Es ist Sonntag Abend. Sankt Pauli steht kurz vorm Aufstieg, heute war ein schöner Tag. Und er wird noch besser: Ich habe einen Kasten Mineralwasser, ausreichend Zigaretten, prima Musik und .... eine Men`s Health. Und ich werde sie benutzen.
Wohin man auch guckt, wem auch immer man zuhört, Männer und Frauen passen angeblich nicht zueinander.
Aber woran liegt das? In der mangelhaften Kenntnis des anderen Geschlechtes und seinen Interessen und somit dem fehlenden Verständnis für die merkwürdigen Verhaltensweisen des Gegenübers. Und woran liegt wiederum das? Genau. Weil Frauen Frauenzeitschriften lesen und Männer Männerzeitschriften. Andersrum wäre es es doch viel sinnvoller. Das wollte ich doch gern mal probieren.
Werfen wir also einen ersten Blick in die Men`s Health und verschaffen uns zunächst einen groben Überblick im Inhaltsverzeichnis: "Sport und Fitness", "Gesundheit und Ernährung", "Erotik und Partnerschaft", "Lebensart und Karriere", "Abenteuer" und "Style".
Psychokram fehlt völlig. Das wundert mich zum einen nicht, ich kenne auch den einen oder anderen Mann, außerdem bin ich mittlerweile selbst fast der Ansicht, daß diese Themen auch in Frauenzeitschriften nicht nur total ausgereizt, sondern mittlerweile eher kontraproduktiv sind. Wenn Männer tatsächlich verstehen wollten wie Frauen denken, wäre es sinnvoll und hilfreich, sich einen Korkenzieher in den Kopf zu drehen. Frauen wären andersrum sicher erfolgreicher, wenn sie sich die Stimmbänder entfernen lassen würden oder einer Lobotomie unterzögen. Botox für innen wäre sicher auch zweckmäßig und gut für die Nerven von allen Beteiligten.
Die Astrosparte fehlt in der Männerzeitschrift völlig. So ne Scheißzeitschrift kaufe ich nie wieder. Aber jetzt kommt das lustige: Autos fehlen auch völlig. Hättet ihr das gedacht? Das einzige zum Thema Motor ist ein kleiner Artikel über Temposünder. Keine heißen Schlitten, stattdessen Bratwürste im Test, innovative Haushaltsgeräte "2 in 1" eine Reportage über Cowboys und ein Artikel über das Entfernen von grauen Haaren. Ich muß mein Männerbild überarbeiten.
Viele Kategorien können wir getrost überspringen. Was Styling, Mode und Essen angeht, dürfte da nichts drinstehen, was sich deutlich von Frauenzeitschriften unterscheidet. Auch wenn sich hier wahrscheinlich weniger Lippenstift und mehr Penispilatis findet. Mich interessiert heute zuvorderst, was die modebewußten, stylishen jungen Männer von heute über den Faktor X "Frau" lernen. Also, da blättern wir doch mal rein.
Zum Thema "Erotik und Partnerschaft" finden sich nur drei läppische Artikel. In einer Frauenzeitschrift, ich habe mir jetzt mal als Vergleichswert die Cosmopolitan online zu Rate gezogen, sind es allein sechs Artikel zum Thema "Sex und Liebe" und weitere sechs Artikel zum Thema "Kopf und Herz" zu finden. Frauen reden also nicht nur mehr über diese Themen, sie lesen auch mehr. Daß das Thema "Sex" in Männerkreisen so stiefmütterlich behandelt wird, wundert mich allerdings schon ein wenig. Bis heute nahm ich ganz allgemein gesprochen an, daß der genetische Durchschnittsneandertaler diesem Thema eine vordergründige Bedeutung beimißt. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber nach Men`s Health ist die Ausnahme die Regel. Da habe ich wohl wieder was gelernt. Nicht schnell Auto fahren und kaum Sex. Hilfreich! Merken!
Lernen dürfen die Herren zunächst, wo Frauen gerne angefaßt werden. Das ist richtig schick aufgemacht auf einer halben Seite (Wahrscheinlich zum herausreissen und im Geldbeutel aufbewahren). Eine lustige Präsentation, auf der ein lasziv am Fingernagel knabberndes nackertes Mädel von diversen Pfeilen und Symbolen umringt ist, die zeigen, wo und vor allem WAS genau der Mann machen soll.
Ein Joystick für "fest zupacken", eine Katze für "sanft streicheln", eine Geburtstagströte für "leicht pusten", ein Tortenstück für "liebevoll knabbern"und dann noch das alte Bandzeichen von Kiss für "küssen und lecken". Na, jetzt bin ich aber gespannt. Sollte mein nächster Bettgenosse wie zu einem Kindergeburtstag auflaufen um sich Eselsbrücken mit ins Bett zu nehmen, weiß ich ja woher das kommt.
Halt, ich möchte Männer ja verstehen. Morgen geh ich gleich zu Fahnenfleck und kauf ne Tüte Tröten und ne Plüschkatze. Torte ist ja verderblich. Ich hab jetzt auch keine Lust, jede Woche einen Hoffnungskuchen zu kaufen. Vielleicht krieg ich sowas ja aus Gummi mit Quietscher drin im Haustierzubehör. Soll keiner sagen, ich geb mir keine Mühe. Ich könnte mir natürlich auch die Symbole einfach auf den Körper malen. Das isses. Ist auch billiger. Da brauch ich ja nur `n Edding für. Zwei. Einen Roten für "Yeah", und einen Grünen für "Pfoten weg". Das ist gut. Das mach ich. Hilfreich sei die Frau, edel und gut. Was? Rot für "Yeah" könnte verwirrend sein? Neenee, das ist schon wohlüberlegt. Rot - stehen, Grün - gehen.
Kommen wir zum nächsten Artikel. Hier wird den Hoffnungsträgern beigebracht, wie und ob man einem Quickie das bestmögliche Amüsement abgewinnt. Hier lernt der Mann gleich an zweiter Stelle, daß ein Quickie spontan sein muß. Hilfreich. Man soll sich von der Öffentlichkeit abschotten, weil sonst nix mehr geht. Hilfreich. Dann steht da, daß es auf Bahnhofsklos stinkt und stinken abtörnt (vielleicht könnte sich hier die Frau einen grünen Fleck auf die Nase machen wenn sie nicht von alleine grün anläuft. Das wäre hilfreich). Eine Frau mag nicht mehr, wenn sie auf eine vollbeladene Werkbank gehievt wird, weil die Schrauben übel ziepen. Hilfreich.
Wie auch immer, im Grunde wird hier ein wenig hintenrum mit der hochgezogenen Augenbraue Erziehungsarbeit geleistet. Macht es nicht im Aufzug, der ist zu schnell, nicht bei Oma im Nebenzimmer, nehmt euch Zeit, achtet auf Hygiene, macht euch nicht zum Affen vor der Fußgängerzone und haltet euch fern von Flugzeugtoiletten. Aber am Ende versucht sich die Redaktion wieder einzuschleimen, damit der Mann sich jetzt nicht bevormundet fühlt und sagt ihm recht guttural, daß aber auch ein Quickie unter bescheidenen und widrigen Umständen recht annehmbar sein können und daß sie sich nicht die Lust verderben lassen sollen.
Aha, wenn man jetzt also möchte, daß der Mann sich in einer bestimmten Art und Weise verhält, muß man Fakten aufzählen und ihm hinterher wieder die volle Handlungsfreiheit geben. Bloß kein Druck. Klingt plausibel. Ist aber Psychoscheiße, wollten wir hier heute nicht. Trotzdem hilfreich.
Im letzten Erotik- und Partnerschaftartikel bringt Men`s Health den Herren bei, woran die Frau erkennt, daß sie lügen. Männer lügen also? Und zwar in einem Maße, daß sich eine Herrenzeitschrift veranlaßt sieht, zu erklären wie man es besser macht? Das ist interessant. Und hilfreich. Nicht sehr hilfreich sind die Tipps. Die Herren sollen nicht erröten. Supertipp. Gar kein Problem. Dann erröte ich eben heute beim Lügen nicht. Auf das Schwafeln soll der Mann auch verzichten. Klar. Auch hilfreich. Heute mal nicht schwafeln beim lügen. Sehr gut. Auch aufs Fuchteln und Wackeln sollte der Herr dann verzichten. Der einzige Tipp, der tatsächlich bedingt sinnvoll ist, ist der, vom Starren abzusehen. Immer schön in die Augen gucken, immer schön linke Pupille, rechte Pupille. Bloß nicht starren. Selbst wenn sie nicht auf die Idee kommt, daß ihr sie anlügt, wird sie denken, daß ihr sie gleich angreift.
Na. Das war doch alles sehr lehrreich. Ich glaube, ich kann getrost sagen, daß sich mein Männerbild radikal gewandelt hat. Die sind ja gar nicht so wie ich dachte. Oder? Kann ich das wirklich verallgemeinern? Ganz ehrlich. Wenn ich irgendwann einmal dem Frauenbild einer Frauenzeitschrift entspreche, ziehe ich die Lobotomie ernsthaft in Betracht.
Wo gab das nochmal das Botox für innen? Nur für den Notfall. Ach, Möchte jemand die Probe mit der Antifaltencreme?