"Treffen wir uns Sonntag zum brunchen?" ist eine der Fragen, die ich versuche zu umgehen wie der Teufel das Weihwasser. Sicher, brunchen ist theoretisch ne tolle Sache. Man schläft froh aus und trifft sich dann in illustrer Runde, um gemeinschaftlich über Stunden langsam und gemütlich das Frühstück in das Mittagessen hinüberfließen zu lassen.
Die Vorstellung alleine finde ich auch außerordentlich reizvoll. La bohéme. Mit zauseligen Haaren Cafè Latte Macciato trinken und dabei Marmeladenbrötchen mit gebratenem Speck und diese kleinen Wachteleier verspeisen. Intellektuelle Gespräche flössen einem wie von selbst aus dem Mund als wäre man keine blöde Bankangestellte, sondern unterbezahlter aber überbelichteter TAZ-Redakteur.
Philosophie träfe sich selbstverständlich mit der Bildzeitung und allseits würde satt, zufrieden und nachgiebig genickt. Auf diese Vorstellung würde ich mir gerne eine Zigarettenspitze kaufen wenn man nicht eh bald nirgendwo mehr rauchen dürfte.
Nun ergeben sich in der Durchführung allerdings kleinere Probleme. Üblicherweise bin ich Sonntags früh naturgemäß kaum in der Lage, zwei zusammenhängende Sätze mit Sinn zu bilden. Das kann, muß aber nicht zwingend mit dem vorangegangenen Samstagabend in Zusammenhang stehen. Allgemeines Parlieren liegt mir eben nicht immer. Wer sich tatsächlich auf das Abenteuer eines Brunches mit mir einläßt, sollte zur Vielrednerfraktion gehören. Zuhören kann ich dann nämlich ganz gut. Das mit dem interessierten Gucken und Nicken hab ich auch müde schon ziemlich gut drauf.
Das nächste Problem ist nicht nur ans brunchen gekoppelt, sondern ein allgemeines. Ich mag Kaffee mit Zucker. Nicht mehr und nicht weniger. Keine Milch, keine merkwürdigen Aromen, kein Geschäume und keine seltsamen Namen. Kaffee. Zucker. Punkt. Ich ekel mich vor Espresso und wenn ich Kuhextrakt trinken will, dann mach ich das pur. Ich möchte keine Sojamilch und keine Kakaopuderherzchen. Ich möchte Kaffee. Ich komm vom Land. So. Kein neumodischer Schnickschnack für mich.
Wenn man mit dieser Vorliebe nach der halbstündigen Kaffeebestellung der Begleitung seine Wünsche kundtut, wird man manchmal angeschaut, als hätte man auf einer Weinprobe gefragt "kann ich vielleicht ein Bier kriegen"?
Am schlimmsten ist allerdings, daß mein Magendeckel, sobald er gesagt bekommt, daß er jetzt gleich unglaublich viele leckere Dinge verspeisen muß weil sich ein Brunch sonst nicht lohnt, direkt und ohne Los zu gehen verschließt und verkündet, daß er jetzt aber mal überhaupt keinen Hunger hat. Ist doch viel zu früh. Ich esse schließlich nicht, wenn ich muß, sondern wenn ich will. Ich will nicht wenn ich muß. Und ein wenig blutet einem schon das Herz, wenn man zum x-ten Mal für ein Käsebrötchen mit Marmelade (das geht immer) und eine Tasse Kaffee achtzehn Euro latzt. Fünfzehn fürs Brötchen und drei fürn Kaffee. Den Zucker gibts aber umsonst.
Wenn mein Magendeckel in dieser Ähbähessen-Position verharrt, registriert er auch mit zusätzlicher Verkrampfung manch eine Tellerladung Vorbeiziehender. Bei einem Sonntagsmorgensbrunch gehts ja manchmal zu wie im Pauschalurlaub am Buffet. Da türmen sich die fettigen Rühreier einträchtig neben der Marmelade, der Mascaponecreme, dem Käse und dem Obstsalat auf einem Teller. Bergeweise. Am besten noch mit Zaun. Gut, ich esse auch manchmal komische Sachen. Aber diesen Leuten möchte ich manchmal am liebsten hinterherlaufen und beruhigend auf sie einreden, daß das Buffet nachgefüllt wird. Und die Teller auch. Wir leben nicht unbedingt in einer Gesellschaft, in der man verhungern muß. Zumindest nicht die, die sich zum brunchen treffen.
Ich muß dann immer an unsere alte Zwergschnauzerhündin zu Hause denken - Gott hab sie selig - die alles, aber wirklich alles was eßbar war, bis auf den letzten Rest weggenagelt hat. Ob es jetzt ihr Futter war, der Inhalt der Näpfe von den großen Hunden, die Weihnachtsteller von uns Kindern oder der Schweinebraten auf dem Küchentisch. Scheißegal. Sie hat alles gefressen. Ein wadenhohes schwarzes Loch. Und selbst wenn sie nach getaner Arbeit hinterher eine Stunde bewegungslos auf der Seite lag, weil der Bauch sie aus dem Gleichgewicht brachte, sie hats vollendet.
Als Brunchmensch würde man wohl sagen: Bezahlt ist bezahlt. Und hier steht, ich darf so viel wie ich will. Das nutz ich jetzt auch mal aus.
Dann lieber fünfzehn Euro für ein Käsebrötchen.
Am liebsten aber eine Tasse Kaffee im Pyjama (oder was man auch immer gern so trägt des nachts) aufm Sofa mit guter Musik und Ausblick auf die langsam erwachenden Wohnungen gegenüber.
Donnerstag, März 01, 2007
Mittwoch, Februar 28, 2007
Schon wieder Ostern
Als ich am letzten Wochenende durch den Aldi streifte, blieb mein Blick an einer Pseudoharibodose mit "Ostermischung" hängen. Oh, dachte ich, prima, Restposten. Sonderangebote vom letzten Jahr.
Von wegen. Bei genauem Hinsehen, war das gesamte Regal voll mit Schokohasen und Krokanteiern. Dabei ist Weihnachten doch grad erst vorbei. Vielleicht sollte ich den Weihnachtskram schon mal wieder vom Dachboden holen. So schnell wie das Jahr anscheinend vergeht, lohnt sich ja kaum das einmotten.
Aus diesem aktuellen Anlaß möchte ich Euch meinen Lieblingsostercartoon auf keinen Fall vorenthalten. Dann mal frohes Eiersuchen.
Von wegen. Bei genauem Hinsehen, war das gesamte Regal voll mit Schokohasen und Krokanteiern. Dabei ist Weihnachten doch grad erst vorbei. Vielleicht sollte ich den Weihnachtskram schon mal wieder vom Dachboden holen. So schnell wie das Jahr anscheinend vergeht, lohnt sich ja kaum das einmotten.
Aus diesem aktuellen Anlaß möchte ich Euch meinen Lieblingsostercartoon auf keinen Fall vorenthalten. Dann mal frohes Eiersuchen.
Montag, Februar 26, 2007
Dauerfrühling
In dem diesjährigen Dauerfrühling sollten ja eigentlich die Hormone herumploppen, daß es nur so eine Freude ist. Ausrutschen müßte man normalerweise auf den Straßen ob des ganzen übermäßigen Testosterons und Östrogens was umherschwappt und das Gegenstück sucht. Normalerweise müßten sich die Jungs und Deerns allesamt wie junge Füllen übermütig auf der Weide balgen.
Den Eindruck, daß Amor jetzt mit einem Riesenköcher Pfeile und ein paar Helferlein unterwegs ist, um der Nachfrage gerecht zu werden, habe ich allerdings weniger. Hört man sich einmal um, machen sich derzeit die Menschen genauso un- und glücklich wie auch schon im November zur großen Winterdepressionszeit. Da sind keine übermütigen Tendenzen zu spüren. Man kann sich wirklich auf nichts verlassen. Noch nicht einmal auf seine Gene.
Als würden die Instinkte seit Monaten immer nur einen kleinen Schritt aus der Haustür raustun, in die Sonne blicken, ungläubig, und dann lieber wieder reingehen, weil es bestimmt noch regnen wird, sobald man sich ohne Schirm auf die Straße gewagt hat. Lieber noch warten, bis es wirklich Frühling ist. Nachm Kalender. Ich wette, im April/Mai, wenns dann losgehen könnte, kriegen wir den Schnee, der bisher fehlte.
Es geht natürlich nicht um mich. Mein eigenes Liebesleben ist nicht der Rede Wert und auch nicht Thema dieses Blogs. Reizvoll wäre es dann und wann zwar schon, sich von den lieben Leserlein die Welt, insbesondere die männliche, erklären zu lassen. Doch bei Licht betrachtet glaube ich, es gibt wirklich genug Andere und anderes Bedenkenswertes auf der Welt.
Ich bleibe lieber in der Beobachterrolle. Vielleicht liegt es an der beobachteten Altersgruppe. Ich bin wohl schon zu alt. Frauen in meinem Alter würden von den Klageweibern des Dorfes vor mehreren hundert Jahren im vorübergehen wahrscheinlich schon mißbilligende Blicke ernten, weil sie immer noch nicht umgekippt sind.
Also, keine Frühlingsgefühle in Hamburg für die über Dreissigjährigen.
Was bisher auch ausblieb und was für mich vielleicht viel notwendiger wäre, ist der Drang zum Höhlebau und Frühjahrsputz. So saß ich letzte Woche in meinem Dreckloch und beobachtete die Staubmäuse, die versuchten, eine Rampe zum Lichtschalter zu bauen. Aber nichts in mir ploppte und trieb mich zum Staubsauger. In den grauen Film auf dem Wohnzimmerteppich malte ich mit dem Zeh Mandalas und entschied irgendwann, daß es nicht so weitergeht. Manchmal muß man sich eben zwingen wenn der Frühling schon nicht hilft.
(Ich löste das Problem nach alter Manier pragmatisch und lud mir Menschen ein, die noch nie in meiner Wohnung waren. Nun kann man die Farbe des Wohnzimmerteppichs wieder erkennen.)
Vielleicht müssen sich unsere Instinkte erst einmal an die große Klimakatastrophe herantasten. Gene sind ja bekanntlich evolutionär eher langsam. Jetzt müssen wir erst mal noch ein paar hundert Jahre irritiert sein. Macht nicht grad Mut.
Klimakatastrophe ist übrigens, wie der Name schon sagt, nicht gut. Gut, daß die Amis auch langsam den Dreh bekommen sich zu fragen, was sie denn eigentlich gegen den Umweltschutz tun. Vielleicht zieht dann der noch recht große Teil der Welt, der sich bislang einen Dreck um den Dreck scherte, nach. Wünschenswert wäre das schon.
Aber Psst, nicht weitersagen...Wenn ich ganz ganz ehrlich bin, man mich also nach meiner ganz unmaßgeblichen persönlichen Meinung fragt, erscheint mir die Katastrophenprognose für Deutschland (Mehr Sonne, weniger Regen, wärmere Temperaturen) eigentlich ganz reizvoll.
Ich schäm mich auch.
Den Eindruck, daß Amor jetzt mit einem Riesenköcher Pfeile und ein paar Helferlein unterwegs ist, um der Nachfrage gerecht zu werden, habe ich allerdings weniger. Hört man sich einmal um, machen sich derzeit die Menschen genauso un- und glücklich wie auch schon im November zur großen Winterdepressionszeit. Da sind keine übermütigen Tendenzen zu spüren. Man kann sich wirklich auf nichts verlassen. Noch nicht einmal auf seine Gene.
Als würden die Instinkte seit Monaten immer nur einen kleinen Schritt aus der Haustür raustun, in die Sonne blicken, ungläubig, und dann lieber wieder reingehen, weil es bestimmt noch regnen wird, sobald man sich ohne Schirm auf die Straße gewagt hat. Lieber noch warten, bis es wirklich Frühling ist. Nachm Kalender. Ich wette, im April/Mai, wenns dann losgehen könnte, kriegen wir den Schnee, der bisher fehlte.
Es geht natürlich nicht um mich. Mein eigenes Liebesleben ist nicht der Rede Wert und auch nicht Thema dieses Blogs. Reizvoll wäre es dann und wann zwar schon, sich von den lieben Leserlein die Welt, insbesondere die männliche, erklären zu lassen. Doch bei Licht betrachtet glaube ich, es gibt wirklich genug Andere und anderes Bedenkenswertes auf der Welt.
Ich bleibe lieber in der Beobachterrolle. Vielleicht liegt es an der beobachteten Altersgruppe. Ich bin wohl schon zu alt. Frauen in meinem Alter würden von den Klageweibern des Dorfes vor mehreren hundert Jahren im vorübergehen wahrscheinlich schon mißbilligende Blicke ernten, weil sie immer noch nicht umgekippt sind.
Also, keine Frühlingsgefühle in Hamburg für die über Dreissigjährigen.
Was bisher auch ausblieb und was für mich vielleicht viel notwendiger wäre, ist der Drang zum Höhlebau und Frühjahrsputz. So saß ich letzte Woche in meinem Dreckloch und beobachtete die Staubmäuse, die versuchten, eine Rampe zum Lichtschalter zu bauen. Aber nichts in mir ploppte und trieb mich zum Staubsauger. In den grauen Film auf dem Wohnzimmerteppich malte ich mit dem Zeh Mandalas und entschied irgendwann, daß es nicht so weitergeht. Manchmal muß man sich eben zwingen wenn der Frühling schon nicht hilft.
(Ich löste das Problem nach alter Manier pragmatisch und lud mir Menschen ein, die noch nie in meiner Wohnung waren. Nun kann man die Farbe des Wohnzimmerteppichs wieder erkennen.)
Vielleicht müssen sich unsere Instinkte erst einmal an die große Klimakatastrophe herantasten. Gene sind ja bekanntlich evolutionär eher langsam. Jetzt müssen wir erst mal noch ein paar hundert Jahre irritiert sein. Macht nicht grad Mut.
Klimakatastrophe ist übrigens, wie der Name schon sagt, nicht gut. Gut, daß die Amis auch langsam den Dreh bekommen sich zu fragen, was sie denn eigentlich gegen den Umweltschutz tun. Vielleicht zieht dann der noch recht große Teil der Welt, der sich bislang einen Dreck um den Dreck scherte, nach. Wünschenswert wäre das schon.
Aber Psst, nicht weitersagen...Wenn ich ganz ganz ehrlich bin, man mich also nach meiner ganz unmaßgeblichen persönlichen Meinung fragt, erscheint mir die Katastrophenprognose für Deutschland (Mehr Sonne, weniger Regen, wärmere Temperaturen) eigentlich ganz reizvoll.
Ich schäm mich auch.
Donnerstag, Februar 22, 2007
Urlaubsziele
Wenn ich jetzt schon anfange, mich regelmäßig in der Öffentlichkeit im Badeanzug zu präsentieren, schleicht sich doch direkt der Gedanke "Urlaub" in den Hinterkopf.
Ich war ja schon immer ein anderer Urlauber. Ideen a la "sechs Wochen durchs Outback", "Autofahren in Neuseeland" oder "USA in zwanzig Tagen" haben mich noch nie sonderlich gereizt. Als Kind natürlich schon. Die große weite Welt. Aus Sicht einer Zehnjährigen, die ihre Sommerferien in der Regel in einem Ferienhaus in Dänemark verbrachte, ist das schon erstrebenswert.
Aber das Leben nimmt doch häufig einen anderen Weg. Meine Jugendzeit verbrachte ich jugendbewegt, und während sich meine Altersgenossen auf Ibiza besoffen, buddelte ich mit meiner Pfadfindergruppe Donnerbalken in die Wälder Norddeutschlands.
In der Lehrzeit naturgemäß klamm und restjugendbewegt verbrachte ich meine Urlaube damit, mit Gitarre und Rucksack an Autobahnraststätten zu hocken, im Winter mit ein paar Zeltbahnen als Unterstand in irgendwelchen Burgruinen in Gesellschaft einer Horde Wildschweine im Hunsrück zu nächtigen, zu wandern und ohne Donnerbalken in den Wald zu koten.
Mittlerweile habe ich meine antikommerzielle Haltung zu Gunsten richtiger Toiletten längst aufgegeben. Jetzt könnte ich eigentlich richtige Urlaube machen. Ich bin groß und verdiene genug Geld. So ganz weit weg und ganz lange.
Was ich aber mittlerweile einsehen mußte: Es gibt keinen Ort der Welt, wo ich unbedingt zwingend hinmuß. Es gibt keinen Ort, an dem ich mich anders fühle als Bine, an dem ich mich besser erhole als zu Hause. Kein Tag, der nicht mit dem Morgen anfängt und mit dem Abend aufhört. Keiner, der mir wirklich den Atem raubt. Die Vorstellung, am Grand Canon zu stehen, ist zwar eine ausgesprochen schöne, doch das gleiche Glücksgefühl erreiche ich mit einem Blick auf das Elbsandsteingebirge. Und egal wo ich bin, nach zehn Tagen bekomme ich spätestens Sehnsucht nach der heimischen Höhle.
Es ist mir ehrlich gesagt völlig schippe, wo ich meine freien Tage verbringe. Schönes Wetter ist nicht schlecht, aber kein Muß. Super Landschaft mag ich, muß aber nicht sein.
Ich kann überall Urlaub machen. Zu jeder Jahreszeit, im Luxushotel, im Youth-Hostel, in einer Ferienwohnung, im Zelt. Mit dem Auto, mit der Bahn oder mit dem Flugzeug. Völlig wurscht. Wenn alte Steine da sind, guck ich sie mir gerne an, wenn nicht, les ich ein Buch. Mir hat bis jetzt jeder Urlaub, egal ob Israel, Mallorca, Rügen oder das Erzgebirge Spaß gemacht.
Was ich wirklich brauche, ist ein lieber Mensch, mit dem ich mich gut verstehe und mit dem ich meine Eindrücke teilen kann. Ich bin halt auf Menschen geprägt, nicht auf Orte.
So freu ich mich jetzt schon auf die Erholungswoche in der Türkei mit Katrin und natürlich die ultimativen Stippvisiten nach Thun zum Schwesterchen. Das hab ich nämlich grad beides für März und April gebucht.
Hurra.
Ich war ja schon immer ein anderer Urlauber. Ideen a la "sechs Wochen durchs Outback", "Autofahren in Neuseeland" oder "USA in zwanzig Tagen" haben mich noch nie sonderlich gereizt. Als Kind natürlich schon. Die große weite Welt. Aus Sicht einer Zehnjährigen, die ihre Sommerferien in der Regel in einem Ferienhaus in Dänemark verbrachte, ist das schon erstrebenswert.
Aber das Leben nimmt doch häufig einen anderen Weg. Meine Jugendzeit verbrachte ich jugendbewegt, und während sich meine Altersgenossen auf Ibiza besoffen, buddelte ich mit meiner Pfadfindergruppe Donnerbalken in die Wälder Norddeutschlands.
In der Lehrzeit naturgemäß klamm und restjugendbewegt verbrachte ich meine Urlaube damit, mit Gitarre und Rucksack an Autobahnraststätten zu hocken, im Winter mit ein paar Zeltbahnen als Unterstand in irgendwelchen Burgruinen in Gesellschaft einer Horde Wildschweine im Hunsrück zu nächtigen, zu wandern und ohne Donnerbalken in den Wald zu koten.
Mittlerweile habe ich meine antikommerzielle Haltung zu Gunsten richtiger Toiletten längst aufgegeben. Jetzt könnte ich eigentlich richtige Urlaube machen. Ich bin groß und verdiene genug Geld. So ganz weit weg und ganz lange.
Was ich aber mittlerweile einsehen mußte: Es gibt keinen Ort der Welt, wo ich unbedingt zwingend hinmuß. Es gibt keinen Ort, an dem ich mich anders fühle als Bine, an dem ich mich besser erhole als zu Hause. Kein Tag, der nicht mit dem Morgen anfängt und mit dem Abend aufhört. Keiner, der mir wirklich den Atem raubt. Die Vorstellung, am Grand Canon zu stehen, ist zwar eine ausgesprochen schöne, doch das gleiche Glücksgefühl erreiche ich mit einem Blick auf das Elbsandsteingebirge. Und egal wo ich bin, nach zehn Tagen bekomme ich spätestens Sehnsucht nach der heimischen Höhle.
Es ist mir ehrlich gesagt völlig schippe, wo ich meine freien Tage verbringe. Schönes Wetter ist nicht schlecht, aber kein Muß. Super Landschaft mag ich, muß aber nicht sein.
Ich kann überall Urlaub machen. Zu jeder Jahreszeit, im Luxushotel, im Youth-Hostel, in einer Ferienwohnung, im Zelt. Mit dem Auto, mit der Bahn oder mit dem Flugzeug. Völlig wurscht. Wenn alte Steine da sind, guck ich sie mir gerne an, wenn nicht, les ich ein Buch. Mir hat bis jetzt jeder Urlaub, egal ob Israel, Mallorca, Rügen oder das Erzgebirge Spaß gemacht.
Was ich wirklich brauche, ist ein lieber Mensch, mit dem ich mich gut verstehe und mit dem ich meine Eindrücke teilen kann. Ich bin halt auf Menschen geprägt, nicht auf Orte.
So freu ich mich jetzt schon auf die Erholungswoche in der Türkei mit Katrin und natürlich die ultimativen Stippvisiten nach Thun zum Schwesterchen. Das hab ich nämlich grad beides für März und April gebucht.
Hurra.
Dienstag, Februar 20, 2007
Geteiltes Leid ist doppelte Freud
Wenn man nach sportlicher Hingabe aus dem Schwimmbad kommt, geschafft nach Hause fährt, seine nassen Klamotten auswickelt und feststellt, daß man seinen Badeanzug in der Damendusche hat liegenlassen, ist das ärgerlich.
Wenn man dann die Freundin, die mit einem gegenseitiges Schweinehundüberwinden praktiziert und mit einem schwimmen geht, anmorst, daß man Depp die Schwimmbux hat liegenlassen und diese dann lachend erzählt, daß sie den gleichen Verlust zu beklagen hat, ist das komisch.
So leicht können sich Sichtweisen ändern.
Wenn man dann die Freundin, die mit einem gegenseitiges Schweinehundüberwinden praktiziert und mit einem schwimmen geht, anmorst, daß man Depp die Schwimmbux hat liegenlassen und diese dann lachend erzählt, daß sie den gleichen Verlust zu beklagen hat, ist das komisch.
So leicht können sich Sichtweisen ändern.
Altbau
Hamburger Altbauwohnungen zeichnen sich durch reizendes Flair, manchmal hohe Decken, Holzfußböden und Stuck aus. Es gibt große weiße Flügeltüren mit Butzenscheiben, lange Flure und kleine Badezimmer.
Ich lebe in einer solchen Altbauwohnung. Die Decken sind zwar keine vier Meter hoch, aber fast drei. Also eigentlich ganz normal irgendwie. Besonders hoch ist hier gar nix. Auch die Miete nicht, was für die Schickiecke in der ich wohne wirklich ungewöhnlich ist. Dennoch bröckelt kein Putz, die Flure sind sauber, die Gärten gepflegt und die Nachbarschaft nett. Klasse Wohnung. Superduperwohnung.
Hier zieh ich nicht aus. Doch es ist nicht alles Sonnenschein. Der Teufel steckt im Detail. Hier in den ungedämmten Fußböden. Holzbretter auf Bohlen, darunter Deckenplatten und Farbe. Hier ist man unmittelbar am Leben seiner Nachbarn beteiligt. Jeder Schritt oben oder links und rechts kann nachvollzogen werden. Geheimnisse gibt es kaum. Jeder Streit ginge unmittelbar durchs ganze Haus wenn hier mal jemand streiten würde. Aber es macht keiner. Das emotionale Leben meiner Nachbarn ist gutbürgerlich dezent. Auch lautes Pimpern ist nicht an der Tagesordnung.
Nicht so, wie in meiner alten Wohnung, in der die unter mir wohnende Türsteherin in regelmäßigen Abständen ihren rechtsradikalen Freund verkloppte. Aber da mußte ich um mit einem Wasserglas an der Badezimmerwand horchen um auf dem Laufenden zu bleiben.
Nein, hier bekommt man das Leben der Nachbarn auf einem Silbertablett. Und über mir schreit ein Kind.
Als mittelalte Kinderlose bin ich natürlich tolerant. Kinder müssen schreien und Kinder dürfen lärmen. Man will sie ja nicht im Käfig großziehen. Und wenn das Kinderzimmer direkt über meinem Schlafzimmer ist, so what. Ich habe einst an einer Bahnlinie gewohnt, man hört das irgendwann nicht mehr.
Kinder werden älter. Und jetzt fängt das von oben an, sich von selbst fortzubewegen. Kinder müssen laufen lernen, und im Wohnzimmer sitzen und den Abend damit verbringen, anhand des Staccatos in der Wohnung drüber den Aktionsradios des Göres nachzuvollziehen und sich darüber zu freuen, daß der Kleine jetzt auch gerne mit dem Ball spielt oder versucht, mit seinen Bauklötzen eine Schneise in meine Wohnung zu schlagen, ist ja irgendwie noch akzeptabel. Ein mildes Lächeln ringt es mir ab. Leicht verkniffen vielleicht, aber milde. Kein Grund, herumzutoben.
Auch Heimwerkerbemühungen und Möbelgeschiebe der Eltern zu nachtschlafender Zeit...alles in Ordnung. Die haben ihre Gründe, dafür, daß sie erst so spät damit anfangen können. Aber wenn die mich noch einmal mit einem Technofeuerwerk überziehen, geh ich hoch und werf ihre Anlage aus dem Fenster.
Ungedämmte Holzböden und Boxen, die direkt auf dem Fußboden geparkt sind, saugen die Musik nämlich auf und transferieren diese 1:1 in mein Wohnzimmer. Oben ist wahrscheinlich gar nichts mehr zu hören weil alles bei mir ist. Nun mag ich Musik durchaus. Außer Techno. Von dem Gewummer krieg ich Herzrhytmusstörungen.
So saß ich hier schon das eine oder andere Mal mit blutunterlaufenen Augen, hin- und hergerissen zwischen Nettsein und sich zum intoleranten Arsch des Hauses machen. Ich stand auch tatsächlich schon einmal wie Else Kling mit dem Besenstiel im Wohnzimmer und rammte mir Dellen in die Decke. Was? Ich hätte ja auch hochgehen und nett bitten können, die Musik ein wenig leiser zu drehen? Ja. Der Wille war da. Die haben aber die Klingel nicht gehört weil die Musik so laut war. Und das, obwohl ich geduldig ungefähr fünf Minuten lang den Finger nicht von der Klingel nahm.
Als altes Sozialkompetenzmonster habe ich dann all meine verbliebene Höflichkeit zusammengekratzt und einen wirklich netten Brief geschrieben, in dem ich darum bat, die Boxen vom Fußboden zu entfernen. Und ich glaube, sie haben es gemacht. Nicht, daß ich keine Konzerte mehr im Wohnzimmer habe, aber die Gläser vibrieren nicht mehr im Schrank.
Die Kinder werden älter und die Eltern auch. So in zehn/zwanzig Jahren wird dies wieder eine beschaulich ruhige Wohnung sein. Dann gibts hier nur noch Bine mit ihrem Faible für Rockmusik.
Ich freu mich jetzt schon drauf.
Ich lebe in einer solchen Altbauwohnung. Die Decken sind zwar keine vier Meter hoch, aber fast drei. Also eigentlich ganz normal irgendwie. Besonders hoch ist hier gar nix. Auch die Miete nicht, was für die Schickiecke in der ich wohne wirklich ungewöhnlich ist. Dennoch bröckelt kein Putz, die Flure sind sauber, die Gärten gepflegt und die Nachbarschaft nett. Klasse Wohnung. Superduperwohnung.
Hier zieh ich nicht aus. Doch es ist nicht alles Sonnenschein. Der Teufel steckt im Detail. Hier in den ungedämmten Fußböden. Holzbretter auf Bohlen, darunter Deckenplatten und Farbe. Hier ist man unmittelbar am Leben seiner Nachbarn beteiligt. Jeder Schritt oben oder links und rechts kann nachvollzogen werden. Geheimnisse gibt es kaum. Jeder Streit ginge unmittelbar durchs ganze Haus wenn hier mal jemand streiten würde. Aber es macht keiner. Das emotionale Leben meiner Nachbarn ist gutbürgerlich dezent. Auch lautes Pimpern ist nicht an der Tagesordnung.
Nicht so, wie in meiner alten Wohnung, in der die unter mir wohnende Türsteherin in regelmäßigen Abständen ihren rechtsradikalen Freund verkloppte. Aber da mußte ich um mit einem Wasserglas an der Badezimmerwand horchen um auf dem Laufenden zu bleiben.
Nein, hier bekommt man das Leben der Nachbarn auf einem Silbertablett. Und über mir schreit ein Kind.
Als mittelalte Kinderlose bin ich natürlich tolerant. Kinder müssen schreien und Kinder dürfen lärmen. Man will sie ja nicht im Käfig großziehen. Und wenn das Kinderzimmer direkt über meinem Schlafzimmer ist, so what. Ich habe einst an einer Bahnlinie gewohnt, man hört das irgendwann nicht mehr.
Kinder werden älter. Und jetzt fängt das von oben an, sich von selbst fortzubewegen. Kinder müssen laufen lernen, und im Wohnzimmer sitzen und den Abend damit verbringen, anhand des Staccatos in der Wohnung drüber den Aktionsradios des Göres nachzuvollziehen und sich darüber zu freuen, daß der Kleine jetzt auch gerne mit dem Ball spielt oder versucht, mit seinen Bauklötzen eine Schneise in meine Wohnung zu schlagen, ist ja irgendwie noch akzeptabel. Ein mildes Lächeln ringt es mir ab. Leicht verkniffen vielleicht, aber milde. Kein Grund, herumzutoben.
Auch Heimwerkerbemühungen und Möbelgeschiebe der Eltern zu nachtschlafender Zeit...alles in Ordnung. Die haben ihre Gründe, dafür, daß sie erst so spät damit anfangen können. Aber wenn die mich noch einmal mit einem Technofeuerwerk überziehen, geh ich hoch und werf ihre Anlage aus dem Fenster.
Ungedämmte Holzböden und Boxen, die direkt auf dem Fußboden geparkt sind, saugen die Musik nämlich auf und transferieren diese 1:1 in mein Wohnzimmer. Oben ist wahrscheinlich gar nichts mehr zu hören weil alles bei mir ist. Nun mag ich Musik durchaus. Außer Techno. Von dem Gewummer krieg ich Herzrhytmusstörungen.
So saß ich hier schon das eine oder andere Mal mit blutunterlaufenen Augen, hin- und hergerissen zwischen Nettsein und sich zum intoleranten Arsch des Hauses machen. Ich stand auch tatsächlich schon einmal wie Else Kling mit dem Besenstiel im Wohnzimmer und rammte mir Dellen in die Decke. Was? Ich hätte ja auch hochgehen und nett bitten können, die Musik ein wenig leiser zu drehen? Ja. Der Wille war da. Die haben aber die Klingel nicht gehört weil die Musik so laut war. Und das, obwohl ich geduldig ungefähr fünf Minuten lang den Finger nicht von der Klingel nahm.
Als altes Sozialkompetenzmonster habe ich dann all meine verbliebene Höflichkeit zusammengekratzt und einen wirklich netten Brief geschrieben, in dem ich darum bat, die Boxen vom Fußboden zu entfernen. Und ich glaube, sie haben es gemacht. Nicht, daß ich keine Konzerte mehr im Wohnzimmer habe, aber die Gläser vibrieren nicht mehr im Schrank.
Die Kinder werden älter und die Eltern auch. So in zehn/zwanzig Jahren wird dies wieder eine beschaulich ruhige Wohnung sein. Dann gibts hier nur noch Bine mit ihrem Faible für Rockmusik.
Ich freu mich jetzt schon drauf.
Freitag, Februar 16, 2007
Nachruf
Das Gerücht hat sich bestätigt. Ich bin zwar nicht völlig am Boden zerstört, doch das Gefühl, daß eine Ära zuende geht, daß die Welt ein ewig Wandel ist und ein wenig Beleidigtsein, daß nicht alles so bleiben kann wie es war, macht sich breit.
Die U-Bahnkneipe hat zu. Sie ist leer. Futsch die Einrichtung, hinfort Mocca und seine Mannen. Unser Domizil "Vor dem Spiel ist nach dem Spiel und auch nach dem Spiel schmeckt das Bier hier". Hinfort. Die Wiege vieler schöner Erinnerungen. Das Grab vieler geleerter Astraflaschen. Siegesfeiern und Verliererbier. Weichen mußte sie. Einem Schweinske, wie das Gerücht weint. Wie furchtbar. Was soll das denn für ein Ersatz sein? Schnitzel statt Astra? Wenn ich beim Fußball essen möchte, kaufe ich mir ne Wurst am Stand. Aber ich setze mich doch nicht in so ein Kleinstadtmöchtegernschick mit albernen Schweinenasen.
Bei Licht betrachtet sollte ich mich für die leichte Wehmut schämen, war es doch eine Kneipe, in der man normalerweise ungern dabei beobachtet wird, dort namentlich mit Handschlag begrüßt zu werden. Ein Strand für Skurrilitäten. Eine echte Eckpinte. Paulifans, Jeanskuttenträger, Menschen ohne Zähne, fettige Haare, weiße Socken, Omis mit orangenen Haaren und wir. Doch ein fester Bestandteil unserer Fußballrealität. Ausgangspunkt und Ziel. Ein Stück Heimat. Futsch.
Ich fühle mich entwurzelt. Aber das Leben geht weiter. Beim nächsten Heimspiel werden wir Abschied nehmen, die letzte Ehre erweisen und uns eine neue Kneipe suchen.
Prost U-Bahnkneipe. Ruhe in Frieden.
Schweinerei.
Die U-Bahnkneipe hat zu. Sie ist leer. Futsch die Einrichtung, hinfort Mocca und seine Mannen. Unser Domizil "Vor dem Spiel ist nach dem Spiel und auch nach dem Spiel schmeckt das Bier hier". Hinfort. Die Wiege vieler schöner Erinnerungen. Das Grab vieler geleerter Astraflaschen. Siegesfeiern und Verliererbier. Weichen mußte sie. Einem Schweinske, wie das Gerücht weint. Wie furchtbar. Was soll das denn für ein Ersatz sein? Schnitzel statt Astra? Wenn ich beim Fußball essen möchte, kaufe ich mir ne Wurst am Stand. Aber ich setze mich doch nicht in so ein Kleinstadtmöchtegernschick mit albernen Schweinenasen.
Bei Licht betrachtet sollte ich mich für die leichte Wehmut schämen, war es doch eine Kneipe, in der man normalerweise ungern dabei beobachtet wird, dort namentlich mit Handschlag begrüßt zu werden. Ein Strand für Skurrilitäten. Eine echte Eckpinte. Paulifans, Jeanskuttenträger, Menschen ohne Zähne, fettige Haare, weiße Socken, Omis mit orangenen Haaren und wir. Doch ein fester Bestandteil unserer Fußballrealität. Ausgangspunkt und Ziel. Ein Stück Heimat. Futsch.
Ich fühle mich entwurzelt. Aber das Leben geht weiter. Beim nächsten Heimspiel werden wir Abschied nehmen, die letzte Ehre erweisen und uns eine neue Kneipe suchen.
Prost U-Bahnkneipe. Ruhe in Frieden.
Schweinerei.
Dienstag, Februar 13, 2007
Wasserspiele
Es ist an der Zeit. An der Zeit, sich endlich einmal wieder körperlich zu betätigen und aufzuhören, das Haar in der Scheiße zu suchen. Das ist weniger destruktiv gemeint als es klingt. Dieser Satz ist meinem neuen Lieblingscartoon entliehen, in welchem eine Mistfliege den Ober wegen einer solchen anmosert, sorum wird mein Schuh draus, der aber trotzdem hin und wieder in die Fliegennahrung tritt. Grundsätzlich kann es aber auf alle Fälle nicht schaden, einmal wieder den Körper Runden ziehen zu lassen statt immer nur die Gedanken.
Deswegen werde ich heute eintauchen. Der Plan sieht nach langer Zeit einmal wieder einen Besuch im Schwimmbad vor. Schwimmen ist gesund, macht straff, macht Spaß und fit. Allerdings benötigt man für diese Idee seinen Badeanzug. Wo ist der bloß?
Konstruktive Folge dieses Planes ist zumindest schon einmal, daß ich mein Schlafzimmer nebst Kleiderschrank aufräumen muß, weil ich auf der Suche nach dem guten Stück gestern dort einen mittelschweren Atomkrieg anzettelte. So sieht es da jetzt zumindest aus. Den Anzug fand ich nicht.
Das kann doch nicht sein. Ein Badeanzug ist doch normalerweise kein Kleidungsstück, welches man irgendwo liegenläßt wie eine Mütze, ein Schlaf-T-Shirt oder einen Regenponcho. "Du, kannst du noch mal gucken, ob mein Badeanzug bei dir ist, und wenn du schon mal dabei bist, such doch auch gleich meinen Hüfthalter, die langen Unterhosen und die Vaginalpilzcreme...". Wahrscheinlich führt er schon seit zwei Jahren ein erfülltes Leben als Leihbadeanzug im Kellinghusenbad. Oder er liegt zusammengeknüddelt irgendwo ganz hinten unten in irgendwelchen Schränken oder Taschen. Unsichtbar für mein Auge. Wie auch immer. Ohne Badeanzug kann ich heute nicht los.
Die durchaus gefundenen Bikinis sind kein angemessener Ersatz. Bikinis sind dazu geeignet, sich in der Sonne zu aalen und hin und wieder ein wenig beim gemütlichen im-Wasser-stehen ihren Zweck zu erfüllen. Aber ich möchte mir ungern bei ambitionierter Schwimmerei Gedanken darüber machen müssen, ob noch aller Stoff, der ja eher weniger Stoff ist, an den korrekten Stellen sitzt und verdeckt was verdeckt gehört.
Immerhin haben wir Winter. Im Winter sollte am besten alles verdeckt sein. Das ganze weiße wabbelige Fleisch, welches schon sehr lange keine Sonne sah. Und auch keine Sonnenbank mehr, nachdem ich irgendwann mal feststellte, daß eine Sonnenbank mir fünfmarkstückgroße Sommersprossen im Gesicht zaubert. Ich möchte nicht gesund gebräunt daherwandern und gleichzeitig mitfühlend gefragt werden, ob ich verkloppt wurde. Da bleibt meine Weste lieber weiß.
Derzeit entspräche mir also einer dieser Ganzkörperbadeanzüge zumindest bis zum Knie. Halber Arm und in der Mitte angenehm weit mit viel Platz für viel Phantasie und viel Bine. Dazu wäre dann eine Bademütze passend. Am besten eine mit aufgeklebten bunten Gummiblumen. Mit einer solchen Gummimütze müßte man niemals von vorne kommenden Schwimmern ausweichen und könnte sich die Schwimmbrille gegen Chlorkarnickelaugen sparen, weil man sowieso niemals mit dem Kopf unter Wasser gerät.
So werde ich mich heute mittag in die sportlich orientierten Kaufparadiese stürzen und mir ein angemessenes Stück Stoff kaufen. Und am besten schon einmal Franzbranntwein und eine angemessene Zahl von Salben für den in den nächsten Tagen bestimmt sehr präsenten Muskelkater.
Und jetzt suche ich meine Badelatschen. Sonst brauch ich auch noch ne Fußpilzcreme.
Allns Chlor.
Deswegen werde ich heute eintauchen. Der Plan sieht nach langer Zeit einmal wieder einen Besuch im Schwimmbad vor. Schwimmen ist gesund, macht straff, macht Spaß und fit. Allerdings benötigt man für diese Idee seinen Badeanzug. Wo ist der bloß?
Konstruktive Folge dieses Planes ist zumindest schon einmal, daß ich mein Schlafzimmer nebst Kleiderschrank aufräumen muß, weil ich auf der Suche nach dem guten Stück gestern dort einen mittelschweren Atomkrieg anzettelte. So sieht es da jetzt zumindest aus. Den Anzug fand ich nicht.
Das kann doch nicht sein. Ein Badeanzug ist doch normalerweise kein Kleidungsstück, welches man irgendwo liegenläßt wie eine Mütze, ein Schlaf-T-Shirt oder einen Regenponcho. "Du, kannst du noch mal gucken, ob mein Badeanzug bei dir ist, und wenn du schon mal dabei bist, such doch auch gleich meinen Hüfthalter, die langen Unterhosen und die Vaginalpilzcreme...". Wahrscheinlich führt er schon seit zwei Jahren ein erfülltes Leben als Leihbadeanzug im Kellinghusenbad. Oder er liegt zusammengeknüddelt irgendwo ganz hinten unten in irgendwelchen Schränken oder Taschen. Unsichtbar für mein Auge. Wie auch immer. Ohne Badeanzug kann ich heute nicht los.
Die durchaus gefundenen Bikinis sind kein angemessener Ersatz. Bikinis sind dazu geeignet, sich in der Sonne zu aalen und hin und wieder ein wenig beim gemütlichen im-Wasser-stehen ihren Zweck zu erfüllen. Aber ich möchte mir ungern bei ambitionierter Schwimmerei Gedanken darüber machen müssen, ob noch aller Stoff, der ja eher weniger Stoff ist, an den korrekten Stellen sitzt und verdeckt was verdeckt gehört.
Immerhin haben wir Winter. Im Winter sollte am besten alles verdeckt sein. Das ganze weiße wabbelige Fleisch, welches schon sehr lange keine Sonne sah. Und auch keine Sonnenbank mehr, nachdem ich irgendwann mal feststellte, daß eine Sonnenbank mir fünfmarkstückgroße Sommersprossen im Gesicht zaubert. Ich möchte nicht gesund gebräunt daherwandern und gleichzeitig mitfühlend gefragt werden, ob ich verkloppt wurde. Da bleibt meine Weste lieber weiß.
Derzeit entspräche mir also einer dieser Ganzkörperbadeanzüge zumindest bis zum Knie. Halber Arm und in der Mitte angenehm weit mit viel Platz für viel Phantasie und viel Bine. Dazu wäre dann eine Bademütze passend. Am besten eine mit aufgeklebten bunten Gummiblumen. Mit einer solchen Gummimütze müßte man niemals von vorne kommenden Schwimmern ausweichen und könnte sich die Schwimmbrille gegen Chlorkarnickelaugen sparen, weil man sowieso niemals mit dem Kopf unter Wasser gerät.
So werde ich mich heute mittag in die sportlich orientierten Kaufparadiese stürzen und mir ein angemessenes Stück Stoff kaufen. Und am besten schon einmal Franzbranntwein und eine angemessene Zahl von Salben für den in den nächsten Tagen bestimmt sehr präsenten Muskelkater.
Und jetzt suche ich meine Badelatschen. Sonst brauch ich auch noch ne Fußpilzcreme.
Allns Chlor.
Freitag, Februar 09, 2007
SCHNEEHEEFLÖCKCHEN WAAISSRÖCKCHEN
waahaann kommst du geschnaaait...
Der Winter hat es dann doch noch geschafft. Ob es jetzt - wie beim letzten Mal - nur einen Tag dauert oder es sich tatsächlich anbietet, am Wochenende in den Staatsforst zum Rodeln zu fahren, egal. Mein erster Blick heute morgen aus dem Küchenfenster ließ mich auf alle Fälle frühkindlich glücklich staunen. Wollt ihr mal sehen?

Das Gefühl beim Anblick von frischem Schnee entspricht ihm zu 100 %. Graues, dreckiges und dunkles wird überdeckt. Für eine kurze Zeit strahlt alles weiß und schön. Ich mag das....mahalst Bluumen uund Bläätter, wihir haaben dich gern.
Wenn ich noch ein Auto hätte, müßte ich wohl jetzt langsam die sich unlogischerweise immer noch auf dem Dachboden befindlichen Winterreifen heruntertragen. So freu ich mich, daß Winterreifen ohne den Rest durchschnittlich überflüssig sind und laß sie wo sie sind.
Da such ich doch lieber meine Mütze. Tut mir den Gefallen und fahrt vorsichtig.
Der Winter hat es dann doch noch geschafft. Ob es jetzt - wie beim letzten Mal - nur einen Tag dauert oder es sich tatsächlich anbietet, am Wochenende in den Staatsforst zum Rodeln zu fahren, egal. Mein erster Blick heute morgen aus dem Küchenfenster ließ mich auf alle Fälle frühkindlich glücklich staunen. Wollt ihr mal sehen?
Das Gefühl beim Anblick von frischem Schnee entspricht ihm zu 100 %. Graues, dreckiges und dunkles wird überdeckt. Für eine kurze Zeit strahlt alles weiß und schön. Ich mag das....mahalst Bluumen uund Bläätter, wihir haaben dich gern.
Wenn ich noch ein Auto hätte, müßte ich wohl jetzt langsam die sich unlogischerweise immer noch auf dem Dachboden befindlichen Winterreifen heruntertragen. So freu ich mich, daß Winterreifen ohne den Rest durchschnittlich überflüssig sind und laß sie wo sie sind.
Da such ich doch lieber meine Mütze. Tut mir den Gefallen und fahrt vorsichtig.
Dienstag, Februar 06, 2007
Der Gipfel
"Nichtrauchergipfel". Was für ein tolles Wort. "Experten" treffen sich zum "Nichtrauchergipfel". Das ist ja der Gipfel. Handelt es sich bei diesen Experten jetzt um Raucher oder um Nichtraucher? Ich mein, nichtrauchen will gelernt sein. Aber man kann es ja eigentlich wirklich jederzeit und überall praktizieren und perfektionieren. Auch wenn das ungehörig klingt: sogar in Kindergärten kann man nichtrauchen üben. In Schulen und Krankenhäusern. Sogar aufm Klo, im Bett. Schlafend sogar. Überall. Überall kann man nichtrauchen. Eigentlich nicht besonders schwer. Mag man meinen.
Um aber ein echter Nichtraucherexperte zu werden, sollte man sich in grauen Forschungszentren einfinden müssen, dort unter wissenschaftlicher und ärztlicher Aufsicht an einer nachgestellten Bar sitzen und sich vom Nebentisch Rauch in den Nacken pusten lassen. Man sollte in zugigen Bushaltestellen stehen mit Rauchern in entgegengesetzter Windrichtung. Man sollte gezwungen sein, in geschlossenen Autos mit vier starken Rauchern zu sitzen. Man muß Passivrauchen was das Zeug hält. Man soll ja wissen wovon man spricht. Das ist bestimmt nicht einfach.
Früher war das einfacher. Wenn man sich einmal am Samstag Abend die Talkshowclassics aus den siebziger Jahren anschaut, wo sich die kulturell hochrangigen Persönlichkeiten damit vergnügten, sich gegenseitig Rauch ins Gesicht zu pusten, wo es zum guten Ton gehörte, wo man eine Weichpupe war, wenn man nicht rauchte, als der starke Raucher und Schnupftabakkonsument Schmidt noch Kanzler war, dann wünscht man sich als echter Nichtraucherexperte die alten Zeiten zurück. Früher war alles besser.
Für die Front der Raucherexperten wird es auch schwer den Gipfel vollzukriegen. Die Qualifikation eines Experten fürs Rauchen zu erringen, ist im Gegensatz zum Nichtraucher heutzutage kein Zuckerschlecken mehr. Wenn die ominösen Experten den Gipfel irgendwann einmal wieder erklommen und das öffentliche Rauchen verboten haben, wird das nicht besser. Dann kann eigentlich nur noch zu Hause im stillen Kämmerlein bei dicht versiegelten Fensterläden geübt werden, damit der allgemein zugängliche Sauerstoff nicht nikotös verwarzt wird. Zukünftig wird man die Raucherexperten mitten in der Nacht zu den Mülltonnen schleichen sehen, um dort den verdächtigen Rauch mit den Gerüchen aus der Halde zu übertünchen, immer mit der Gefahr im Nacken, daß ein Nichtraucherexperte im dritten Stock das Fenster aufreisst und, seiner Rolle entsprechend, herumpöbelt. Extremsport. Ich sagte es schon einmal.
Im Grunde ist es mir wurscht, wie die Jungs und Mädels zukünftig die allgemeine Raucherei regeln. Ich bin zwar Raucher und rauche gern, weiß aber, daß ich ohne die Stengelchen nicht nur gesünder wäre, sondern auch reich. Ich befinde mich sozusagen gerade im Reich der Mitte.
Darauf rauch ich jetzt eine. Und morgen hör ich auf. Oder übermorgen. Vielleicht.
Dann werde ich Experte fürs Nichtrauchen. Und für Fettleibigkeit.
Um aber ein echter Nichtraucherexperte zu werden, sollte man sich in grauen Forschungszentren einfinden müssen, dort unter wissenschaftlicher und ärztlicher Aufsicht an einer nachgestellten Bar sitzen und sich vom Nebentisch Rauch in den Nacken pusten lassen. Man sollte in zugigen Bushaltestellen stehen mit Rauchern in entgegengesetzter Windrichtung. Man sollte gezwungen sein, in geschlossenen Autos mit vier starken Rauchern zu sitzen. Man muß Passivrauchen was das Zeug hält. Man soll ja wissen wovon man spricht. Das ist bestimmt nicht einfach.
Früher war das einfacher. Wenn man sich einmal am Samstag Abend die Talkshowclassics aus den siebziger Jahren anschaut, wo sich die kulturell hochrangigen Persönlichkeiten damit vergnügten, sich gegenseitig Rauch ins Gesicht zu pusten, wo es zum guten Ton gehörte, wo man eine Weichpupe war, wenn man nicht rauchte, als der starke Raucher und Schnupftabakkonsument Schmidt noch Kanzler war, dann wünscht man sich als echter Nichtraucherexperte die alten Zeiten zurück. Früher war alles besser.
Für die Front der Raucherexperten wird es auch schwer den Gipfel vollzukriegen. Die Qualifikation eines Experten fürs Rauchen zu erringen, ist im Gegensatz zum Nichtraucher heutzutage kein Zuckerschlecken mehr. Wenn die ominösen Experten den Gipfel irgendwann einmal wieder erklommen und das öffentliche Rauchen verboten haben, wird das nicht besser. Dann kann eigentlich nur noch zu Hause im stillen Kämmerlein bei dicht versiegelten Fensterläden geübt werden, damit der allgemein zugängliche Sauerstoff nicht nikotös verwarzt wird. Zukünftig wird man die Raucherexperten mitten in der Nacht zu den Mülltonnen schleichen sehen, um dort den verdächtigen Rauch mit den Gerüchen aus der Halde zu übertünchen, immer mit der Gefahr im Nacken, daß ein Nichtraucherexperte im dritten Stock das Fenster aufreisst und, seiner Rolle entsprechend, herumpöbelt. Extremsport. Ich sagte es schon einmal.
Im Grunde ist es mir wurscht, wie die Jungs und Mädels zukünftig die allgemeine Raucherei regeln. Ich bin zwar Raucher und rauche gern, weiß aber, daß ich ohne die Stengelchen nicht nur gesünder wäre, sondern auch reich. Ich befinde mich sozusagen gerade im Reich der Mitte.
Darauf rauch ich jetzt eine. Und morgen hör ich auf. Oder übermorgen. Vielleicht.
Dann werde ich Experte fürs Nichtrauchen. Und für Fettleibigkeit.
Samstag, Februar 03, 2007
Gibts hier noch was zu essen?
Was kann nur passiert sein, wenn man sich am Abend eines schönen Samstages mit nur mäßigem Nieselregen irgendwann im Osten von Hamburg in einem griechischen Restaurant vorfindet, schräg vor einem jemand mit dem Kopf in seinem Gyros liegt und zufrieden schläft, zwei Tische weiter eine Frau frei von Scham oder Möglichkeit von Scham ihren Mageninhalt in die Gaststube entleert und, trotzdem schon längst abgeräumt wird und ungefähr tausend Kilo Fleisch übriggeblieben sind, die in dem Moment echt niemand mehr essen wollte, jemand herumläuft und verkündet: Ich hab Hunger. Gibts hier noch was zu essen?
Genau. Es ist das Ende des norddeutschen Sporttages. Denn was machen die Lüü von der Küste, wenn sie sich sportlich verausgaben wollen? Sie gehen boßeln.
Ich weiß was das ist. Ihr vielleicht nicht. Deswegen wollen wir mal Wikipedia zu Rate ziehen, was schreibt:
"Boßeln ist eine Sportart, die überwiegend in den norddeutschen Küstenregionen aber auch weltweit gespielt wird.
Im klassischem Boßeln spielen zwei Mannschaften (bei Wettbewerben in 4 Gruppen mit je 4 Werfern besetzt) gegeneinander. Dabei gibt es keine feste Wurfbahn, sondern die Wettbewerbe finden auf Straßen statt. Jeder Werfer setzt mit seinem Wurf an dem Landepunkt des Vorwerfers an.
Die übliche Saison für das Boßeln liegt im Winter und am Beginn des Frühjahrs. Der Grund für die Wahl der Jahreszeit ist, dass im Winter die Gräben, die sich in Norddeutschland beiderseits der Boßelstrecke befinden, zugefroren sind und daher das Bergen der Kugel vereinfacht wird. Da Pockholz eine höhere Dichte als Wasser hat, gehen Boßelkugeln in Straßengräben unter. Um die Kugeln trockenen Fußes bergen zu können sind spezielle Klootsoeker (Kugelsucher, auch Kraber) in den 'boßelnden' Regionen im Handel erhältlich. Diese bestehen aus einer Stange (z.B. Besenstiel) mit einem daran befestigten Korb für die Aufnahme der Boßel."
Na gut. Das ist nicht sehr erschöpfend. Oder? Boßeln ist im Grunde ein hübscher Spaziergang über eine gehörige Anzahl von Kilometern.
Während dieses Spazierganges schmeißt man jeweils eine Kugel vor sich her und die Würfe werden gezählt. Die Mannschaft, die die wenigsten Würfe gebraucht hat, hat gewonnen. Deswegen wird auf Wegen gespielt, die eher "uneben" sind. Weils mehr Spaß macht. Mehr so die Köm-Schnellwege der Region. Das sind die Nebenwege. Die asphaltierten Feldwege, wo man irgendwie auch noch mit dem Auto nach Hause kommt, ohne von der Polizei behelligt zu werden.
Um den Spaziergang für den durchschnittlichen Norddeutschen erträglich zu gestalten, gibt man jeder Mannschaft einen Bollerwagen mit. Gefüllt bis an den Rand mit allem, was man normalerweise nicht unbedingt tagsüber konsumiert. Vorzugsweise Kurze. Köm, Sambuca, Likörchen, auch gerne Glühwein, etwas Bier, Wurst, Süßigkeiten und allerlei Trallalla..
Dieses Zeug ist dann zu verzehren. Was auch üblicherweise, so wie heute, in angemessener Art und Weise zelebriert wird. Alle dreissig Meter, und ich vermute, ich untertreibe hier stark, wird ein kleiner Boxenstopp eingelegt und sich vom anstrengenden Kugelstoßen erholt. Gruppendynamisch. Flüssig. Wie sonst. Damit einen der Nieselregen nicht mehr so nervt und die Wurfhemmung bei der nächsten Schmeißerei ausgeschaltet ist. Und man die Verwürfe des Vorwerfers nicht so eng sieht. Es geht nicht um den Erfolg. Es geht um das Miteinander. Darum, sich wieder aufzuhelfen wenn man fällt. So wie der junge Mann schräg gegenüber. Erst auf dem Weg umfallen und dann auch noch in seinem Gyros einschlafen. Ich würde sagen, er hat die Meisterschaft heute erreicht. Hoch! Hoch! Hoch! Wenn, dann gibt der Norddeutsche nämlich alles. Frei nach dem Motto: "Heute wird richtig getrunken. Nicht wieder so ein Kindergeburtstag wie sonst fast immer."
Auch die Dame, die ihren Mageninhalt in überdachten Räumen nicht bei sich behalten konnte, gehörte zu meiner Mannschaft. Ebenso wie die junge Frau, die ungefähr parallel mit meinem Gegenüber vorm Essen schon einschlief. Weil ich zum Glück in den Pausen angemessen pausierte, also auch mal keinen Schnaps trank, war ich noch klar wie der Korn im Glas. Oder zumindest halbklar, wie ein kalter Ouzo. Da ich sowieso nicht besonders gut im Bällewerfen bin, fiel das gruppendynamisch gar nicht auf.
Ich mag es, mich auch einmal aus der Beobachterrolle dem Alkohol zu nähern. Das hilft enorm. Wenn man nämlich immer noch mit schreckgeweiteten Augen und der Hand vorm Mund an den letzten eigenen Exzess denkt und dabei die ganze Zeit vor sich hinmurmelt: "Achduliebegüte, das hab ich nicht wirklich gemacht. Wie peinlich. Ich kann mich da nie wieder sehenlassen. Gottogottogott. Für wen halten die mich?", dann weiß man nach einem Boßeltag: Du bist nicht allein.
Auch die anderen Mannschaften hatten mit Ausfällen zu kämpfen. Am Ende sind doch alle gleich. Und wir haben die goldene Schnecke gewonnen für die schlechteste Mannschaft des Tages. Wenn das kein Erfolg ist!
Wenn ich da jetzt so recht drüber nachdenke...gibts hier noch was zu essen? Ich hab Hunger.
Genau. Es ist das Ende des norddeutschen Sporttages. Denn was machen die Lüü von der Küste, wenn sie sich sportlich verausgaben wollen? Sie gehen boßeln.
Ich weiß was das ist. Ihr vielleicht nicht. Deswegen wollen wir mal Wikipedia zu Rate ziehen, was schreibt:
"Boßeln ist eine Sportart, die überwiegend in den norddeutschen Küstenregionen aber auch weltweit gespielt wird.
Im klassischem Boßeln spielen zwei Mannschaften (bei Wettbewerben in 4 Gruppen mit je 4 Werfern besetzt) gegeneinander. Dabei gibt es keine feste Wurfbahn, sondern die Wettbewerbe finden auf Straßen statt. Jeder Werfer setzt mit seinem Wurf an dem Landepunkt des Vorwerfers an.
Die übliche Saison für das Boßeln liegt im Winter und am Beginn des Frühjahrs. Der Grund für die Wahl der Jahreszeit ist, dass im Winter die Gräben, die sich in Norddeutschland beiderseits der Boßelstrecke befinden, zugefroren sind und daher das Bergen der Kugel vereinfacht wird. Da Pockholz eine höhere Dichte als Wasser hat, gehen Boßelkugeln in Straßengräben unter. Um die Kugeln trockenen Fußes bergen zu können sind spezielle Klootsoeker (Kugelsucher, auch Kraber) in den 'boßelnden' Regionen im Handel erhältlich. Diese bestehen aus einer Stange (z.B. Besenstiel) mit einem daran befestigten Korb für die Aufnahme der Boßel."
Na gut. Das ist nicht sehr erschöpfend. Oder? Boßeln ist im Grunde ein hübscher Spaziergang über eine gehörige Anzahl von Kilometern.
Während dieses Spazierganges schmeißt man jeweils eine Kugel vor sich her und die Würfe werden gezählt. Die Mannschaft, die die wenigsten Würfe gebraucht hat, hat gewonnen. Deswegen wird auf Wegen gespielt, die eher "uneben" sind. Weils mehr Spaß macht. Mehr so die Köm-Schnellwege der Region. Das sind die Nebenwege. Die asphaltierten Feldwege, wo man irgendwie auch noch mit dem Auto nach Hause kommt, ohne von der Polizei behelligt zu werden.
Um den Spaziergang für den durchschnittlichen Norddeutschen erträglich zu gestalten, gibt man jeder Mannschaft einen Bollerwagen mit. Gefüllt bis an den Rand mit allem, was man normalerweise nicht unbedingt tagsüber konsumiert. Vorzugsweise Kurze. Köm, Sambuca, Likörchen, auch gerne Glühwein, etwas Bier, Wurst, Süßigkeiten und allerlei Trallalla..
Dieses Zeug ist dann zu verzehren. Was auch üblicherweise, so wie heute, in angemessener Art und Weise zelebriert wird. Alle dreissig Meter, und ich vermute, ich untertreibe hier stark, wird ein kleiner Boxenstopp eingelegt und sich vom anstrengenden Kugelstoßen erholt. Gruppendynamisch. Flüssig. Wie sonst. Damit einen der Nieselregen nicht mehr so nervt und die Wurfhemmung bei der nächsten Schmeißerei ausgeschaltet ist. Und man die Verwürfe des Vorwerfers nicht so eng sieht. Es geht nicht um den Erfolg. Es geht um das Miteinander. Darum, sich wieder aufzuhelfen wenn man fällt. So wie der junge Mann schräg gegenüber. Erst auf dem Weg umfallen und dann auch noch in seinem Gyros einschlafen. Ich würde sagen, er hat die Meisterschaft heute erreicht. Hoch! Hoch! Hoch! Wenn, dann gibt der Norddeutsche nämlich alles. Frei nach dem Motto: "Heute wird richtig getrunken. Nicht wieder so ein Kindergeburtstag wie sonst fast immer."
Auch die Dame, die ihren Mageninhalt in überdachten Räumen nicht bei sich behalten konnte, gehörte zu meiner Mannschaft. Ebenso wie die junge Frau, die ungefähr parallel mit meinem Gegenüber vorm Essen schon einschlief. Weil ich zum Glück in den Pausen angemessen pausierte, also auch mal keinen Schnaps trank, war ich noch klar wie der Korn im Glas. Oder zumindest halbklar, wie ein kalter Ouzo. Da ich sowieso nicht besonders gut im Bällewerfen bin, fiel das gruppendynamisch gar nicht auf.
Ich mag es, mich auch einmal aus der Beobachterrolle dem Alkohol zu nähern. Das hilft enorm. Wenn man nämlich immer noch mit schreckgeweiteten Augen und der Hand vorm Mund an den letzten eigenen Exzess denkt und dabei die ganze Zeit vor sich hinmurmelt: "Achduliebegüte, das hab ich nicht wirklich gemacht. Wie peinlich. Ich kann mich da nie wieder sehenlassen. Gottogottogott. Für wen halten die mich?", dann weiß man nach einem Boßeltag: Du bist nicht allein.
Auch die anderen Mannschaften hatten mit Ausfällen zu kämpfen. Am Ende sind doch alle gleich. Und wir haben die goldene Schnecke gewonnen für die schlechteste Mannschaft des Tages. Wenn das kein Erfolg ist!
Wenn ich da jetzt so recht drüber nachdenke...gibts hier noch was zu essen? Ich hab Hunger.
Donnerstag, Februar 01, 2007
Komplimente
Sind doch etwas schönes. Mal so grundsätzlich. Jeder Mensch freut sich, wenn man etwas Nettes über ihn sagt. Wenn man wie ich in einer Bank arbeitet, in welcher die Vaselinetube von vielen Mitarbeitern stets im Anschlag getragen wird, ist einem das Gekomplimente jedoch etwas verlieden. Nie kann man sich sicher sein, ob es jetzt ernst gemeint ist oder nur gut auswendig gelernte Technik. "Du mußt etwas Nettes sagen, los!".
Wie seinerzeit in der phantastischen Folge von "Traumhochzeit", als die Braut in einer originalen Scheußlichkeit am Ende der Show die Treppe hinunterstakte, die Kamera auf das fassungslose Gesicht von Linda de Mol schwenkte, in dem es angestrengt arbeitete, mit dem Ergebnis, daß diese schließlich sagte: "Oh.....du hast soo scheeune Schuhe an".
Hier denkt man doch: lieber einmal mehr den Mund halten. Hier wäre weniger mehr gewesen. Ein lächelndes Ekelgesicht mit einem langgezogenen "mmmmmhhhh", perfektioniert von Biolek, wenn er das von den Gästen gekochte Essen nur unter Zwang runterwürgen konnte, läßt sämtliche Interpretationen offen und niemand muß lügen.
Einen schalen Nachgeschmack hinterlassen auch Standardkomplimente. "Ach, sie sind Mutter und Tochter? Ich dachte, sie wären Geschwister". Würg. Wer glaubt denn sowas? Oder bin ich wirklich nur zu abgestumpft?
Es gibt einen Unterschied zwischen ehrlichen herzlichen Komplimenten, die um ihrer Selbst willen in der aktuellen Situation gesagt werden mit dem einzigen Zweck auszudrücken, was man grade empfindet. Diese Komplimente wärmen das Herz, lassen die Sonne aufgehen und einen großen Sack Freude auf einen plumpsen. Und es gibt die Komplimente, die einzig auf ein Ziel hinarbeiten. Das kann alles mögliche sein. Pimpern, Wähler gewinnen, einen Abschluß machen, Arbeit delegieren, sich in ein positives Licht rücken. Alles mögliche. Eigennutz. Technik. Eigentlich kein Kompliment. Schaler Nachgeschmack mit dem diffusen Gefühl, über den Tisch gezogen worden sein.
Ach, egal. Sie sehen heute aber wieder bezaubernd aus, lieber Leser. Ganz entzückend. Bringen Sie meine Pfandflaschen zum Getränkemarkt?
Wie seinerzeit in der phantastischen Folge von "Traumhochzeit", als die Braut in einer originalen Scheußlichkeit am Ende der Show die Treppe hinunterstakte, die Kamera auf das fassungslose Gesicht von Linda de Mol schwenkte, in dem es angestrengt arbeitete, mit dem Ergebnis, daß diese schließlich sagte: "Oh.....du hast soo scheeune Schuhe an".
Hier denkt man doch: lieber einmal mehr den Mund halten. Hier wäre weniger mehr gewesen. Ein lächelndes Ekelgesicht mit einem langgezogenen "mmmmmhhhh", perfektioniert von Biolek, wenn er das von den Gästen gekochte Essen nur unter Zwang runterwürgen konnte, läßt sämtliche Interpretationen offen und niemand muß lügen.
Einen schalen Nachgeschmack hinterlassen auch Standardkomplimente. "Ach, sie sind Mutter und Tochter? Ich dachte, sie wären Geschwister". Würg. Wer glaubt denn sowas? Oder bin ich wirklich nur zu abgestumpft?
Es gibt einen Unterschied zwischen ehrlichen herzlichen Komplimenten, die um ihrer Selbst willen in der aktuellen Situation gesagt werden mit dem einzigen Zweck auszudrücken, was man grade empfindet. Diese Komplimente wärmen das Herz, lassen die Sonne aufgehen und einen großen Sack Freude auf einen plumpsen. Und es gibt die Komplimente, die einzig auf ein Ziel hinarbeiten. Das kann alles mögliche sein. Pimpern, Wähler gewinnen, einen Abschluß machen, Arbeit delegieren, sich in ein positives Licht rücken. Alles mögliche. Eigennutz. Technik. Eigentlich kein Kompliment. Schaler Nachgeschmack mit dem diffusen Gefühl, über den Tisch gezogen worden sein.
Ach, egal. Sie sehen heute aber wieder bezaubernd aus, lieber Leser. Ganz entzückend. Bringen Sie meine Pfandflaschen zum Getränkemarkt?
Dienstag, Januar 30, 2007
Nono
Dieser Tage ist mit Hypochondern nicht gut Kirschen essen. Derzeit berichten sie mit angstvollem Blick von dem neuen Grippe-Virus "Nono". Eine Tote gibt es schon. Stand groß auf der Titelseite der Hamburger Morgenpost. "Nono" dachte ich, das ist ja ein süßer Name für einen Virus. "Oh shit. No! Es hat mich erwischt. Nonono."
Ganz ganz aggressiv soll er sein der Virus. Es steht eine Epedemie ins Land. Das Robert-Koch-Institut wiegt bedenklich das Haupt und warnt. Laßt uns doch ruhig noch ein wenig Panik machen, nachdem die Panik mit dem Sturm - zumindest hier in Norddeutschland - nicht so fruchtete. Panik macht Spaß.
Nachdem ich, so weit von Kollegen angefüttert, gestern am Büro meines Chefchefs vorbeiwanderte, wußte ich, daß ich reagieren müßte. Seiner angesichtig wollte ich sofort die Nationalgarde, sofern unser Land überhaupt so etwas besitzt, wahrscheinlich heißt das hier langweilig "Bundeswehr" oder "Zollpolizei" oder so, aktivieren und aus unserer Abteilung eine Quarantänestation machen lassen. Er sah aus, als wäre ihm das Gesicht explodiert. Oder - netter ausgedrückt - sehr norddeutsch. Eine Nase wie ein Leuchtturm, Augen wie ein Seehund und diffuse rote Flecken im gesamten Gesicht.
Und ich mußte da rein. Zum Glück hatte ich noch genügend Zeit, mir einen dicken Schal ums Gesicht zu wickeln, eine Flasche Sterilium zu holen und Handschuhe anzuziehen. Dann nahm ich mir den Kugelschreiber einer Kollegin, damit er meinen nicht anfassen muß und seine Viren darauf verteilt und trat in die Höhle des Löwen. Ich war auf der sicheren Seite.
Handschuhe sind übrigens sehr sehr wichtig. Wie ich letztens irgendwo las, dürfe man sich im Krankheitsfalle durchaus abküssen, daß es nur so eine Freude ist, ein ordinärer Händedruck wäre aber höchst infektiös. Nun habe ich wenig Interesse daran, meinen Chefchef abzuküssen, was ich auch gleich deutlich zum Ausdruck brachte, nachdem ich ihm meinen Händedruck verwehrte. Eigentlich gibt es wirklich nicht sehr viele Menschen, die ich in ihre Schnottergesicher küssen möchte. Bei Geschnotter bin ich sogar so mutig zu sagen, daß ich dann auch ungern diejenigen küssen möchte, bei denen der Gedanke an Küsse normalerweise eher wohlige Gefühle auslöst. Nono.
Das muß man sich mal vorstellen. Durch das Geknutsche verwehrt man dem Kranken die Atmung durch den Mund und darf sich dann mit den entstehenden Rotzblasen aus der Nase auseinandersetzen. Nonononono.
Da ich Hypochonderinformationen immer noch einmal gerne nachprüfe, nicht aus Bosheit, sondern einfach aus Interesse, suchte ich natürlich nach weiteren Informationen über den Virus. Nix. Es gibt keinen Nono-Virus. Häh? Ach, Noro. Das ist ja blöd. Noro macht lange nicht so viel Spaß wie Nono. Und dann ist das auch noch ein Magen-Darm-Virus. Das hat doch nichts mit Nase zu tun. Oder?
Doch. Zwar sieht sie nicht aus wie ein Leuchtturm, das ist Erkältungen und Grippe vorbehalten, aber gerade bei einer Magen-Darm-Grippe ist ein Tipp kaum in Gold aufzuwiegen: Nichts essen, was nicht durch die Nase passt. Ein Tipp für Praktiker von Praktikern.
Und immer schön viel trinken.
Ganz ganz aggressiv soll er sein der Virus. Es steht eine Epedemie ins Land. Das Robert-Koch-Institut wiegt bedenklich das Haupt und warnt. Laßt uns doch ruhig noch ein wenig Panik machen, nachdem die Panik mit dem Sturm - zumindest hier in Norddeutschland - nicht so fruchtete. Panik macht Spaß.
Nachdem ich, so weit von Kollegen angefüttert, gestern am Büro meines Chefchefs vorbeiwanderte, wußte ich, daß ich reagieren müßte. Seiner angesichtig wollte ich sofort die Nationalgarde, sofern unser Land überhaupt so etwas besitzt, wahrscheinlich heißt das hier langweilig "Bundeswehr" oder "Zollpolizei" oder so, aktivieren und aus unserer Abteilung eine Quarantänestation machen lassen. Er sah aus, als wäre ihm das Gesicht explodiert. Oder - netter ausgedrückt - sehr norddeutsch. Eine Nase wie ein Leuchtturm, Augen wie ein Seehund und diffuse rote Flecken im gesamten Gesicht.
Und ich mußte da rein. Zum Glück hatte ich noch genügend Zeit, mir einen dicken Schal ums Gesicht zu wickeln, eine Flasche Sterilium zu holen und Handschuhe anzuziehen. Dann nahm ich mir den Kugelschreiber einer Kollegin, damit er meinen nicht anfassen muß und seine Viren darauf verteilt und trat in die Höhle des Löwen. Ich war auf der sicheren Seite.
Handschuhe sind übrigens sehr sehr wichtig. Wie ich letztens irgendwo las, dürfe man sich im Krankheitsfalle durchaus abküssen, daß es nur so eine Freude ist, ein ordinärer Händedruck wäre aber höchst infektiös. Nun habe ich wenig Interesse daran, meinen Chefchef abzuküssen, was ich auch gleich deutlich zum Ausdruck brachte, nachdem ich ihm meinen Händedruck verwehrte. Eigentlich gibt es wirklich nicht sehr viele Menschen, die ich in ihre Schnottergesicher küssen möchte. Bei Geschnotter bin ich sogar so mutig zu sagen, daß ich dann auch ungern diejenigen küssen möchte, bei denen der Gedanke an Küsse normalerweise eher wohlige Gefühle auslöst. Nono.
Das muß man sich mal vorstellen. Durch das Geknutsche verwehrt man dem Kranken die Atmung durch den Mund und darf sich dann mit den entstehenden Rotzblasen aus der Nase auseinandersetzen. Nonononono.
Da ich Hypochonderinformationen immer noch einmal gerne nachprüfe, nicht aus Bosheit, sondern einfach aus Interesse, suchte ich natürlich nach weiteren Informationen über den Virus. Nix. Es gibt keinen Nono-Virus. Häh? Ach, Noro. Das ist ja blöd. Noro macht lange nicht so viel Spaß wie Nono. Und dann ist das auch noch ein Magen-Darm-Virus. Das hat doch nichts mit Nase zu tun. Oder?
Doch. Zwar sieht sie nicht aus wie ein Leuchtturm, das ist Erkältungen und Grippe vorbehalten, aber gerade bei einer Magen-Darm-Grippe ist ein Tipp kaum in Gold aufzuwiegen: Nichts essen, was nicht durch die Nase passt. Ein Tipp für Praktiker von Praktikern.
Und immer schön viel trinken.
Freitag, Januar 26, 2007
Mein-ung?
Das Leben könnte so einfach sein, wenn man einfach ein wenig blöder wäre. Das ist ein Gedanke, der mich schon recht lange verfolgt. Nicht, daß ich mich für einen intellektuellen Überflieger halte, aber die Weisheit mit Löffeln gefressen, das hab ich wohl. Mit allen Nebenwirkungen die dranhängen. Klugscheißen zum Beispiel.
Nachdem ich jahrelang als eifriges Informationssammelchen unterwegs war, komme ich langsam zur Erkenntnis, daß es Dinge gibt, die ich eigentlich nicht wissen will. Angefangen hat diese Gedankenschleife damals, als zum ersten Mal in einer Daily Soap junge Frauen beim Gebären gefilmt wurden. Ich hockte fasziniert und angewidert zugleich vor der Kiste und beobachtete, wie sich eine Neunzehnjährige am Ende ihrer Kräfte neunzehn Stunden lang durch die Wehen schrie.
Danke, dachte ich. Damit hat sich das Thema Geburt für mich wohl erledigt. Ich bin doch nicht bescheuert. Wenn ich tatsächlich irgendwann meiner evolutionären Pflicht nachkomme, wird das rausgeschnitten. Basta. Hätte ich den Film nicht gesehen, würde ich wahrscheinlich irgendwann meinen feuchten Blick in die Ferne schweifen lassen und verkünden, eine Geburt wäre die schönste Erfahrung für eine Frau. So intensiv. So weiblich, so göttlich.
Ich habs gesehen. Wenn göttlich wirklich bedeutet, sich die Seele aus dem Hals zu brüllen, kann ich da locker drauf verzichten.
Aber das, nämlich Dinge, die man so genau gar nicht wissen will, ist nur eine Seite des Gedankens. Früher sagte man, jemand erlaube sich den Luxus einer eigenen Meinung. Betonung liegt in diesem Moment für mich auf "eine". Ich habe zu einem Thema durchaus auch schon einmal achtzehn Meinungen. Je nachdem. Zunächst die, die ich auf mich anwende. Aktuell. Morgen kann die schon anders aussehen. Dann fange ich an mit der berühmten Münze zu jonglieren und mir sämtliche Seiten anzugucken, bringe die Tatsache, daß Menschen unterschiedlich sind und Ziele sehr anders aussehen können als meine mit in den Gedanken hinein und komme schlußendlich zu dem Ergebnis, daß ich mir lieber nicht anmaße, eine abschließende Meinung zu bilden. Da halte ich lieber die Klappe. Sonst bin ich morgen mit meinen Ausführungen noch nicht fertig.
Eine meiner neuen Lieblingssendungen findet ihr abends auf dem Sender DMAX. Guckt euch das mal an. "Die Ludolfs". Hier werden vier Herren begleitet, die einen Schrottplatz beackern. Alle zusammen kommen höchstens gemeinsam auf einen IQ, der einem Meter Feldweg entspricht. Wobei einige Pluspunkte an einen Mitstreiter fließen, der, irgendwie die Dustin Hoffman in Rainman, genau weiß, welche Ersatzteile wo liegen. Sein Ordnungssystem sind riesige Haufen Schrott und er weiß genau, was sich in diesen Haufen befindet. Ansonsten kann er sich wahrscheinlich noch nicht einmal selbst die Schuhe binden. Aber das weiß er.
Am faszinierensten für mich sind jedoch die Ansichten und Lebenseinstellungen der Jungs, die mir das Herz wärmen. "Wenn man stirbt, kommt man im Himmel. Und da trifft man sich wieder mit alle und sieht Mama und Oma wieder und das wird schön. Niemand soll Angst haben vorn Sterben. Da glaub ich ganz fest dran." Ganz einfach, ganz schlicht. Aus der Kindheit bewahrte Geschichten ins Erwachsenenleben gerettet.
Frei von Egoismus machen sich die Jungs Gedanken über die Wünsche ihrer Brüder und sich das Leben gegenseitig schön. "Wenn einer Geburtstag hat, dann muß man das schön machen. Dann backen wir Kuchen und der Tisch muß schön gedeckt sein. Dann freun sich alle und das ist dann wie früher, als unsere Mutter noch lebte. So ist das und so muß das sein."
"Lauter" ist das Wort, was mir dazu einfällt. Neid und Mißgunst gibt das nicht. Alle sind froh, wenn alle froh sind. Ist das nicht schön? Niemand muß sich den Kopf darüber zerbrechen, wie wohl irgendetwas gesagtes gemeint war, weil es genau so gesagt wird wie es gemeint war. Einfach, schlicht, verständlich. Die soziale Kompetenz dieses Schrottplatzhaushaltes ist, was gerade in diesem Umfeld merkwürdig erscheint, zu mehr als 100 % präsent.
Da werd ich neidisch. Wieso ist mein Horizont so weit? Etwas enger gesteckt wäre die Welt vielleicht behaglicher. Kosmopolit im eigenen Heim. Der Zug ist für mich weg. Dafür müsste ich mich einer Lobotomie unterziehen. Wie gestern auf einem Geburtstag mein Großonkel sagte: "Bine, guck dir die Familie an, das liegt uns nicht im Blut." Wenn das Gras auf der anderen Seite des Zaunes grüner ist, dann steigen wir drüber. Und wenn man schon mal über einen Zaun gestiegen ist, ist der nächste kaum noch ein Hindernis. Da macht es auch nichts, wenn man mal auf ner Modderwiese landet. Da geht man eben weiter. Muß ja. Hinterm Horizont gehts weiter.
Eigentlich auch ganz einfach.
Nachdem ich jahrelang als eifriges Informationssammelchen unterwegs war, komme ich langsam zur Erkenntnis, daß es Dinge gibt, die ich eigentlich nicht wissen will. Angefangen hat diese Gedankenschleife damals, als zum ersten Mal in einer Daily Soap junge Frauen beim Gebären gefilmt wurden. Ich hockte fasziniert und angewidert zugleich vor der Kiste und beobachtete, wie sich eine Neunzehnjährige am Ende ihrer Kräfte neunzehn Stunden lang durch die Wehen schrie.
Danke, dachte ich. Damit hat sich das Thema Geburt für mich wohl erledigt. Ich bin doch nicht bescheuert. Wenn ich tatsächlich irgendwann meiner evolutionären Pflicht nachkomme, wird das rausgeschnitten. Basta. Hätte ich den Film nicht gesehen, würde ich wahrscheinlich irgendwann meinen feuchten Blick in die Ferne schweifen lassen und verkünden, eine Geburt wäre die schönste Erfahrung für eine Frau. So intensiv. So weiblich, so göttlich.
Ich habs gesehen. Wenn göttlich wirklich bedeutet, sich die Seele aus dem Hals zu brüllen, kann ich da locker drauf verzichten.
Aber das, nämlich Dinge, die man so genau gar nicht wissen will, ist nur eine Seite des Gedankens. Früher sagte man, jemand erlaube sich den Luxus einer eigenen Meinung. Betonung liegt in diesem Moment für mich auf "eine". Ich habe zu einem Thema durchaus auch schon einmal achtzehn Meinungen. Je nachdem. Zunächst die, die ich auf mich anwende. Aktuell. Morgen kann die schon anders aussehen. Dann fange ich an mit der berühmten Münze zu jonglieren und mir sämtliche Seiten anzugucken, bringe die Tatsache, daß Menschen unterschiedlich sind und Ziele sehr anders aussehen können als meine mit in den Gedanken hinein und komme schlußendlich zu dem Ergebnis, daß ich mir lieber nicht anmaße, eine abschließende Meinung zu bilden. Da halte ich lieber die Klappe. Sonst bin ich morgen mit meinen Ausführungen noch nicht fertig.
Eine meiner neuen Lieblingssendungen findet ihr abends auf dem Sender DMAX. Guckt euch das mal an. "Die Ludolfs". Hier werden vier Herren begleitet, die einen Schrottplatz beackern. Alle zusammen kommen höchstens gemeinsam auf einen IQ, der einem Meter Feldweg entspricht. Wobei einige Pluspunkte an einen Mitstreiter fließen, der, irgendwie die Dustin Hoffman in Rainman, genau weiß, welche Ersatzteile wo liegen. Sein Ordnungssystem sind riesige Haufen Schrott und er weiß genau, was sich in diesen Haufen befindet. Ansonsten kann er sich wahrscheinlich noch nicht einmal selbst die Schuhe binden. Aber das weiß er.
Am faszinierensten für mich sind jedoch die Ansichten und Lebenseinstellungen der Jungs, die mir das Herz wärmen. "Wenn man stirbt, kommt man im Himmel. Und da trifft man sich wieder mit alle und sieht Mama und Oma wieder und das wird schön. Niemand soll Angst haben vorn Sterben. Da glaub ich ganz fest dran." Ganz einfach, ganz schlicht. Aus der Kindheit bewahrte Geschichten ins Erwachsenenleben gerettet.
Frei von Egoismus machen sich die Jungs Gedanken über die Wünsche ihrer Brüder und sich das Leben gegenseitig schön. "Wenn einer Geburtstag hat, dann muß man das schön machen. Dann backen wir Kuchen und der Tisch muß schön gedeckt sein. Dann freun sich alle und das ist dann wie früher, als unsere Mutter noch lebte. So ist das und so muß das sein."
"Lauter" ist das Wort, was mir dazu einfällt. Neid und Mißgunst gibt das nicht. Alle sind froh, wenn alle froh sind. Ist das nicht schön? Niemand muß sich den Kopf darüber zerbrechen, wie wohl irgendetwas gesagtes gemeint war, weil es genau so gesagt wird wie es gemeint war. Einfach, schlicht, verständlich. Die soziale Kompetenz dieses Schrottplatzhaushaltes ist, was gerade in diesem Umfeld merkwürdig erscheint, zu mehr als 100 % präsent.
Da werd ich neidisch. Wieso ist mein Horizont so weit? Etwas enger gesteckt wäre die Welt vielleicht behaglicher. Kosmopolit im eigenen Heim. Der Zug ist für mich weg. Dafür müsste ich mich einer Lobotomie unterziehen. Wie gestern auf einem Geburtstag mein Großonkel sagte: "Bine, guck dir die Familie an, das liegt uns nicht im Blut." Wenn das Gras auf der anderen Seite des Zaunes grüner ist, dann steigen wir drüber. Und wenn man schon mal über einen Zaun gestiegen ist, ist der nächste kaum noch ein Hindernis. Da macht es auch nichts, wenn man mal auf ner Modderwiese landet. Da geht man eben weiter. Muß ja. Hinterm Horizont gehts weiter.
Eigentlich auch ganz einfach.
Montag, Januar 22, 2007
Herrjeh
Jetzt lassen sie den Typen, der die Pinguine für Schokolade alberne Tänze aufführen läßt auch noch texen: "die größte technische Innovation, auf die ein Urinstrahl treffen kann".
Au weia.
Zugegebenermaßen habe ich noch nicht in Betracht gezogen, meine kleine neue PC, die seit neuestem aus mir unerfindlichen Gründen den Namen "Dorit" trägt, anzupinkeln. Ich würde in Betracht ziehen, das Space-Shuttle einmal mit meinem Nierchenwasser zu besprenkeln oder derzeit vielleicht meinen Counter, der, ebenfalls sehr technisch innovativ, leider derzeit spackt, aber einen bibliophilen Schwangerschaftstest als größte technische Innovation zu bezeichnen, erscheint mir doch ein wenig weit hergeholt.
Im Gegenteil. Dieser Schwangerschaftstest ist diskriminierend. Wissen wir doch, daß eine gehörige Menge der Bevölkerung weder lesen noch schreiben kann. Oder älter ist. Mir zumindest ist der eine oder andere Mitmensch bekannt, der altersbedingte funktionelle Schwierigkeiten mit dem Gucken hat. Das geht ja heutzutage schon mit dreissig los. Wahrscheinlich eine Folge der Rentendiskussion. Da soll man ja eher weitsichtig sein. Das Unterbewußtsein hört "weitsichtig" und macht das, was es seit Jahrtausenden macht. Evolution dauert. Dieser weitsichtige Mitmensch schaut dann auf ein kleines verschwimmendes Feld, in dem "schwanger" steht und seufzt erleichtert: ah, Schwein gehabt, nur ein Punkt.
Meine Lieblingswerbung, die ernsthaft im Fernsehen läuft, ist allerdings diese.
Das ist fast schöner als die Massagestäbe, die sich die Mannequins damals im Otto-Katalog merkwürdigerweise an die Wange gepresst haben.
Au weia.
Zugegebenermaßen habe ich noch nicht in Betracht gezogen, meine kleine neue PC, die seit neuestem aus mir unerfindlichen Gründen den Namen "Dorit" trägt, anzupinkeln. Ich würde in Betracht ziehen, das Space-Shuttle einmal mit meinem Nierchenwasser zu besprenkeln oder derzeit vielleicht meinen Counter, der, ebenfalls sehr technisch innovativ, leider derzeit spackt, aber einen bibliophilen Schwangerschaftstest als größte technische Innovation zu bezeichnen, erscheint mir doch ein wenig weit hergeholt.
Im Gegenteil. Dieser Schwangerschaftstest ist diskriminierend. Wissen wir doch, daß eine gehörige Menge der Bevölkerung weder lesen noch schreiben kann. Oder älter ist. Mir zumindest ist der eine oder andere Mitmensch bekannt, der altersbedingte funktionelle Schwierigkeiten mit dem Gucken hat. Das geht ja heutzutage schon mit dreissig los. Wahrscheinlich eine Folge der Rentendiskussion. Da soll man ja eher weitsichtig sein. Das Unterbewußtsein hört "weitsichtig" und macht das, was es seit Jahrtausenden macht. Evolution dauert. Dieser weitsichtige Mitmensch schaut dann auf ein kleines verschwimmendes Feld, in dem "schwanger" steht und seufzt erleichtert: ah, Schwein gehabt, nur ein Punkt.
Meine Lieblingswerbung, die ernsthaft im Fernsehen läuft, ist allerdings diese.
Das ist fast schöner als die Massagestäbe, die sich die Mannequins damals im Otto-Katalog merkwürdigerweise an die Wange gepresst haben.
Freitag, Januar 19, 2007
Kyrill Alaaf
Ich bin beleidigt. Da wohnt man schon im Norden, was ja eigentlich ein Garant sein sollte für Sturmgetöse und Wasser von allen Seiten, und was ist? Kaum was ist. Kyrill hatte sich in Köln schon ausgetöst als er sich endlich bequemte, ein paar Böen in Hamburg abzuladen.
So viel Aufregung. Für nichts. Aber ich räume ein, daß es ja anders aussah. Zunächst. Dramabilder im Internet, umgestürzte Bäume und die eindringliche Warnung, das Haus nicht mehr zu verlassen. Kinder wurden mittags aus der Schule nach Hause geschickt, obwohl der Sturm erst um sechs kommen sollte. Flüge wurden gestrichen und der Bahnverkehr wurde auch erstmal prophylaktisch eingestellt. Hamburg war vorbereitet. Endlich einmal wieder Katastrophenfeeling. Vorsicht ist besser als Nachwehen.
Auch mein Chef wanderte gegen vier Uhr nachmittags mit besorgtem Gesichtsausdruck durch die Büros, um uns höchstpersönlich mitzuteilen, daß von "ganz oben" die Genehmigung erteilt wurde, vorzeitig nach Hause gehen zu dürfen. Die sind schon toll "da oben". Sowas von fürsorglich. Meine etwas verständnislose Frage, wozu wir bei freier Gleitzeit eine solche Genehmigung benötigten, ob ich die nicht geleisteten Arbeitsstunden dann wieder gutgeschrieben bekommen würde, wurde mit diesem speziellen "immer-müssen-Sie-so-spitzfindig-sein-Blick" quittiert und unkommentiert gelassen.
Zunächst spielte das Wetter allerdings auch mit. Höchstanständig verdunkelte sich gegen Mittag der Himmel und es fiel schon mal ein wenig Wasser vom Himmel. Freudig erregt rannte ich immer wieder zum Fenster um ergebnislos nach überklappenden Schirmen zu fahnden und Menschen zu beobachten, die sich an Laternenpfählen festhalten. Aber nix war. Es war dunkel und es hat geregnet. Nicht sehr ungewöhnlich irgendwie.
Um dann in den vollen Sturmgenuß zu kommen, machte ich gegen sechs Uhr Feierabend und trat erwartungsvoll auf die Straße. "Kommt ihr Teufel der Winde, ich werde trotzen" verkniff ich mir zu rufen, und war kurz versucht, mich auf dem Bahnhof einzufinden um in Zügen zu schlafen und Erbsensuppe zu essen. Es kann mir doch nicht zum Vorwurf gemacht werden, daß ich nach sieben Minuten U-Bahn-Fahrt zu Hause wäre. Ich wollte so gern diese Dynamik, diesen Zusammenhalt in schweren Stunden fühlen, den ich mir so ähnlich vorstellte wie die Stimmung während der Weltmeisterschaft.
Leider antworteten die Teufel der Winde nicht. Ein wenig zaghaft zerpüsterte mir ein laues Lüftchen die Frisur und es regnete noch nicht einmal. Da macht Bahnhof keinen Spaß. Also ging ich nach Hause, kochte was Leckeres mit Erbsen für eine Freundin und mich und ließ den Sturm Sturm sein.
Man kann halt nicht alles haben. Im Gegensatz zu Bob, den ich gestern begeistert im Fernsehen anschmachten konnte, wo er ganz souverän im Quiztaxi ziemlich viel Geld gewann. Sturm UND Kohle. Ein wenig neidisch bin ich ja schon.
So viel Aufregung. Für nichts. Aber ich räume ein, daß es ja anders aussah. Zunächst. Dramabilder im Internet, umgestürzte Bäume und die eindringliche Warnung, das Haus nicht mehr zu verlassen. Kinder wurden mittags aus der Schule nach Hause geschickt, obwohl der Sturm erst um sechs kommen sollte. Flüge wurden gestrichen und der Bahnverkehr wurde auch erstmal prophylaktisch eingestellt. Hamburg war vorbereitet. Endlich einmal wieder Katastrophenfeeling. Vorsicht ist besser als Nachwehen.
Auch mein Chef wanderte gegen vier Uhr nachmittags mit besorgtem Gesichtsausdruck durch die Büros, um uns höchstpersönlich mitzuteilen, daß von "ganz oben" die Genehmigung erteilt wurde, vorzeitig nach Hause gehen zu dürfen. Die sind schon toll "da oben". Sowas von fürsorglich. Meine etwas verständnislose Frage, wozu wir bei freier Gleitzeit eine solche Genehmigung benötigten, ob ich die nicht geleisteten Arbeitsstunden dann wieder gutgeschrieben bekommen würde, wurde mit diesem speziellen "immer-müssen-Sie-so-spitzfindig-sein-Blick" quittiert und unkommentiert gelassen.
Zunächst spielte das Wetter allerdings auch mit. Höchstanständig verdunkelte sich gegen Mittag der Himmel und es fiel schon mal ein wenig Wasser vom Himmel. Freudig erregt rannte ich immer wieder zum Fenster um ergebnislos nach überklappenden Schirmen zu fahnden und Menschen zu beobachten, die sich an Laternenpfählen festhalten. Aber nix war. Es war dunkel und es hat geregnet. Nicht sehr ungewöhnlich irgendwie.
Um dann in den vollen Sturmgenuß zu kommen, machte ich gegen sechs Uhr Feierabend und trat erwartungsvoll auf die Straße. "Kommt ihr Teufel der Winde, ich werde trotzen" verkniff ich mir zu rufen, und war kurz versucht, mich auf dem Bahnhof einzufinden um in Zügen zu schlafen und Erbsensuppe zu essen. Es kann mir doch nicht zum Vorwurf gemacht werden, daß ich nach sieben Minuten U-Bahn-Fahrt zu Hause wäre. Ich wollte so gern diese Dynamik, diesen Zusammenhalt in schweren Stunden fühlen, den ich mir so ähnlich vorstellte wie die Stimmung während der Weltmeisterschaft.
Leider antworteten die Teufel der Winde nicht. Ein wenig zaghaft zerpüsterte mir ein laues Lüftchen die Frisur und es regnete noch nicht einmal. Da macht Bahnhof keinen Spaß. Also ging ich nach Hause, kochte was Leckeres mit Erbsen für eine Freundin und mich und ließ den Sturm Sturm sein.
Man kann halt nicht alles haben. Im Gegensatz zu Bob, den ich gestern begeistert im Fernsehen anschmachten konnte, wo er ganz souverän im Quiztaxi ziemlich viel Geld gewann. Sturm UND Kohle. Ein wenig neidisch bin ich ja schon.
Montag, Januar 15, 2007
Kinotipp?
Es gibt gute Filme. Es gibt so lala-Filme, es gibt schlechte Filme und es gibt uuuuunglaublich schlechte Filme. Es gibt schlechte Filme, von denen man genau das erwartet und genau deswegen guckt und viel Spaß hat und es gibt schlechte Filme, wo man im Kino überlegt, daß man auch eigentlich gerne den Abend zu Hause mit einem guten Buch verbracht hätte.
Meine Hitliste der schlechten Filme die Spaß machen, wird seit langen Jahren angeführt von dem Klassiker "Das Ding aus dem Sumpf". Mein Glück kennt schier keine Grenzen wenn ich des Nachts nach ausgiebiger Feierei nach Hause komme, auf eine letzte Zigarette den Fernseher anschmeiße und zufällig - und das gabs schon zwei Mal - Alec und Käibl dabei begleiten darf, wie sie von Bösewichtern verfolgt durch riesige Sümpfe hetzen, sich trotzdem ständig treffen, in die Arme sinken, "ooooh Alec...ooooo Käibl.." seufzen und dann wieder Fersengeld geben.
Diesem Film haben die Naturmenschen und Esoteren die Anregung entnommen, in den Wald zu gehen und Bäume zu umarmen. Alec wurde nämlich im Laufe des Films immer borkiger. Oh Alec hört man sie leise wispern. Verzage nicht, kleiner Baum. Ich spüre deine Energie. Wundervoll schlechte Maske, wundervoll böse Bösewichter und wundervoll einfache Dialoge. Oh Alec.
Dicht gefolgt ist das Ding aus dem Sumpf von dem Schocker "Starship Troopers", den ich das erste Mal, ebenso zufällig, mit einer Mischung aus Abscheu und Faszination sah. Aufgrund eines Programmfehlers lief der Film direkt zwei Mal hintereinander und ich tat mir die zweite Lage natürlich auch an. Spätpubertierende Kens und Barbies auf der Jagd nach dem Brainbug. Göttlich. Je öfter man den Film sieht, umso mehr Spaß hat man. Die gesamte amerikanische Klischeegesellschaft wird hier so zauberhaft verarscht, daß ich den Film täglich sehen könnte.
Mehrfachgucken in Verbindung mit viel Humor und eigenen Interpretationen hilft manchmal bei schlechten Filmen. Aber nicht immer.
Immer wieder mit dem Kopf auf die Rückenlehne vom Vordermann schlagen und dabei "neinneinneinneinnein" wimmern, wollte ich in der "Liga der außergewöhnlichen Gentlemen". Brauchte Sean Connery da dringend Geld, oder konnten die Filmemacher ihn mit dreckigen Einzelheiten seines Privatlebens erpressen, in diesem Supergau mitzuspielen?
Bei "Alexander der Große" habe ich kapituliert und bin gegangen. Der Standard von GZSZ auf Großleinwand gebracht. Schlechte Schauspieler, schlechte Dialoge, schlechte Bilder und schlechter Verlauf. Ich habe den Film zwanzig Minuten staunend verfolgt und dann angefangen, mich zu winden. Das ist Folter. Wenn ihr jemanden richtig haßt, schenkt ihm diesen Film.
Und Samstag dann ein neues Highlight. Merwürdigerweise tolle Kritiken, tolle Besetzung und ein Abgrund wie der Grand Canyon in den man dann fällt. "Babel" entspricht exakt einem unmotivierten Fernsehabend im Hause Bine. Wenn ich unlustig auf der Couch hänge und kontinuierlich durch die Kanäle zappe. Ich sehe dann ungefähr vier bis fünf Filme und keinen richtig. Genau das ist Babel.
Oder anders: Sucht euch aus eurem Bücherschrank vier völlig unterschiedliche Bücher raus. Nehmt jeweils zwanzig beliebige Seiten aus der Mitte und tackert diese in beliebiger Reihenfolge zusammen. Dann sucht ihr den kleinsten gemeinsamen Nenner und schreibt wirklich schlechte Überleitungen. Wichtig ist, daß die Enden offengehalten werden und kein Handlungsstrang erklärt wird.
So wie in dem Film: Nymphomane taube Sechzehnjährige Japanerin, Ecstasy, Techno und schrillbunte Bilder, ein marokkanischer Reisebericht über Hirten, eine Studie über Einwanderungsprobleme der USA, ein Buch "Überleben in der Wüste leicht gemacht" und einen Politthriller, aus dem ihr aber nur die Füllabsätze benutzt.
Ihr könnt es aber auch lassen. Hätte Brad Pitt auch besser getan. Und traut keiner Filmkritik die ihr nicht selbst geschrieben habt.
Meine Hitliste der schlechten Filme die Spaß machen, wird seit langen Jahren angeführt von dem Klassiker "Das Ding aus dem Sumpf". Mein Glück kennt schier keine Grenzen wenn ich des Nachts nach ausgiebiger Feierei nach Hause komme, auf eine letzte Zigarette den Fernseher anschmeiße und zufällig - und das gabs schon zwei Mal - Alec und Käibl dabei begleiten darf, wie sie von Bösewichtern verfolgt durch riesige Sümpfe hetzen, sich trotzdem ständig treffen, in die Arme sinken, "ooooh Alec...ooooo Käibl.." seufzen und dann wieder Fersengeld geben.
Diesem Film haben die Naturmenschen und Esoteren die Anregung entnommen, in den Wald zu gehen und Bäume zu umarmen. Alec wurde nämlich im Laufe des Films immer borkiger. Oh Alec hört man sie leise wispern. Verzage nicht, kleiner Baum. Ich spüre deine Energie. Wundervoll schlechte Maske, wundervoll böse Bösewichter und wundervoll einfache Dialoge. Oh Alec.
Dicht gefolgt ist das Ding aus dem Sumpf von dem Schocker "Starship Troopers", den ich das erste Mal, ebenso zufällig, mit einer Mischung aus Abscheu und Faszination sah. Aufgrund eines Programmfehlers lief der Film direkt zwei Mal hintereinander und ich tat mir die zweite Lage natürlich auch an. Spätpubertierende Kens und Barbies auf der Jagd nach dem Brainbug. Göttlich. Je öfter man den Film sieht, umso mehr Spaß hat man. Die gesamte amerikanische Klischeegesellschaft wird hier so zauberhaft verarscht, daß ich den Film täglich sehen könnte.
Mehrfachgucken in Verbindung mit viel Humor und eigenen Interpretationen hilft manchmal bei schlechten Filmen. Aber nicht immer.
Immer wieder mit dem Kopf auf die Rückenlehne vom Vordermann schlagen und dabei "neinneinneinneinnein" wimmern, wollte ich in der "Liga der außergewöhnlichen Gentlemen". Brauchte Sean Connery da dringend Geld, oder konnten die Filmemacher ihn mit dreckigen Einzelheiten seines Privatlebens erpressen, in diesem Supergau mitzuspielen?
Bei "Alexander der Große" habe ich kapituliert und bin gegangen. Der Standard von GZSZ auf Großleinwand gebracht. Schlechte Schauspieler, schlechte Dialoge, schlechte Bilder und schlechter Verlauf. Ich habe den Film zwanzig Minuten staunend verfolgt und dann angefangen, mich zu winden. Das ist Folter. Wenn ihr jemanden richtig haßt, schenkt ihm diesen Film.
Und Samstag dann ein neues Highlight. Merwürdigerweise tolle Kritiken, tolle Besetzung und ein Abgrund wie der Grand Canyon in den man dann fällt. "Babel" entspricht exakt einem unmotivierten Fernsehabend im Hause Bine. Wenn ich unlustig auf der Couch hänge und kontinuierlich durch die Kanäle zappe. Ich sehe dann ungefähr vier bis fünf Filme und keinen richtig. Genau das ist Babel.
Oder anders: Sucht euch aus eurem Bücherschrank vier völlig unterschiedliche Bücher raus. Nehmt jeweils zwanzig beliebige Seiten aus der Mitte und tackert diese in beliebiger Reihenfolge zusammen. Dann sucht ihr den kleinsten gemeinsamen Nenner und schreibt wirklich schlechte Überleitungen. Wichtig ist, daß die Enden offengehalten werden und kein Handlungsstrang erklärt wird.
So wie in dem Film: Nymphomane taube Sechzehnjährige Japanerin, Ecstasy, Techno und schrillbunte Bilder, ein marokkanischer Reisebericht über Hirten, eine Studie über Einwanderungsprobleme der USA, ein Buch "Überleben in der Wüste leicht gemacht" und einen Politthriller, aus dem ihr aber nur die Füllabsätze benutzt.
Ihr könnt es aber auch lassen. Hätte Brad Pitt auch besser getan. Und traut keiner Filmkritik die ihr nicht selbst geschrieben habt.
Donnerstag, Januar 11, 2007
Nomen est omen
Endlich haben Franzi Almsick und Opa Harder es geschafft. Inoffiziell, weil Franzi ja nie bestätigte, schwanger zu sein. War ja auch gar nicht auffällig. Ihr war doch nur der Airbag aufgegangen. Naja gut. Aus diesem merkwürdigen Geschwür an ihrer Vorderseite kam jetzt doch ein Kind. Don Hugo. Ein echtes Promikind. Gestern noch ein Gerücht und heute schon ein beknackter Vorname. Klingt irgendwie ein wenig wie Donna Waltraut. Oder Ibn Ben Hermann.
Ich vermute hier ja einen kulturellen Hintergrund. Wer viel Sport macht, kommt nicht so zum Lesen. Wer nicht viel zum Lesen kommt, verbringt seine Zeit mit einfacher Lektüre. Vorzugsweise Comicheftchen. Und wen finden wir da? Traraaaa: Don Hugo Rosa. Peinlicher Name, großer Mann, dem wir die Existenz von Dagobert Duck zu verdanken haben.
Somit wäre das Rätsel gelüftet. Glaube ich. Durchaus denkbar wäre natürlich auch der von meiner Lieblingssatireseite präferierte Idee, daß hier das Kind nicht nach dem Ort der Zeugung benannt wurde, sondern nach seinem Grund.
Doch dieses Kind wird es im Vergleich zu anderen Promikindern eher leicht haben. Klar wird sein Schniepel wohl irgendwann der Dindon sein, wenn er zum Zahnarzt wird, heißt er sicher Dontodent, aber im großen und ganzen wird er mit Glück nicht arg so gehänselt.
Anders zum Bespiel die armen Jungs vom Ochsenknecht. Wilson "Speedy" Gonzales und Jimy "Blue Eye" Muhkuhpfleger. Da möchte man doch gerne selbst noch einmal Kind sein.
Oder die bedauernswerte Emma Tiger Schweiger.
Den lustigsten Fehltritt mit einem Kindernamen erlaubten sich übrigens Dummbatz Cruise und Kati "dümmergehtnimmer" Holmes. Sie nennen ihre Tochter "Suri". Hier zeigt sich mal wieder, daß die Damen und Herren Scheißologen andere Wörterbücher besitzen, als der Rest der Welt. Angeblich ist der Ursprung des Namens persisch oder hebräisch und Bedeutet entweder "Rote Rose" oder "Prinzessin". In Israel oder im Iran hat man von diesem Namen allerdings noch nie etwas gehört.
Nur die Japaner können mit der Buchstabenfolge "Suri" etwas anfangen. Dort bedeutet das nämlich "Taschendieb". Die gute Fee, die ihr diesen Namen in die Wiege gelegt hat, gehört doch ordentlich gebeutelt. Dann doch lieber Dagobert Duck.
Zum Glück bin ich normal. Wenn ich mal eine Tochter habe, nenne ich sie Daisy Eppendorf Milram con Carne. Rufname Jackeline.
Ich vermute hier ja einen kulturellen Hintergrund. Wer viel Sport macht, kommt nicht so zum Lesen. Wer nicht viel zum Lesen kommt, verbringt seine Zeit mit einfacher Lektüre. Vorzugsweise Comicheftchen. Und wen finden wir da? Traraaaa: Don Hugo Rosa. Peinlicher Name, großer Mann, dem wir die Existenz von Dagobert Duck zu verdanken haben.
Somit wäre das Rätsel gelüftet. Glaube ich. Durchaus denkbar wäre natürlich auch der von meiner Lieblingssatireseite präferierte Idee, daß hier das Kind nicht nach dem Ort der Zeugung benannt wurde, sondern nach seinem Grund.
Doch dieses Kind wird es im Vergleich zu anderen Promikindern eher leicht haben. Klar wird sein Schniepel wohl irgendwann der Dindon sein, wenn er zum Zahnarzt wird, heißt er sicher Dontodent, aber im großen und ganzen wird er mit Glück nicht arg so gehänselt.
Anders zum Bespiel die armen Jungs vom Ochsenknecht. Wilson "Speedy" Gonzales und Jimy "Blue Eye" Muhkuhpfleger. Da möchte man doch gerne selbst noch einmal Kind sein.
Oder die bedauernswerte Emma Tiger Schweiger.
Den lustigsten Fehltritt mit einem Kindernamen erlaubten sich übrigens Dummbatz Cruise und Kati "dümmergehtnimmer" Holmes. Sie nennen ihre Tochter "Suri". Hier zeigt sich mal wieder, daß die Damen und Herren Scheißologen andere Wörterbücher besitzen, als der Rest der Welt. Angeblich ist der Ursprung des Namens persisch oder hebräisch und Bedeutet entweder "Rote Rose" oder "Prinzessin". In Israel oder im Iran hat man von diesem Namen allerdings noch nie etwas gehört.
Nur die Japaner können mit der Buchstabenfolge "Suri" etwas anfangen. Dort bedeutet das nämlich "Taschendieb". Die gute Fee, die ihr diesen Namen in die Wiege gelegt hat, gehört doch ordentlich gebeutelt. Dann doch lieber Dagobert Duck.
Zum Glück bin ich normal. Wenn ich mal eine Tochter habe, nenne ich sie Daisy Eppendorf Milram con Carne. Rufname Jackeline.
Montag, Januar 08, 2007
Counter macht Spaß
Ich gebe zu, daß es mir viel Spaß bereitet zu sehen, nach was die Besucher dieses Blogs so gegoogled haben, um schlußendlich hier zu landen. Wie ich schon einmal erwähnte, ist das Hauptsuchwort immer noch ungeschlagen "Frauenbauch". Ein Trend, der im wahren Leben bislang deutlich an mir vorbeigeschlendert ist ohne zu grüßen. Doch ich versuche noch zu verstehen. Vielleicht sollte ich da auch mal nach googlen.
Meine Lieblingssuche vom heutigen Tag war folgende Frage:
"Was tun wenn jemand versehentlich pupst"
Ehrlich, warum auf diese Frage meine Seite bei Google ganz oben stand, ist mir ein Rätsel. Das ist mir übrigens häufig ein Rätsel. Aber gut. Seis drum. Weil ich ein höflicher Mensch bin, will ich in diesem Fall nun gern dafür sorgen, daß der- oder diejenige, die sich mit diesem Problem herumschlägt, Hilfe erfährt, falls er oder sie hier noch einmal landet.
Also, was sollte man tun, wenn jemand versehentlich pupst. Mir fiele auf Anhieb folgendes ein:
Zuallererst: Lachen. Ich könnte zumindest nicht anders. Auf alle Fälle hätte ich sicher einen akuten Anfall von Gesichtslähmung um meine Mundwinkel in einer akzeptablen Horizontale zu halten.
Ferner kann man sein durchlässiges Gegenüber mit beruhigenden Bemerkungen wieder ins Boot holen. Spontan fallen mir folgende Formulierungen ein:
- Oh, ein Frosch
- Laß raus was dich bedrückt
- Du Sau
- Alle Mann in die Boote
- Ist doch alles nur Schall und Rauch
- Erstens Luft, zweitens Duft
- Gebt Freiheit euren Winden
- Du bist Quäker?
Kulturbeflissene, die sich nicht auf Fäkalniveau herablassen wollen, können sich auch in dem reichhaltigen Schatz der Klassiker bedienen. Jede Menge tröstende Worte findet man. Wie diese:
"Das Verhängnis muß geschehen, das Gefürchtete muß nahen."
- Schiller, Kassandra -
"Die Spannung steigt,
der Drang wird groß,
nur still, gebt acht,
gleich drückt er los."
- Busch, Schnurrdiburr -
"Wie wird mir, leichte Wolken heben mich!"
- Schiller, Jungfrau von Orleans -
"Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft"
- Schiller, Tell -
Vielleicht fällt ja der geneigten Leserschar noch die eine oder andere akzeptable Lösung für dieses Problem ein.
Für die anderen hier noch ein paar Highlights aus der heutigen Suchliste:
- Bonbon aus Wurst
- free Pony steifer Finger
- Würgereiz bei Wellensittichen
- Schnee pipi
- Füsse Tante
- Das Geschlechtsteil von Oma
Es lebe das Internet. Bildung und Hilfe in allen Lebenslagen.
Autsch.
Meine Lieblingssuche vom heutigen Tag war folgende Frage:
"Was tun wenn jemand versehentlich pupst"
Ehrlich, warum auf diese Frage meine Seite bei Google ganz oben stand, ist mir ein Rätsel. Das ist mir übrigens häufig ein Rätsel. Aber gut. Seis drum. Weil ich ein höflicher Mensch bin, will ich in diesem Fall nun gern dafür sorgen, daß der- oder diejenige, die sich mit diesem Problem herumschlägt, Hilfe erfährt, falls er oder sie hier noch einmal landet.
Also, was sollte man tun, wenn jemand versehentlich pupst. Mir fiele auf Anhieb folgendes ein:
Zuallererst: Lachen. Ich könnte zumindest nicht anders. Auf alle Fälle hätte ich sicher einen akuten Anfall von Gesichtslähmung um meine Mundwinkel in einer akzeptablen Horizontale zu halten.
Ferner kann man sein durchlässiges Gegenüber mit beruhigenden Bemerkungen wieder ins Boot holen. Spontan fallen mir folgende Formulierungen ein:
- Oh, ein Frosch
- Laß raus was dich bedrückt
- Du Sau
- Alle Mann in die Boote
- Ist doch alles nur Schall und Rauch
- Erstens Luft, zweitens Duft
- Gebt Freiheit euren Winden
- Du bist Quäker?
Kulturbeflissene, die sich nicht auf Fäkalniveau herablassen wollen, können sich auch in dem reichhaltigen Schatz der Klassiker bedienen. Jede Menge tröstende Worte findet man. Wie diese:
"Das Verhängnis muß geschehen, das Gefürchtete muß nahen."
- Schiller, Kassandra -
"Die Spannung steigt,
der Drang wird groß,
nur still, gebt acht,
gleich drückt er los."
- Busch, Schnurrdiburr -
"Wie wird mir, leichte Wolken heben mich!"
- Schiller, Jungfrau von Orleans -
"Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft"
- Schiller, Tell -
Vielleicht fällt ja der geneigten Leserschar noch die eine oder andere akzeptable Lösung für dieses Problem ein.
Für die anderen hier noch ein paar Highlights aus der heutigen Suchliste:
- Bonbon aus Wurst
- free Pony steifer Finger
- Würgereiz bei Wellensittichen
- Schnee pipi
- Füsse Tante
- Das Geschlechtsteil von Oma
Es lebe das Internet. Bildung und Hilfe in allen Lebenslagen.
Autsch.
Samstag, Januar 06, 2007
Ich lache gern - wenns paßt
Wenn der Herr Barth im Fernsehen noch einmal diese blöde Story erzählt, daß jeder Mann schon einmal auf die Brust seiner Freundin gedrückt und dabei gehupt hat, und - echt wahr - ein Freund von ihm mal auf die Brust drückte und dabei sagte "Fräulein, kommen Sie bitte zum Diktat", dann fange ich glaube ich an zu heulen. Wenn zudem auch noch das Fernsehpublikum weiterhin hysterisch lacht, nutze ich mein Recht auf Notwehrkoma.
Haben die Leute das wirklich verpaßt, die letzten drei Millionen Male, als er die Story brachte, oder lachen sie, weil sie den Witz wiedererkennen. So wie in Konzerten, wenn man die ersten drei Zeilen eines hübschen Liedes nie mitbekommt, weil neben einem jemand frenetisch die Patscherchen aneinanderschlägt und beifallsheischend um sich schaut, weil er anhand des Intros erkannt hat, um welchen Song es sich handelt.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß das sich Publikum in diesen Fernsehsendungen ausschließlich aus alltäglichen Fernsehvermeidern zusammensetzt. Und wer diesbezüglich Ersthörer sein möchte, kann sich eigentlich nur damit rausreden, daß das TV kaputt ist oder er nur 3Sat oder Arte guckt. Und die lachen doch eh nie.
Also Herr Barth. Bitte nicht mehr "Fräulein zum Diktat". Du kannst Dir bestimmt auch etwas anderes ausdenken, mit dem du dich die nächsten paar Monate rüberretten kannst. Zur Not gibt es ja auch noch den einen oder anderen Gagschreiber. Die werden dafür bezahlt. Das "wirklich, das ist mir wirklich passiert", kannst du da ja trotzdem hintersetzen. Merkt doch keiner.
Aber nicht nur der Herr Barth fällt diesbezüglich auf. Mittlerweile ist die Fernsehlandschaft durchwirkt von Comedians, Stand up oder nicht, die dazu übergegangen sind, merkwürdige Shows zu moderieren, in die sie sich gegenseitig einladen. Dann werfen sie sich kichernd in der normalen Unterhaltung Teile ihres aktuellen Programms um die Ohren und halten abwechselnd DVD`s, Bücher und CD`s in die Kamera. Wie originell.
Das ist doch etwas ermüdend - oder? Seit der von mir sehr verehrten Anke Engelke wissen wir doch, daß nicht jeder Comedian, der in der Lage ist, eine gute Rolle zu spielen oder sich sein Programm fehlerfrei zu merken, auch geistreich moderieren kann. Muß ja auch nicht. Wirklich nicht. Bleibt doch lieber ernst als auf Krampf schlagfertig sein zu wollen. Oder bei euren Leisten.
Ach so, aber dann seid ihr nicht mehr komisch und die Leute kaufen nicht mehr euer Programm? Kann sein. Ich kaufe aber auch kein Programm, welches ich im Fernsehen schon tausend Mal gesehen habe und daher auswendig kann. Da müßte ich ja noch Geld draufkriegen.
Eine andere bedenkliche Entwicklung ist die Hervorsprießung von schlecht moderierten my-Video.de-Shows. Wenn da wirklich Neues käme oder besonders Originelles. Wär gut. Aber sie zeigen das, was sowieso schon durch sämtliche E-mail-Briefkästen wanderte. Vor fünf Jahren. Und die Moderatorenhühner machen einem den Spaß an der Schadenfreude durch Ooooh-das-muß-jetzt-wirklich-wehgetan-haben-so-möchte-ich-nie-verarscht-werden-
Bemerkungen kaputt.
Wie? Schadenfrohe Leute haben einen schlechten Charakter und keinen Humor?
Schnickschnack.
Haben die Leute das wirklich verpaßt, die letzten drei Millionen Male, als er die Story brachte, oder lachen sie, weil sie den Witz wiedererkennen. So wie in Konzerten, wenn man die ersten drei Zeilen eines hübschen Liedes nie mitbekommt, weil neben einem jemand frenetisch die Patscherchen aneinanderschlägt und beifallsheischend um sich schaut, weil er anhand des Intros erkannt hat, um welchen Song es sich handelt.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß das sich Publikum in diesen Fernsehsendungen ausschließlich aus alltäglichen Fernsehvermeidern zusammensetzt. Und wer diesbezüglich Ersthörer sein möchte, kann sich eigentlich nur damit rausreden, daß das TV kaputt ist oder er nur 3Sat oder Arte guckt. Und die lachen doch eh nie.
Also Herr Barth. Bitte nicht mehr "Fräulein zum Diktat". Du kannst Dir bestimmt auch etwas anderes ausdenken, mit dem du dich die nächsten paar Monate rüberretten kannst. Zur Not gibt es ja auch noch den einen oder anderen Gagschreiber. Die werden dafür bezahlt. Das "wirklich, das ist mir wirklich passiert", kannst du da ja trotzdem hintersetzen. Merkt doch keiner.
Aber nicht nur der Herr Barth fällt diesbezüglich auf. Mittlerweile ist die Fernsehlandschaft durchwirkt von Comedians, Stand up oder nicht, die dazu übergegangen sind, merkwürdige Shows zu moderieren, in die sie sich gegenseitig einladen. Dann werfen sie sich kichernd in der normalen Unterhaltung Teile ihres aktuellen Programms um die Ohren und halten abwechselnd DVD`s, Bücher und CD`s in die Kamera. Wie originell.
Das ist doch etwas ermüdend - oder? Seit der von mir sehr verehrten Anke Engelke wissen wir doch, daß nicht jeder Comedian, der in der Lage ist, eine gute Rolle zu spielen oder sich sein Programm fehlerfrei zu merken, auch geistreich moderieren kann. Muß ja auch nicht. Wirklich nicht. Bleibt doch lieber ernst als auf Krampf schlagfertig sein zu wollen. Oder bei euren Leisten.
Ach so, aber dann seid ihr nicht mehr komisch und die Leute kaufen nicht mehr euer Programm? Kann sein. Ich kaufe aber auch kein Programm, welches ich im Fernsehen schon tausend Mal gesehen habe und daher auswendig kann. Da müßte ich ja noch Geld draufkriegen.
Eine andere bedenkliche Entwicklung ist die Hervorsprießung von schlecht moderierten my-Video.de-Shows. Wenn da wirklich Neues käme oder besonders Originelles. Wär gut. Aber sie zeigen das, was sowieso schon durch sämtliche E-mail-Briefkästen wanderte. Vor fünf Jahren. Und die Moderatorenhühner machen einem den Spaß an der Schadenfreude durch Ooooh-das-muß-jetzt-wirklich-wehgetan-haben-so-möchte-ich-nie-verarscht-werden-
Bemerkungen kaputt.
Wie? Schadenfrohe Leute haben einen schlechten Charakter und keinen Humor?
Schnickschnack.
Mittwoch, Januar 03, 2007
Standpauke?
"Wenn du immer nur abhängst, ist irgendwann Ende der Fahnenstange". Na, das ist ja mal ein Satz, der mir eben beim durchzappen direkt, ohne viertausend Mark und ohne über Los zu gehen, ins Hirn geschossen ist. Sämtliche verbliebenen schlechte-Gewissen-Zellen machten sich grade und formierten sich mit ausgestrecktem Zeigefinger um mein Aktivitätszentrum, welches direkt in sich zusammensackte und schuldbewußt pfeifend in der Hirnschale herumglotzte.
Heh, das hat doch diese blöde Supernanny zu so nem verpickelten Sechszehnjährigen gesagt, der mit tumben Gesichtsausdruck im Sessel hing. Ich gucke an mir runter. Naja, weder sechzehnjährig, noch verpickelt. Gott seis gedankt und getrommelt. Aber das mit dem rumhängen...auch der etwas dümmliche Gesichtsausdruck...gerade jetzt.. und nun überflüssigerweise die zaghafte Frage des Kleinhirns: "Eh, warum hast du eigentlich kein Hobby?" "Wie, kein Hobby? Wozu soll das gut sein?" Na, damit du nicht hier rumhängst. Mach was sinnvolles in deiner Freizeit. Betätige dich im Verein, mach Sport, feste Termine und so. Regelmäßiges Leben. Und wenn du zu Hause bist, dann putze und wiener, damit du für die wenige Zeit, die dir dann noch verbleibt, einen guten Eindruck bei deinen sozialen Kontakten hinterläßt. Sauberkeit ist da hoch angesehen.
Ach, tatsächlich. Ich dachte immer, miteinander verbrachte Zeit wäre höher angesehen. Und guck doch mal. Sooo dreckig ist das hier gar nicht. Sogar den Staub unterm Schreibtisch hat gestern jemand mitgenommen....einmal fängt man an mit Regelmäßigkeiten und zack hat man eine Zwangsneurose....äh
Naja, wenn ich hier schon rumhänge und dummes Zeug wegen der Supernanny denke, kann ich wenigstens etwas machen, was mir Spaß macht, wenn ich schon mal einen Abend alleine und zu Hause bin: Rauchen und ein Glas Wein trinken. Das wären doch eine fabelhafte Antwort: Mein Hobby ist Rauchen. So ohne ist das nicht. Immerhin ist das fast Extremsport. Lebensgefährlich, teuer und stinken tut es auch. Prima Hobby. Super Hobby. Besser als Reitenschwimmenlesen. Oder Serviettentechnik.
"Fernsehen" ist auch ein prima Hobby. Ohne dieses Medium wäre ich ja niemals auf die Idee gekommen, mich für mangelnde Regelmäßigkeit und nicht vermißten Spaß anzuklagen. Jeder der möchte, kann zum Laienrichter werden, zum Psychologen und Berater. Wenn man die Privaten guckt. Um dieses Hobby kulturell aufzuwerten, könnte ich jetzt anfangen zu behaupten, ich würde immer nur 3Sat und Arte gucken. Und natürlich die dritten Programme. Alles andere wäre ja Schund. Aber seien wir doch mal ehrlich, wenn man sein Hobby schon vor sich selbst aufwerten muß, dann kann man das auch gleich bleiben lassen.
3Sat-Gucker waren mir außerdem schon immer suspekt. Das ist wie ständig Diät leben. Irgendwann wachen diese Leute bestimmt nachts auf und stopfen hemmungslos Dauerwerbesendungen und diese Dreiminutenspots Busenrubblerinnen in sich hinein. Wahrscheinlich machen sie auch Nordic Walking. Und Serviettentechnik. Oder - örks - Windowcolours.
Also ihr Synapsen, wenn ich ganz ehrlich bin, ich hänge ich ganz gerne ab, treffe Freunde und mache was mir Spaß macht. Also legt euch wieder hin, zappt noch ein wenig durch den Fernseher, raucht noch ne Zigarette und trinkt ein Glas Wein mehr. Seht ihr? Ist gar nicht so schlimm.
Und die Supernanny gucken wir nie wieder.
Heh, das hat doch diese blöde Supernanny zu so nem verpickelten Sechszehnjährigen gesagt, der mit tumben Gesichtsausdruck im Sessel hing. Ich gucke an mir runter. Naja, weder sechzehnjährig, noch verpickelt. Gott seis gedankt und getrommelt. Aber das mit dem rumhängen...auch der etwas dümmliche Gesichtsausdruck...gerade jetzt.. und nun überflüssigerweise die zaghafte Frage des Kleinhirns: "Eh, warum hast du eigentlich kein Hobby?" "Wie, kein Hobby? Wozu soll das gut sein?" Na, damit du nicht hier rumhängst. Mach was sinnvolles in deiner Freizeit. Betätige dich im Verein, mach Sport, feste Termine und so. Regelmäßiges Leben. Und wenn du zu Hause bist, dann putze und wiener, damit du für die wenige Zeit, die dir dann noch verbleibt, einen guten Eindruck bei deinen sozialen Kontakten hinterläßt. Sauberkeit ist da hoch angesehen.
Ach, tatsächlich. Ich dachte immer, miteinander verbrachte Zeit wäre höher angesehen. Und guck doch mal. Sooo dreckig ist das hier gar nicht. Sogar den Staub unterm Schreibtisch hat gestern jemand mitgenommen....einmal fängt man an mit Regelmäßigkeiten und zack hat man eine Zwangsneurose....äh
Naja, wenn ich hier schon rumhänge und dummes Zeug wegen der Supernanny denke, kann ich wenigstens etwas machen, was mir Spaß macht, wenn ich schon mal einen Abend alleine und zu Hause bin: Rauchen und ein Glas Wein trinken. Das wären doch eine fabelhafte Antwort: Mein Hobby ist Rauchen. So ohne ist das nicht. Immerhin ist das fast Extremsport. Lebensgefährlich, teuer und stinken tut es auch. Prima Hobby. Super Hobby. Besser als Reitenschwimmenlesen. Oder Serviettentechnik.
"Fernsehen" ist auch ein prima Hobby. Ohne dieses Medium wäre ich ja niemals auf die Idee gekommen, mich für mangelnde Regelmäßigkeit und nicht vermißten Spaß anzuklagen. Jeder der möchte, kann zum Laienrichter werden, zum Psychologen und Berater. Wenn man die Privaten guckt. Um dieses Hobby kulturell aufzuwerten, könnte ich jetzt anfangen zu behaupten, ich würde immer nur 3Sat und Arte gucken. Und natürlich die dritten Programme. Alles andere wäre ja Schund. Aber seien wir doch mal ehrlich, wenn man sein Hobby schon vor sich selbst aufwerten muß, dann kann man das auch gleich bleiben lassen.
3Sat-Gucker waren mir außerdem schon immer suspekt. Das ist wie ständig Diät leben. Irgendwann wachen diese Leute bestimmt nachts auf und stopfen hemmungslos Dauerwerbesendungen und diese Dreiminutenspots Busenrubblerinnen in sich hinein. Wahrscheinlich machen sie auch Nordic Walking. Und Serviettentechnik. Oder - örks - Windowcolours.
Also ihr Synapsen, wenn ich ganz ehrlich bin, ich hänge ich ganz gerne ab, treffe Freunde und mache was mir Spaß macht. Also legt euch wieder hin, zappt noch ein wenig durch den Fernseher, raucht noch ne Zigarette und trinkt ein Glas Wein mehr. Seht ihr? Ist gar nicht so schlimm.
Und die Supernanny gucken wir nie wieder.
Tausend Dinge
Denkt euch nur, die Katz ist krank...
Jaja, so wars. Pünktlich zum Jahreswechsel nahm meine neue kleine Computerine eine beleidigte Auszeit. Ich kann das verstehen. Winterdepression, Jahreswechselmiesstimmung, ihr alter Herr und Meister gab sie mirnichtsdirnichts weg, dann mußte sie hier zunächst mit einem vergnatterten alten dicken Monitor arbeiten, der nur an den etwas rauhbeinigen Hein gewöhnt war und, mußte sich an die andere Arbeitsweise einer Frau gewöhnen und ich lasse sie auch noch über die Festtage ganz alleine.
Wäre sie eine Katze, hätte sie bestimmt aufs Sofa gepinkelt. Zum Glück ist sie keine Katze und eher autoaggressiv veranlagt, so daß ich hier nicht mit Sagrotan und Frischluftspray hantieren muß. Aus Trotz schnitzte sie also hier allein ein wenig an ihrer Festplatte und verstreute irgendeine Bitmap in alle Himmelsrichtungen.
Gestern abend haben wir dann operiert. Also, ihr Altvertrauter hat operiert und ich habe ihr dabei zärtlich das Kabel gehalten. Sie hat jetzt eine neue Festplatte, die zwar etwas schnarcht, aber - noch - komplikationslos läuft. Die Lüftung ist grad etwas laut. Aber sie ist ja auch noch rekonvaleszent. Und bestimmt doppelt beleidigt, weil wir sie in dieser Wir-bauen-uns-ein-Atomkraftwerk-Aktion mit Hein kopulieren lassen mußten. Beide standen nackig aufeinander und er pumpte seinen Festplattenstrom in sie rein, weil sie als Mädchen zu wenig Stecker besitzt.
Was habe ich daraus gelernt? Man muß sich intensiv um seine Geräte kümmern, sonst haun sie ab. Wobei mir ein sehr schöner Song von Fanny van Dannen einfällt, den ich euch ans Herz legen möchte:
Verzweifelte Dinge - Funny van Dannen
Johnny war ein Butterkeks,
er glaubte an die Liebe,
doch er wurde aufgegessen –
das tat weh!
Heidi war ein Wohnmobil,
sie wollte in die Berge,
aber ihre Eigentümer
fuhren an die See.
Toni war ein Küchenmesser,
wollte niemand wehtun,
doch er musste schneiden
bis er daran zerbrach.
Helga war ein Telefon,
sie fand Gespräche eklig,
könnt ihr ahnen, wie sie litt,
wenn jemand lange sprach?
Billy war ein Tesafilm,
er wollte nicht mehr kleben,
niemand riß den Zettel ab,
der so an ihm hing.
Renate war ein Kaugummi,
sie hatte Angst vor Zähnen,
sie wurde hart wie Stein,
klar, dass da was kaputt ging.
Die Dinge sind verzweifelt,
das Leben ist nicht fein,
ein Keks kann nicht weinen
und ein Wohnmobil nicht schrei'n.
Die Sachen sagen leise:
»Seid bitte fair,
sonst hau'n wir alle ab,
und euer Leben wird – sehr schwer.«
Tausend Dinge brauchen Liebe.
Tausend Dinge wollen glücklich sein.
Tausend Dinge sagen: »Bitte!
Könnt ihr vielleicht einmal
aufmerksam sein?«
Vielleicht als guten Vorsatz für 2007? In diesem Sinne, allen ein frohes neues Jahr.
So, und jetzt schäme ich mich noch ein wenig für diese Unmengen Staub unter meinem Schreibtisch, durch die Doc Schimi durchrobben mußte. Achtet immer auf saubere Unterwäsche für den Fall eines Unfalls und ein gut gesaugtes Zimmer.
Jaja, so wars. Pünktlich zum Jahreswechsel nahm meine neue kleine Computerine eine beleidigte Auszeit. Ich kann das verstehen. Winterdepression, Jahreswechselmiesstimmung, ihr alter Herr und Meister gab sie mirnichtsdirnichts weg, dann mußte sie hier zunächst mit einem vergnatterten alten dicken Monitor arbeiten, der nur an den etwas rauhbeinigen Hein gewöhnt war und, mußte sich an die andere Arbeitsweise einer Frau gewöhnen und ich lasse sie auch noch über die Festtage ganz alleine.
Wäre sie eine Katze, hätte sie bestimmt aufs Sofa gepinkelt. Zum Glück ist sie keine Katze und eher autoaggressiv veranlagt, so daß ich hier nicht mit Sagrotan und Frischluftspray hantieren muß. Aus Trotz schnitzte sie also hier allein ein wenig an ihrer Festplatte und verstreute irgendeine Bitmap in alle Himmelsrichtungen.
Gestern abend haben wir dann operiert. Also, ihr Altvertrauter hat operiert und ich habe ihr dabei zärtlich das Kabel gehalten. Sie hat jetzt eine neue Festplatte, die zwar etwas schnarcht, aber - noch - komplikationslos läuft. Die Lüftung ist grad etwas laut. Aber sie ist ja auch noch rekonvaleszent. Und bestimmt doppelt beleidigt, weil wir sie in dieser Wir-bauen-uns-ein-Atomkraftwerk-Aktion mit Hein kopulieren lassen mußten. Beide standen nackig aufeinander und er pumpte seinen Festplattenstrom in sie rein, weil sie als Mädchen zu wenig Stecker besitzt.
Was habe ich daraus gelernt? Man muß sich intensiv um seine Geräte kümmern, sonst haun sie ab. Wobei mir ein sehr schöner Song von Fanny van Dannen einfällt, den ich euch ans Herz legen möchte:
Verzweifelte Dinge - Funny van Dannen
Johnny war ein Butterkeks,
er glaubte an die Liebe,
doch er wurde aufgegessen –
das tat weh!
Heidi war ein Wohnmobil,
sie wollte in die Berge,
aber ihre Eigentümer
fuhren an die See.
Toni war ein Küchenmesser,
wollte niemand wehtun,
doch er musste schneiden
bis er daran zerbrach.
Helga war ein Telefon,
sie fand Gespräche eklig,
könnt ihr ahnen, wie sie litt,
wenn jemand lange sprach?
Billy war ein Tesafilm,
er wollte nicht mehr kleben,
niemand riß den Zettel ab,
der so an ihm hing.
Renate war ein Kaugummi,
sie hatte Angst vor Zähnen,
sie wurde hart wie Stein,
klar, dass da was kaputt ging.
Die Dinge sind verzweifelt,
das Leben ist nicht fein,
ein Keks kann nicht weinen
und ein Wohnmobil nicht schrei'n.
Die Sachen sagen leise:
»Seid bitte fair,
sonst hau'n wir alle ab,
und euer Leben wird – sehr schwer.«
Tausend Dinge brauchen Liebe.
Tausend Dinge wollen glücklich sein.
Tausend Dinge sagen: »Bitte!
Könnt ihr vielleicht einmal
aufmerksam sein?«
Vielleicht als guten Vorsatz für 2007? In diesem Sinne, allen ein frohes neues Jahr.
So, und jetzt schäme ich mich noch ein wenig für diese Unmengen Staub unter meinem Schreibtisch, durch die Doc Schimi durchrobben mußte. Achtet immer auf saubere Unterwäsche für den Fall eines Unfalls und ein gut gesaugtes Zimmer.
Donnerstag, Dezember 28, 2006
Winterwonderland
Bei frühlingshaften Temperaturen Glühwein trinken, das war meine Vorweihnachtszeit. Abwechselnd zu dick oder zu dünn angezogen schwitzen oder frieren. Die Jahreszeit schrie nach Rollkragenwollpulli und das Wetter bat um Blüschen. Ich hatte stets den gefüllten Taschenofen im Anschlag, um doch nur wieder das Feuerzeugbenzin verdunsten zu lassen. Ein Dezember wie ein Frühling. Gewöhnungsbedürftig? Nicht unbedingt. Unschlüssigkeit ist mir nicht ganz fremd. Ich versteh das Wetter. Und wenn ich ehrlich bin, hab ichs ganz gern warm. Kühl bin ich selbst genug. Eigentlich ist es mir echt schnurz, obs im Dezember schneit oder nicht.
Es ist etwas ermüdend, immer wieder von allen Seiten darauf hingewiesen zu werden, daß es noch nie so warm war wie in diesem Dezember. Was im übrigen nicht ganz richtig ist. Ich erinnere mich dunkel, daß es im August deutlich wärmer war. Mit diesen Bemerkungen haushalte ich allerdings sehr sparsam. Es gibt originellere Möglichkeiten, in entgeisterte Gesichter zu blicken.
Doch heut war es so weit. Es hat geschneit. Und trotz aller Wetteregalheit fühlte ich mich heute morgen, als ich mit dem Kaffeebecher ins Wohnzimmer schlurfte und mit einem mal mit großen Augen das ebenso große weiße Geriesel sah, wie Pippi Langstrumpf und Michel von Lönneberga zusammen. Raus auf den Balkon, Mund auf und Flocken fangen. Eklig? Neinnein, das ist ungefährlich. Gelber Schnee kommt selten von oben. Hoffe ich.
Ich habe mir den Tag dick im Kalender angestrichen. Nur für den Fall, daß im nächsten Jahr jemand behauptet, daß es im Jahr 2006 keinen Winter gegeben hat. Klugscheißen macht Spaß.
Mit Pipi, nein, nicht dem gelben Schnee, dem Lindgren-Terminator, und Michel habe ich mich übrigens über die Weihnachtsfeiertage amüsiert. So ist das. Tausend tolle Filme laufen und was guck ich? Pipi, Michel, Heidi und Stuart Little. Wenn man sich ein Mal im Jahr wieder in die alte Rolle als Kind im Familienkreis begibt, dann hat das originelle Auswirkungen.
Um mir das Daumenlutschen wieder abzutrainieren und mich langsam wieder auf mein wahres Alter und meinen Job in der Bank vorzubereiten, bin ich am zweiten Feiertag ganz ganz lange aufgeblieben. Und einen Krimi hab ich auch geguckt. Ich habe mich nicht hinterm Sofa versteckt und auch nicht den Ton weggedreht als es spannend wurde. Was allerdings nur daran liegt, daß der Papagei die ganzen Tasten auf der Fernbedienung abgefressen hat und ich daher nicht weiß, wo ich drücken soll. Aber ich habe die Spannung ausgehalten. Jawohl. Und ich hatte keine Alpträume danach.
Erwachsen sein hat auch Vorteile.
Und ich habe jetzt einen Flachbildschirm. Die Technisierung im Hause Bine ist nicht aufzuhalten. Ich habe jetzt sogar einen Luxus-Frühstücksbereiter. Damit kann man gleichzeitig Brot toasten, Kaffee kochen und Spiegelei braten. Gut. Ich frühstücke nie. Aber wenn, könnte ich alles auf einmal machen. Das ist doch wundervoll. Oder?
Nicht sehr technisch, aber ein Grund, jede Menge gelben Schnee oder schlimmer zu produzieren, ist ein weiteres Geschenk. Ich habe auch noch einen Fallschirmsprung in der Schweiz. Ausm Hubschrauber. Im Januar bekomme ich den Termin. Ich werde früh genug Bescheid sagen, damit ihr lieben Leser in unserem sympathischen Nachbarland wißt, an welchem Tag ihr besser nicht ungeschützt auf die Straße geht.
Den Schnee, der dann von oben kommt, solltet ihr ausnahmsweise auch nicht essen.
Es ist etwas ermüdend, immer wieder von allen Seiten darauf hingewiesen zu werden, daß es noch nie so warm war wie in diesem Dezember. Was im übrigen nicht ganz richtig ist. Ich erinnere mich dunkel, daß es im August deutlich wärmer war. Mit diesen Bemerkungen haushalte ich allerdings sehr sparsam. Es gibt originellere Möglichkeiten, in entgeisterte Gesichter zu blicken.
Doch heut war es so weit. Es hat geschneit. Und trotz aller Wetteregalheit fühlte ich mich heute morgen, als ich mit dem Kaffeebecher ins Wohnzimmer schlurfte und mit einem mal mit großen Augen das ebenso große weiße Geriesel sah, wie Pippi Langstrumpf und Michel von Lönneberga zusammen. Raus auf den Balkon, Mund auf und Flocken fangen. Eklig? Neinnein, das ist ungefährlich. Gelber Schnee kommt selten von oben. Hoffe ich.
Ich habe mir den Tag dick im Kalender angestrichen. Nur für den Fall, daß im nächsten Jahr jemand behauptet, daß es im Jahr 2006 keinen Winter gegeben hat. Klugscheißen macht Spaß.
Mit Pipi, nein, nicht dem gelben Schnee, dem Lindgren-Terminator, und Michel habe ich mich übrigens über die Weihnachtsfeiertage amüsiert. So ist das. Tausend tolle Filme laufen und was guck ich? Pipi, Michel, Heidi und Stuart Little. Wenn man sich ein Mal im Jahr wieder in die alte Rolle als Kind im Familienkreis begibt, dann hat das originelle Auswirkungen.
Um mir das Daumenlutschen wieder abzutrainieren und mich langsam wieder auf mein wahres Alter und meinen Job in der Bank vorzubereiten, bin ich am zweiten Feiertag ganz ganz lange aufgeblieben. Und einen Krimi hab ich auch geguckt. Ich habe mich nicht hinterm Sofa versteckt und auch nicht den Ton weggedreht als es spannend wurde. Was allerdings nur daran liegt, daß der Papagei die ganzen Tasten auf der Fernbedienung abgefressen hat und ich daher nicht weiß, wo ich drücken soll. Aber ich habe die Spannung ausgehalten. Jawohl. Und ich hatte keine Alpträume danach.
Erwachsen sein hat auch Vorteile.
Und ich habe jetzt einen Flachbildschirm. Die Technisierung im Hause Bine ist nicht aufzuhalten. Ich habe jetzt sogar einen Luxus-Frühstücksbereiter. Damit kann man gleichzeitig Brot toasten, Kaffee kochen und Spiegelei braten. Gut. Ich frühstücke nie. Aber wenn, könnte ich alles auf einmal machen. Das ist doch wundervoll. Oder?
Nicht sehr technisch, aber ein Grund, jede Menge gelben Schnee oder schlimmer zu produzieren, ist ein weiteres Geschenk. Ich habe auch noch einen Fallschirmsprung in der Schweiz. Ausm Hubschrauber. Im Januar bekomme ich den Termin. Ich werde früh genug Bescheid sagen, damit ihr lieben Leser in unserem sympathischen Nachbarland wißt, an welchem Tag ihr besser nicht ungeschützt auf die Straße geht.
Den Schnee, der dann von oben kommt, solltet ihr ausnahmsweise auch nicht essen.
Samstag, Dezember 23, 2006
Morgen Kinder wirds was geben
Es ist soweit. Der letzte Tag der Höllenfahrt ist angebrochen. Heut noch sind wir jung und gestreßt. Morgen? Morgen wird sich der Phönix aus dem Staub heben und alle Müh vergessen lassen. Es wird ein Singen sein und Lachen, Kinderaugen werden strahlen, Hände werden gereicht und der Baum wird hoffentlich nur da brennen wo er soll.
In meiner Kinderzeit war es vielleicht so. Am Heiligabend war es schön und entspannt. Aber ehrlich gesagt habe ich von vorweihnachtlichem Streß damals nie etwas mitbekommen. Abgesehen vielleicht von dem üblichen Weihnachtsbaumstreit der Eltern, der aber anscheinend in der westlichen Kultur genetisch verankert ist (was hast du denn da für einen krummen Baum gekauft? Bist du bescheuert, du kannst doch nicht die ganze Spitze abschneiden, das sieht jetzt doch aus wie ein halber Baum, da sind ja überall Löcher drin, dreh den nochmal um zehn Zentimeter, das piekt? Dann zieh halt Handschuhe an, alles muß man selber machen, du bist mir wirklich keine Hilfe undsoweiterundsofort).
Wir Kinder flogen am Heiligen Abend morgens um acht mit den Resten unseres Taschengeldes in der Hand aus dem Haus und durften erst um zwölf wieder aufschlagen. Bei diesen Gelegenheiten wurde der Grundstein zu meiner Angewohnheit, die Geschenke immer erst auf die letzte Minute zu kaufen, gelegt.Meine Mutter hat noch ein paar Verzweiflungstaten aus früheren Tagen aufbewahrt, um uns heute lachend daran zu erinnern, was für Ladenhüter wir damals abgriffen. Der Renner in jedem Jahr ist der kleine Plastikkerzenständer in silber mit der Kerze in Form einer Rose. Schlimm. So etwas möchte man noch nicht einmal auf dem Jahrmarkt gewinnen. Als Kind hat man aber manchmal den Geschmack einer Kuh. Auch genetisch glaub ich. Also kollektiv genetisch. Nicht speziell. Das nur, falls meine Eltern mitlesen (Hallo Mama).
Bis vier Uhr wurden dann in den Kinderzimmern hektisch die Geschmacklosigkeiten in Papier gehüllt und noch einmal die Gedichte geübt. Nebenbei guckte man den kleinen Prinzen oder was immer tagsüber als Kinderbespaßung im Fernsehen lief. Neben Krankheit war Weihnachten nämlich die einzige Zeit, in der wir einen kleinen Schwarzweißfernseher mit Drehknöpfen ins Zimmer bekamen um uns ruhig zu stellen. Die offene Treppe war mit Wolldecken verhängt, damit wir auf keinen Fall mitbekamen, was unten im Haus vor sich ging.
Um vier standen wir dann gestiefelt und nett bekleidet vor dem Auto, um den jährlichen Pflichtbesuch in der Kirche abzuhandeln. Hauptamüsement meinerseits war es, mich zwischen meinen Bruder und meinen Vater zu setzen. Mein Bruder sang schon immer so laut und kräftig, als wäre er allein auf der Welt - links - und mein Vater brummte sich auf der rechten Seite kontinuierlich einen Ton danebenliegend in einem Lied durch mindestens acht Oktaven. Und daneben saß meine Schwester und versuchte - ebenso wie ich - vergeblich das alberne Gekicher zu unterdrücken.
Gegen sechs Uhr wurds dann aufregend. Wieder zu Hause sammelten wir Blagen uns oben in einem Zimmer und warteten gespannt auf das alljährliche Glöckchen. Und dann kam es. Strahlende Kinderaugen, ein erstmals in dem Jahr in weihnachtliche Stimmung getauchtes Wohnzimmer, ein brennender Kamin, ein leuchtender Baum, Geschenkegeschenkegeschenke, erwartungsfroh leuchtende Elternaugen, bunte Teller und Würste für die Hunde.
Ganz so ist es heute nicht mehr, aber mit sechsunddreissig ist mein Interesse an Glocken nur einmal im Jahr auch begrenzt. Aber daß Weihnachten erst am 24.12. am Abend anfängt, das hat sich gehalten.
Die Amerikaner hab ich immer bedauert. Weihnachtsstimmung am Morgen klingt falsch. Oder? Und denen fehlt dann auch ein Tag, den man braucht, um sich spätestens am zweiten Weihnachtsfeiertag so richtig auf den Sack zu gehen. So ist das nämlich an Weihnachten auch immer. Viel Familie, viel Spaß, viele Geschenke, viel gutes Essen und nach drei Tagen hat man den Hals voll von allem.
Doch jetzt ist erstmal der letzte Tag angebrochen, was bedeutet, daß ich heute meine Weihnachtseinkäufe erledige. Was schenkt man einem Bruder? Wo ist eigentlich mein Tesafilm? Wen hab ich noch vergessen? Warum sind bloß so viele Leute in der Stadt, können die das nicht vorher erledigen? Gott was für ein Streß.
Darauf erstmal einen Glühwein. Oh du fröhliche.
In meiner Kinderzeit war es vielleicht so. Am Heiligabend war es schön und entspannt. Aber ehrlich gesagt habe ich von vorweihnachtlichem Streß damals nie etwas mitbekommen. Abgesehen vielleicht von dem üblichen Weihnachtsbaumstreit der Eltern, der aber anscheinend in der westlichen Kultur genetisch verankert ist (was hast du denn da für einen krummen Baum gekauft? Bist du bescheuert, du kannst doch nicht die ganze Spitze abschneiden, das sieht jetzt doch aus wie ein halber Baum, da sind ja überall Löcher drin, dreh den nochmal um zehn Zentimeter, das piekt? Dann zieh halt Handschuhe an, alles muß man selber machen, du bist mir wirklich keine Hilfe undsoweiterundsofort).
Wir Kinder flogen am Heiligen Abend morgens um acht mit den Resten unseres Taschengeldes in der Hand aus dem Haus und durften erst um zwölf wieder aufschlagen. Bei diesen Gelegenheiten wurde der Grundstein zu meiner Angewohnheit, die Geschenke immer erst auf die letzte Minute zu kaufen, gelegt.Meine Mutter hat noch ein paar Verzweiflungstaten aus früheren Tagen aufbewahrt, um uns heute lachend daran zu erinnern, was für Ladenhüter wir damals abgriffen. Der Renner in jedem Jahr ist der kleine Plastikkerzenständer in silber mit der Kerze in Form einer Rose. Schlimm. So etwas möchte man noch nicht einmal auf dem Jahrmarkt gewinnen. Als Kind hat man aber manchmal den Geschmack einer Kuh. Auch genetisch glaub ich. Also kollektiv genetisch. Nicht speziell. Das nur, falls meine Eltern mitlesen (Hallo Mama).
Bis vier Uhr wurden dann in den Kinderzimmern hektisch die Geschmacklosigkeiten in Papier gehüllt und noch einmal die Gedichte geübt. Nebenbei guckte man den kleinen Prinzen oder was immer tagsüber als Kinderbespaßung im Fernsehen lief. Neben Krankheit war Weihnachten nämlich die einzige Zeit, in der wir einen kleinen Schwarzweißfernseher mit Drehknöpfen ins Zimmer bekamen um uns ruhig zu stellen. Die offene Treppe war mit Wolldecken verhängt, damit wir auf keinen Fall mitbekamen, was unten im Haus vor sich ging.
Um vier standen wir dann gestiefelt und nett bekleidet vor dem Auto, um den jährlichen Pflichtbesuch in der Kirche abzuhandeln. Hauptamüsement meinerseits war es, mich zwischen meinen Bruder und meinen Vater zu setzen. Mein Bruder sang schon immer so laut und kräftig, als wäre er allein auf der Welt - links - und mein Vater brummte sich auf der rechten Seite kontinuierlich einen Ton danebenliegend in einem Lied durch mindestens acht Oktaven. Und daneben saß meine Schwester und versuchte - ebenso wie ich - vergeblich das alberne Gekicher zu unterdrücken.
Gegen sechs Uhr wurds dann aufregend. Wieder zu Hause sammelten wir Blagen uns oben in einem Zimmer und warteten gespannt auf das alljährliche Glöckchen. Und dann kam es. Strahlende Kinderaugen, ein erstmals in dem Jahr in weihnachtliche Stimmung getauchtes Wohnzimmer, ein brennender Kamin, ein leuchtender Baum, Geschenkegeschenkegeschenke, erwartungsfroh leuchtende Elternaugen, bunte Teller und Würste für die Hunde.
Ganz so ist es heute nicht mehr, aber mit sechsunddreissig ist mein Interesse an Glocken nur einmal im Jahr auch begrenzt. Aber daß Weihnachten erst am 24.12. am Abend anfängt, das hat sich gehalten.
Die Amerikaner hab ich immer bedauert. Weihnachtsstimmung am Morgen klingt falsch. Oder? Und denen fehlt dann auch ein Tag, den man braucht, um sich spätestens am zweiten Weihnachtsfeiertag so richtig auf den Sack zu gehen. So ist das nämlich an Weihnachten auch immer. Viel Familie, viel Spaß, viele Geschenke, viel gutes Essen und nach drei Tagen hat man den Hals voll von allem.
Doch jetzt ist erstmal der letzte Tag angebrochen, was bedeutet, daß ich heute meine Weihnachtseinkäufe erledige. Was schenkt man einem Bruder? Wo ist eigentlich mein Tesafilm? Wen hab ich noch vergessen? Warum sind bloß so viele Leute in der Stadt, können die das nicht vorher erledigen? Gott was für ein Streß.
Darauf erstmal einen Glühwein. Oh du fröhliche.
Mittwoch, Dezember 20, 2006
Heulsusenzeit
Leidensminen. Wohin man schaut, wohin man klickt, Leidensminen. Ich hatte total vergessen, es ist ja Winter. Im Winter, besonders zu Weihnachten gehts vielen Deutschen traditionell schlecht. Dunkle Jahreszeit. Dumpf. Kalt. Ein neues Jahr steht vor der Tür und es wird Bilanz gezogen. Furchtbar war es, das letzte Jahr. Schlimm. Und wieder ist eins rum. Wieder steht man mit einem Bein näher am Grab, wieder nichts erreicht. Wieder nur ein Jahr verdeddelt. Alles ist grau. Hoffnungslos. Herrjeh und so weiter.
Die saisonale Depression zum Jahresende ist amtlich anerkannt und genauso dankbar wie Bauchweh, um Fürsorge und Liebe zu erhalten. Oder den einen oder anderen freien Tag. "Du, mir gehts irgendwie überhaupt nicht, ja, antriebsschwach, total. Hmm, ich geh mal lieber zum Arzt, da könnte ja auch was schlimmes sein. Man liest ja so viel. Nee, ich will ja auch nicht zur Last fallen, aber wenn du ein wenig Hühnersuppe... ja das wär toll, ach ja, ich leg mich noch ein wenig hin im Abgedunkelten... schluchzschniefherrjeh und so weiter".
Im Winter darf es einem mit offizieller Genehmigung mal so richtig scheiße gehen. Das sollte sich niemand entgehen lassen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich finde es total in Ordnung, wenn die Leut meinen, ein wenig herumzumosern. Meinetwegen. Macht große Heulsusenpartys zum Jahreswechsel und übt gemeinsam ein wenig das korrekte Zittern mit der Unterlippe, gepaart mit dem feuchten Blick. Das ist wichtig. Und gut. Aber bitte streicht das Wort "Depression" von eurer Liste. Ihr seid einfach mies drauf. Gut so. Prima. Weiter so.
Wenn all jene, die zur Zeit herumschleichen mit gebückten Schultern, herunterfallenden Mundwinkeln und mit dem Aufdruck "Winterdepression" in den großen traurigen Augen, nur mal so zum Spaß eine echte Depression bekämen, würden sie bestimmt ganz schön gucken. Dann wollen sie nämlich mit einem Mal nur noch mies drauf sein. Aber höhö, die Leiter ins nächste Stockwerk, zu den miesen Stimmungen, die ist weg. Ich glaube, so einzwei Tage ganz unten würde sich positiv auf den Wortschatz auswirken. Genauso würde ich gerne diejenigen, die mit einer leicht laufenden Nase herumlaufen und behaupten sie hätten "Grippe", und die, die ein wenig hüsteln und behaupten, sie hätten eine "Bronchitis" (warum nicht gleich eine Lungenentzündung, das wäre doch viel dramaturgischer) einmal kurz dem gewünschten Krankheitsbild vorstellen und sie einen Tag gemeinsam verbringen lassen.
Das wäre bestimmt besser für meine Augen. Ich glaube nämlich, die haben Tuberkugelose oder wie das heißt.. Weil sie immer rollen müssen wenn sie so etwas hören. Hypochonderpack blödes.
Übrigens war die kalte Jahreszeit bisher noch nicht sehr geeignet dafür, eine Winterdepression auszulösen. Es war warm und sonnig. Sogar meine Geranie ist darauf hereingefallen und hat wieder angefangen zu blühen.
Nehmt euch ein Beispiel an ihr.
Die saisonale Depression zum Jahresende ist amtlich anerkannt und genauso dankbar wie Bauchweh, um Fürsorge und Liebe zu erhalten. Oder den einen oder anderen freien Tag. "Du, mir gehts irgendwie überhaupt nicht, ja, antriebsschwach, total. Hmm, ich geh mal lieber zum Arzt, da könnte ja auch was schlimmes sein. Man liest ja so viel. Nee, ich will ja auch nicht zur Last fallen, aber wenn du ein wenig Hühnersuppe... ja das wär toll, ach ja, ich leg mich noch ein wenig hin im Abgedunkelten... schluchzschniefherrjeh und so weiter".
Im Winter darf es einem mit offizieller Genehmigung mal so richtig scheiße gehen. Das sollte sich niemand entgehen lassen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich finde es total in Ordnung, wenn die Leut meinen, ein wenig herumzumosern. Meinetwegen. Macht große Heulsusenpartys zum Jahreswechsel und übt gemeinsam ein wenig das korrekte Zittern mit der Unterlippe, gepaart mit dem feuchten Blick. Das ist wichtig. Und gut. Aber bitte streicht das Wort "Depression" von eurer Liste. Ihr seid einfach mies drauf. Gut so. Prima. Weiter so.
Wenn all jene, die zur Zeit herumschleichen mit gebückten Schultern, herunterfallenden Mundwinkeln und mit dem Aufdruck "Winterdepression" in den großen traurigen Augen, nur mal so zum Spaß eine echte Depression bekämen, würden sie bestimmt ganz schön gucken. Dann wollen sie nämlich mit einem Mal nur noch mies drauf sein. Aber höhö, die Leiter ins nächste Stockwerk, zu den miesen Stimmungen, die ist weg. Ich glaube, so einzwei Tage ganz unten würde sich positiv auf den Wortschatz auswirken. Genauso würde ich gerne diejenigen, die mit einer leicht laufenden Nase herumlaufen und behaupten sie hätten "Grippe", und die, die ein wenig hüsteln und behaupten, sie hätten eine "Bronchitis" (warum nicht gleich eine Lungenentzündung, das wäre doch viel dramaturgischer) einmal kurz dem gewünschten Krankheitsbild vorstellen und sie einen Tag gemeinsam verbringen lassen.
Das wäre bestimmt besser für meine Augen. Ich glaube nämlich, die haben Tuberkugelose oder wie das heißt.. Weil sie immer rollen müssen wenn sie so etwas hören. Hypochonderpack blödes.
Übrigens war die kalte Jahreszeit bisher noch nicht sehr geeignet dafür, eine Winterdepression auszulösen. Es war warm und sonnig. Sogar meine Geranie ist darauf hereingefallen und hat wieder angefangen zu blühen.
Nehmt euch ein Beispiel an ihr.
Montag, Dezember 18, 2006
Going modern
Ich muß mir dringend ein neues Radio kaufen. Die lebensgefährliche Weihnachtszeit mit Herzschmerzmusik ist ja bald vorbei und bei der morgendlichen Alternative VIVA oder MTV taucht mir im Moment ungefähr hundert mal zu oft Xavier die alte Heulsuse Naidoo auf. Dann hör ich doch lieber acht Mal in zwei Stunden "What a wonderful World" von Louis Armstrong auf meinem bevorzugten Oldie-Sender. Ich unmodernes Stück.
Es ist ja nicht so, als wäre ich - abgesehen von der Musik in großen Teilen, nicht interessiert an all dem, was die Gegenwart zu bieten hat, ich gucke schon ganz gerne. Aber Genügsamkeit ist mein zweiter Vorname. Jahrelang lebte ich in trauter Dreisamkeit mit einem Mini-Fernseher, den man nur dadurch an einen Videorecorder anschließen konnte, indem man das Antennenkabel herauszog und in den Recorder steckte und dessen Fernbedienung leider kaputt war, weil mir dort irgendwann eine Batterie drin ausgelaufen war, und einer Minianlage von Tchibo.
Mir hatte es gereicht. Es gibt einen alten Spruch, der auf Küchentücher gestickt und auf kitschige Holzbretter gebrannt ist, der lautet: "Spreche was wahr ist, esse was gar ist, trinke was klar ist und sammle was rar ist. Bei mir müßte er heißen: Spreche was wahr ist, nutze was da ist, esse was da ist und trinke Bier, wenns da ist. Oder so ähnlich.
Bezüglich technischer Modernisierungen ist bisher noch selten etwas auf meinem Mist gewachsen. Stets waren es Freundinnen oder Freunde, die irgendwann beschlossen, daß das nicht mehr geht mit meiner Ausstattung. Diesen Antrieb brauche ich anscheinend. Und jedes Mal habe ich mich trotzdem wie irre über meinen neuen Technikpark gefreut. Es ist ja nicht so, als hätte ich da keinen Spaß dran. Ich sehe nur selbst oft nicht die Notwendigkeit, Funktionierendes auszutauschen. Nur weil etwas alt ist, ist es ja nicht schlecht. Wenn ich da so drüber nachdenke, vielleicht sollte ich diese Einstellung mal auf meine persönlichen Beziehungen anwenden. Noch weiter drüber nachgedacht: Mach ich ja. Nur anscheinend gehen Männer eher kaputt als Fernseher. Egal, das ist jetzt nicht mein Thema. Ich war bei Technik.
So kam ich im Laufe der Zeit durch Interventionen, Geburtstagsgeschenke oder Ausmusterungen im Freundeskreis zu diversen Geräten, daß ich jetzt so ne Fünfpunkt-Anlage besitze, einen anständigen Fernseher, zwei DVD-Geräte und einen Videorecorder. Und bei jedem neuen technischen Mitbewohner freute ich mich, als wäre grad das Telefon erfunden worden und ich hätte eines der ersten Geräte.
Mit meinen Computern ist es ein ähnliches Spiel. Meinen alten Hein hatte ich bereits in einem anderen Artikel vorgestellt. Hein lief - manchmal unpraktischerweise - noch mit Windows 98 und war so laut wie ein Staubsauger. Aber es war okä. Da gewöhnt man sich dran. Ich bin neben einer Bahnlinie aufgewachsen. Die Züge hört man auch irgendwann nicht mehr. Und gut, mit Hein konnte man nicht alles machen. Keine Handy-Synchronisation zum Beispiel, weil das erst ab Windows2000 geht. Weil ich aber vorher auch noch nie das Bedürfnis hatte, irgendwas zu synchronisieren, fehlte mir auch nichts. Bilder lud ich per Kartenleser auf den Hein, alles was ich brauchte, war da.
Seit diesem Wochenende gehe ich wie auf Wolken. Hein ist in den verdienten Ruhestand gegangen. Eine junge Kollegin von ihm ist eingezogen. Schimi sagte, er würde sie eh nur vernachlässigen, bei mir hätte sie es besser. Gerne und dankbar habe ich sie aufgenommen. Seitdem beeindruckt mich mit ihrem zarten Stimmchen, mit ihrem Windows XP und ihrer schlanken Gestalt. Ungeachtet des Wetters freue ich mich wie ein Schneekönig. Und weil ich mich so freue, werde ich sie vielleicht zu Weihnachten aus Eigenantrieb mit einem Flachbildschirm verkuppeln, auf daß die beiden sich aneinander und mich erfreuen.
Wie nenn ich sie bloß?
Es ist ja nicht so, als wäre ich - abgesehen von der Musik in großen Teilen, nicht interessiert an all dem, was die Gegenwart zu bieten hat, ich gucke schon ganz gerne. Aber Genügsamkeit ist mein zweiter Vorname. Jahrelang lebte ich in trauter Dreisamkeit mit einem Mini-Fernseher, den man nur dadurch an einen Videorecorder anschließen konnte, indem man das Antennenkabel herauszog und in den Recorder steckte und dessen Fernbedienung leider kaputt war, weil mir dort irgendwann eine Batterie drin ausgelaufen war, und einer Minianlage von Tchibo.
Mir hatte es gereicht. Es gibt einen alten Spruch, der auf Küchentücher gestickt und auf kitschige Holzbretter gebrannt ist, der lautet: "Spreche was wahr ist, esse was gar ist, trinke was klar ist und sammle was rar ist. Bei mir müßte er heißen: Spreche was wahr ist, nutze was da ist, esse was da ist und trinke Bier, wenns da ist. Oder so ähnlich.
Bezüglich technischer Modernisierungen ist bisher noch selten etwas auf meinem Mist gewachsen. Stets waren es Freundinnen oder Freunde, die irgendwann beschlossen, daß das nicht mehr geht mit meiner Ausstattung. Diesen Antrieb brauche ich anscheinend. Und jedes Mal habe ich mich trotzdem wie irre über meinen neuen Technikpark gefreut. Es ist ja nicht so, als hätte ich da keinen Spaß dran. Ich sehe nur selbst oft nicht die Notwendigkeit, Funktionierendes auszutauschen. Nur weil etwas alt ist, ist es ja nicht schlecht. Wenn ich da so drüber nachdenke, vielleicht sollte ich diese Einstellung mal auf meine persönlichen Beziehungen anwenden. Noch weiter drüber nachgedacht: Mach ich ja. Nur anscheinend gehen Männer eher kaputt als Fernseher. Egal, das ist jetzt nicht mein Thema. Ich war bei Technik.
So kam ich im Laufe der Zeit durch Interventionen, Geburtstagsgeschenke oder Ausmusterungen im Freundeskreis zu diversen Geräten, daß ich jetzt so ne Fünfpunkt-Anlage besitze, einen anständigen Fernseher, zwei DVD-Geräte und einen Videorecorder. Und bei jedem neuen technischen Mitbewohner freute ich mich, als wäre grad das Telefon erfunden worden und ich hätte eines der ersten Geräte.
Mit meinen Computern ist es ein ähnliches Spiel. Meinen alten Hein hatte ich bereits in einem anderen Artikel vorgestellt. Hein lief - manchmal unpraktischerweise - noch mit Windows 98 und war so laut wie ein Staubsauger. Aber es war okä. Da gewöhnt man sich dran. Ich bin neben einer Bahnlinie aufgewachsen. Die Züge hört man auch irgendwann nicht mehr. Und gut, mit Hein konnte man nicht alles machen. Keine Handy-Synchronisation zum Beispiel, weil das erst ab Windows2000 geht. Weil ich aber vorher auch noch nie das Bedürfnis hatte, irgendwas zu synchronisieren, fehlte mir auch nichts. Bilder lud ich per Kartenleser auf den Hein, alles was ich brauchte, war da.
Seit diesem Wochenende gehe ich wie auf Wolken. Hein ist in den verdienten Ruhestand gegangen. Eine junge Kollegin von ihm ist eingezogen. Schimi sagte, er würde sie eh nur vernachlässigen, bei mir hätte sie es besser. Gerne und dankbar habe ich sie aufgenommen. Seitdem beeindruckt mich mit ihrem zarten Stimmchen, mit ihrem Windows XP und ihrer schlanken Gestalt. Ungeachtet des Wetters freue ich mich wie ein Schneekönig. Und weil ich mich so freue, werde ich sie vielleicht zu Weihnachten aus Eigenantrieb mit einem Flachbildschirm verkuppeln, auf daß die beiden sich aneinander und mich erfreuen.
Wie nenn ich sie bloß?
Donnerstag, Dezember 14, 2006
Es ist an der Zeit
Am Ende eines Jahres treten im gesamten Bundesgebiet und über seine Grenzen hinaus Arbeitnehmer aufgeregt auf der Stelle, flüstern und wispern freudig und erwartungsvoll und können sich kaum noch halten vor lauter Spannung und Vorfreude. Es ist an der Zeit. Weihnachtsfeierzeit. Die Zeit fröhlich enthemmter Besäufnisse im Kollegenkreis, die Zeit, in der man die Jungs und Mädels mal von einer ganz anderen Seite kennenlernt. Da wird der trockenste Knochen zum Partylöwen und die graueste Maus zur lichterloh brennenden Sexbombe.
Kinder werden auf dem Kopierer gezeugt und Grundsteine für Ehen gelegt. Jaja, ein gehöriger Prozentsatz der deutschen Ehen sollen ja im Kollegenkreis akquiriert worden sein. Und wenn nicht bei der Weihnachtsfeier, wann dann?
Wenn man der allgemeinen Meinung und den Fernsehberichten Glauben schenken darf, läuft das wohl so ab. Denkt man. Vielleicht in Elefanten-zeichnenden Werbeagenturen. Bei uns aber nicht. Vielleicht arbeite ich in der falschen Branche oder bin für diese Scherze schon zu alt, aber mir würde beim besten Willen und bei aller Sympathie kein Kollege einfallen, für den ich den Kopierer besteigen würde um mich besteigen zu lassen. Einmal abgesehen davon, daß unser Kopierer ungefähr so groß und so hoch ist wie ein Raumschiff und keiner meiner Kollegen 2.10 m mißt, was für eine solche Situation nicht nur hilfreich, sondern notwendig wäre.
Wobei, im letzten Jahr hätte ich nach der Weihnachtsfeier beinahe die Nacht mit nicht nur einem Kollegen verbracht. Jaha, strengt Eure Phantasie an. Sogar Frauen waren dabei. Uiuiuiuiui. Wenn sie einmal losgelassen... Aber genau das waren wir nicht. Im Gegenteil. Wir waren eingesperrt. Des nachts die Bank zu verlassen geht nämlich nur auf genau einem Weg. Wenn man nicht diese Hintertreppe nutzt, kommt man zwar in bestimmte Bereiche hinein, aber nicht mehr hinaus. Nachdem wir uns nach einigen gescheiterten Fluchtversuchen bereits häuslich eingerichtet hatten und schon in den erreichbaren Küchen nach einem Korkenzieher fahndeten um die mitgeschleppten Weinflaschen zu köpfen, erbarmte sich ein Wachmann unserer. Spielverderber, blöder.
Deswegen wird unsere heutige Weihnachtsfeier sicherheitshalber außerhalb der Bank stattfinden. Und nur für den Fall, daß irgendjemand meint, sich anderweitig als bowlend oder essend mit Kollegen vergnügen zu wollen, werden wir uns beim Spanier bis zur Halskrause mit Knoblauch vollstopfen. Das würde dann das Erwachen doppelt böse machen. So macht man das in einer Abteilung, die sich in erster Linie mit Risikovorsorge beschäftigt. Ohne Sicherheiten geht hier gar nix. Aus Prinzip. Auch wenn das Risiko gegen Null tendiert.
Ach so, und bevor ich es vergesse zu sagen: Ab morgen natürlich wieder "Sie".
Kinder werden auf dem Kopierer gezeugt und Grundsteine für Ehen gelegt. Jaja, ein gehöriger Prozentsatz der deutschen Ehen sollen ja im Kollegenkreis akquiriert worden sein. Und wenn nicht bei der Weihnachtsfeier, wann dann?
Wenn man der allgemeinen Meinung und den Fernsehberichten Glauben schenken darf, läuft das wohl so ab. Denkt man. Vielleicht in Elefanten-zeichnenden Werbeagenturen. Bei uns aber nicht. Vielleicht arbeite ich in der falschen Branche oder bin für diese Scherze schon zu alt, aber mir würde beim besten Willen und bei aller Sympathie kein Kollege einfallen, für den ich den Kopierer besteigen würde um mich besteigen zu lassen. Einmal abgesehen davon, daß unser Kopierer ungefähr so groß und so hoch ist wie ein Raumschiff und keiner meiner Kollegen 2.10 m mißt, was für eine solche Situation nicht nur hilfreich, sondern notwendig wäre.
Wobei, im letzten Jahr hätte ich nach der Weihnachtsfeier beinahe die Nacht mit nicht nur einem Kollegen verbracht. Jaha, strengt Eure Phantasie an. Sogar Frauen waren dabei. Uiuiuiuiui. Wenn sie einmal losgelassen... Aber genau das waren wir nicht. Im Gegenteil. Wir waren eingesperrt. Des nachts die Bank zu verlassen geht nämlich nur auf genau einem Weg. Wenn man nicht diese Hintertreppe nutzt, kommt man zwar in bestimmte Bereiche hinein, aber nicht mehr hinaus. Nachdem wir uns nach einigen gescheiterten Fluchtversuchen bereits häuslich eingerichtet hatten und schon in den erreichbaren Küchen nach einem Korkenzieher fahndeten um die mitgeschleppten Weinflaschen zu köpfen, erbarmte sich ein Wachmann unserer. Spielverderber, blöder.
Deswegen wird unsere heutige Weihnachtsfeier sicherheitshalber außerhalb der Bank stattfinden. Und nur für den Fall, daß irgendjemand meint, sich anderweitig als bowlend oder essend mit Kollegen vergnügen zu wollen, werden wir uns beim Spanier bis zur Halskrause mit Knoblauch vollstopfen. Das würde dann das Erwachen doppelt böse machen. So macht man das in einer Abteilung, die sich in erster Linie mit Risikovorsorge beschäftigt. Ohne Sicherheiten geht hier gar nix. Aus Prinzip. Auch wenn das Risiko gegen Null tendiert.
Ach so, und bevor ich es vergesse zu sagen: Ab morgen natürlich wieder "Sie".
Dienstag, Dezember 12, 2006
Gewichtel
Nein, mit meinem Gewichtel hab ich grad weniger Probleme. Die Fußball-Saison ist vorbei, so daß sich die Bierwampe, die schlabberige, jetzt in der Weihnachtszeit ein wenig mit Lebkuchen füllen kann und Gans. Damit ich von Januar bis Mai gar keinen Hunger mehr zu haben brauche. Was jedoch selten klappt. Aber ich bin jetzt auch schon sechsunddreissig Lenze alt. Da brauchts keine Model-Figur mehr. Hatte ich allerdings auch nie. Irgendwer erzählte mir mal, irgendwann im Leben müsse eine Frau sich entscheiden, ob Kuh oder Zicke. Ob jetzt die Äußerlichkeit gemeint ist oder der Charakter weiß ich nicht. Außen bin ich noch "weder, noch", innen kann ich beides. Satt und zufrieden die Kuh, hungrig die Zicke.
Meine Sympathie gehört jedoch der Kuh. Sie ist ruhig und friedvoll, hat die schönsten Augen der Welt und schmeckt besser.
Aber was red ich von Kühen. Mit Wichteln hatte ich es heut. Die waren nämlich da. Schon letzte Woche. Sie haben zwar weder meinen Müll runtergetragen noch die Hundeexkremente von der Straße gehoben, aber sie haben mich beschenkt. Jetzt kann der Winter kommen. Denn ich habe jetzt das (Trommelwirbel) ultimative Winter-Survival-Kit.
Da bleibt kein Wunsch trocken, äh, offen. Seht selbst:
Ich habe DAS Überlebensset für den Winter erhalten.
Eine Wärmflasche. Immer nützlich. Und mit der Schweizer Flagge sehr passend gewählt. Ich schätze, die Leser aus der Schweiz werden sich über diese kleine Aufmerksamkeit genauso freuen wie ich.
Kuschelsocken gegen kalte Füße. Und seien wir mal ehrlich, welche Frau hat schon warme Füße? Ich nicht. Außerdem gehören kuschelige Socken und Flanellpyjamas zu einem schönen Winterabend genauso wie Tee, Kerzenschein und schöne Musik. Eigentlich bräuchte ich dazu noch einen Mann. Aber gut, man kann nicht alles haben. Der paßte bestimmt nicht mehr ins Päckchen. Und ohne Gebrauchsanleitung kann ich da eh nicht mit umgehen. Lassen wir den Mann, nehmen wir das
Quietscheentchen. Als Kumpan für die Advente, die hier ganz alleine neben meinem singenden Weihnachtsbaum (ich habe nie behauptet ich hätte Geschmack) saß. Bis jetzt. Die darf jetzt übrigens wählerisch sein, weil sich in der Zwischenzeit noch eine Pauli-Ente einreihte. Nie hatte ich Entchen. Und jetzt gleich drei. Ich bin total glücklich.
Und zu guter letzt das allerbeste und allernützlichste Wichtelgeschenk dieses Jahres. Ich wünsche jedem der dies liest, daß auch er oder sie ein solches Geschenk erhält. Denn was ist der Winter ohne Schnee? Warm und naß. Ich dagegen kann jetzt meinen neuen Kunstschnee um mich werfen und wenigstens so tun als wäre ich nicht nur blond, sondern auch kühl.
Ein wundervolles Wichtelgeschenk, für welches ich Fräulein Karma allerherzlichst danke.
Meine Sympathie gehört jedoch der Kuh. Sie ist ruhig und friedvoll, hat die schönsten Augen der Welt und schmeckt besser.
Aber was red ich von Kühen. Mit Wichteln hatte ich es heut. Die waren nämlich da. Schon letzte Woche. Sie haben zwar weder meinen Müll runtergetragen noch die Hundeexkremente von der Straße gehoben, aber sie haben mich beschenkt. Jetzt kann der Winter kommen. Denn ich habe jetzt das (Trommelwirbel) ultimative Winter-Survival-Kit.
Da bleibt kein Wunsch trocken, äh, offen. Seht selbst:

Ich habe DAS Überlebensset für den Winter erhalten.
Eine Wärmflasche. Immer nützlich. Und mit der Schweizer Flagge sehr passend gewählt. Ich schätze, die Leser aus der Schweiz werden sich über diese kleine Aufmerksamkeit genauso freuen wie ich.
Kuschelsocken gegen kalte Füße. Und seien wir mal ehrlich, welche Frau hat schon warme Füße? Ich nicht. Außerdem gehören kuschelige Socken und Flanellpyjamas zu einem schönen Winterabend genauso wie Tee, Kerzenschein und schöne Musik. Eigentlich bräuchte ich dazu noch einen Mann. Aber gut, man kann nicht alles haben. Der paßte bestimmt nicht mehr ins Päckchen. Und ohne Gebrauchsanleitung kann ich da eh nicht mit umgehen. Lassen wir den Mann, nehmen wir das
Quietscheentchen. Als Kumpan für die Advente, die hier ganz alleine neben meinem singenden Weihnachtsbaum (ich habe nie behauptet ich hätte Geschmack) saß. Bis jetzt. Die darf jetzt übrigens wählerisch sein, weil sich in der Zwischenzeit noch eine Pauli-Ente einreihte. Nie hatte ich Entchen. Und jetzt gleich drei. Ich bin total glücklich.
Und zu guter letzt das allerbeste und allernützlichste Wichtelgeschenk dieses Jahres. Ich wünsche jedem der dies liest, daß auch er oder sie ein solches Geschenk erhält. Denn was ist der Winter ohne Schnee? Warm und naß. Ich dagegen kann jetzt meinen neuen Kunstschnee um mich werfen und wenigstens so tun als wäre ich nicht nur blond, sondern auch kühl.
Ein wundervolles Wichtelgeschenk, für welches ich Fräulein Karma allerherzlichst danke.
Sonntag, Dezember 10, 2006
Sag einfach Nö
"Sag `nein`zu Krisselhaar". Wundervoll, mit welchen Lebensweisheiten man in dieser heiligen Zeit aus der Werbewelt bedacht wird. "Sag `nein`zu Krisselhaar", das klingt ein wenig wie "Sag `nein` zu Fußpilz" oder "sag `nein` zu Hämorrhoiden". Das ist eigentlich ganz einfach. Sag einfach "nö". Super Idee. Kreativ müßte man sein. Dann hätte man keine Sorgen mehr. Nur noch Rekordglanz und glückliche Kinder und perfekten Genuß.
In den Kreativpausen könnte man immer noch doofe Elefanten malen und mit artfremden Tieren vermählen um Putzmittel (?) zu verkaufen. Oder dumme Pinguine noch dümmere Tänze aufführen lassen. Manchmal bekommt man schon das Gefühl, daß die Werbung grade an eine Grenze stößt. So wie früher das Theater, als das kulturelle Erlebnis nur noch dadurch getoppt werden konnte, daß die Drillingsgretchen in der modernen Faust-Inszenierung auf die Bühne pinkeln. Das habe ich genauso wenig verstanden, wie die Damen und Herren, die sich anschickten, auf der Bühne live einen Hammel zu schlachten.
Hammel schlachten ist übrigens gar nicht so einfach, wie mir der Vater einer Freundin, seineszeichens Metzger, einst erzählte. Man muß das Tier nämlich erstmal so umnieten, daß es ohnmächtig wird und ihm dann, bevor man zum finalen Stoß ansetzt, die Klüten abschneiden. Sonst wird das gesamte Fleisch bitter und die Schlachtung war fürn Arsch. Metzger wäre ich ungern. Ich hätte zwar im Laufe meines Lebens nichts dagegen gehabt, dann und wann die Möglichkeit zu haben, jemandem die Eier abzuschneiden, aber es gibt Dinge, die sollten dann doch besser der Phantasie überlassen bleiben.
Aber zurück zur Werbung. Ich hätte da eine hochaktuelle Idee für die Weihnachtszeit: Eine große Kampagne "Sag `nein`zum Selbstmord".
Glücklicherweise hat sich aus meinem Bekanntenverwandtenundfreundeskreis noch niemand auf diese Art verabschiedet, aber es soll so etwas geben. Zu Ostern nicht. Nur zu Weihnachten sind Glühweinbecher und Brücken voll. Dunkel ists und einsam. Vielleicht macht auch die Dauerweihnachtsmusikbeschallung wahnsinnig. Das kann ich schwer einschätzen. Ich kaufe meine Weihnachtsgeschenke ja traditionell auf die letzte Minute. Und mein Radio ist kaputt. Vielleicht hat mir das das Leben gerettet. Danke, kaputtes Radio.
Im Ernst, es ist schon traurig, wie viele einsame Menschen es gibt, die nichts mehr zu haben glauben, was das Weiterleben reizvoll erscheinen ließe. Auf alle Fälle: Falls ihr das hier lest: Macht es nicht. "Sagt nö zu Selbstmord". Bitte. Ihr könnt Euch zu der Kampagne auch noch einen tollen Jingle ausdenken. Tut euch zusammen. Das wär doch was. Oder?
Um mich selbst von depressiven Gedanken freizuhalten, gepaart mit dem schlechten Gewissen, einfach keine Mutter Theresa zu sein, habe ich lieber noch ein Lämpchen mehr angemacht und mich gemütlich durch die Darwin-Awards geschmökert. In diesem wirklich amüsanten Buch präsentiert die Autorin (Wendy Northcutt) ungeahnte Möglichkeiten, das Zeitliche zu segnen. Versehentliche Selbstmorde, die so idiotisch sind, daß man davon ausgehen kann, daß die Verstorbenen zum dauerhaften Überleben unserer Spezies beitragen, indem sie den Genpool entlasten.
Manchmal hilft es, sich ernsthaften Themen von einer anderen Seite zu nähern.
Und jetzt nähere ich mich einem anderen Thema, nämlich dem Hund "Dino", der übers Wochenende bei mir wohnen muß, weil Frauchen außerhalb von Hamburg weilt. Um seine andere Seite muß ich mich jetzt auch mal wieder kümmern. Ungern. Wirklich ungern. Wenn nämlich ein oberschenkelhoher Hund sich durchs Hintertürchen entledigt, ist das Einsammeln der Hinterlassenschaften weit unerfreulicher, als wenn ein wadenhoher Hund kackt. Und das, wo ich doch so leicht breche.
Ich habe seit gestern schon etwas Übung und extra noch nicht sehr viel gegessen. Wünscht mir Glück und günstigen Wind.
Waidmannsheil.
In den Kreativpausen könnte man immer noch doofe Elefanten malen und mit artfremden Tieren vermählen um Putzmittel (?) zu verkaufen. Oder dumme Pinguine noch dümmere Tänze aufführen lassen. Manchmal bekommt man schon das Gefühl, daß die Werbung grade an eine Grenze stößt. So wie früher das Theater, als das kulturelle Erlebnis nur noch dadurch getoppt werden konnte, daß die Drillingsgretchen in der modernen Faust-Inszenierung auf die Bühne pinkeln. Das habe ich genauso wenig verstanden, wie die Damen und Herren, die sich anschickten, auf der Bühne live einen Hammel zu schlachten.
Hammel schlachten ist übrigens gar nicht so einfach, wie mir der Vater einer Freundin, seineszeichens Metzger, einst erzählte. Man muß das Tier nämlich erstmal so umnieten, daß es ohnmächtig wird und ihm dann, bevor man zum finalen Stoß ansetzt, die Klüten abschneiden. Sonst wird das gesamte Fleisch bitter und die Schlachtung war fürn Arsch. Metzger wäre ich ungern. Ich hätte zwar im Laufe meines Lebens nichts dagegen gehabt, dann und wann die Möglichkeit zu haben, jemandem die Eier abzuschneiden, aber es gibt Dinge, die sollten dann doch besser der Phantasie überlassen bleiben.
Aber zurück zur Werbung. Ich hätte da eine hochaktuelle Idee für die Weihnachtszeit: Eine große Kampagne "Sag `nein`zum Selbstmord".
Glücklicherweise hat sich aus meinem Bekanntenverwandtenundfreundeskreis noch niemand auf diese Art verabschiedet, aber es soll so etwas geben. Zu Ostern nicht. Nur zu Weihnachten sind Glühweinbecher und Brücken voll. Dunkel ists und einsam. Vielleicht macht auch die Dauerweihnachtsmusikbeschallung wahnsinnig. Das kann ich schwer einschätzen. Ich kaufe meine Weihnachtsgeschenke ja traditionell auf die letzte Minute. Und mein Radio ist kaputt. Vielleicht hat mir das das Leben gerettet. Danke, kaputtes Radio.
Im Ernst, es ist schon traurig, wie viele einsame Menschen es gibt, die nichts mehr zu haben glauben, was das Weiterleben reizvoll erscheinen ließe. Auf alle Fälle: Falls ihr das hier lest: Macht es nicht. "Sagt nö zu Selbstmord". Bitte. Ihr könnt Euch zu der Kampagne auch noch einen tollen Jingle ausdenken. Tut euch zusammen. Das wär doch was. Oder?
Um mich selbst von depressiven Gedanken freizuhalten, gepaart mit dem schlechten Gewissen, einfach keine Mutter Theresa zu sein, habe ich lieber noch ein Lämpchen mehr angemacht und mich gemütlich durch die Darwin-Awards geschmökert. In diesem wirklich amüsanten Buch präsentiert die Autorin (Wendy Northcutt) ungeahnte Möglichkeiten, das Zeitliche zu segnen. Versehentliche Selbstmorde, die so idiotisch sind, daß man davon ausgehen kann, daß die Verstorbenen zum dauerhaften Überleben unserer Spezies beitragen, indem sie den Genpool entlasten.
Manchmal hilft es, sich ernsthaften Themen von einer anderen Seite zu nähern.
Und jetzt nähere ich mich einem anderen Thema, nämlich dem Hund "Dino", der übers Wochenende bei mir wohnen muß, weil Frauchen außerhalb von Hamburg weilt. Um seine andere Seite muß ich mich jetzt auch mal wieder kümmern. Ungern. Wirklich ungern. Wenn nämlich ein oberschenkelhoher Hund sich durchs Hintertürchen entledigt, ist das Einsammeln der Hinterlassenschaften weit unerfreulicher, als wenn ein wadenhoher Hund kackt. Und das, wo ich doch so leicht breche.
Ich habe seit gestern schon etwas Übung und extra noch nicht sehr viel gegessen. Wünscht mir Glück und günstigen Wind.
Waidmannsheil.
Donnerstag, Dezember 07, 2006
Resturlaub
Urlaub ist eine tolle Sache. Eigentlich. Resturlaub hingegen, auf Zwang genommen, weil er dieses Jahr noch weg muß, ist etwas anstrengend. Wenn man keine Pläne hat. Ein wenig wie arbeitslos sein. Genau so stell ich mir das vor. Zuächst liegt man lange im Bett herum, bis einem einfach irgendwann zu langweilig ist. So um neun. Spätestens. Länger schlafen ist schwierig, weil man so irre ausgeruht ist vom vielen faulenzen.
Um neun hievt man also schließlich seinen Kadaver aus den Federn und schlurft in Schlafklamotte zunächst in die Küche, um sich etwas Kaffee aufzusetzen und dann weiter ins Wohnzimmer. Mit Kaffee. Hier fällt man auf die Couch und verbringt die nächsten fünf Minuten damit, das Wohnzimmerfenster anzugucken und darüber nachzudenken, ob man das Rollo jetzt unten läßt oder doch aufsteht und etwas Licht hineinläßt.
Je nach Entscheidung gibt es eine Bewegung in Richtung Fenster oder auch nicht. Man steckt sich eine Zigarette an und guckt sich um. Oh, der Kaffeebecher von gestern steht da auch noch. Den könnte man ja mal in die Küche bringen. Irgendwann. Nicht jetzt. Jetzt macht man erstmal den Fernseher an. Manman. Das Programm ist morgens auch nicht unbedingt für eine intellektuelle Elite gestrickt. Egal. Es bleibt an. Nebenbei nippt man an seinem Kaffee und überlegt, was man machen könnte. Möglichst unanstrengend.
Vielleicht sollte man noch einmal umschalten. Auch Mist. Also zurück zur unanstrengenden Planung. Erstmal wieder in die Küche und einen neuen Kaffee holen. Dabei fällt der Blick auf das restliche Chili con Carne vom unlängst gefeierten Älterwerden. Das ist zwar noch gut, aber essen wird man es nicht mehr. Also muß es weggekippt werden. Irgendwann. Nicht jetzt. Jetzt ist erstmal Kaffee dran.
Auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer überlegt man, ob es interessant sein könnte, aus den Resten eine Chili-Creme-Suppe mit dem Pürierstab zu machen. Essen würde man sowas nicht wollen, aber es sähe interessant aus. Vielleicht. Später. Wär ein netter Gag. Oh, es läuft "Unsere kleine Farm". Das fand man damals schon furchtbar, aber man läßt es erstmal an. Noch eine Zigarette.
Stimmt, den Kaffeebecher von gestern hätte man eben mit in die Küche nehmen können. Mist. Nächstes Mal. Wäsche waschen könnte man auch, aufräumen. Hm. Erstmal noch ne Zigarette. Die letzte. Shit. So wie man aussieht kann man auf keinen Fall auf die Straße gehen. Vielleicht liegen ja irgendwo noch vergessene Restbestände rum. Komisch. Kaffeebecher in die Küche tragen ist zu anstrengend. Aber loswandern um die Jackentaschen nach vergessenen Zigarettenschachteln durchzugucken, das ist ganz einfach.
Nix. Egal. Zurück ins Wohnzimmer und umschalten. Es laufen Talkshows, "best-of-Talkshows", achtziger-Jahre-Serien und Gerichtssendungen. Vielleicht macht man doch noch mal die Augen zu. Man hat ja Zeit und nichts mehr zu rauchen. So verdeddelt man schließlich den Tag vor dem Fernseher, um nachts um eins zu entscheiden, daß es eine gute Idee sein könnte ins Bett zu gehen, weil es sonst Rückenschmerzen gibt.
So, oder so ähnlich könnte er ablaufen so ein Resturlaubstag. Auch bei mir. Bin ich froh, daß ich bald wieder arbeiten darf. Und jetzt hole ich noch ein paar Umzugskartons für eine Freundin vom Dachboden und werde dann den Nachmittag nutzen, eine frisch vermutterte Freundin aus der Heimatstadt zu besuchen, weil man da sonst nie zu kommt.
Zigaretten brauch ich auch noch.
Um neun hievt man also schließlich seinen Kadaver aus den Federn und schlurft in Schlafklamotte zunächst in die Küche, um sich etwas Kaffee aufzusetzen und dann weiter ins Wohnzimmer. Mit Kaffee. Hier fällt man auf die Couch und verbringt die nächsten fünf Minuten damit, das Wohnzimmerfenster anzugucken und darüber nachzudenken, ob man das Rollo jetzt unten läßt oder doch aufsteht und etwas Licht hineinläßt.
Je nach Entscheidung gibt es eine Bewegung in Richtung Fenster oder auch nicht. Man steckt sich eine Zigarette an und guckt sich um. Oh, der Kaffeebecher von gestern steht da auch noch. Den könnte man ja mal in die Küche bringen. Irgendwann. Nicht jetzt. Jetzt macht man erstmal den Fernseher an. Manman. Das Programm ist morgens auch nicht unbedingt für eine intellektuelle Elite gestrickt. Egal. Es bleibt an. Nebenbei nippt man an seinem Kaffee und überlegt, was man machen könnte. Möglichst unanstrengend.
Vielleicht sollte man noch einmal umschalten. Auch Mist. Also zurück zur unanstrengenden Planung. Erstmal wieder in die Küche und einen neuen Kaffee holen. Dabei fällt der Blick auf das restliche Chili con Carne vom unlängst gefeierten Älterwerden. Das ist zwar noch gut, aber essen wird man es nicht mehr. Also muß es weggekippt werden. Irgendwann. Nicht jetzt. Jetzt ist erstmal Kaffee dran.
Auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer überlegt man, ob es interessant sein könnte, aus den Resten eine Chili-Creme-Suppe mit dem Pürierstab zu machen. Essen würde man sowas nicht wollen, aber es sähe interessant aus. Vielleicht. Später. Wär ein netter Gag. Oh, es läuft "Unsere kleine Farm". Das fand man damals schon furchtbar, aber man läßt es erstmal an. Noch eine Zigarette.
Stimmt, den Kaffeebecher von gestern hätte man eben mit in die Küche nehmen können. Mist. Nächstes Mal. Wäsche waschen könnte man auch, aufräumen. Hm. Erstmal noch ne Zigarette. Die letzte. Shit. So wie man aussieht kann man auf keinen Fall auf die Straße gehen. Vielleicht liegen ja irgendwo noch vergessene Restbestände rum. Komisch. Kaffeebecher in die Küche tragen ist zu anstrengend. Aber loswandern um die Jackentaschen nach vergessenen Zigarettenschachteln durchzugucken, das ist ganz einfach.
Nix. Egal. Zurück ins Wohnzimmer und umschalten. Es laufen Talkshows, "best-of-Talkshows", achtziger-Jahre-Serien und Gerichtssendungen. Vielleicht macht man doch noch mal die Augen zu. Man hat ja Zeit und nichts mehr zu rauchen. So verdeddelt man schließlich den Tag vor dem Fernseher, um nachts um eins zu entscheiden, daß es eine gute Idee sein könnte ins Bett zu gehen, weil es sonst Rückenschmerzen gibt.
So, oder so ähnlich könnte er ablaufen so ein Resturlaubstag. Auch bei mir. Bin ich froh, daß ich bald wieder arbeiten darf. Und jetzt hole ich noch ein paar Umzugskartons für eine Freundin vom Dachboden und werde dann den Nachmittag nutzen, eine frisch vermutterte Freundin aus der Heimatstadt zu besuchen, weil man da sonst nie zu kommt.
Zigaretten brauch ich auch noch.
Freitag, Dezember 01, 2006
Adventen
Seit letztem Montag ist es wieder so weit. In der Hamburger Innenstadt blitzt, leuchtet, glitzert und duftet es. Die Weihnachtsmärkte haben geöffnet und versuchen jetzt, zunehmend erfolgreich, Glühwein bei frühlingshaften Temperaturen an den Mann zu bringen.
Wer jetzt glaubt, die einzige Bespaßungsmöglichkeit auf den Märkten ist, sich nach und nach in uriger Atmosphäre volllaufen zu lassen, irrt. Es gibt jede Menge lustiges Zeug zu kaufen und an Kalorien kann man sich der hunderttausende zuführen, damit die Gans an den Feiertagen nicht die ganse Verantwortung allein tragen muß.
Was mich jedoch wunderte ist, daß es kaum bis gar nicht möglich ist, eine der bekannten und beliebten Adventen zu finden. Mit einem lieben Freund stromerte ich also unlängst über sämtliche Weihnachtsmärkte und wurden schließlich, kurz bevor wir frustriert aufgeben wollten, auf dem Gerhard-Hauptmann-Platz fündig. Dort werden die einzigen Adventen in ganz Hamburg verkauft.
Wir waren überglücklich. Im Laufe des Abends überlegten wir jedoch, was so eine Advente den Rest des Jahres beruflich macht und sie war so reizend, uns ins Bild zu setzen. Im letzten Jahr verdingte sie sich erfolgreich als Requisiteur.

Allerdings kann man davon nicht leben. Doch die Ente ist klein und ist mit einem Löffelchen Entengrütze dann und wann total zufrieden. Wenn also mal wenig Kohle reinkommt, tangiert sie das nur peripher. Was sie uns gleich eindrucksvoll beschrieb:

Wenn sie einmal richtig viel Geld verdient hat, amüsiert sie sich dabei, blöde Hütchenspieler über den Tisch zu ziehen. Klappt nicht immer:

Im Sommer macht sie gerne Urlaub in Dänemark. Seit die Poelser dort nicht mehr das Nationalgericht zieren, versucht sie, die gesündere Geflügelvariante zu etablieren:

Als wir sie fragten, warum sie denn so schwer zu finden ist auf den Adventenmärkten, wurde sie ganz traurig. Die Paarung der Adventen ist leider mit kleineren Schwierigkeiten verbunden:

Auf diesen Schreck tranken wir noch ein Bier zusammen und bedanken uns für den wirklich ergreifenden Abend.

Allen am Wochenende einen schönen ersten Advent.
Wer jetzt glaubt, die einzige Bespaßungsmöglichkeit auf den Märkten ist, sich nach und nach in uriger Atmosphäre volllaufen zu lassen, irrt. Es gibt jede Menge lustiges Zeug zu kaufen und an Kalorien kann man sich der hunderttausende zuführen, damit die Gans an den Feiertagen nicht die ganse Verantwortung allein tragen muß.
Was mich jedoch wunderte ist, daß es kaum bis gar nicht möglich ist, eine der bekannten und beliebten Adventen zu finden. Mit einem lieben Freund stromerte ich also unlängst über sämtliche Weihnachtsmärkte und wurden schließlich, kurz bevor wir frustriert aufgeben wollten, auf dem Gerhard-Hauptmann-Platz fündig. Dort werden die einzigen Adventen in ganz Hamburg verkauft.

Wir waren überglücklich. Im Laufe des Abends überlegten wir jedoch, was so eine Advente den Rest des Jahres beruflich macht und sie war so reizend, uns ins Bild zu setzen. Im letzten Jahr verdingte sie sich erfolgreich als Requisiteur.

Allerdings kann man davon nicht leben. Doch die Ente ist klein und ist mit einem Löffelchen Entengrütze dann und wann total zufrieden. Wenn also mal wenig Kohle reinkommt, tangiert sie das nur peripher. Was sie uns gleich eindrucksvoll beschrieb:

Wenn sie einmal richtig viel Geld verdient hat, amüsiert sie sich dabei, blöde Hütchenspieler über den Tisch zu ziehen. Klappt nicht immer:

Im Sommer macht sie gerne Urlaub in Dänemark. Seit die Poelser dort nicht mehr das Nationalgericht zieren, versucht sie, die gesündere Geflügelvariante zu etablieren:

Als wir sie fragten, warum sie denn so schwer zu finden ist auf den Adventenmärkten, wurde sie ganz traurig. Die Paarung der Adventen ist leider mit kleineren Schwierigkeiten verbunden:

Auf diesen Schreck tranken wir noch ein Bier zusammen und bedanken uns für den wirklich ergreifenden Abend.

Allen am Wochenende einen schönen ersten Advent.
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