mich durchaus beeindruckt.

Seit meine Schwester und ich in der letzten Woche den Flug nach Madrid gebucht haben, leide ich schon unter Ganzkörperphantomschmerzen.

Aber vielleicht kommt das auch von der Hopserei auf der Aufstiegsfeier.

Daran glaube ich jetzt einfach. Ist doch ein guter Anfang.

Donnerstag, Mai 24, 2007

We love St.Pauli




So war es 2001 in Nürnberg. Der Aufstieg. Harren, bangen, warten, zittern, Adrenalin pumpen, erleichtert sein, trinken.

Und mit etwas Glück. Mit ein ganz wenig Glück wird es morgen ebenso laufen. Aber zu Hause am Millerntor. Eigentlich kann gar nichts mehr schiefgehen. Was ja leider bei den Jungs fast ein Garant fürs schiefgehen ist. Wenn es eine Chance von 1:1.000.000 gibt, das Ding noch zu versemmeln, werden sie versuchen, diese Chance zu nutzen.

Ich habe noch niemals so konsequent das Thema "Murphys Law - was schiefgehen kann geht schief" verfolgt wie in der Zeit, seit ich ans Millerntor gehe. Und deswegen drehe ich den Spieß jetzt einfach mal um: Hey, wer will eigentlich aufsteigen? Was haben wir davon, daß Pauli in der zweiten Liga spielt? Häh? Genau. Die Karten werden teurer, die Spiele finden zu unmöglichen Zeiten auf einem Sonntag oder manchmal auch mitten in der Woche statt, unser Stadion ist eine Baustelle, sind die Jungs wirklich gut genug oder würden sie in der zweiten Liga mit Schulhoffußball antreten, sollten sie vielleicht noch ein büschn auf die Weide? Sie werden wieder verlieren, wir werden dann wieder absteigen...große Trauer steht uns bevor....Das will doch keiner. All diese Überlegungen kann man sich schenken, wenn sie morgen hübsch 0:10 verlieren.

Also Jungs. Gebt Euch Mühe. Strengt Euch an, zu verlieren. Dann klappt das auch mit dem Aufstieg. Serviert uns einen Murphy der Spitzenreiter.

Ich freu mich drauf.

Sonntag, Mai 20, 2007

Der Mann, das unbekannte Wesen

Es ist Sonntag Abend. Sankt Pauli steht kurz vorm Aufstieg, heute war ein schöner Tag. Und er wird noch besser: Ich habe einen Kasten Mineralwasser, ausreichend Zigaretten, prima Musik und .... eine Men`s Health. Und ich werde sie benutzen.

Wohin man auch guckt, wem auch immer man zuhört, Männer und Frauen passen angeblich nicht zueinander.

Aber woran liegt das? In der mangelhaften Kenntnis des anderen Geschlechtes und seinen Interessen und somit dem fehlenden Verständnis für die merkwürdigen Verhaltensweisen des Gegenübers. Und woran liegt wiederum das? Genau. Weil Frauen Frauenzeitschriften lesen und Männer Männerzeitschriften. Andersrum wäre es es doch viel sinnvoller. Das wollte ich doch gern mal probieren.

Werfen wir also einen ersten Blick in die Men`s Health und verschaffen uns zunächst einen groben Überblick im Inhaltsverzeichnis: "Sport und Fitness", "Gesundheit und Ernährung", "Erotik und Partnerschaft", "Lebensart und Karriere", "Abenteuer" und "Style".

Psychokram fehlt völlig. Das wundert mich zum einen nicht, ich kenne auch den einen oder anderen Mann, außerdem bin ich mittlerweile selbst fast der Ansicht, daß diese Themen auch in Frauenzeitschriften nicht nur total ausgereizt, sondern mittlerweile eher kontraproduktiv sind. Wenn Männer tatsächlich verstehen wollten wie Frauen denken, wäre es sinnvoll und hilfreich, sich einen Korkenzieher in den Kopf zu drehen. Frauen wären andersrum sicher erfolgreicher, wenn sie sich die Stimmbänder entfernen lassen würden oder einer Lobotomie unterzögen. Botox für innen wäre sicher auch zweckmäßig und gut für die Nerven von allen Beteiligten.

Die Astrosparte fehlt in der Männerzeitschrift völlig. So ne Scheißzeitschrift kaufe ich nie wieder. Aber jetzt kommt das lustige: Autos fehlen auch völlig. Hättet ihr das gedacht? Das einzige zum Thema Motor ist ein kleiner Artikel über Temposünder. Keine heißen Schlitten, stattdessen Bratwürste im Test, innovative Haushaltsgeräte "2 in 1" eine Reportage über Cowboys und ein Artikel über das Entfernen von grauen Haaren. Ich muß mein Männerbild überarbeiten.

Viele Kategorien können wir getrost überspringen. Was Styling, Mode und Essen angeht, dürfte da nichts drinstehen, was sich deutlich von Frauenzeitschriften unterscheidet. Auch wenn sich hier wahrscheinlich weniger Lippenstift und mehr Penispilatis findet. Mich interessiert heute zuvorderst, was die modebewußten, stylishen jungen Männer von heute über den Faktor X "Frau" lernen. Also, da blättern wir doch mal rein.

Zum Thema "Erotik und Partnerschaft" finden sich nur drei läppische Artikel. In einer Frauenzeitschrift, ich habe mir jetzt mal als Vergleichswert die Cosmopolitan online zu Rate gezogen, sind es allein sechs Artikel zum Thema "Sex und Liebe" und weitere sechs Artikel zum Thema "Kopf und Herz" zu finden. Frauen reden also nicht nur mehr über diese Themen, sie lesen auch mehr. Daß das Thema "Sex" in Männerkreisen so stiefmütterlich behandelt wird, wundert mich allerdings schon ein wenig. Bis heute nahm ich ganz allgemein gesprochen an, daß der genetische Durchschnittsneandertaler diesem Thema eine vordergründige Bedeutung beimißt. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber nach Men`s Health ist die Ausnahme die Regel. Da habe ich wohl wieder was gelernt. Nicht schnell Auto fahren und kaum Sex. Hilfreich! Merken!

Lernen dürfen die Herren zunächst, wo Frauen gerne angefaßt werden. Das ist richtig schick aufgemacht auf einer halben Seite (Wahrscheinlich zum herausreissen und im Geldbeutel aufbewahren). Eine lustige Präsentation, auf der ein lasziv am Fingernagel knabberndes nackertes Mädel von diversen Pfeilen und Symbolen umringt ist, die zeigen, wo und vor allem WAS genau der Mann machen soll.

Ein Joystick für "fest zupacken", eine Katze für "sanft streicheln", eine Geburtstagströte für "leicht pusten", ein Tortenstück für "liebevoll knabbern"und dann noch das alte Bandzeichen von Kiss für "küssen und lecken". Na, jetzt bin ich aber gespannt. Sollte mein nächster Bettgenosse wie zu einem Kindergeburtstag auflaufen um sich Eselsbrücken mit ins Bett zu nehmen, weiß ich ja woher das kommt.

Halt, ich möchte Männer ja verstehen. Morgen geh ich gleich zu Fahnenfleck und kauf ne Tüte Tröten und ne Plüschkatze. Torte ist ja verderblich. Ich hab jetzt auch keine Lust, jede Woche einen Hoffnungskuchen zu kaufen. Vielleicht krieg ich sowas ja aus Gummi mit Quietscher drin im Haustierzubehör. Soll keiner sagen, ich geb mir keine Mühe. Ich könnte mir natürlich auch die Symbole einfach auf den Körper malen. Das isses. Ist auch billiger. Da brauch ich ja nur `n Edding für. Zwei. Einen Roten für "Yeah", und einen Grünen für "Pfoten weg". Das ist gut. Das mach ich. Hilfreich sei die Frau, edel und gut. Was? Rot für "Yeah" könnte verwirrend sein? Neenee, das ist schon wohlüberlegt. Rot - stehen, Grün - gehen.

Kommen wir zum nächsten Artikel. Hier wird den Hoffnungsträgern beigebracht, wie und ob man einem Quickie das bestmögliche Amüsement abgewinnt. Hier lernt der Mann gleich an zweiter Stelle, daß ein Quickie spontan sein muß. Hilfreich. Man soll sich von der Öffentlichkeit abschotten, weil sonst nix mehr geht. Hilfreich. Dann steht da, daß es auf Bahnhofsklos stinkt und stinken abtörnt (vielleicht könnte sich hier die Frau einen grünen Fleck auf die Nase machen wenn sie nicht von alleine grün anläuft. Das wäre hilfreich). Eine Frau mag nicht mehr, wenn sie auf eine vollbeladene Werkbank gehievt wird, weil die Schrauben übel ziepen. Hilfreich.

Wie auch immer, im Grunde wird hier ein wenig hintenrum mit der hochgezogenen Augenbraue Erziehungsarbeit geleistet. Macht es nicht im Aufzug, der ist zu schnell, nicht bei Oma im Nebenzimmer, nehmt euch Zeit, achtet auf Hygiene, macht euch nicht zum Affen vor der Fußgängerzone und haltet euch fern von Flugzeugtoiletten. Aber am Ende versucht sich die Redaktion wieder einzuschleimen, damit der Mann sich jetzt nicht bevormundet fühlt und sagt ihm recht guttural, daß aber auch ein Quickie unter bescheidenen und widrigen Umständen recht annehmbar sein können und daß sie sich nicht die Lust verderben lassen sollen.

Aha, wenn man jetzt also möchte, daß der Mann sich in einer bestimmten Art und Weise verhält, muß man Fakten aufzählen und ihm hinterher wieder die volle Handlungsfreiheit geben. Bloß kein Druck. Klingt plausibel. Ist aber Psychoscheiße, wollten wir hier heute nicht. Trotzdem hilfreich.

Im letzten Erotik- und Partnerschaftartikel bringt Men`s Health den Herren bei, woran die Frau erkennt, daß sie lügen. Männer lügen also? Und zwar in einem Maße, daß sich eine Herrenzeitschrift veranlaßt sieht, zu erklären wie man es besser macht? Das ist interessant. Und hilfreich. Nicht sehr hilfreich sind die Tipps. Die Herren sollen nicht erröten. Supertipp. Gar kein Problem. Dann erröte ich eben heute beim Lügen nicht. Auf das Schwafeln soll der Mann auch verzichten. Klar. Auch hilfreich. Heute mal nicht schwafeln beim lügen. Sehr gut. Auch aufs Fuchteln und Wackeln sollte der Herr dann verzichten. Der einzige Tipp, der tatsächlich bedingt sinnvoll ist, ist der, vom Starren abzusehen. Immer schön in die Augen gucken, immer schön linke Pupille, rechte Pupille. Bloß nicht starren. Selbst wenn sie nicht auf die Idee kommt, daß ihr sie anlügt, wird sie denken, daß ihr sie gleich angreift.

Na. Das war doch alles sehr lehrreich. Ich glaube, ich kann getrost sagen, daß sich mein Männerbild radikal gewandelt hat. Die sind ja gar nicht so wie ich dachte. Oder? Kann ich das wirklich verallgemeinern? Ganz ehrlich. Wenn ich irgendwann einmal dem Frauenbild einer Frauenzeitschrift entspreche, ziehe ich die Lobotomie ernsthaft in Betracht.

Wo gab das nochmal das Botox für innen? Nur für den Notfall. Ach, Möchte jemand die Probe mit der Antifaltencreme?

Mittwoch, Mai 16, 2007

Lustig?

Wenn man möchte, daß es in der eigenen Wohnung lustig, nämlich wie im Hallenbad, riecht, muß man eine halbe Flasche Schimmel-Ex großzügig in der Dusche verteilen und vermeiden das Kläppchen nach außen aufzumachen, damit sich der Geruch großzügig verteilt.

Und wenn man möchte, daß sich die Welt um einen herum lustig verhält, macht man genau das gleiche. Ohne Schimmel-Ex. Man stellt sich hin, macht das Kläppchen nach außen zu und läßt das was kommt durchziehen.

Es gibt eine menschliche Tendenz, originell wirken zu wollen. Lustige kleine Wortspiele sind originell. Bei dem, der sie das erste Mal verwendet. Vielleicht lacht man auch noch ein zweites Mal. Da der Mensch aber ungern von einer Idee läßt die sich einmal tief in die grauen Massen hinter den Augen eingefräst hat, wird man fortan von allen Seiten mit diesen Originalitäten begossen.

Jeder kennt das. Man sitzt auf einer Bank. Jemand kommt an, wirft sich neben einen, gröhlt dabei "Stück ma´n rück" und strahlt einen beifallsheischend, grinsenerwartend an. Wie ein Hund, der das Kunststück brav vollbrachte und jetzt sein Leckerchen will.

Wenn ein Rettungswagen mit Horn vorüberfährt, kann man schon Wetten darauf abschließen, daß man ein kleines Singen "zu spääät, zu spääät" hört, oder die Begleitung sagt: "Hinterher, da wird ne Wohnung frei".

Laß uns zum Bleistift mal teflonieren, laß liegen, tritt sich fest. Herzlichen Glühstrumpf, Tel Aviv, alles in Dortmund, lieber arm dran als Arm ab, jaja heißt leck mich am Arsch, Tschüssikowski, Tschö mit Ö, links ist da wo der Daumen rechts ist, ohne moosi nix loosi, alles fit im Schritt, noch so` n Ding - Augenring, Schlepptopp, laß uns ins Horn brechen, nett ist der kleine Bruder von Scheiße, stimmts, oder hab ich Recht, Schittebön, Schankedön...und wenn ich noch ein wenig nachdenke, fallen mir sicher noch hunderte dieser kleinen Bonmonts ein. Aber dann komme ich nicht rechtzeitig zur Arbeit und muß, weil ich spät komme, früh gehen.

Deswegen verabscheue ich mich für heute. Schönen Schrank für ihre Aufmerksamkeit.

Montag, Mai 14, 2007

Speckmamsell

Was man niemals machen darf:

Bei Freunden auf die Waage steigen! Tut euch den Gefallen und macht das niemals. Wer sich Leid ersparen möchte, schaue die Waage von der Ferne abwertend an und trete höchstens einmal im Vorübergehen dagegen um irgendwelchen anderen Frust zu vertreiben. Bei batteriebetriebenen Waagen entferne man die Stromlieferanten und verstecke sie gut, bei manuellen Waagen drehe man den Nullpunkt von vorneherein fünf Kilo nach unten.

Eigentlich hatte ich den Figurwahn schon längst hinter mir gelassen. Wie sagt man so schön: Irgendwann muß man sich als Frau entscheiden, wohin man sich die Reise vorstellen kann. "Kuh oder Ziege". Ich war schon immer tendenziell ein Freund von Kühen. Abgesehen von der Sabberei und dem Umfang haben sie nämlich die schönsten Augen der Welt und strahlen Güte, Geduld und Gleichmut aus. Da kann so ne Zicke lange dran arbeiten. Das wird sie nie erreichen. Jawohl. So hatte ich mir das ausgedacht. Kuh ist gut. Aber das muß ja nicht unbedingt sofort sein. Zumindest nicht im Hinblick auf die Masse.

Nachdem die Urlaubsbilder (jaha, ich stelle auch für die Frisurengucker gleich noch ein wenig was drunter) bei mir eintrudelten, trudelte ich auch erstmal in ein mentales Loch. Sich selbst im Bikini betrachten zu dürfen (diese Fotos werde ich auch in hundert Jahren hier nicht einstellen) entspricht schon einem Zwischending zwischen Schocktherapie und Folter.

Ausschnittbetrachtungen im Spiegel zu Hause sind nämlich immer von einem leichten Weichzeichner begleitet. "Das liegt nur daran, daß der Spiegel schräg steht. Das ist nur die Optik. Die Hosen passen doch noch prima"

Jaha liebe Freunde. Die Hosen passen ja noch prima....Auch ich verschenkte einst wider dem Schlankheitswahn meine Waage, um fortan meine Fettbergschwankungen an den kneifenden Hosen zu messen. Das könnte auch klappen für die, die es nicht gern bequem haben. Ich habe es gern bequem. Stretch ist bequem. Und gut für mindestens anderthalb Größen. Hinzu kommt, daß die heutige Hosenform, die bereits unter dem Bauch endet, Veränderungen in dem Bereich ebensowenig kommentiert, wie den Hintern, der sich unauffällig den Rücken hochschiebt.

Kurzum, als ich am Wochenende bei einem Freund in Frankfurt auf die Waage stieg, leuchtete mir eine Zahl entgegen, die ich nicht glauben konnte. Der Winterspeck hat ganz schön reingehaun. Zum Glück ist die Fußballsaison bald vorbei, so dass ich mich dann etwas von fröhlicher Feierei mit Biergenuss distanzieren kann. Auch das Fahrrad will bewegt sein. Da muß was passieren. Ansonsten dürft ihr mich bald Liese, Emma oder Hannelore nennen. Oder wie auch immer Kühe heute heißen.

Ich will so bleiben wie ich bin - Muh.

And now for something completely different: Ein paar Fotos. Zunächst Langhaarbine bei einer Tätigkeit, die sie öfters tun sollte:



Und nun die Optik nach der Friseurgeschichte. Allerdings gibt es in der Tat keine akuten Bilder. Furchtbarföhn ist also nicht dokumentiert:




Und so eine Verkleidung hätte ich gern gehabt, als ich den Friseurschuppen verließ:


Dienstag, Mai 08, 2007

Spiritus Sanktus?


Als ich letztens einmal wieder zur U-Bahn trottete, streifte mein Blick mehr beiläufig diesen Zettel an der Ampel. Meditation...ökä, da gibt das sicherlich schlimmere Möglichkeiten seine Abende zu verbringen, dachte ich. Zum Beispiel gar nichts machen, höhö, und schlurfte ungestoppt weiter über die Straße.

Auf der Straßenmitte angekommen, trat mir mein Gehirn von hinten an die Nase und forderte mich auf umzudrehen und den Rest des Plakates noch einmal etwas bewußter zu betrachten. "Die Freude spirituellen Seins"... Ach... Spirituell ist man doch noch lange genug wenn man tot ist?

Ich schlurfte wieder los. In der U-Bahn sinnierte ich dann weiter: Na gut, einen Vorteil hätte es, jetzt schon ein wenig spirituell zu sein. Dann hat man ja auch einen Astral-Leib. Nicht so wie ich, die im irdischen Sein momentan eher mit einem Astra-Leib zu kämpfen hat.

Auf der anderen Seite bin ich lieber dick als tot. Da muß man mal realistisch sein.

Samstag, Mai 05, 2007

Karneval im Garten




Ich verkleide mich ja nicht besonders gern. Als Hamburgerin steht man zwar dem lustigen Trinken und Hopsen auf der Straße nicht unbedingt abgeneigt gegenüber, aber bislang konnte ich schon mir durchaus verkneifen, das ganze morgens um zehn mit einer Clownsnase im Gesicht zu praktizieren.

Nun flatterte mir unlängst von dem lieben Reto eine Einladung zum Blog-Karneval „urbane Gärten“ ins Haus. „Oh“ dachte ich. Was wird das denn? Trifft sich da eine bunte Bloggermische zum trinken und hopsen im Kleingartenverein? Super. Da mach ich mit wenn ich Zeit hab und meine Mütze als Verkleidung reicht. Also auch. Ich gedachte natürlich nicht, nur die Mütze zu tragen, wobei mich das „urban“ doch ein wenig verunsicherte. Wenn das mal kein Schweinkram ist. Erst verkleiden müssen und dann auch noch rumurbanen was das Zeug hält.

Also, in dem Fall würde ich mir die Leute dann doch lieber vorher angucken. Neehee, diese Phantasie fangen wir mal schnell wieder ein. „Urban“ muß etwas anderes bedeuten.

Als ich dann schon auf Knien durch mein Unterbettstaub robbte, weil da hinten in der Ecke doch irgendwo die alte Rastaperücke modert, die sich unter der Mütze bestimmt hervorragend machen würde, summte ich beiläufig ein Lied von Funny van Dannen. „Hmmmmhmmmm Wenn im Urbanhafen die Schwääääne schlafen, sind viele da draussen noch wach...sie machen Liebe oder Blödsinn, oooder sie spielen noch Schach..“

Moment mal. Wo? Urbanhäfen, Urbangärten, jetzt ist die Zeit gekommen für Wikipedia. Bine will ja nicht dumm sterben.

Also: „Urban“ ist zunächst ein häufig gebrauchter Papstname. Das kann nicht gemeint sein. Es ist zwar durchaus möglich, dass der Vatikan Kleingartenparzellen in der Schweiz besitzt, aber ich glaube nicht, dass ich da trinken und hopsen darf. Geschweige denn, Mützen mit Totenköpfen und Rastaperücken tragen.

„Kostenlose dänische Tageszeitung“ bietet sich als nächstes an. Smoerebrödrömpöm? Auch eher unwahrscheinlich.

Ich glaube, die Definition „städtisch“ gefällt mir am besten. Städtische Gärten in Hamburg. Ich bin eingeladen, etwas über städtische Gärten zu schreiben Na also. Zack verschwindet das Staubding wieder unterm Bett.

Wenn man in Hamburg wohnt, fällt es ausgesprochen schwer, sich nur auf einen Garten zu beschränken. Deshalb antworte ich global, wie es sich für das Tor zur Welt ziemt. Denn ob ihr es glaubt oder nicht: Ganz Hamburg ist ein Garten. Ein Hafen mit Garten und mehr Brücken als in Venedig. Das ist mal urban was?

· 13 % der Stadt sind Parks, Freizeitanlagen und Wälder

· Weitere 8 % der Stadtfläche werden von Seen, Flüssen und anderen Wasserflächen eingenommen, die den Erholungswert ausmachen

· 44 km² (6%) sind Nationalparks

· Weitere 170 km² sind Naturschutzgebiete

· Die Strassen der Stadt sind mit insgesamt 215.000 Bäumen gesäumt

· Das "Alte Land" ist Europas größtes Obstanbaugebiet, ist mit der Fähre oder dem Auto nur eine halbe Stunde süd-westlich von Hamburg entfernt

Doch seht selbst:

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Und wer es sich in meinem Garten, der schönsten Stadt der Welt, bequem machen oder ein wenig hopsen möchte, ist jederzeit herzlich willkommen.

Donnerstag, Mai 03, 2007

Polare Überlegungen

Es ist Mai. Es ist grün. Die Bäume schlagen schon seit geraumer Zeit aus und die Sonne scheint, als würde sie jetzt schnell noch Energie verpulvern wollen, bevor der Lauf der Zeit die nächste Eiszeit einläutet. So wie das Eisauto täglich abends um kurz vor neun in meiner Straße. Bloß in groß.

Heute Morgen kam es wieder im Radio: die Pole schmelzen viel schneller als man ursprünglich annahm. Das spricht zwar eigentlich gegen eine kommende Eiszeit, ist aber nicht minder dramatisch. Das ist nämlich ziemlich viel Eis. Und ziemlich viel Eis was schmilzt, macht ziemlich viel Wasser. Und das muß irgendwo hin. Dann hat sich was mit Sylt irgendwann.

Aber ist wirklich das Wasser das Schlimme? Wenn wir uns jetzt aber mal an den Physikunterricht erinnern, könnte es doch sein, es gar nicht so schlimm wird. Wie ist das mit der Masse? Ist euch schon mal der Deckel einer Tupperschüssel hochgetaut? Nein, nicht wahr? Deckel frieren auf weil das Eis mehr Raum einnimmt als die Flüssigkeit vorher. Das Eis am Pol sieht doch viel mehr aus als es eigentlich Wasser ist.

Glaube ich zumindest. Ich bin Bankangestellte und kein Physiker. Und erst recht kein Eiszeitler. Aber egal wie, ich hoffe dennoch, dass es schon noch ein wenig dauern wird mit den Polkappen. Wenn ich mal überlege, wie lange ich mit einem Föhn an einem zugefrorenen Kühlschrank herumtaue, glaube ich, daß man sich schon noch so einzwei Jahre entspannt zurücklehnen kann ohne auch nur eine Schüssel unter den Pol stellen zu müssen.

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, was ich mit diesen Polschmelzinformationen anfangen soll. Klar. Klimawandel. Erderwärmung. Das ist alles furchtbar aber ich habe keine Ahnung, was ich dagegen machen soll. Soweit ich weiß, gibt es schon längst kaum noch FCKW. Ich mach das Fenster nicht auf wenn ich heize. Ich zünde keine Autoreifen an, ich kann die argentinischen Rinder nicht am pupsen hindern, ich fahre kein Auto, ich bemühe mich, möglichst wenig Hygienetextilien ins Klo zu werfen, ich benutze Leinenbeutel zum Einkaufen wenn ich dran denke, ich kippe weder Farben noch Lacke ins Grundwasser und habe auch noch kein Altöl verklappt…

Oh Scheiße, jetzt hab ich es: Ich benutze Weichspüler. Ich Umweltsau. Nur weil ich eitles Stück gerne gut dufte, entziehe ich den Eisbären ihren Lebensraum.

Ich hab vergessen, was an Weichspüler so schlimm ist und welche Auswirkungen es auf die Umwelt hat. Ich weiss nicht einmal, ob ich es je wusste. Macht aber nix. Als ich noch klein war, glaubte man den Erwachsenen. Und in meiner Jugend hatten alle noch Atomkraft-Nein-Danke-Buttons, strickten sich ihre kratzigen Pullover selbst und der Gebrauch von Weichspüler stand sozusagen unter Todesstrafe. Weichspüler in die Waschmaschine zu kippen stand in der Schlimm-Liga ungefähr auf einer Höhe mit dem tottreten von süßen kuscheligen kleinen Tieren.

Na gut. Wenn es den Eisbären hilft, stell ich das Zeug jetzt eben nach ganz hinten in den Schrank. Kann niemand behaupten, dass an meiner Generation die Erziehung zu ökologischem Bewusstsein versäumt wurde.

Und meine Haare laß ich jetzt immer lufttrocknen.

Montag, April 30, 2007

Es lebe der Sport

Eigentlich bin ich ja gar nicht so eine unsportliche Wurst wie es den Anschein hat. So typmäßig mein ich. Die Anlagen sind ganz gut und ich erinnere mich dunkel, dass es Zeiten gab, in denen ich deutlich knackiger definiert war als aktuell. Heute müsste das, was mich in muskulären Zonen umschmiegt, realistischerweise eher als Schwamm bezeichnet werden.

Mittlerweile habe ich mich allerdings damit ausgesöhnt und mir erklärt, dass, wer einmal anfängt mit dem Sport, immer weitermachen muß. Sonst wird nämlich ruckzuck aus der knackigen Figur nicht nur ein Schwamm, sondern ein nasser schlapper Wischlappen. Man muß sich doch nur einmal ältere Muskelprotze angucken. Die haben Winkeärmchen und mehr Busen als ich. Das sieht doch nicht schön aus, so ein Arnold Schwarzenegger in Badehose. Wie ein Butterberg in der Sonne. So. Außerdem bin ich nicht mehr siebzehn. Ich muß nicht aussehen wie Heidi Klum. Basta.

Hm. Und warum hat der Teufel die Großmutter gefressen? Genau. Weil ihr keine Ausreden mehr einfielen.

Schuld ist natürlich wie immer der Schweinehund, der innere. Dem ist es nämlich schnurz, welchen Stromanbieter ich wähle. Da könnte ich wechseln was das Zeug hält. Mein Schweinehund hat sich auf die Vermeidung regelmäßiger sportlicher Betätigung spezialisiert.

Hin und wieder mal ein wenig Schwimmen, das lässt er mir grad noch durchgehen, aber sobald es darum geht, sich joggend fortzubewegen oder in einen dieser blöden Fitnesstempel zu gehen um sich dort an Geräten abzustrampeln, steht er lockend mit einem Gläschen Bier in der Hand vor mir und lässt mich nicht durch. Mein Schweinehund ist begeisterter Passivsportler.

Entsprechend dieser Veranlagung konnte man mich gestern bei strahlendem Sonnenschein mit dem erwähnten Bier in der Hand beim Hanse-Marathon finden. Ich war die, die man bei Kilometer 38 mit offenem Mund, als würde ich mich von Plankton ernähren, die Läufer anstaunen sah. Wie kann es sein, dass die Leute nach dieser Strecke immer noch wie menschliche Nähmaschinen an einem vorbeitackern? Lachend! Klatschend! Das ist doch widernatürlich. Ich wäre schon längst tot und von einem der Stadtreinigungsfahrzeuge, die dem Läuferzug folgen, aufgewischt worden. Und dann auch noch so viele. Eine ganze Kleinstadt ratterte an mir vorbei. Wow. Da fing die Wurst Bine schon an, sich ein wenig zu schämen.

Mein Schweinehund hockte mir grinsend auf der Schulter und steckte dem wachsenden schlechten Gewissen auf der anderen Schulter hämisch die Zunge raus. Komm, sagte er, motz hier nicht rum. Wir holen uns noch ein Bier und gehen dann Handball gucken und Chips essen.

Na gut, nölte das schlechte Gewissen, aber nur, wenn wir in diesem Sommer mal öfter skaten gehen und langsam mal anfangen, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Wir haben für uns doch auch eine Verantwortung. Und Sport ist gesund.

Jaja, sagte der Schweinehund. Morgen vielleicht.

Blöder Sack. Irgendwann mach ich ihn fertig.

Donnerstag, April 26, 2007

Fliegerei

Seit langer langer Zeit flog ich das erste Mal wieder mit einem dieser typischen Urlaubsbomber. Das sind Flugzeuge, die außen völlig normal aussehen, aber innen den Eindruck erwecken, als wären sie zu heiß gewaschen worden. Sobald man sie betritt, fühlt man sich wie im Legoland in einer Puppenstubenwelt. Alles ist klein. Kleinkleinklein.

Besonders die Sitze. Die sind richtig süß. Natürlich. Je kleiner der Sitz und je dichter sie beisammenstehen, umso mehr Erholungswillige kann man in so einen Bomber reinquetschen. Ich gehöre jetzt nicht unbedingt zu den Hochgewachsenen, dennoch stoßen meine Knie an den vorderen Sitz. Mit bedenklichem Risiko. Wenn man Pech hat, und ich hatte, sitzt vor einem eines dieser unhöflichen Spielkinder, die denken „Ich habe die verstellbare Rückenlehne bezahlt, die benutz ich jetzt auch, basta!“ und brechen einem ohne Vorwarnung die Beine. Herzlichen Dank.

Dass nicht die Hälfte der Reisenden in Rollstühlen aus dem Flugzeug geschoben werden, ist mir ein Rätsel.

Wenn die Schmerzen nachlassen, beginnt der Kampf um die Armlehnen. Bei vier Armlehnen für drei Sitze, fühlt man sich ein wenig wie im Kino. Hier gilt es, wie ein Schießhund aufzupassen, dass derdiedas Nachbar irgendwann versehentlich die Ellenbogen verrückt und eine Lücke freigibt. Hier muß man sofort, aber wirklich sofort seinen eigenen Ellenbogen unauffällig hineinschieben und sich dann langsam aber sicher ausbreiten. Mit Glück steht der Nachbar nicht auf anonymen Körperkontakt und weicht immer weiter zurück.

Das ist kurzweiliger als Mensch-ärger-dich-nicht und man kann dieses Spiel während eines vierstündigen Fluges ungefähr neunhundert Mal spielen. Raumgewinn, Vorstoß, Unachtsamkeit, Rückzug. Raumgewinn, Vorstoß, Getränkelieferung, Rückzug. Undsoweiterundsofort. Langweilig wird das nicht.

Doch meckern gildet nicht. Muß ja auch bezahlt werden das Kerosin. Wer für 280 Euros eine Woche in den Urlaub fliegt, kann sich grob ausrechnen, was er für den Flug bezahlt hat. Knapp 130 Euro. Dafür kommt man ja nicht einmal mit dem Zug nach Frankfurt und zurück.

Da kann man sicher noch mehr reorganisieren und optimieren. Wenn die Fluggesellschaften jetzt analog der Deutschen Bahn lediglich das Recht auf Beförderung verkaufen würden, nicht aber das Recht auf einen Sitzplatz, könnte man NOCH MEHR Sonnenhungrige transportieren. Leute, wie wär das? Ein paar Halteschlaufen in den Gang und zack könnte man noch hundert Stehplätze etablieren. Unbequemer würde der Flug dadurch auch nicht werden. Oder Stapellagerung mit ein paar flauschigen Wolldecken im Frachtraum. Ungeahnte Möglichkeiten.

Die Getränke könnten die Reisenden unter sich weiterreichen, womit Personal- und Materialkosten gespart würden. Auf den trockenen Brötchenschwamm mit Gummikäse verzichte ich gern und Schokoriegel kann ich auch im stehen essen.

Ich mach wirklich alles mit. Unter einer Bedingung: Dass den Urlaubern verboten wird, frenetisch Beifall zu klatschen, wenn der Pilot seinen Job getan und wieder heil gelandet ist. Ich klatsch ja auch nicht, wenn mein Bus an der richtigen Haltestelle hält.

Wenn auf die blöde Klatscherei überhaupt nicht verzichtet werden kann, wäre es sinnvoller und netter, das Saftschubsenballett (die Notausgänge befinden sich hier, hier und hier) mit Aufmerksamkeit und Beifall zu bedenken. Die armen Jungs und Mädels sehen sich ja zumeist mit betont gelangweilten und ignoranten Passagieren konfrontiert, die dadurch kundtun möchten, dass sie ja sowas von Vielflieger sind und sowieso wissen wie alles geht. Gähn.

Ich passe auf und zähle zusätzlich immer die Sitzreihen bis zum Notausgang, falls ich den Weg schwimmend im dunkeln finden muß. Sicher ist sicher.

Montag, April 23, 2007

Adventure-Cut

Ich sitze beim Friseur. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches. Dann und wann überkommt mich schon der Drang, die Zotteln ein wenig stutzen zu lassen. Aber heute habe ich Angst. Meine Hände sind schweißnass und ich versuche, den Fluchtreflex meiner Beine unter Kontrolle zu halten. Mein Herz klopft und ich bemühe mich, so cool wie irgend möglich zu schauen und mir meine Unsicherheit nicht anmerken zu lassen. „Atemwege freimachen und Sicherheit ausstrahlen“ mantra ich vor mich hin und sehe furchtsam aus dem Augenwinkel die Schere nahen. Jetzt heißt es „Augen zu und durch. Es geht los. Extrem-Haircutting in Alanya.

Geil.

Aus einer gemächlichen Gleichmütigkeit heraus, beschloss ich nämlich, meinem Leben mehr Aufregung und Abenteuer zu bieten. Immer nur Erholung macht doch nur müde. Das kann auf Dauer ganz schön schlauchen. Das sag ich Euch. Und leichtsinnig macht es leider auch.

Mit sicherem Blick erspähte ich den einzigen nicht-deutschsprachlichen Frisierschuppen in ganz Alanya. Nach radebrechenden Preisverhandlungen, die sowohl mich, als auch den Boss zufriedengestellt haben dürften, galt es, einen Übersetzer für meine Wünsche aufzutreiben. So ganz mochte ich das Zepter dann doch nicht aus der Hand legen und mein Wohl und Wehe in die Hände einer türkischen Schopfdesignerin.

Natürlich, was Friseure können, können nur Friseure, dachte ich. Natürlich sieht eine Friseurin nach der Aufforderung „Spitzen schneiden“ sofort den Grundschnitt und macht ihn wieder so wie er gehört....mooment. Das hat sogar in Deutschland noch nie jemand geschafft. Sollte ich wirklich vertrauen? Lieber nicht. Adventure hin oder her, immerhin muß ich hinterher mit dem neuen Kopf rumlaufen.

In dem Besitzer des Nachbarladens war schnell eine türkische Flüsterpost gefunden. Mein Adrenalin stieg bereits bedenklich Richtung Überlauf. Ist er die richtige Wahl? Sicher nicht. Nicht nur, dass er ein Mann ist, und deswegen den zarten Nuancen einer Frauenfrisur gegenüber als blind gelten dürfte, er sieht auch noch so aus, als wäre er mittlerweile dazu übergegangen, seine eigenen Haare einfach bei Bedarf in Schulterhöhe abzubrechen. Ich möchte flüchten.

Scheiß egal. Einfach kann jeder.

Mein derzeitiger Geisteszustand „Angst“ lässt mich leider sehr gründliche Anweisungen geben: Spitzen schneiden. So wie vorher. Seitenscheitel links, schräg, Mundhöhe. Die vorhandenen Stufen neu. Zwei Zentimeter ab. Grundschnitt halblang. Die unteren Haare hinten etwas länger.

Stufenweise übersetzt der Zottel und versucht nebenbei, mich damit zu beeindrucken, dass er Günter Grass gelesen hat. Ich lasse mich nicht ablenken, bewerfe die Friseuse synchron mit bedeutungsvollen Blicken und untermale meine Wünsche mit für sie wohl verwirrenden Gesten. Sie wirkt zunehmend konfuser. Mistmist. Das kann ja was werden.

Und jetzt geht’s los. Unter dem Umhang verkrampfe ich meine Hände um die Stuhllehne und hoffe, dass wir uns verstehen. Sie fängt an. Hinten. Die ersten genehmigten zwei Zentimeter segeln abwärts. Jetzt ist es zu spät. Wie ein Opfertier füge ich mich meinem Schicksal und sie entspannt zunehmend und schnibbelt mutiger drauf los.

Hm. Das Stück, was sie grade schnitt, das waren doch keine zwei Zentimeter. Das waren doch mindestens sechs. Sie schneidet weiter und ich starre wie paralysiert in den Spiegel. Brav kämmt sie den Pony zur Seite und schneidet ihn links auf die gewünschte Länge. Dann stuft sie sich einmal um den Kopf herum und...., es passiert, was passieren musste. Der Pony auf der rechten Seite fällt ihrem Enthusiasmus zum Opfer und ist jetzt auf Augenhöhe gestutzt. Upps.

Ich glaubs nicht. Der Übersetzer ist weg, schimpfen auf Deutsch bringt nichts und mit halber Frisur kann ich nicht gehen. Ich sacke in mich zusammen und betrachte nur noch furchtsam, in welche Richtung das ganze noch geht. Wellen unterschiedlicher Gefühle durchströmen meinen Körper. Das ist ja besser als Bungee-Jumping. Oh, anscheinend hat sie etwas großzügig gestuft und beginnt nun fröhlich, den Rest des Haares anzugleichen. Strähne um Strähne fällt. Nur die Nackenlocken lässt sie stehen. Was wird das hier? Vokuhila?

Jetzt greift sie zur Stufenschere und hämmert damit beherzt durch das noch vorhandene blond. Der Haarberg zu meinen Füßen wächst und wächst.

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll und entscheide mich dafür, weiter ausdruckslos dem Treiben zu folgen. Bungee-Jumping hat den Vorteil, dass es schnell vorbei ist. Dies hier gleicht der chinesischen Wassertropfenfolter. Langsam und stetig. Grausam. Gemein. Aber ich habe es ja nicht anders gewollt. Immer hintendrauf. Jawohl.

Fassungslos sehe ich, wie sie beginnt, meine deutlich gekürzte Haarpracht mit der Rundbürste zu bearbeiten. Hier hält sie sich wunderlicherweise an die anfangs gegebenen Anweisungen, die natürlich in keinster Weise mehr zu den verbliebenen Haaren paßt. Gott seh ich bescheuert aus.

Meine Haare erschlaffen ebenso wie ich. Die Rundbürstenexperimente verschaffen der Dame wohl keine Befriedigung. Jetzt schmiert sie komisches Zeug in den Schopf und fängt noch einmal von vorne an zu föhnen. Meine Haare spielen aber nicht mehr mit und drücken sich nur noch angstvoll an den Kopf. Versuchen schier hineinzukriechen. Als sie anfängt, meinen Hinterkopf zu toupieren, beschließe ich, das Abenteuer an dieser Stelle zu beenden.

Katrin sitzt vorne im Laden und liest. Als ich auf sie zustürme, um meine neu erworbene Kurzhaarfrisur schnellstmöglich aus dem Laden in Sicherheit zu bringen, sehe ich in ihrer Mimik, wie sie versucht, eine angemessene Reaktion auf meine Haarpracht zu finden. „Oh“, sagt sie. „Ungewohnt siehst Du aus. Aber interessant“.

Nun brauche ich einen Raki. Und Waschbecken und Föhn, um Schadensbegrenzung zu betreiben.

Angemessen verstrubbelt und leicht angetrunken ist der Anblick gleich viel leichter zu ertragen. Ich gewöhne mich von Minute zu Minute dran. So schlimm ist das gar nicht.

Wächst ja wieder. So ist das mit Abenteuern. Wenn ein Bungee-Seil reisst, sind die Folgen nachhaltiger.

Hoffentlich.

Sonntag, April 15, 2007

Sunshine

Bei diesem Wetter drinnen zu sitzen, ist eine Sünde. Jawohl. Draußen bollert die Sonne warm, gelb und heiß vom Himmel und lockt damit allerlei Wochenendfahrer, Motorräder, Sandburgenbauer und Eisesser vor die Türen.

Und ich sitz drin. Wieder. Weil ich ja sowas von ein schlechtes Gewissen habe, daß ich gar nicht mehr weiß, wie ich mich noch besser noch doller schämen kann. Ich kann doch auch nix dafür, daß das immer so schnell anschlägt, obwohl ich eigentlich zu den blonden Hellhäutigen gehöre. Meine Haut sieht Sonne und fängt sofort an, fröhlich mit Farbpigmenten um sich zu werfen.

Ich fahre morgen in den Urlaub und bin heute schon kackbraun. Sowas gehört sich doch wirklich nicht.

Gut erholt und tief gebräunt. Das ist doch, als würde man sich sein Popcorn im Kino von zu Hause mitbringen oder im Sternerestaurant seine Tupperschüssel mit den Resten vom gestrigen Abend auf den Teller schütten.

Deswegen verbringe ich mein restliches Landwochenende in elterlichen Gefilden nicht dekadent im Liegestuhl vor dem Badehaus, hin und wieder einen vollgespeichelten Tennisball hinter mich werfend, damit die Köter was zu tun haben, sondern, mich schämend, im abgedunkelten Arbeitszimmer.

Jajaja, natürlich lese ich auch Zeitungen und Apothekenblättchen und weiß, daß es total ungesund ist, sich der prallen Sonne auszusetzen. Davon bekommt man Lederhaut und üble Krankheiten. Aber ich mag doch so gern in der Sonne sitzen. Im Schatten sitzen ist so, als würde man von den gebotenen Pistazien nur das Salz von den Schalen lutschen und den Kern wegwerfen. Im Schatten sitzen kann ich auch im Herbst. Super, jetzt schäm ich mich nicht nur, jetzt schmoll ich auch.

Na gut, Leute, paßt auf eure Haut auf. Sonst läßt sie euch im Stich. Und ohne sieht niemand attraktiv aus. Bereits in früher Jugend ist es wichtig gut geschützt zu werden, weil in der empfindlichen Kinderhaut nämlich die Grundspfeiler für spätere Entartungen gelegt werden. Jawohl. Damit macht man keinen Spaß.

Hm. Jetzt wundert mich allerdings schon, daß nicht meine gesamte Generation mittlerweile dem schwarzen Fleckfieber zum Opfer gefallen ist und daß ich immer noch eine zarte Babypopohaut mein Eigen nenne. Ich kann mich nämlich nicht daran erinnern, damals dick mit Sonnenschutzfaktor eingerieben worden zu sein, bevor ich das Haus verließ. Und das haben wir täglich gemacht, um uns mit dem zu beschäftigen, mit dem Kinder sich damals so beschäftigten. Also Höhlen ohne Stützpfeiler in Böschungen buddeln, Kornkreise in Wiesen trampeln, diese versehentlich beim Steinzeitmensch-spielen anzünden, vom höchsten Punkt eines Neubaus springen, Regenwürmer essen, Banden gründen und sich gegenseitig übelst verkloppen und ne Runde Völkerball auf der Straße spielen. Also das Haus verlassen und in die Sonne gehen. Damals gab es ja noch keine Arbeitszimmer mit Internetanschluß.

Wenn ich so in Erinnerungen schwelgend meine Rotzgörenphase betrachte, ist es eigentlich ein Wunder, daß ich - Sonne hin oder her - überhaupt noch am Leben bin. Ich bin unkaputtbar. Das bißchen Saisonbräune bringt mich bestimmt nicht um.

Schluß mit Schämen. Seh ich halt aus wie ne Einheimische in der Türkei.

Und ich setz mich dort in den Schatten. Nach weiss, rotbraun und braun kommt nämlich erfahrungsgemäß pickelig. Und Pickel fand ich früher schon doofer als ich in der Sonne sein gut fand.

Donnerstag, April 12, 2007

Sitz nicht einfach so rum. Mach Dir Sorgen.

Irgendwie fühle ich mich grade wie ein dickes Haustier mit buntem Steinchenhalsband, bequemen Kissen und einem eigenen Zimmer. Stets sind die Näpfe gefüllt und an Leckerlis ist auch kein Mangel. Ein wenig feist ist es schon, daß ich Montag schon wieder in den Urlaub fahre. Da bin ich eben gerade erst wieder aus der Schweiz zurück, kam gar nicht dazu, mich wieder urlaubsreif zu stressen und steige nun schon wieder in den Flieger um mich eine Woche lang in türkischer Sonne bräunen zu lassen.

Ich fahre gut erholt in den Urlaub. Gibt es etwas dekadenteres? Dabei gibt es so viele andere arme Menschen, die sich täglich in ihrem Leben, im Privaten und im Job, eine kleine Hölle bauen, damit sie ein Mal im Jahr, neben Karneval, einen Grund haben, "mal rauszukommen", "mal was anderes zu sehen", "mal die Seele baumeln zu lassen". Sich mal was zu gönnen.

Ich mache ich die ganze Zeit nichts anderes. Ich habe das so gelernt. In den Jahren des Lebens, in denen man sich mit der Selbstfindung befaßte, wurden die Samen dafür gepflanzt. Ich komme raus, ich sehe anderes und ich lasse stets meine Seele baumeln, daß ich mich schon ganz labberig fühle. "Genieße jeden Tag, als wäre er dein letzter". Jaja. "Lebe dein Leben hier und jetzt". Jaha. "Sorge dich nicht, lebe". Hmmmm.

Natürlich habe ich auch Sorgen. Klar. Aber es sind mehr diese kleinen Luxussorgen. Mehr so die Falte in der Socke, die nervt, kein Damoklesschwert weit und breit. Nichts was wirklich lebensnotwendig wäre. Und diese kleinen unnötigen Luxussorgen sollen das Gegengewicht zum harten Jäger- und Sammlerleben bilden, damit ein vernünftiges Jingjangdingdong zustandekommt? Welches harte Jäger- und Sammlerleben? Mir fliegen zwar die gebratenen Tauben nicht in den Mund, ich esse nicht täglich Kaviar und Wachteln. Aber mit Essen auf Rädern ist das schon zu vergleichen.

Dingdong, Napf voll. Wahrscheinlich würde ich das Damoklesschwert, wenn es mal auf Besuch käme, interessiert beschnuppern, es für uninteressant erachten, zwei Meter weiter nach links robben und weiterschlafen.

Eigentlich kann ich ganz schön froh sein, oder? Doch gewinnen da die kleinen Sorgen nicht die quantitative Qualität einer Existenzsorge? Nicht, daß ich dringend "HIER" gröhlen würde, wenn die nächsten Existenzsorgen verteilt werden, aber all die Energie, die andere Menschen dafür aufwenden müssen, sich die Margarine fürs Brot aus irgendwelchen Ecken zu kratzen, verpufft in Gedankenspielen über Banalitäten. Ich bin zwar nicht reich, aber für Butter reicht es allemal.

Schwieriges Problem. Nicht wahr?

Ich werde es genießen. Irgendwann schlägt vielleicht das Schicksal zu und dann ist es gut zu wissen, daß mich der mentale Zivilisationsspeck am metamorphorischen Hintern im Notfall mindestens zwei Wochen am Leben erhalten wird. Das ergibt Sinn.

Sonntag, April 08, 2007

Laaaangweilig

Es ist Ostersonntag 2007. Morgens, kurz nach elf, das Wetter ist heiter bis bewölkt es steht ein Kaffee vor mir, meine Zigaretten liegen griffbereit, Oldie95 gröhlt "Friends will be friends" im Hintergrund. Also alles wie immer. Ein zufriedener Ostersonntagmorgen. Erholung pur, Ruhe, angenehme Faulheit. Denkt man. Aber nein, irgendwie ist eine Kleinigkeit anders als sonst.

Mir ist langweilig.

Werd ich jetzt alt oder was? Seit Jahren konnte ich guten Gewissens behaupten, daß mir nie-mals langweilig ist. Selbst, wenn ich nichts zu tun hatte oder tun wollte, konnte ich mir mit stumpfem an-die-Wand-starren immer noch Freude machen ohne mich dabei sonderlich ziellos oder unzufrieden zu fühlen.

Und jetzt sitze ich hier und weiß überraschenderweise nicht, wo ich mein Ei hinlegen soll. Eine lustlose Langeweile. Eine ruhelose Ruhe. Igitt. Am liebsten würde ich einen Spiegel vor mir aufbauen und mir Grimassen schneiden, mich dabei beobachten, wie ich die Mundwinkel nach unten ziehe und mich ob meiner Langeweile verspotten.

Heute ist doch Ostersonntag. Heute soll man die Familie sehen und Tierkinder essen. Man soll über buntes Gelege stolpern und an Osterglocken schnuppern. Man sollte nicht wie jeden Sonntag mit einem Kaffee und Musik vorm PC sitzen. Man soll aufregende und fetzige Sachen machen, damit man sich auch in ein paar Jahren noch an das tolle Ostern im Jahr 2007 erinnert. Man sollte aktiv sein. Dann hört das auch auf mit der Langeweile.

Doch Langeweile macht destruktiv. "Ruf doch irgendwo an, Bine. Mach was. Ist doch sonst auch kein Problem. Nur weil deine Ostersonntagverabredung leider ausfällt, heißt es doch nicht, daß du den Tag hier verbringen mußt." Nein, sicher nicht. Aber ich möchte grade schmollen. Vielen Dank. Ich möchte Dinge denken wie "Hat doch eh keiner Zeit" und mich selbst dabei ein wenig bemitleiden. Ein innerer Zustand der nicht wirklich dazu geeignet ist, fröhliche Kommunikation zu führen und sich zu amüsieren, wenn man eigentlich erstmal irgendjemanden braucht, den man für die erlittene Langeweile ankacken kann. Behalten sie ihren Scheiß-Hammer.

Ich möchte meine Freunde gerne behalten und nicht vergraulen. Außerdem hat doch eh keiner Zeit. Grummel.

"Das ist doch Quatsch. Und selbst wenn, dann mach was allein. Irgendwas was Spaß macht" spricht mein innerer Antreiber. "Los, auf" und zieht mich ein wenig an den Ohren. Und was macht Klein-Bine? Sie rollt sich auf die Sofaecke, hält sich die Ohren zu und quengelt rum. Ambivalenz der Spitzenklasse.

Ein wenig schizophren ist das schon. Gegenspieler sollten außen sein und nicht innen drin. Da weiß man doch nicht, für welche Seite man sich entscheiden soll.

Macht echt keinen Spaß so Langeweile. Das mach ich nicht wieder.

Ich such mir jetzt ein Blatt Papier und loch das weg. Und wenn ich damit fertig bin, such ich Figuren in meiner Rauhfasertapete.

Quak.

Freitag, April 06, 2007

Fakten Fakten Fakten


Als ich gestern durch die Innenstadt wanderte, blieb mein verrostetes Antlitz an diesem wundervollen Werbeschild kleben. Oha, dachte ich. Da haben wir es aber mal mit einer echt ehrlichen Haut zu tun. Diese Technik, Vermutungen als Tatsachen zu präsentieren, eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, die einem alten Klugscheisser wie mir ein fröhliches Apfelbäckchenstrahlen ins Antlitz zaubern.

Ab jetzt gilt: Fakt ist, daß ich vermutlich weiß wovon ich rede.

Dienstag, April 03, 2007

Aprilapril

Veräppelungen zogen wieder durchs Land.

Mein Lieblingsscherz betraf Bremen, wo verkündet wurde, daß eine folgenlose Auswanderung aus Bremen nur noch bis 2011 möglich wäre. Ab da müßten Ausreisewillige bei einem Umzug aus Bremen in ein anderes Bundesland ihren Pro-Kopf-Anteil an der Staatsverschuldung übernehmen, welcher momentan bei irgendwas über EUR 20.000,00 läge.
Prima Idee, prima Aprilscherz. Das wäre doch mal innovative Politik mit einem klaren Ziel.

Im Grunde könnte man das doch tatsächlich aufgreifen. Die private Haushaltsverschuldung ist doch sowieso ein wachsender Berg. Da fiele es doch gar nicht auf, wenn einfach jeder Neugeborene ein paar tausend Euros Schulden in die Wiege gelegt bekäme. Zinslos natürlich. Steuerlich absetzbar vielleicht. Für die Eltern natürlich. Dann sähe es doch gleich viel besser aus mit der Staatsverschuldung und die Gören wüßten dann schon gleich ab ihrer Volljährigkeit, was es mit dem privaten Insolvenzrecht auf sich hat. Das lernt.

Oder Elterngeld auf BaföG-Basis. Kindergeld gegen Lebensversicherung im Rahmen einer endfälligen Vereinbarung. Unendliche Möglichkeiten.

Oder man macht es wie in Hamburg und finanziert den Haushalt über die Eintrittsgelder im Schwimmbad. Mittlerweile kostet anderthalb Stunden im Bad herumlaufen und vielleicht etwas schwimmen nämlich schon über fünf Euro. Mit steigender Tendenz.

Was bin ich doch für ein Luxusweib. Aber für Hamburg mach ich das doch gern.

Mittwoch, März 28, 2007

Nase voll

Es wird Frühling. Die Sonne strahlt vom Himmel, die Krokusse blühen, die Osterglocken besprenkeln das Grün mit fröhlichen gelben Farbtupfen. In den Parks sind die Wiesen voll mit Sonnenanbetern, Schönwetterjogger kommen aus ihren Löchern um sich um die Alster zu coolen, und die Hormone aktivieren das im Winter nahezu in Vergessenheit geratene Balzverhalten.

Junge Frauen zwängen ihre Hintern in die weißen Jeans und die jungen Männer rotzen auf die Straße.

Das habe ich noch nie verstanden. Beides. Heute meine ich aber das Letztere. Eine Zunahme von ekligen Körpersekretansammlungen auf dem Bürgersteig ist, seit die Sonne wieder scheint, deutlich bemerkbar. Was mag wohl der Grund dafür sein? Was treibt die kleinen Racker dazu, Schleimprodukte geräuschvoll im Mund zu sammeln, um sie dann schwungvoll in die Umgebung zu schleudern?

Vielleicht ist es ein überholtes Paarungsritual. Ich hoffe zumindest, daß es sich bei dieser Verhaltensweise um eine Art genetischen Reflex handelt. Vollautomatisiert gesteuert durch das vegetative Nervensystem. Genau wie nervöses Schwitzen, Herzklopfen, Zittern und Zucken. Die Vorstellung, daß sich unsere putzigen Männchen im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte, im Angesicht ihrer eigenen Wahrhaftigkeit, also „bewusst“ dazu entschließen, diese bei Frauen – oder zumindest bei mir – schwer übelkeitauslösende Rotznummer abzuziehen, widerspricht allem was ich über Anstand, Sitte, und gute Manieren lernte.

Aber vergessen wir mal gutes Benehmen. Versuchen wir eine positive Sichtweise. Möglicherweise handelt es sich ursprünglich um eine durchaus gutgemeinte Präsentation des Speichels, welcher dem Männchen wegen der vielen leckeren Weibchen, in Kombination mit seinen durch den erwachenden Frühling sprießenden Testosteronpflänzchen, im Munde zusammenläuft. "Guck hier Frau, so feucht bin ich. Und Du?", gefolgt von beeindrucktem Speichelbegutachten mit anschließender Paarung.

Und dann schlug die Evolution zu. Vielleicht dauerte ein Winter einst länger. Oder mehrere. Eine Eiszeit. Jawohl, bestimmt. Eine Eiszeit. Keine Sonne, kein Testosteron, kein weißer Flieder, nur dicke miese kalte Nebenhöhlenentzündungen. Kein Männchen in Sicht mit schicker Spucke. Nichts. Die Menschen wären ausgestorben, wenn die Herren nicht die Damen davon überzeugt hätten, daß Rotzen mindestens ein genauso guter Grund zum pimpern ist wie rumsabbern. "Hier, chhhrotz, sei zufrieden mit dem was da kommt. Paaren?"

Eine gute Theorie.

Man kann sie noch weiterspinnen, diese Theorie und gelangt dann zu einem etwas anderen, aber thematisch naheliegenden Grund für die Sekretschleudern. Wir befinden uns in den Tiefen der etwas esoterisch angehauchten Psychosomatik. Hier muß ich nun fröhlich Halbwissen in die Gegend posaunen, da ich das Buch, in dem ich einst über die Polarität zwischen der Nase und den Geschlechtsorganen las, dankenswerterweise irgendwann verlieh und vergessen habe, an wen. So schlimm ist das nicht. Wer es auch hat, behalte es bitte.

So las ich seinerzeit, daß es durchaus im Rahmen des Möglichen liegt, daß jemand, der untenrum Probleme hat, dieses gerne mit Problemen in jochnahen Bereichen somatisiert. Aber es muß ja nicht immer nur um Problemchen gehen. Wir denken heute ja positiv.

In weiblichen Kicherrunden verbreitete Erfahrungsberichte besagen ja, daß es mit Sicherheit nicht die Größe der Nase ist, von der gesprochen wird, wenn man sie mit dem Johannes von Hannes vergleicht. Der Ursprung muß also woanders herkommen. Eigentlich ist das ganz logisch. Wenn wir jetzt an den Rotz oben (Sperma unten) denken, den die Jungs aus ihren Nasennebenhöhlen (Hoden) hochziehen (runterholen), wird doch einiges glasklar. Polarität. Wie oben, so unten. Je mehr Rotz, umso mehr fruchtbare kleine schleimige Soldaten. Die Nachzucht ist gesichert. Es geht bei der Nase nicht um den Größten. Es geht um den Vollsten. Voilá.

"Seht her, ich kann drei Mal hintereinander auf die Straße rotzen" signalisiert er. Guckt dabei männlich cool und ordnet sich gleichzeitig mit kühnem Griff seine unteren Nebenhöhlen. "Wow" denkt das Weibchen, "was für ein potentes Kerlchen" und macht sich direkt daran, ihre Libido auf Empfang zu stellen.

Und was mache ich kleines Dummerchen morgens, wenn ich zwischen den ganzen menschlichen Lamas über den Pausenbürgersteig zur U-Bahn wander? Ich rümpfe die Nase anstatt mir die Kleider vom Leib zu reissen.

Das muß einem aber auch erstmal erklärt werden.

Montag, März 26, 2007

Bikinifigur

Mit Spam-Mails zur Penisverlängerung werde ich glücklicherweise nicht überzogen. Die Spams zum Thema Pokern, welche in den langen dunklen (haha) Wintermonaten schier übermütig in meinen Postfächern herumploppten, nehmen auch langsam ab. Und das kann ich, wenn ich dem neuesten Spamtrend glaube, jetzt auch. Abnehmen nämlich. Und zwar noch viel besser. Irgendein Absender viva la dingsbums versendet jetzt Spams mit dem Betreff "Jetzt kostenlos abnehmen".

Das finde ich ja gigantisch. Kostenlos. Wow. Ich dachte ja immer, ich konnte mit akuter Abnehmmotivation sogar sparen, wenn ich im Supermarkt an der Gummitiertheke vorbeigelange, ohne mir rosa Schaumschweine oder Joghurtgums zu kaufen, oder aufhöre, genauso viel Bier zu trinken wie meine mich fast durchweg an Körperlänge und -fülle deutlich überragenden Stadionjungs.

Es kann natürlich immer passieren, daß man die Grundform ein wenig zu stark polstert. Daraus entsteht unter Umständen ein nicht zu unterschätzender Leidensdruck, der wirtschaftlich viva la dingsbums ausgenutzt wird.

Ich habe diese Spam jetzt nicht geöffnet, wage aber zu behaupten: Mädels, dem zu folgen ist sicherlich in keinster Weise kostenlos. Aber umsonst.

Die lustigsten Ideen werden auf den Pölsterchen armer Mitmenschen ausgetragen. Meine persönliche Hitliste führt eine ganzseitige Anzeige in einer dieser Fernsehbeilagen an, in der auch Potenzsteigerungen und Treppenlifte beworben werden. In dieser Anzeige bewarb ein Herr Professor Doktor Irgendwas den ultimativen Abnehm-Badezusatz, den er auch - wie es sehr anschaulich beschrieben wurde - an seiner Frau ausprobiert und für gut befunden hatte. Dieser hochtechnisierte Badezusatz saugte die Fettzellen während des Bades durch die Haut ins Badewasser. Wahnsinn, was? Jeder Konsument konnte den Erfolg allein schon dadurch sehen, daß sich auf dem Badewasser Fettaugen bildeten. Also, wenn das kein Erfolg ist.

Als echter Marketingstratege hätte man noch darauf hinweisen können, daß das Bad in der Fettsoße außerdem ausgesprochen gut für eine zarte Haut und gegen Cellulite wäre. Und gegen Segelohren, Plattfüße, üblen Mundgeruch und Einsamkeit hilft. Kostet für eine wöchentliche Anwendung auch nur dreihundert Euro. Dankeschön.

Diese ganzen teuren Cellulitecremes sind übrigens ein ähnlich erfolgversprechendes Thema, aber heute sind wir beim abnehmen.

Bei wem dieser Badezusatz erstaunlicherweise nicht zu der versprochenen Gewichtsreduktion führt, hat noch andere Möglichkeiten. Er kann stoffwechselfördernden Artischockensaft trinken, der scheiße schmeckt und deswegen gut sein muß. Er kann sich morgens zwingen, einen großen Becher Apfelessig zu trinken. Danach wäre mir auch den ganzen Tag schlecht. In der Vorstellung also durchaus erfolgversprechend. Er kann sich aus dem Teleshopping eine Zirkulationstonne mit Stepper kaufen. Da muß man sich täglich ein weinfassähnliches Gebilde anziehen und dann eine halbe Stunde rumsteppen. Erst, wenn man sich so richtig zum Horst macht, ist es gut.

Man kann Puh-Örks-Kapseln kaufen, von denen man auch nicht abnimmt, aber die wenigstens nach Hundekot riechen. Feigenpulver, Citruskapseln, und dann diese Nehmen-Sie-doch-einfach-ein-paar-Liter-ab-Kapseln (pinkeln Sie sich schlank).

Auch der unglaublich gesunde Geheimtipp der Models, die keine Lust mehr auf brechen haben, nämlich Wattebäusche essen, ist von der Industrie in Form von Zellstoffkapseln aufgegriffen worden. Kosten mehr als Watte oder Putzschwämme, muß also gut sein.

Wer es gern chemisch aus der Apotheke hat, kauft sich teure Appetitzügler aus Amerika. Abnehmen wird man damit nicht. Aber vielleicht bekommt man davon eine prima Psychose, Herzrhytmusstörungen und Bluthochdruck. Dadurch kommt man sich endlich mal wieder selbst etwas näher.

Mehrere hundert Millionen Euro werden im Jahr für diesen Unfug ausgegeben. Ich bin echt in der falschen Branche.

Laßt Euch nicht verarschen. Werft Eure alte Barbie weg und holt mal wieder Euer Fahrrad aus dem Keller. Diesen Tipp könnt Ihr auch gerne mit der Post bekommen. Per Nachnahme. Kostet nur achtzig Euro.

Gerngeschehn.

Freitag, März 23, 2007

Man lernt nie. Aus!

Manchmal stelle ich mir das menschliche Hirn vor wie eine Horde Lemminge. Sieben Informationslemminge passen auf den Gipfel. Für jeden neuen Lemming der reinkommt, fällt hinten einer runter. Ungeachtet der Wichtigkeit und des Status und Standes des Lemmings. Es liegt nicht in meiner bewußten Macht, welche Informationen in die Schlucht ewigen Vergessens abgleiten und welche sich im Fall noch an irgendwelchen Hirnvorsprüngen festklammern können.

Hieraus entstehen die Situationen, die (hoffentlich) jeder kennt. Man steht verwirrt vor irgendeinem Schrank und überlegt krampfhaft, warum man zum Teufel dort steht. Die Information "einkaufen" zwingt einen in den nächsten Drogerieladen, wo man dann die Zeit damit verbringt, durch die Gänge zu wandern und zu hoffen, daß einem wieder einfällt, was man eigentlich einkaufen wollte, weil die zu dieser Information gehörenden Lemminge schon längst zerschellt sind. Man holt sich Kaffee aus der Küche und erst vorm Computer fällt einem wieder ein, daß man Kaffee ohne Zucker überdurchschnittlich widerlich findet (ich komm sofort wieder).

Bei genauer Betrachtung ist festzustellen, daß es in erster Linie Unfug und Nutzloses ist, was sich geduldig festgekrallt in die Langzeitschlucht wartet und von dort problemlos ständig abrufbar ist. So kann ich heute noch sämtliche Otto-Platten auswendig und auch die Mein-Gott-Walter-Gedichte von Mike Krüger. Die politische Landesführung aus vergangenen Zeiten, die Bundesligamannschaftsaufstellungen aus den Zeiten von Paul Breitner. Alles noch da. Ich weiß noch wer Jürgen Hingsen war, obwohl ich mich niemals für Leichtatlethik interessiert habe. Ich kann sogar noch ganze Passagen aus meinem Geschichtsbuch der achten Klasse, welches ich damals, nachdem ich herausgefunden habe, daß der Lehrer die Fragen in der Arbeit dem Text entlehnte, stumpf auswendig lernte. Zumindest russische und französische Revolution ist nach wie vor abrufbar.

Als gestern Kollegen auf ihre Geburtstage ein mittägliches Wurstessen ausrichteten, war ich, die Sendung mit der Maus sei Dank, in der Lage, meinen Mitstreitern einen Vortrag darüber zu halten, warum Weißwurst vor Urzeiten nur bis Mittags gegessen werden durfte, daß sie zum Großteil aus Fett besteht und daß man heutzutage durchaus das Außenrum mitessen darf und nicht mehr eklig in der Gegend herumzutzeln muß.

Ich weiß noch genau, worüber sich die beiden Stiefel-Ieschen neben mir in Basel auf dem Flughafen unterhielten, nämlich über die Tigergrassalbe, die sich eins von den Mäuschen, welches den ultimativen ich-werde-mich-vielleicht-demnächst-erkälten-Schalberg um den Hals trug, irgendwo hinschmierte, und dabei ihre Freundin darüber in Kenntnis setzte, daß das ein echtes Wunderzeug wäre, man hätte nämlich herausgefunden, dass sich Tiger, die sich verletzt haben, an einem bestimmten Gras schuppern und die Wunden dann schneller heilen.

Sie hatte natürlich keine adäquaten Tigerwunden anzubieten. Das hätte mich jetzt auch wirklich gewundert. Ich habe trotzdem genau hingeguckt. War noch alles dran an der Frau. Aber heil ist heil. Ob jetzt innerlich oder äußerlich. Prophylaktisch aufgeschmiert hilft das bestimmt gegen alles. Hauptsache Wunderzeug. Tiger hin oder her.

Ich hätte sie um den Namen der Salbe bitten sollen, dann könnte ich jetzt den abgebrochenen Nippel an meinem Trockner wieder anheilen lassen und müsste nicht immer die Wasserkiste vor die Tür schieben, damit die Tür nicht ständig im Gebrauch aufgeht, das Gerät stoppt und ich hinterher stinkende halbfeuchte Wäsche da raussammeln muß. Sekundenkleber habe ich schon probiert. Das hält zwar Männer an der Zimmerdecke, aber keine Nippel in Trocknertüren. Warum man Männer an die Decke kleben will ist mir übrigens schleierhaft. Sehr dekorativ finde ich das nicht.

Aber fangen wir den Gedanken mal wieder ein und kommen zurück zur Speicherleistung des internen Lemminggipfels.

Ich erinner mich an alles mögliche. Aber meinen Terminkalender habe ich nicht im Kopf. Ich weiß noch die Telefonnummer meiner ersten Wohnung, komme aber regelmäßig ins Schleudern mit meinem Paßwort in der Firma. Die Geburtstage von Bekannten, mit denen ich längst keinen Kontakt mehr habe, weiß ich noch, mir fallen bloß nicht mehr ihre Namen ein.

Was meine Lemminge nämlich überhaupt nicht können, ist die Verbindung von Gesichtern und Namen. Ich sehe meine Nachbarn geballt ungefähr zwei Mal im Jahr bei einer netten Zusammenkunft im Hof. Man verbringt einen schönen Abend, lüpft ordentlich einen, trägt sich gegenseitig schwankend zu den Haustüren und spätestens eine Woche später habe ich wieder vergessen wer wo wohnt, wer wer ist und vor allem, was die Sache unangenehm macht, mit wem ich mich jetzt Duze. Leider stehen an den Klingeln keine Vornamen, da könnte man vielleicht noch heimlich lernen, so muß ich mich in Zufallsunterhaltungen ständig rethorisch winden.

Und wenn mich einer außerhalb des Innenhofes ansprechen würde, würde ich den eh nicht mehr erkennen.

Seid also nachsichtig mit mir, wenn ich Euch nach einiger Zeit nicht mehr erkenne. Helft Eurem Lemming wieder auf den Gipfel, irgendwann wird er einer von denen sein, die die Gipfelnahen Vorsprünge bevölkern.

Vielleicht. Wie war noch mal Ihr Name?

Mittwoch, März 21, 2007

Die Welt ist bunt

Gestern abend war es dann soweit. Ein schöner Urlaub, vielmehr ein schönes langes Wochenende, ging zu Ende. Egal was immer für Diskussionen geführt werden, mir persönlich gefällt es in der Schweiz fabelhaft. Mir drängte sich auch noch nie der Eindruck auf, als würde der Durchschnittsschweizer Besuch aus Deutschland ablehnen. Im Gegenteil. Und das, wo ich regelmäßig mit leicht debilem Gesichtsausdruck durch die Gegend laufe und Dinge von mir gebe wie: "äh, ich verstehe leider kein Wort".

Das schöne Wetter, welches bis Montag früh noch sonnte und strahlte was das Zeug hielt, wandelte sich am Tag meiner Abreise, eigentlich schon am Abend vorher, in Schnee und Gestöber. Ich fürchtete schon eine unfreiwillige Verlängerung meines Aufenthaltes. Der Fahrplan der Deutschen Bundesbahn bricht ja regelmäßig total zusammen, sobald ein Flöckchen vom Himmel rieselt. Die SBB ist da jedoch vorbereiteter, so daß ich meinen Flieger anstandslos und rechtzeitig erreichte. Aber ganz ehrlich, eine unfreiwillige Verlängerung hätte mich auch nicht wirklich aus der Bahn geworfen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

And now for something completly different: Auf besonderen Wunsch eines einzelnen Herrn:



hier nun der Nachweis, wie bunt ein Rheinfall sein kann:



Nach dieser Farbenpracht war es kein Wunder, dass ich selbst eine Metamorphose durchmachte und mich in diesem Zustand in Thun wiederfand:




Ich weiß immer noch nicht, wie ich das gleich meinen Kollegen erklären soll.

Montag, März 19, 2007

Wieder in Thun



Wenn ich aus dem Fenster schaue, blicke ich auf fast 180 Grad schneebedeckte Alpen. Ganz links geht es los mit Eiger, Mönch und Jungfrau und ob die anderen Berge auch Namen haben, weiss ich nicht.Sie wurden mir noch nicht vorgestellt. Aber hübsch sind sie. Als typische Norddeutsche sollte ich ja eigentlich Dinge sagen wie:" Ach, ich kann die Berge nicht ertragen, da ist alles so eng, ständig schaut man gegen eine Wand. Da lobe ich mir die Schleswig-Holsteinische Ebene. Da sieht man Freitag, wer am Sonntag zum Kaffee kommt".

So eine Bemerkung lässt sich schwer glaubhaft loslassen, wenn man sich halbwegs in den Bergen befindet. Es ist nämlich überhaupt nicht von der Hand zu weisen, dass der Blick deutlich weiter schweift, wenn man erhaben stehend in ein Tal guckt. Nix Wand. Die Berge bilden den Horizont, genauso wie das Meer im Norden. Mit dem Unterschied, dass die Betrachtung einer Bergkette diverse Details entdecken lässt, mit denen man sich die Zeit des Betrachtens angenehm vertreiben kann. Das Betrachten des Meeres ist dann mehr Zen. Da gibt es nämlich ausser einer geraden Linie am Horizont nichts zu sehen. Gut. Wolken. Die gibts in den Bergen aber auch. Und dann und wann ein Schiff, die sucht man hier auf den Gipfeln allerdings vergebens.

Ich habe beides gern. Ein jedes Ding zu seiner Zeit. Ich guck auch Wald gern an. Und See. Natur angucken ist, egal wie, toll und sollte nicht zur bei-uns-ists-aber-besser-Diskussion herangezogen werden. Tiere guck ich auch gern. Und Menschen. Ein Nachmittag am Hauptbahnhof kann sehr amüsant sein wegen der bunten Mischung dort. Das ist dann aber kein Zen. Das nennt man dann Lästern.

Einen echten Rheinfall zum Thema "Natur gucken" habe ich hier jetzt auch erlebt. In Schaffhausen, wo ich mit meinem Schwesterchen und dem reizenden Kollegen "Humpel-(blog)Wiese" die Treppenstufen meisterte und die ganze Zeit Panik hatte, dass mir mein Fotohandy in die Fluten fällt. An dieser Stelle übrigens noch einmal ganz lieben Dank der gesamten Familie Wiese für Gastfreundschaft, eine angenehme Zeit, Spass, Wein, gutes Essen, Fremdenführung, bequeme Betten und Herzlichkeit.

Das Wetter hier in der Schweiz ist übrigens sehr weiblich. Attraktiv aber auch launisch. Wenn die Sonne herauskommt, fängt sich der lichtempfindliche Durchschnittshamburger sofort einen Sonnenbrand. Derzeit sehe ich aus wie ein etwas dicklicher Hummer. Kurze Hose und T-Shirt war in den letzten Tagen hier die übliche Bekleidung. Es war warm und sonnig. Fast schon Sommer. So muss Urlaub sein.

Gestern hiess es dann, dass sich das gute Wetter verabschiedet. Schnee, Graupel, Temperatursturz und alles. Heut Nacht sah es auch so aus. Es schneite, stürmte, graupelte und regnete, dass es nur so eine Freude war. Und jetzt? Die Berge, frisch überzuckert, liegen im schönsten Sonnenschein. Der Wetterbericht spricht immer noch von furchtbaren Zuständen, nur hier in Thun, genau über mir, ist im Himmel ein Loch, wodurch die Sonne lacht.

Das nenne ich wahre Gastfreundschaft.



Danke, Thun.

Dienstag, März 13, 2007

Weiblich, ledig, jung, verkauft...

Am Frühling liegt es wohl ausnahmsweise nicht, daß sich ein aktueller Trend zur Prostitution breit macht.

Nach langer Zeit habe ich mich einmal wieder durch die Angebote im e-bay geklickt und fasziniert festgestellt, daß ich dort junge Männer kaufen kann und angeblich 24-Jährige in Aussicht stellen, gegen entsprechendes Gebot mit dem Käufer Eis essen zu gehen. Natürlich will e-bay nicht die Position des Luden einnehmen und löscht die Angebote ziemlich zeitnah. Dennoch taucht das immer wieder auf. Normalerweise kennt man das ja nur aus dem Anzeigenteil der örtlichen Zeitungen: "18 Jahre, dicke Möpse, will Dich". Oder so ähnlich. Ich habe leider grad kein entsprechendes Exemplar hier. Also weder eine Zeitung, noch eine Achtzehnjährige mit dicken Möpsen. Deswegen entbehrt die zitierte Anzeige natürlich den Anspruch auf Echtheit. Nein, die Nummer hab ich auch nicht. Geht weg.

Woher kommt der Trend der Jugend, sich kichernd vor den Rechner zu setzen um sich in dieser Art und Weise zu vermarkten? Ich kann das ja bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Doch wenn es jetzt nur um den akuten Spaßfaktor geht, gäbe es doch ausreichend Flirtplat(t)formen. Als Frau hat man da gute Chancen, hin und wieder zum Essen eingeladen zu werden. Das bringt doch im Schnitt viel mehr als für EUR 6,99 abzüglich e-bay-Gebühr mit Faktor X Eis essen zu gehen und das Eis natürlich auch noch selbst bezahlen zu müssen.

Ob Männer zum Essen eingeladen werden? Keine Ahnung. Nicht von mir.

Braucht die Jugend das Geld für ihre Handyrechnungen? Auch hier bemühe ich einmal wieder kurz meine Vergangenheit. Bine, zart über zwanzig und total pleite. Jaja, wer mit Anfang zwanzig nicht über seine Verhältnisse lebt, macht wohl was falsch. Nachdem ich von meinem damaligen Kontoführer einen Einlauf bekommen hatte, daß ich jetzt aber zack wieder ins Limit müßte, saß ich auch, mich selbst natürlich extrem bemitleidend, zu Hause und überlegte meine Möglichkeiten: Nebenjob, Eltern fragen, Körper verkaufen. Punkt eins und zwei zog ich ernsthaft in Erwägung, Punkt drei war eher der Ausdruck des damals langsam aufkeimenden Zynismus. Hab ich übrigens schon mal erzählt, daß ich in der Bank eine Art "Black Man" bin? Also ein Geldeintreiber? Damals schon? DAS ist Zynismus. Aber da wußte ich wenigstens wovon ich rede, wenn ich den Leuten eine Moralpredigt über die Einhaltung eines Haushaltsplanes hielt.

Doch ich schweife ab. Warum verkaufen die Jugendlichen ihre Freizeit gegen Geld. Darum gings. Weil andere es auch machen. Der nicht mehr ganz so junge Mann mit der lockeren Nase und dem Hang zu kleinen Jungs zum Beispiel. In Japan durften sich doch Fans für den kleinen Obolus von knapp über EUR 2000,00 mit Michael Jackson fotografieren lassen.

Sie kriegen es vorgelebt die kleinen Racker. Heute gehts in erster Linie ums Marketing. Ein Wertewandel. Charakter gegen gute Präsentation. Freundschaft gegen Höchstgebot. Liebe gegen Statussymbol, Wertschätzung gegen Anerkennung für erbrachte Leistung.

Und wißt ihr womit das losgeht? Damit, daß Eltern ihren Kindern Geld dafür geben, daß sie den Mülleimer runtertragen oder beim nachmittäglichen Kaffeebesuch bei den Schwiegereltern brav geblieben sind. Man kann also alles verkaufen. Und Geld regiert die Welt. So isses wohl.

Na gut. Ich pack den Moralapostel wieder aus und werf noch ne Gelomyrtol ein, damit mir die Kieferhöhle am Donnerstag im Flugzeug nach Basel nicht implodiert.

Oder bekomme ich mein Geld zurück wenn ich nur anständig herumwimmer? Ich ruf mal an und frag.

Samstag, März 10, 2007

Hohlkopf

Seit einigen Tagen renne ich nun herum wie eine alte Pappmachèpuppe. So heißen doch die Dinger, die im Kopf einen aufgeblasenen Luftballon herumtragen? Wir haben so etwas im Kindergarten gebastelt glaube ich. Oder eine Laternelauflampe. Könnte ich momentan auch prima darstellen. Dafür müßte ich mir nur ein Teelicht in den Mund stellen.

Ach nee, bei der ist der Ballon ja schon kaputt. Bei mir ist er beachtlich haltbar. Große leere Blase hinter den Augen, die nach vorne kontinuierlich die Tränendrüsen leert und die Nebenhöhlen füllt. Da ich derzeit täglich etwa achtzig Liter Wasser in mich reinschütte, bin ich sozusagen der lebende Prototyp der Pappmachèpipipuppe, die auch weinen kann. Mit einem Unterschied, daß ich vollautomatisch bin und man mir nicht extra am Arm ziehen muß.

Die Produktionsstraße scheine ich aber noch nicht ganz durchlaufen zu haben, sonst würde ich davon ausgehen, eine seltene Fehlfarben zu sein. Denn die fehlen, die Farben. Aber nicht, daß ihr jetzt denkt, ich hätte den zarten Teint einer Porzellanpuppe. Neinnein, es ist schon mit dreckigen Händen im Kindergarten gematsches Pappmaché. Hier und dort Reste von Knete und Sandkasten, und über einige Flecke möchte ich gar nicht näher nachdenken.

Aber einen schönen Menschen kann ja nichts entstellen. Und Nachdenken geht mit leerem Kopf nur bedingt.

Wo sind nur meine Teelichter? Vielleicht geht davon ja der Ballon kaputt.

Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.

Mittwoch, März 07, 2007

female affairs

Als ich heute nach meinem morgendlichen Mailcheck das GMX-Konto wieder verließ, blieb mein Blick an einer rosa animierten Werbung von female affairs in annährender Bildschirmgröße hängen.

Das erste Pop-up brüllte: "Testen Sie sich urlaubsreif".

"Oha", dachte ich, dieser Test scheint es in sich zu haben. "Urlaubsreife" wird ja doch durch allgemeine Erschöpfung und durchschnittliche Lustlosigkeit erreicht. Den Test mache ich lieber nicht.

Dann kam das nächste Fenster: "Jetzt am Verhütungsquiz teilnehmen".

Wow. Ein Quiz über Verhütung, welches urlaubsreif macht. Dabei kann es sich ja bei Licht und unter Einbeziehung des Mutterschutzgesetzes nur um ein Anti-Verhütungsquiz handeln. Wie fortschrittlich. Endlich wird etwas gegen die abnehmende Geburtenrate getan. Nach diesem Test können dann wohl die Frauen, die den hormonellen Supergau erreicht haben und deren Partner einem Kinderwunsch nicht reinen Herzens zustimmen können, kreativere Lösungen finden als das altbewährte Tropi-Kind.

Tropi? Das kennt ihr doch noch von früher oder? Die Trotz-Pille-Kinder? Häufig war in der Zeit vor der Empfängnis ein gesundes Sprießen von Topfpflanzen in der weiblichen Wohnung zu beobachten. Das Zeug eignet sich nämlich angeblich hervorragend als Dünger. Die Herren waren durch diese Anti-Verhütungs-Taktik leicht zu täuschen, weil es sie schon irgendwo in ihrer Männlichkeit bestätigte, daß sich ihre kleinen Soldaten von den eßbaren Hormonen der Frau nicht aufhalten lassen und sie zur Elite der Nullkommairgendwasrestchance gehören.

Vielleicht lernt man in dem Test, wie man das Notkondom an der Pinwand befestigt, durch welche Technik man das in Gebrauch befindliche zum reissen bringt, mit welchen Mitteln man sich nach der Pilleneinnahme zum brechen bringt und wie man unter Umständen die Konto- und Familienstände des derzeitigen Partners in Erfahrung bringt. Denn trotz Elterngeld ist es bestimmt interessant zu wissen, ob derjenige schon Alimente zahlt und wie viele zusätzliche Alimentebezieher er sich noch leisten kann. Ist ja nicht immer Gold was glänzt.

Doch das nächste Pop-up ließ meine ganzen schönen Überlegungen verpuffen. Als Belohnung für die Testteilnahme kann man eine Reise gewinnen. Wie langweilig. Schade.

So setze ich mich also nicht weiter mit der Bauchfüllung auseinander, sondern mit meiner Nebenhöhlenfüllung, die sich leider derzeit ausbreitet. Obwohl, im weitesten Sinne hat das ja schon miteinander zu tun. Es gibt ja ein Kranksein, welches apettitlos und apathisch macht, manchmal schreit der Körper aber auch nach zusätzlicher Energie und Bauchfüllung. So kam es, daß ich in der letzten Nacht kurz nach der Geisterstunde mit brüllendem Hunger aufwachte und in meiner Not im Bett sitzend, verschwitzt und mit verquollenem Orang-Utan-Gesicht, ein Käsebrot aß und nach erfolgter Bauchfüllung ermattet wieder umkippte.

Dieses Bild allein hätte bestimmt auch schon als Verhütungsmaßnahme gereicht.

Schnotter.

Donnerstag, März 01, 2007

Brunch

"Treffen wir uns Sonntag zum brunchen?" ist eine der Fragen, die ich versuche zu umgehen wie der Teufel das Weihwasser. Sicher, brunchen ist theoretisch ne tolle Sache. Man schläft froh aus und trifft sich dann in illustrer Runde, um gemeinschaftlich über Stunden langsam und gemütlich das Frühstück in das Mittagessen hinüberfließen zu lassen.

Die Vorstellung alleine finde ich auch außerordentlich reizvoll. La bohéme. Mit zauseligen Haaren Cafè Latte Macciato trinken und dabei Marmeladenbrötchen mit gebratenem Speck und diese kleinen Wachteleier verspeisen. Intellektuelle Gespräche flössen einem wie von selbst aus dem Mund als wäre man keine blöde Bankangestellte, sondern unterbezahlter aber überbelichteter TAZ-Redakteur.

Philosophie träfe sich selbstverständlich mit der Bildzeitung und allseits würde satt, zufrieden und nachgiebig genickt. Auf diese Vorstellung würde ich mir gerne eine Zigarettenspitze kaufen wenn man nicht eh bald nirgendwo mehr rauchen dürfte.

Nun ergeben sich in der Durchführung allerdings kleinere Probleme. Üblicherweise bin ich Sonntags früh naturgemäß kaum in der Lage, zwei zusammenhängende Sätze mit Sinn zu bilden. Das kann, muß aber nicht zwingend mit dem vorangegangenen Samstagabend in Zusammenhang stehen. Allgemeines Parlieren liegt mir eben nicht immer. Wer sich tatsächlich auf das Abenteuer eines Brunches mit mir einläßt, sollte zur Vielrednerfraktion gehören. Zuhören kann ich dann nämlich ganz gut. Das mit dem interessierten Gucken und Nicken hab ich auch müde schon ziemlich gut drauf.

Das nächste Problem ist nicht nur ans brunchen gekoppelt, sondern ein allgemeines. Ich mag Kaffee mit Zucker. Nicht mehr und nicht weniger. Keine Milch, keine merkwürdigen Aromen, kein Geschäume und keine seltsamen Namen. Kaffee. Zucker. Punkt. Ich ekel mich vor Espresso und wenn ich Kuhextrakt trinken will, dann mach ich das pur. Ich möchte keine Sojamilch und keine Kakaopuderherzchen. Ich möchte Kaffee. Ich komm vom Land. So. Kein neumodischer Schnickschnack für mich.

Wenn man mit dieser Vorliebe nach der halbstündigen Kaffeebestellung der Begleitung seine Wünsche kundtut, wird man manchmal angeschaut, als hätte man auf einer Weinprobe gefragt "kann ich vielleicht ein Bier kriegen"?

Am schlimmsten ist allerdings, daß mein Magendeckel, sobald er gesagt bekommt, daß er jetzt gleich unglaublich viele leckere Dinge verspeisen muß weil sich ein Brunch sonst nicht lohnt, direkt und ohne Los zu gehen verschließt und verkündet, daß er jetzt aber mal überhaupt keinen Hunger hat. Ist doch viel zu früh. Ich esse schließlich nicht, wenn ich muß, sondern wenn ich will. Ich will nicht wenn ich muß. Und ein wenig blutet einem schon das Herz, wenn man zum x-ten Mal für ein Käsebrötchen mit Marmelade (das geht immer) und eine Tasse Kaffee achtzehn Euro latzt. Fünfzehn fürs Brötchen und drei fürn Kaffee. Den Zucker gibts aber umsonst.

Wenn mein Magendeckel in dieser Ähbähessen-Position verharrt, registriert er auch mit zusätzlicher Verkrampfung manch eine Tellerladung Vorbeiziehender. Bei einem Sonntagsmorgensbrunch gehts ja manchmal zu wie im Pauschalurlaub am Buffet. Da türmen sich die fettigen Rühreier einträchtig neben der Marmelade, der Mascaponecreme, dem Käse und dem Obstsalat auf einem Teller. Bergeweise. Am besten noch mit Zaun. Gut, ich esse auch manchmal komische Sachen. Aber diesen Leuten möchte ich manchmal am liebsten hinterherlaufen und beruhigend auf sie einreden, daß das Buffet nachgefüllt wird. Und die Teller auch. Wir leben nicht unbedingt in einer Gesellschaft, in der man verhungern muß. Zumindest nicht die, die sich zum brunchen treffen.

Ich muß dann immer an unsere alte Zwergschnauzerhündin zu Hause denken - Gott hab sie selig - die alles, aber wirklich alles was eßbar war, bis auf den letzten Rest weggenagelt hat. Ob es jetzt ihr Futter war, der Inhalt der Näpfe von den großen Hunden, die Weihnachtsteller von uns Kindern oder der Schweinebraten auf dem Küchentisch. Scheißegal. Sie hat alles gefressen. Ein wadenhohes schwarzes Loch. Und selbst wenn sie nach getaner Arbeit hinterher eine Stunde bewegungslos auf der Seite lag, weil der Bauch sie aus dem Gleichgewicht brachte, sie hats vollendet.

Als Brunchmensch würde man wohl sagen: Bezahlt ist bezahlt. Und hier steht, ich darf so viel wie ich will. Das nutz ich jetzt auch mal aus.

Dann lieber fünfzehn Euro für ein Käsebrötchen.

Am liebsten aber eine Tasse Kaffee im Pyjama (oder was man auch immer gern so trägt des nachts) aufm Sofa mit guter Musik und Ausblick auf die langsam erwachenden Wohnungen gegenüber.